Zoroastrismus

Der Zoroastrismus (auch genannt Zarathustrismus, Mazdaismus oder Parsismus) war die vorherrschende Religion in Persien gewesen, bevor die Araber dem Land den Islam brachten.

Diese monotheistische Religion, die in ihren frühsten Ausprägungen auch den Dualismus beinhaltete, entstand im heutigen Iran etwa zwischen 1800 v. Chr. und 600 v. Chr. Noch immer gibt es zwischen 120.000 und 150.000 Zoroastrier (bzw. Zarathustrier) oder auch Parsen, wie die indischen Anhänger genannt werden.

Zu den bekanntesten Zoroastriern gehörten neben historischen Personen wie den beiden persischen Großkönigen Xerxes I. und Schapur I. (der Große) auch zeitgenössische Persönlichkeiten wie etwa Freddie Mercury (Frontman der Rockband „Queen“) oder der gefeierte Dirigent Zubin Mehta.

 

Iran, Fravahar-Symbol der Zoroastrier © goruma (D.Jesse) Die zoroastrische Lehre

Die zoroastrische Lehre geht auf den Religionsstifter Zoroaster (Zarathustra) zurück, dessen genaue Lebensdaten in der Wissenschaft umstritten sind. Zoroaster entwickelte ein Glaubenssystem, das auf ältere persische Kulte zurückgeht und im Mittelpunkt den Schöpfergott Ahura Mazdā (Ohrmazd) annimmt, der von unsterblichen Heiligen (Amesha Spenta) umgeben ist sowie von seinem bösen Widersacher Angra Mainyu (Ahriman).

Unglücklicherweise hat nur sehr wenig von dem, was Zoroaster geschrieben hat, die Jahrhunderte überlebt. Erhalten geblieben ist aber die in der Avesta bzw. Zendavesta (dem heiligen Buch der Zoroastrier) erhaltene Sammlung von Liedern (Gäthas), die wohl von Zoroaster selber oder aber von seinen Jüngern stammen. Grundidee ist der Dualismus, also die ewige Schlacht zwischen Gut und Böse, zwischen guten Gedanken (Vohu Mano) und schlechten (Ahem Nano).

Diese seien für Tag und Nacht verantwortlich, also Leben und Tod. Beide Gegensätze seien sowohl im höchsten Wesen, dem Ahura Mazdā, als auch in allen lebendenden Dingen enthalten. Ahura Mazdā hat nach zoroastrischem Glauben die Welt und ihre Tugenden geschaffen, während von Angra Mainyu alles Böse kommt. Ihnen folgend stehen sich auch in der irdischen Welt gute (Gläubige) und schlechte Menschen (Ungläubige) gegenüber. Alle Seelen gelangen nach dem Tode der irdischen Hülle an die Činvat-Brücke. Während aber die Seelen der auf den Pfaden der Wahrhaftigkeit (Asha) Wandelnden hernach in das Paradies Garodemäna (Garotman) gelangen, fahren die Seelen der Bösen hinab in die Hölle.

Dies sind die Grundideen des Zoroastrismus, welcher also den Kampf zwischen Gut und Böse annimmt. Dieser währt etwa 12.000 Jahre, wobei am Ende des Kampfes das Reich des Ahura Mazdās steht, in dem durch ein Weltgericht die Bösen bestraft und die Guten belohnt werden. Spätere Zeiten bildeten viele Abspaltungen heraus, die dadurch entstanden sind, dass der feindliche Gegensatz zwischen Ahura Mazdā und Angra Mainyu in einer höheren Einheit aufgelöst wurde. Zu solchen abgespaltenen Gruppierungen gehörten u.a. die Zurvaniten.

 

Einfluss auf andere Religionen

Mit seinem dualistischen Gedanken vom Kampf gegen Gut und Böse sowie von seinen Endzeitvorstellungen her hatte der Zoroastrismus einen großen Einfluss auf zahlreiche andere Religionen dieser Welt. In antiker Zeit waren das etwa der Mithraismus und später dann der Manichäismus.
Auch im Christentum ist der Zoroastrismus, der über die jüdischen Lehren Einfluss nahm, zu erkennen, was insbesondere an den Begriffsparen Himmel/Hölle, Gott/Teufel, Gut/Böse etc. abzulesen ist.

 

Historische Entwicklungslinien

Der Zoroastrismus, der im sassanidischen Reich (vom 3. bis 7. Jahrhundert) zur wichtigsten Religion geworden war, löste sich in seiner bevorzugten Stellung als Folgeerscheinung der arabischen Eroberungen und der Islamisierung des sassanidischen Reiches (nach 636) zunehmend auf.

Dabei ist zu beachten, dass zoroastrische Einflüsse auch für den iranischen (und v.a. schiitischen) Islam erkennbar sind. Ein Beispiel dafür ist das „Frühlingsfest“ Nouruz, das in seiner Geschichte sehr weit in vorislamische Zeit zurückreicht. Mit der Islamisierung mussten die Zoroastrier ins Ausland fliehen.

Die meisten gingen nach Indien und nannten sich bald Parsen, was „Perser“ bedeutet.

Iran, Tempel des Schweigens nahe Yazd © goruma (D.Jesse) Der Zoroastrismus heute

Zwischen 120.000 und 150.000 Zoroastrier soll es heute noch geben, wobei die meisten von ihnen auf dem indischen Subkontinent ihren Glauben ausüben.

Es sind dort etwa 65.000.
Ungefähr 20.000 leben im heutigen Iran, etwa 25.000 in den USA und Kanada sowie ca. 5.000 in Pakistan. Der Rest ist in der Welt zerstreut.

Allgemeinhin existieren in der heutigen Welt – trotz starker Vereinheitlichungsbestrebungen – viele verschiedene Formen des Zoroastrismus, was natürlich auch geografisch bedingt ist.

Die größten Unterschiede sind im Vergleich zwischen iranischem und indischem Zoroastrismus zu beobachten. Letzterer erhielt wegen der hinduistischen Einflüsse einen fast polytheistischen Anstrich und einen wichtigen Bestandteil im Rituellen, während er im Iran sehr auf Innerlichkeit ausgerichtet, ethisch, philosophisch und rational geworden ist. Im Zentrum der dortigen Religion steht der gute und gerechte Gott, dem durch gute taten, gutes Denken und gutes Sprechen gedient wird.

Chak Chak (auch Pir-e Sabz) ist die sicherlich bedeutendste Pilgerstätte des heutigen Zoroastrismus.
Dabei handelt es sich um ein in den Bergen gelegenes iranisches Dorf, etwa 70 Kilometer von Yazd entfernt. Zwischen dem 14. und 18. Juni ziegt die Stätte anlässlich eines jährlichen Festes Tausende von Pilgern an.