Gepard (Jagdleopard)

Systematische Einteilung

Der Gepard ist sicherlich eine der faszinierendsten Großkatzen überhaupt. Bei der Jagd erreicht er Geschwindigkeiten von 100-120 Stundenkilometern und ist somit das schnellste an Land lebende Säugetier überhaupt. Diese Spitzenleistung ist auch der Grund dafür, dass die Tiere schon seit Jahrtausenden im Dienste des Menschen stehen. Schon die alten Ägypter setzten abgerichtete Geparde zur Jagd ein, weshalb sie auch den Namen Jagdleopard erhielten. Und der Mogulkaiser Akbar (1556-1605) soll sich an die 1.000 für die Jagd auf Hirsche, Antilopen und Gazellen abgerichtete Geparde gehalten haben. Der Gepard wird zahm wie eine Hauskatze und man kann ihn sorglos unbeaufsichtigt in Haus und Garten herumlaufen lassen. Auf Spaziergängen lässt er sich anstandslos an der Leine führen und Streicheleinheiten beantwortet er mit lautstarkem Schnurren. In Gefangenschaft lässt er sich nur ausgesprochen selten zur Fortpflanzung bringen, was eine ohnehin bedenkliche Verbreitung als Haustier glücklicherweise verhinderte.
Der Gepard ist sicherlich die einzige Großkatze, die zahm werden kann und als Haustier gehalten werden könnte.
Da das Tier aber einen großen Bewegungsraum beansprucht, käme das  jedoch nur auf großen Wildparks o.ä. in Frage.

 

Ordnung Raubtiere (Carnivora)
Familie Katzen (Felidae)
Gattung Geparde (Acinonychinae)
Art Acinonyx jubatus

Ausländische Bezeichnungen
Englisch: Cheetah
Französisch: Guépard

Vorkommen

Bis in jüngster Zeit war der Gepard in ganz Afrika, Vorderasien, Turkmenistan und Indien heimisch. Heute findet man ihn nur noch in den Steppen und Halbwüsten südlich der Sahara. Kleine Restpopulationen gibt es vermutlich noch in Turkmenistan. Im Iran wurden die Tiere kürzlich wiederentdeckt, allerdings nicht in ihrem angestammten Lebensraum, sondern zurückgezogen im Gebirge - im Südwesten des Landes.

Verbreitungsgebiet des Geparden © goruma

Merkmale

Der Gepard zeichnet sich durch einen kleinen, hochgewölbten Kopf, eine kurze, stumpfe Schnauze und kleine, runde Ohren aus. Charakteristisch ist ein schwarzer Strich, der Augen und Mundwinkel miteinander verbindet. Sein Hals ist kurz und gedrungen und sein langer, schlanker Körper ruht auf hohen dünnen Beinen. Sein oberseits gelbes und unterseits weißliches Fell ist durchweg mit schwarzen Tupfen übersät. Der 60-80 cm lange und schlanke Schwanz ist ebenfalls getupft. Seine Körperlänge beträgt 120-150 cm, seine Schulterhöhe 60-80 cm. Er erreicht ein Gewicht von bis zu 65 kg und kann 15 Jahre alt werden.

Lebensweise und Lebensraum

Als "Sichtjäger" bevorzugt der Gepard offene Landschaften wie Steppen, Savannen und Halbwüsten. In dichten Regenwäldern und reinen Wüstengebieten findet man ihn dagegen nie. Anders als alle anderen Wildkatzen führt er kein nächtliches Leben und besetzt auch keine Reviere. Tagsüber sitzt er gerne erhöht und beobachtet seine Umgebung. Er jagt mit Vorliebe in der kühlen Morgendämmerung oder in hellen Vollmondnächten.
Hat er ein Beutetier erspäht, schleicht er sich heran, wobei er einen größeren Abstand hält als andere Raubkatzen. Dank seiner enormen Beschleunigung hat er seine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 120 Stundenkilometern nach wenigen Sekunden erreicht. Dadurch entkommen ihm selbst die flinken Antilopen und Gazellen meist nicht. Die Beute wird mit einem Prankenschlag an die Hinterläufe zu Fall gebracht und anschließend durch einen Kehlbiß erstickt, da ihm die mächtigen Kiefer von Löwen und Tigern fehlen.

Schafft ein Gepard es allerdings nicht, seine Beute innerhalb von 300-500 Metern einzuholen, muss er aufgeben. War die Jagd erfolgreich muss sich ein Gepard erst einmal von der Strapaze erholen und kann sein Mahl nicht selten erst nach einer 20-30 minütigen Pause beginnen. Erwachsene Tiere sind in der Regel Einzelgänger. Manchmal streifen die Männchen eine Weile in kleinen Gruppen umher, wobei sie, anders als Löwen, nicht zu koordinierten Jagden in der Lage sind. 90-95 Tage nach der Paarung bringt die Gepardin 1-6 Junge in einem gut gewählten Versteck unter Dornenbüschen oder zwischen Felsen zur Welt; doch nur selten überleben mehr als zwei. Bei Geburt besitzen sie zwar bereits ein volles Haarkleid, sind aber noch blind und völlig hilflos. Aber schon nach sechs Wochen verlassen sie das Versteck und begleiten die Mutter auf ihren Jagdzügen. Dies ist ungemein wichtig, da sie, wie alle Katzen, ihr Jagdverhalten von der Mutter lernen und in der Regel den Jagdstil der Mutter und ihre Vorliebe für bestimmte Beutetiere übernehmen. Bis zu einem Alter von 2 ½ Monaten besitzen die Jungen eine charakteristische helle Nacken- und Rückenmähne, die sich langsam zurückbildet. Die Versorgung des Nachwuchses für die nächsten zwei Jahre übernimmt die Mutter allein. Dann werden die Jungtiere geschlechtsreif und verlassen die Familie.

Feinde

Der Löwe und der Leopard sind die größten Feinde erwachsener Tiere, sofern diese sie erwischen können. Besonders gefährdet sind die Jungtiere. Denn neben den Löwen und Leoparden, töten auch Hyänen, Hyänenhunde, Schakale und große Raubvögel den Nachwuchs. Aufgrund dieser Vielzahl von Feinden ist der Gepard nirgendwo häufig. Schätzungen zu Folge soll es in der 13.000 km2 großen Serengeti nur ca. 150 Exemplare geben. Nachdem die Mode mit dem Fell dieser Katzen in den vergangenen Jahrzehnten die Tiere fast ausgerottet hatte, steht der Gepard heute offiziell überall unter Schutz. Außerhalb von Schutzgebieten hat das allerdings kaum praktische Bedeutung. In Viehzuchtgebieten wird er immer noch gnadenlos verfolgt und auch sonst wird ihm durch Landwirtschaft und die wachsende Bevölkerung die Lebensgrundlage entzogen.

Besonderheiten

Als einzige Katzenart sind die Krallen des Gepards in Ruhestellung nicht zurückgezogen. Dies stellt eine Anpassung ans extrem schnelle Laufen dar, damit die Tiere während der Jagd auf dem meist harten und trockenen Boden nicht wegrutschen. Dank seiner stark biegsamen Wirbelsäule beteiligen sich beim Rennen mehr Muskel als bei anderen landlebenden Vierbeinern. Dadurch erreicht er seine außerordentlich hohe Geschwindigkeit. Dies hat aber auch einen erhöhten Energieverbrauch zum Nachteil, der ihn seine Höchstgeschwindigkeit nur wenige hundert Meter durchhalten lässt.

Gepardenmensch

Der deutsche Künstler und Fotograf Matto Barfuss (geb.1970) lebte mit einer Geparden-Familie in Tansania zusammen. Seine Aktivitäten begannen im Jahr 1996 und endeten mit Unterbrechungen im Jahr 2002. Es gelang ihm, das Vertrauen der Tiere, besonders der Jungtiere zu erlangen. Sein Zusammenleben ging soweit, dass er während der Jagd des Muttertiers die Aufsicht über die Jungtiere übernahm und sogar ihre "Sprache" lernte. Die ARD (SWR) in Deutschland brachte über ihn eine Dokumentation von der Autorin Ilona Rothin, die am 5. März 2000 das erste Mal ausgestrahlt wurde.
Man findet ihn wie folgt im Internet: