Im März 2026 hat die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder eine Studie vorgelegt, nach der 22,97 Prozent des deutschen Online-Glücksspielmarktes auf nicht lizenzierte Anbieter entfallen. Ab Mai desselben Jahres müssen Internetprovider erstmals DNS-Sperren für illegale Glücksspielseiten umsetzen. Die Behörde meldet damit den Erfolg ihres Regulierungsmodells und greift zugleich zu einem neuen Vollzugsinstrument. Beide Vorgänge fallen in dasselbe Quartal, in dem auch der Europäische Gerichtshof seine Linie zum deutschen Glücksspielverbot bestätigt.
14,4 Milliarden Euro und der Streit um die Schwarzmarktquote
Der legale deutsche Glücksspielmarkt erzielte im Jahr 2024 einen Bruttospielertrag von 14,4 Milliarden Euro, ein Plus von rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. So weist es der Tätigkeitsbericht der GGL vom Juni 2025 aus. Auf den Bereich, den die Behörde direkt reguliert, entfallen davon etwa vier Milliarden Euro. Über die tatsächliche Größe des Schwarzmarkts streiten Behörde und Industrie seit Jahren.
Die im März 2026 vom Hamburger Blockchain Research Lab vorgelegte Studie kommt auf eine Kanalisierungsquote von 77,03 Prozent. Die illegalen Bruttospielerträge beziffert sie für 2024 auf 547 Millionen Euro. Der Deutsche Online Casinoverband sieht die Methodik kritisch. Vizepräsident Simon Priglinger-Simader argumentiert, eine Befragung von 2.000 Personen sei nicht repräsentativ und Spieler gäben kaum bereitwillig zu, auf nicht lizenzierten Plattformen aktiv zu sein. Branchennahe Schätzungen liegen beim doppelten Wert.
Whitelist, drei Lizenztypen und die Vergleichsverzeichnisse
Wer in Deutschland legal online spielen möchte, findet auf der Whitelist der GGL alle Betreiber mit gültiger Erlaubnis. Drei Lizenztypen werden vergeben, für virtuelle Automatenspiele, für Online-Poker und für Sportwetten. In der Praxis ist die Lizenzfrage für Verbraucher nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Kuratierte Vergleichsverzeichnisse, die ausschließlich nach deutscher Lizenz filtern und Auszahlungsquoten sowie Bonusbedingungen prüfen, gewinnen daher an Bedeutung.
Wer gute Gewinnchancen bei von Casino.org ausgewählten Casinos sucht, trifft bei derartigen transparenten Vergleichsportalen eine Vorauswahl, die zumindest die formale Legalität der Anbieter sicherstellt. Den direkten Abgleich mit der amtlichen Whitelist ersetzt das nicht. Stand Frühjahr 2026 führen 13 Betreiber eine Slot-Lizenz, 14 eine Sportwetten-Lizenz und fünf eine Online-Poker-Konzession; sämtliche sind in Malta registriert. Klassische Tischspiele wie Roulette oder Blackjack sind über die GGL bundesweit nicht zulässig, sie bleiben einer Sonderregelung Schleswig-Holsteins vorbehalten.
Die Auszahlungsquoten lizenzierter Plattformen liegen nach Branchenangaben zwischen 92 und 93 Prozent, also unter dem internationalen Mittel von etwa 95 Prozent. Verantwortlich sind die Umsatzsteuer auf Spieleinsätze, das Einsatzlimit von einem Euro pro Spin und die Fünf-Sekunden-Pause zwischen Runden.
Telekom, Vodafone und die DNS-Sperrliste der GGL
Bislang konnte die GGL nur direkt gegen die Betreiber illegaler Glücksspielseiten vorgehen. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig stellte im März 2025 fest, dass für Sperranordnungen gegen Access-Provider in der Fassung des Glücksspielstaatsvertrags von 2021 keine Rechtsgrundlage besteht. Die Länder reagierten mit dem Zweiten Glücksspieländerungsstaatsvertrag. Der Entwurf wurde im Sommer 2025 bei der EU-Kommission notifiziert, Brüssel erhob keine Einwände.
Ab Mai 2026 müssen Provider wie Telekom, Vodafone und 1&1 Domains von der Sperrliste der GGL per DNS-Eintrag auf eine Hinweisseite der Behörde umleiten. Auch Domain-Registrare können künftig zu Sperranordnungen verpflichtet werden. Technisch ist die Umsetzung vergleichsweise einfach, ihre Wirksamkeit aber begrenzt. In der Schweiz, die seit 2019 ein ähnliches System betreibt, stehen 2.300 Domains auf der Sperrliste der interkantonalen Geldspielaufsicht. Eine Recherche des Schweizer Rundfunks aus dem Juli 2025 zeigte, dass viele gesperrte Anbieter über VPN-Dienste oder alternative DNS-Server weiter erreichbar bleiben. Vertreter von FDP, Linken und Grünen warnten in der parlamentarischen Debatte davor, die Sperrarchitektur könne später auch auf andere Inhalte ausgeweitet werden.
367.000 Spielersperren und die Markers of Harm
Neben der neuen Vollzugsmaßnahme arbeitet das deutsche System mit zwei zentralen Instrumenten zum Spielerschutz. OASIS, die beim Regierungspräsidium Darmstadt geführte Sperrdatei, umfasst Anfang 2026 rund 367.000 aktive Spielersperren. Im Januar 2019 waren es 54.867. Die Datei wird monatlich mit über 400 Millionen Abfragen kontaktiert. Selbstsperren laufen mindestens drei Monate, Fremdsperren mindestens ein Jahr, ein Panik-Button auf jeder lizenzierten Plattform sperrt für 24 Stunden.
LUGAS, das Länderübergreifende Glücksspielaufsichtssystem, überwacht das anbieterübergreifende Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat in Echtzeit. Ergänzend gelten seit 2023 die von der GGL definierten Markers of Harm, eine Reihe quantifizierbarer Indikatoren für problematisches Spielverhalten. Das Verwaltungsgericht Mainz bestätigte 2024 deren rechtliche Zulässigkeit. Im Dezember 2025 trafen sich der Bundesbeauftragte für Sucht- und Drogenfragen Hendrik Streeck und GGL-Vorstand Ronald Benter erstmals offiziell, um den Austausch zwischen Drogenpolitik und Glücksspielregulierung zu vertiefen.
Tipico-Lizenz aus S-H und das EuGH-Urteil vom April 2026
Eine Sonderrolle spielt seit September 2024 Schleswig-Holstein. Am 18. September 2024 erteilte das Innenministerium des Landes erstmals private Erlaubnisse für klassische Online-Casinospiele, also Roulette, Blackjack und Baccarat. Empfänger waren BluBet Operations, Cashpoint, Skill On Net und Tipico Karlsruhe. Die Erlaubnisse haben eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren. Damit sind Live-Casino-Inhalte im deutschen Lizenzrahmen erstmals abseits der staatlichen Spielbanken zugänglich. Auf europäischer Ebene fiel am 16. April 2026 das Urteil des Europäischen Gerichtshofs in der Rechtssache C-440/23.
Das Gericht stellte klar, dass das Unionsrecht Deutschland nicht daran hindert, Online-Casinospiele und virtuelle Automatenspiele zu untersagen, sofern dies dem Spielerschutz dient. Anlass war der Fall eines deutschen Spielers, der bei zwei maltesischen Anbietern Verluste erlitten hatte. Die praktische Folge ist, dass Spielerverluste bei nicht in Deutschland lizenzierten Anbietern weiterhin rückforderbar bleiben. Mehrere deutsche Gerichte hatten in dieser Frage bereits zugunsten der Spieler entschieden, das Luxemburger Urteil verstärkt diese Linie.
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