Vietnam: Geschichte

Bis etwa zum Jahr 1200

Es gibt Hinweise für die Besiedlung von Vietnam vor ca. 50.000 Jahren. Im 3. Jh. vor Chr. entwickelt sich die Đông Sơn-Bronzezeitkultur. Relikte sind die beeindruckenden großen Trommeln aus der Zeit.

Im Süden entwickelte sich zwischen dem 1. und 6 Jh. n. Chr. das Reich der Funan. Es war stark von Indien beeinflusst und war in Bezug auf Kunst und Architektur hoch entwickelt. Unter der Herrschaft der Funan wurde ein ausgeklügeltes System von Kanälen zur Bewässerung und als Transportsystem angelegt. Der Hauptort Eco On, das heutige Kien Giang, entwickelte sich zu einem Handelsknotenpunkt. Archäologische Funde geben noch heute Aufschluss über das weit verbreitete Netz. Auch Funde aus China, Indonesien, Indien sowie aus dem Mittelmeerraum wurden gemacht. Gegen Ende des 6.Jh. wurde das Reich jedoch allmählich von den westlichen Nachbarn, den Vorfahren des Ankgor-Reiches im heutigen Kambodscha, eingenommen.

In Zentralvietnam weitete sich das Reich der Champa seit dem 2. Jh. nach Süden aus. Ebenfalls stark unter indischen Einfluss stehend, wurden hier der Hinduismus als Religion und Sanskrit als religiöse Sprache gepflegt. Von Norden drangen in den Jahren 300 n. Chr bis 938 n.Chr die Chinesen in das Delta des roten Flusses vor und versuchten ein zentralistisches System zu errichten. Sie stießen jedoch auf Widerstand seitens der Vietnamesen. Praktische Dinge wie Bewässerungssysteme und Landwirtschaft übernahmen die Vietnamesen jedoch von den Invasoren. So erlaubte der Anbau von Reis ein Anwachsen der Bevölkerung.
Vietnam entwickelte sich zu einer wichtigen Zwischenstation auf der Handelsroute voon China nach Indien.

Im 10. Jh. zerfiel die Tang-Dynastie in China. Die Auflösungserscheinung machten sich die Vietnamesen zu Nutze und vertrieben 938 unter Führung von Ngo Quyen die Chinesen in der Schlacht am Bach Dang Fluss.
Ngo Quyen errichtete ein unabhängiges Vietnam, das jedoch nach seinem Tode der Anarchie anheimfiel.
Zwischen 968 bis 980 herrschte die Dinh Bo Linh-Dynastie, die jedoch noch stark von den Chinesen abhängig war und Tribute zu entrichten hatte. Ihr folgte die frühe Ly-Dynastie, die bis 1009 herrschte.
Im Laufe der folgenden Jahre wurde Vientman immer unabhängiger von China. Ly Thai To begründete die Ly-Dynastie, die von 1010 - 1225 andauerte. Er gründete ferner die erste vietnamesische Universität im Tempel der Literatur in Hanoi.

Ab dem Jahr 1200

Unter der Tran-Dynastie, die von 1225 bis 1499 währte, konnten die Vietnamesen den einfallenden Mongolen trotzen. Im Jahr 1407 gelang es den Chinesen jedoch, wieder die Kontrolle über das Land zu übernehmen. Lei Loi begann ab ca. 1418 das Volk gegen die chinesischen Besatzer zu mobilisieren. Im Aufstand von 1428 gelang es ihm, die Chinesen zu besiegen. Anschließend ernannte er sich selbst zum Herrscher. Nach der Vertreibung versuchten sich die Vietnamesen auch kulturell zu emanzipieren. So wurde die Gelehrtensprache, die bislang Mandarin gewesen war, von der vietnamesischen Sprache abgelöst. Im 17. und 18. Jh. wurde Vietnam im Norden von den Trinh-Lords und im Süden von den Ngyuyen-Lords beherrscht.

Europäische Einflussnahme

Bereits 166 n. Chr. erreichten die ersten Europäer (Römer) Vietnam und erkundeten das Land im Bereich des Deltas des Roten Flusses. Münzfunde gaben darüber Aufschluss. Die Portugiesen (siehe auch Portugal) trafen 1516 in Dangang ein. Ihnen folgten missionierende Dominikaner. Erwähnt sei an dieser Stelle ebenfals, dass es der französische Jesuit (siehe auch Jesuiten) Alexandre de Rhodes (1591 - 1666) wat, der die vietnamesische Schrift in das lateinische Schriftsystem transkribierte. Gegen Ende des 17. Jh. blieben nur noch die Missionare im Land zurück. Den Kaufleuten war das Land nicht lukrativ genug. Die katholische Kirche konnte ihren Einflussbereich in Vietnam relativ weit ausbauen.

1765 fand in der Stadt Tay Son ein Aufstand wegen der herrschenden Misswirtschaft statt, bei der fast die gesamte königliche Familie getötet wurde. Die Kaufleute, welche die Revolte massgeblich angefacht hatten, wurden nach der erfolgreicher Rebellion die neuen Herrscher. Die Ngyuyen-Dynastie dauerte von 1802 bis 1945. Zur selben Zeit, von ca. 1849 bis 1954, bauten die Franzosen (siehe auch Frankreich) ihren Einflussbereich aus. Sie griffen im Jahre 1847 den Hafen von Da Nang an und nahmen 1859 Saigon, die heutige Ho-Chi-Minh-Stadt ein.
In der Schlacht von Ky Hoa schwand die Macht der Vietnamesen endgültig. Die Franzosen legten riesige Gummiplantagen an, die u.a. die französische Firma Michelin mit Rohstoffen versorgten. Daneben errichteten sie eine Infrastruktur wie Bewässerungssysteme, Deiche und die Eisenbahnlinie von Saigon nach Hanoi.
Unter der französischen Besatzung wurden fast 70% der Landbevölkerung landlos, was sicherlich mit zur Gründung der Kommunistischen Partei Vietnams beitrug. Die Partei wurde 1946 von Ho Chi Minh (1890 - 1969), der am 19. Mai 1890 als ist Nguyễn Tất Thành geboren wurde, gegründet.
Die Viet Minh erhielten von den USA im 2. Weltkrieg Waffen und andere Unterstützung im Kampf gegen die Japaner.
Die Viet Minh setzten sich aus nationalistisch und kommunistisch orientierten Gruppen zusammen.
Der politische Führer und einer ihrer Gründer war Ho Chi Minh, die militärische Führung oblag dem Führer der nationalistischen Bewegung Vo Nguyen Giap.
Ho erklärte Vietnam am 2. September 1945 für unabhängig. Es folgten ein Bürgerkrieg in Saigon und die Besetzung des Nordens durch die Chinesen. Daraufhin setzte eine Flucht der Vietnamesen nach Süden ein. Ende 1946 konnten die Franzosen die Macht wieder übernehmen, diesmal mit der Folge des Franco-Vietnamkrieges, der als Indochinakrieg in die Geschichte eingegangen ist.
Die Franzosen hatten bei Dien Bien Phu, wo sie am 7. Mai 1954 nach einer 55 Tage währenden grausamen Schlacht unter Oberst de Castries, eine vernichtende Niederlage erlitten und mussten danach das Land verlassen.
Auf der Friedenskonferenz im Juli 1954 wurde die vorläufige Teilung Vietnams entlang des 17. Breitengrads in einen nördlichen und südlichen Teil beschlossen. Die Viet Minh übernahmen die Kontrolle über den nördlichen Teils, wobei Ho Chi Minh Premierminister des kommunistischen Staates "Demokratische Republik Nordvietnam" wurde.

Der Süden des Landes wurde von dem antikommunistischen Ngo Dinh Diem (1901 - 1963). geführt. Dieser erklärte sich 1955 zum Präsidenten der Republik Vietnam. Die durch das Genfer Abkommen für das Jahr 1956 vorgesehen freien Wahlen ließ er mit Unterstützung der USA aus Angst vor einem Sieg Ho Chi Minhs nicht zu. Dieses führte zur Entstehung der "Nationalen Front für die Befreiung Südvietnams", die von den eingesetzten US-Soldaten als Vietkong (Vietcong) bezeichnet wurde.
Es entstand damit eine Guerillabewegung, die im Vietnamkrieg extrem hartnäckig und erfolgreich kämpfen sollte. Das Regime Diems wurde von einer großen Anzahl von Ländern, wie z.B. den USA oder Neuseeland anerkannt.
Sein tyrannisches, korruptes und von einem starken Nepotismus geprägtes System hielt bis zu seiner Ermordung im Jahr 1963 an.

Im Januar 1975 überschritten die Nordvietnamesen den 17 Breitengrad, am 30. April wurde die Kapitulation Südvietnams im Saigon unterzeichnet. Der Krieg hatte insgesamt ca. 4 Mio. Zivilisten das Leben gekostet. In den darauffolgenden Jahren verließen viele Vietnamesen das Land. Erinnert sei an die "Boat People", deren Bilder um die Welt gingen.
In ihrer Verzweiflung wagten sich unzählige Vietnamesen auf seeuntauglichen, überladenen Booten auf die See, in der Hoffnung irgendwo anders eine bessere Zukunft zu finden.

Vietnamkrieg und die USA

Der Vietnamkrieg fand am Ende des 30 Jahre dauernden Auseinandersetzung (1945 - 1975) um die Unabhängigkeit, auch Indochinakrieg genannt, statt. Der Vietkong kämpfte gegen Südvietnam, das mit den USA, Australien und Neuseeland verbündet war. China und die UdSSR (siehe auch Russland) unterstützten Nordvietnam mit Waffen, nicht jedoch im direkten Kampf. Ab 1970 eskalierte die Auseinandersetzung und die Amerikaner weiteten ihre Kampfzonen auf Kambodscha und Laos aus.
Am 7. August 1964 wurde die Tonking-Resolution von den Amerikanern verabschiedet. Diese hatten zuvor im Golf von Tonking einen Überfall auf US-Kriegsschiffe durch Nordvietnam fingiert. Am 8. März 1965 entsandten die Amerikaner daher die ersten Truppen nach Vietnam. Diese wurden bis 1968 verstärkt.
Die große Anzahl von Opfern, ca. 100 in der Woche und der mäßige Erfolg der Kampfhandlungen, waren zermürbend für die Amerikaner.
Am 30. Januar 1968 starteten die Amerikaner die so genannte Tet-Offensive.
Obwohl die Amerikaner mehr als die Hälfte der Armee des Gegners töteten, wurden sie immer noch nicht Herr der Lage, was dazu führte, dass viele dieses nunmehr für unmöglich hielten. Der Widerstand in der amerikanischen aber auch der europäischen Zivilbevölkerung, die die Gräueltaten des Krieges direkt am Fernseher miterlebte, wurde immer heftiger.
Die Amerikaner ließen die Flugzeuge, die Napalm und auch Gas auf die Zivilbevölkerung abwarfen, von Guam aus starten. Der Vietnamkrieg mobilisierte weltweit eine ganze Generation junger Menschen.
Sie sind als die so genannten 68er in die Geschichte eingegangen und mit lauten Ho Chi Minh-Rufen protestierend durch die Hauptstädte der Welt liefen. Ein besonders grausames Symbol für die menschenverachtende Kriegsführung der Amerikaner - besonders unter dem christlich-konservativen Präsidenten Richard Nixon (1913-1994) - war das Massaker in dem südvietnamesischen Dorf My Lai.
Auf höheren Befehl töteten die US-Soldaten unter dem Befehl des Oberleutnants Calley dort über 500 Zivilisten - meist Frauen und Kinder sowie Greise. Die entfesselte Soldateska tötete die Menschen aber nicht nur, sondern vergewaltigte zahlreiche Frauen vorher und verstümmelte viele auf grauenhafteste Art und Weise.

In diesem Zusammenhang sei aber auch dem damaligen Hubschrauberpiloten Hugh Thomson (1943-2006) gedacht, der eine Reihe von Menschen vor dem Morden seiner Kameraden rettete und sogar den Befehl gab, auf die eigenen Soldaten zu schießen, sofern sie Überlebende weiter angreifen würden.
Nach ihrem Sieg über die USA kämpften die Vietnamesen von 1979 bis 1989 gegen die Khmer Rouge (roten Khmer) in Kambodscha, unter deren Terrorregime unter der Führung Pol Pots (1928 - 1998) mehrere Millionen Menschen ermordet wurden. 1992 wurde ein Friedensvertrag geschlossen und Kambodscha wurde unabhängig.

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