Stülpnasenotter, Vipera latastei

Allgemeines

Die Stülpnasenotter (Vipera latastei) - auch als Vipera latasti bezeichnet - gilt als eine weniger giftige Schlange. Ihre Giftigkeit ist etwa mit der einer Kreuzotter oder der Aspisviper vergleichbar.
Sie kommt in Spanien und Portugal vor. Weiterhin in Nord- Marokko, dem nördlichen Algerien und dem nordwestlichen Tunesien. Von der Schlange gibt es die beiden folgenden Unterarten:
- Vipera latastei Latastei
- Vipera latastei gaditana

Systematische Einteilung

Familie Vipern (Viperidae)
Gattung echte Ottern (Vipera)
Art Stülpnasenotter (Vipera latastei)

Ausländische Bezeichnungen

  • Englisch: Lataste´s Viper
  • Französisch: Vipère de Lataste
  • Italienisch: Vipera de Lataste

Aussehen, Verhalten

Die Länge dieser Schlangenart beträgt 60-80 cm. Ihre Färbung ist grau mit einem bräunlichen Zick-Zackmuster auf dem Rücken. Ihre Nase endet in einer hornartigen Ausstülpung, woher auch ihr Name stammt.
Die Schlange bildet bezüglich ihrer Nase sozusagen ein Mittelding zwischen der aufgeworfenen Schnauze der Aspisviper und dem deutlich und auffällig ausgebildeten Horn der Sandviper.
Das Verhalten der Stülpnasenotter lässt sich, ebenso wie das der Aspisviper, als wenig aggressiv beschreiben. Ein Biss ist daher für den Menschen nur als Verteidigung bei zu dichter Annäherung zu erwarten.
Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Distanz auf der diese Schlange zustoßen kann, etwa die Hälfte ihrer Größe beträgt. So kann man davon ausgehen, dass bereits einer Entfernung von mehr als 1 m keine Gefahr besteht, gebissen zu werden.
Diese Schlangenart bringt 2-10 lebend geborene Junge zur Welt. Sie ernährt sich von Kleinsäugern und Echsen. Je nach Jahreszeit und Region kann sie tag-, dämmerungs- oder nachtaktiv sein.

Vorkommen

Wie erwähnt, kommt sie in folgenden Ländern vor:

Spanien
Portugal
Nord-Marokko 
Nord-Algerien
Nordwest-Tunesien

Die Unterart Vipera latastei latastei  hält sich besonders an trockenen und bewaldeten Felshängen auf, weiterhin in Geröllhalden, Olivenhainen oder Weinbergen, während die südliche Unterart Vipera latastei gaditana auch flachere, weniger strukturierte Habitate mag und teilweise auch direkt an der Küste in Sanddünen lebt.

 

Vermeidung eines Bisses

Die Gebiete, in denen diese Schlange vorkommen kann, sollten mit festem und hohem Schuhwerk begangen werden. Beim Klettern nicht in Felsspalten u.ä. fassen. Beim Suchen von Pilzen und Beeren oder beim Pflücken von Zweigen, Früchten oder Blüten nicht ohne besondere Vorsicht in Gebüsche, Sträucher o.ä. greifen. Eventuell mit einem Stock diese vorher vorsichtig abklopfen. Beim Laufen ist fest aufzutreten. Das Tier sollte nicht gereizt und auf keinen Fall sollte im Falle einer Begegnung versucht werden, es zu fangen oder gar zu töten. Bei einer Begegnung auf Abstand bleiben bzw. gehen und sich über die sehr seltene Begegnung erfreuen.

Art des Giftes

Bei dem Gift der Stülpnasenotter handelt es sich um ein Gift mit einer hämorrhagischen Blutungsneigung) und cytotoxischen (gewebezerstörend)  Wirkung. Auch ein geringer Anteil, der neurotoxisch wirkt, ist  je nach Verbreitungsgebiet vorhanden. Ihr Gift ist etwas gefährlicher als das einer Kreuzotter oder Aspisviper, aber in der Regel nicht lebensbedrohend.

Folgen eines Bisses

Das Gift der Stülpnasenotter gilt als nicht allzu giftig und ist in seiner Wirkung mit dem der Kreuzotter oder Aspisviper zu vergleichen. Das soll aber nicht heißen, dass es nicht zu dramatischen Folgen kommen kann. Auf jeden Fall sollte nach einem Biss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Jede körperliche Anstrengung nach einem Biss ist unbedingt zu vermeiden. Am Besten legt man sich auf den Boden und wartet auf Hilfe. Ein Arzt sollte auf keinen Fall selber zu Fuß aufgesucht werden. Es kommt daher ein Transport per Kfz, oder bei schwereren Vergiftungserscheinungen, sogar mit einem Hubschrauber in Frage.

Es sei darauf hingewiesen, dass es sinnvoll ist abzuwarten ob es sich bei dem Biss um einen Vollbiss oder einen Verteidigungsbiss gehandelt hat. Bei einem Verteidigungsbiss muss nicht zwangsläufig auch Gift injiziert worden sein. Beim Jagdbiss dagegen ist damit zu rechen, dass eine größere Menge Gift injiziert wurde. Ob Gift injiziert wurde, zeigt sich relativ schnell an der Symptomatik an der Bissstelle. So schwillt z.B. ein gebissener Arm in der Umgebung der Bissstelle an und die Schwellung wandert allmählich den Arm entlang in Richtung Schulter. Dasselbe gilt für den Giftbiss an einem Bein. Aber auch ein Giftbiss am Körperstamm hat Schwellungen und Ödeme zur Folge. Außerdem kann sich die Umgebung der Bissstelle blau-rot. verfärben. Bei allen europäischen Giftschlangen lassen sich im Prinzip die 3 folgenden Vergiftungsstufen beobachten. Welche Art der Vergiftung im Einzelfall auftritt hängt von zahlreichen Faktoren ab, so u.a. dem Alter des Gebissenen (Kind), dem Allgemeinzustand und natürlich davon, wohin die Schlange gebissen hat und in welchem Zustand sie sich befand:

  • Leichtere Vergiftung: in der Umgebung der Bissstelle Schwellungen, evtl. kleineres Ödem, Übelkeit meist mit Erbrechen, eine erhöhte Herzfrequenz (Herzklopfen)
  • Mittelschwere Vergiftung: die Schwellung breitet sich aus, Ödembildung, Entzündung der Lymphbahnen mit Verknotung und Rötung (Lymphangitis), Erbrechen, Durchfall, krampfartige Schmerzen im Bauchbereich, starke Blässe sowie ein erniedrigter Blutdruck
  • Schwere Vergiftung: starke, sich über die gebissene Extremität hinweg ausbreitende Schwellungen, wiederholtes Auftreten von (Kreislauf)Schockzuständen, bläuliche Hautverfärbung, Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusslosigkeit, evtl. Koma.

Schwere Vergiftungserscheinugen sind beim Biss der Stülpnasenotter in etwa genau so häufig zu erwarten wie nach einem Biss der Kreuzotter bzw. Aspisviper, wo es in ca. 10 bis 15% aller Fälle (davon über 50% Kinder) zu der schweren Form einer Vergiftung kommt. Neben (Klein)Kindern sind vor allem ältere oder gesundheitlich vorgeschädigte Menschen von schwereren Formen einer Vergiftung betroffen.

Gegenserum (Antiserum)

Es gibt ein polyvalentes Gegenserum.
Die Gabe eines Antiserums ist aber stets mit der Gefahr einer allergischen Reaktion bis hin zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock verbunden. Daher ist dessen Anwendung stets im Einzelfall genau abzuwägen und sollte nur durch einen erfahrenen Arzt erfolgen. Bei allen europäischen Giftschlangen gilt dabei die Regel, dass ein Antiserum nur in schweren Vergiftungsfällen mit den entsprechenden Symptomen angewendet werden soll. In der Regel reicht eine symptomatische Therapie - evtl. verbunden mit einer Intensivüberwachung- und betreung - aus!

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Übersichtlichkeit halber hier nochmals erklärt:

  • Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden
  • die Schlange identifizieren
  • darauf achten, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen, z.B. an der Bissstelle
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser oder Säften und nicht als Alkohol oder Kaffee
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt
  • das Aussaugen oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen
  • das Ausschneiden der Bisswunde verschlimmert möglicherweise die Giftwirkung, da es z.B. bei Gerinnungsstörungen zu unkontrollierten Blutungen kommen kann
  • auch das Kühlen mit Eis hat sich als wirkungslos und teilweise sogar schädlich erwiesen. Durch starkes Kühlen können sich bildende Gewebsnekrosen verstärkt werden und es kann zu Durchblutungsstörungen kommen

Das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes ist nach einem Biss dieser Schlange nicht empfehlenswert.

Prognose

Der Verlauf einer Vergiftung nach dem Biss dieser Schlangenart ähnelt dem bei der Kreuzotter bzw. Aspisviper.
In der Regel endet ein Biss der Stülpnasenotter relativ glimpflich und vor allem meist nicht tödlich. Spätfolgen sind nicht zu erwarten. Bei Kindern, körperlich Geschwächten oder älteren Menschen oder bestimmten Erkrankungen, können jedoch Komplikationen auftreten. 
Ein allergischer Schock auf Grund des als Gift injizierten Eiweißes allerdings kann zu dramatischen Folgen führen und muss unbedingt ärztlich behandelt werden. Dabei ist die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks eher durch die sehr viel größere Menge des Gegenserums als durch das Gift selber zu erwarten.

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit einer sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen. Hier wurden auch die obigen Abbildungen erstellt.

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Tel.: 0043 - 4275 - 23165
Mobil: 0043 - 676 - 734 4 270

Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Kompetente Giftnotruf-Zentralen - die auch im Fall von Schlangenbissen im Ausland - 24-stündig erreichbar sind, finden Sie unter: