Westliche Braunschlange, Gwardar, Pseudonaja nuchalis

Allgemeines

Die Westliche Braunschlange, auch als Gwardar bezeichnet, kommt in fast ganz Australien vor und gilt als eine der giftigsten Giftschlangen weltweit. Sie gehört zur Familie der Giftnattern und zur Gattung der Braunschlangen. Es ist eine Besonderheit dieser Gattung von Schlangen, dass sie meistens gleich mehrfach zubeißen, und das kann durchaus 4-5mal sein. Es gibt neben der Westlichen Braunschlange noch weitere 6 Arten der Braunschlange, es sind dies die:

  • Dugite-Braunschlange (Pseudonaja affinis)
  • Gefleckte Braunschlange (Pseudonaja guttata)
  • Geringelte Braunschlange (Pseudonaja modesta)
  • Halbinsel Braunschlange (Pseudonaja inframacula)
  • Ingrams Braunschlange (Pseudonaja ingrami)
  • Östliche Braunschlange (Pseudonaja textilis)

Alle Arten der Braunschlange leben in Australien und teilweise auf Neuguinea. Da über 70% der Schlangen in Australien und Neuguinea Giftschlangen sind, muss man dort bei der Begegnung mit einer Schlange grundsätzlich erst einmal davon ausgehen, dass die Schlange zu den Giftschlangen gehört.

Systematische Einteilung

Familie Giftnattern (Elapidae)
Gattung Braunschlange, Gwardar (Pseudonaja)
Art Westliche Braunschlange, Gwardar (Pseudonaja nuchalis)

Ausländische Bezeichnungen

  • Englisch: Western brown snake
  • Französisch: Serpent brun occident

Aussehen, Verhalten

Die Westliche Braunschlange erreicht eine maximale Länge von etwa1,50 m. Die Färbung und Muster der Schlange sind stark variabel. Sie ist in der Regel heller gefärbt als ihre nahe Verwandte, die Östliche Braunschlange. Ihr Kopf und Nackenbereich ist oft extrem blass oder auch pechschwarz gefärbt, gefolgt von einer starken Variabilität von Bändern auf dem Körper. Aber die Schlange kann auch einheitlich braun sein - mit irregulären dunklen Schuppen auf der Nackenpartie. Sie besitzt  meist 17 Reihen von Schuppen in der Körpermitte. Ihr Kopf ist nur wenig vom Rumpf abgesetzt und wirkt fast wie eine Verlängerung desselben. Das Tier gilt als extrem schnell. Es liegt gerne in der warmen Sonne und ist je nach Jahreszeit  tag- oder nachtaktiv. Es ernährt sich von kleinen Säugern und Reptilien und Fröschen. Pro Wurf legt das Tier bis zu etwa 25 Eier.

Vorkommen

Die Westliche Braunschlange kommt in den heißeren Gebieten Australiens und dort vor allem in New South Wales, dem North Territorium, Queensland, Süd Australien, Victoria (hier aber nur im Nord-Westen), und in West Australien vor. Sie lebt bevorzugt in sandigem Gebieten oder Geröllgebieten.

Vermeidung eines Bisses

Gebiete, in denen diese Schlange vorkommen kann, sollte nur mit festem und hohem Schuhwerk begangen werden. Eventuell mit einem Stock den Weg vorher vorsichtig abklopfen. Da die Schlange auch nachtaktiv ist, sollte beim Übernachten unbedingt darauf geachtet werden, dass das Tier nicht in die Nähe von Menschen kommen kann. Zelte daher zumachen, Wohnwagen- und Bungalowtüren schließen und nicht im Schlafsack oder Ähnlichem im Freien übernachten. Beim Laufen fest auftreten. Das Tier sollte nicht gereizt und auf keinen Fall sollte im Falle einer Begegnung versucht werden, es zu fangen oder gar zu töten. Bei einer Begegnung auf Abstand bleiben bzw. gehen und sich über die sehr seltene Begegnung erfreuen. Dabei sollte aber nie vergessen werden, dass eine derartige Begegnung potenziell lebensgefährlich werden kann

Art des Giftes

Wie die meisten australischen Giftschlangen besitzt das Gift der Westlichen Braunschlange 3 Giftkomponenten mit unterschiedlicher Menge und Wirkung. Das Gift der Westlichen Braunschlange gilt als gefährlicher als das der Östlichen Braunschlange, so dass nach einem Biss z.B. mehr Antiserum erforderlich ist als bei dieser.

Neurotoxin
 
Die Hauptkomponente des Gifts dieser Schlange ist ein auf die Nerven wirkendes Gift. Es besitzt u.a. eine so genannte Phospholipase A2, die an der so genannten präsynaptischen Membran - der Verbindung zwischen den motorischen Nerven und der Skelettmuskulatur - die Ausschüttung der Transmittersubstanz „Acetylcholin“ vollständig hemmt. Ohne das Acetylcholin aber können keine Signale von den Nerven an die Muskulatur weiter gegeben werden. Die Folge ist eine vollständige Lähmung.

Wirkung auf die Blutgerinnung
 
Die „normale“ Blutgerinnung des Menschen ist ein recht komplexer Vorgang, in dem eine ganze Reihe von Proteinen (Eiweiße), als Gerinnungsfaktoren bezeichnet, aber auch Calcium eine entscheidende Rolle spielen. Das Gift dieser Schlange enthält einen so genannten Prothrombinaktivator. Das ist ein Protein, das die Umwandlung von Prothrombin in Thrombin in Gang setzt bzw. beschleunigt (katalysiert), und zwar mit einer extrem starken Wirkung. Dadurch kommt es zu einem so starken Verbrauch des Prothrombins, dass bald darauf die Blutgerinnung so gestört ist, dass sie kaum noch möglich ist. Die betroffene Person wird so zu sagen zu einem „Bluter“. Diese lebensbedrohliche Situation wird hin und wieder bei Operationen beobachtet.

Myolytische Wirkung
 
Derartige Proteine (Eiweiße) im Schlangengift zerstören das Skelettmuskelgewebe und auch das des Herzens. Verantwortlich dafür sind so genannte Proteasen, die das Muskelgewebe und möglicherweise auch das Muskelgewebe des Herzens regelrecht auflösen. Sie spielen im Gift der Westlichen Braunschlange aber nur eine untergeordnete Rolle.

Anmerkung
 
Nach Veröffentlichung australischer Forscher stellt beim Menschen die Blutgerinnungsstörung die wichtigste Giftwirkung dar, während bei Haustieren, wie Hunden und Katzen, primär eine neurotoxische Wirkung beobachtet wird. Die myolytische Giftwirkung wird sogar als eher geringfügig eingestuft.

Folgen eines Bisses

In Australien werden seriösen Schätzungen zufolge pro Jahr rund 3.000 Menschen von Giftschlangen gebissen, von denen etwa 25% mit einem Antiserum behandelt werden. Dabei hat die Anzahl an tödlich Bissverletzungen über die letzten Jahrzehnte hin stark abgenommen. Derzeit sterben in Australien nur noch etwa 5 Personen pro Jahr an den Folgen von Schlangenbissen. 
Nach dem Biss einer Westlichen Braunschlange ist mit den folgenden Symptomen zu rechnen. Dabei ist aber zu bedenken, dass die Symptome sehr verschieden ausfallen können und oft auch nur ein Teil davon merkbar wird: 
Es kommt an der Bissstelle meist nur zu relativ geringen Veränderungen. Die ersten Symptome sind dann Benommenheit, Übelkeit bis hin zum Erbrechen. Dann gefolgt von Kopfschmerzen, Schweißausbrüchen, einer starken Druckempfindlichkeit der Lymphknoten sowie starken Bauchschmerzen. Bereits nach 10-15 Minuten bis zu einer Stunde nach dem Biss kann es zu schweren Krämpfen und zur Bewusstlosigkeit kommen. Lähmungserscheinungen mit Doppelsehen, einer „schweren Zunge“, Sprachproblemen, einem starren Blick, Ptosis (Herabhängen der Augenlider) bis hin zu zur völligen Lähmung der Muskulatur mit einem Atemstillstand können auftreten. 
Auf Grund der Störung der Blutgerinnung kann es zu unstillbaren Blutungen kommen - bereits an den kleinsten äußeren Wunden, aber auch innere Blutungen kommen vor. Diese äußern sich in Form von blutigem Erbrechen und Blut im Urin oder Stuhl. Auf Grund von Blutungen ins Gehirn kann es zu hirnorganischen Ausfällen kommen. 
Die myolytischen bzw. myotoxischen Wirkungen des Schlangengifts äußern sich in einem allgemeinen Muskelschmerz bis hin zu einer extremen Muskelschwäche. Ein braunschwarzer Urin tritt auf und es kann zu einem Nierenversagen kommen. Australische Ärzte berichten jedoch, wie bereits erwähnt, dass derartige Giftwirkungen eher selten auftreten

Gegenserum (Antiserum)

Da in Australien das Schlangengift durch Entnahme einer kleinen Probe im Gebiet der Bissstelle mit Hilfe eines Kits (Venom Detection Kit) bestimmt werden kann, sollte die Umgebung der Bissstelle nicht desinfiziert, abgewaschen oder sonst irgendwie an ihr manipuliert werden. In Australien kann man davon ausgehen, relativ schnell versorgt und in den Genuss des entsprechenden Gegengifts (Antiserum) zu gelangen. Es gibt ein speziell gegen das Gift dieser Schlange entwickeltes, also ein monovalentes Antiserum: CSL Ltd. brown snake antivenom. Daneben gibt es aber auch ein polxvalente Antiserum.

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Übersichtlichkeit halber hier nochmals erklärt:

  • unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • die Schlange identifizieren, und wenn möglich, töten und das Tier mit zu dem behandelnden Arzt nehmen
  • darauf achten, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen, wie Lähmungen, Übelkeit, Erbrechen oder auch eine Augenstarre
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser und nicht als Alkohol oder Kaffee
  • das Aussaugen oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen
  • das Ausschneiden der Bisswunde verschlimmert möglicherweise die Giftwirkung bei den zu erwartenden Gerinnungsstörungen, da es zu unkontrollierten Blutungen kommen kann
  • Bei einem Atemstillstand ist unbedingt eine Mund- zu Mundbeatmung durchführen
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt
  • sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden

Achtung
Das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes ist nach einem Biss dieser Schlange unbedingt anzuraten, da es kaum zu lokalen Reaktionen - wie z.B. bei Klapperschlangenbissen - kommt. Man kann damit die Giftwirkung eine ganze Zeit hinauszögern.

Prognose

Bei der Injektion einer größeren Menge Gifts besteht akute Lebensgefahr und es sollte sofort professionelle Hilfe angefordert werden. Ohne Hilfe ist bei einem Vollbiss mit dem Tod zu rechnen. Sofern der Biss überlebt wurde, ist in der Regel nicht mit bleibenden Schäden zu rechnen.

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit der folgenden sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen:

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Tel.: 0043 - 4275 - 23165
Mobil: 0043 - 676 - 734 4 270

Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter folgender Webadresse:
www.reptilienzoonockalm.at

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Kompetente Giftnotruf-Zentralen - die auch im Fall von Schlangenbissen im Ausland - 24-stündig erreichbar sind, finden Sie unter:

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland

Giftnotruf-Zentralen in Österreich und der Schweiz

Buchempfehlung

Ein sehr informatives und hervorragend bebildertes Buch zu den Gift- und Beißtieren in Australien stammt von der in Sydney lebenden Deutschen Barbara Barkhausen:

Gefährliches Australien
Barbara Barkhausen
Mana-Verlag-Berlin

Das Buch wurde von uns rezenziert. Sie finden die Rezension und weitere Informationen zu dem Buch unter "