Palästinaviper, Daboia palaestinae

Allgemeines

Die Palästinaviper (Daboia palaestinae) kommt in Israel, Palästina, Jordanien und Syrien vor. Von der Gattung Daboia existieren folgende Arten, die alle über keine Unterarten verfügen.

- Saharaotter (Daboia deserti)
Vorkommen: Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen
- Atlasotter (Daboia mauritanica)
Vorkommen: Marokko Nord-Mali, Algerien, Tunesien
- Palästinaviper (Daboia palaestinae)
Vorkommen: Syrien, Libanon, Israel, Jordanien, Palästina
- Kettenviper Daboia russelli
Vorkommen: Bangladesch, Indien, Nepal, Pakistan, Sri Lanka, Süd-östliches China
- Östliche Kettenviper (Daboia siamesis)
Vorkommen: Myanmar,China (Kwantung), Kambodscha, Thailand, Taiwan

Systematische Einteilung

FamilieVipern (Viperidae)
UnterfamilieEchte Vipern (Viperinae)
GattungOrientalische Viper (Daboia)
ArtPalästinaviper (Daboia palaestinae)

 Ausländische Bezeichnungen:

  • Englisch: Palestine Viper
  • Französisch:

Aussehen, Verhalten

Die Palästinaviper erreicht eine Länge bis zu maximal 130 cm und ist damit relativ groß. Ihr Körperbau ist recht kräftig. 
Die Grundfärbung der Schlange reicht von grau, hellgrau, ockerfarben bis zu gelblich. Sie besitzt eine auffällige Rückenzeichnung, die meist aus einem dunklen, teilweise weiß und/oder schwarz eingefassten Wellenband besteht. Auffällige Flecken unbestimmter Form, die teilweise mit dem Rückenband verbunden sein können, zieren die Seiten. Es besteht eine sehr auffällige dunkle Kopfzeichnung, die auf der Oberseite aus einem auffälligen Pfeil und seitlich vom Auge wagerecht und senkrecht fortlaufenden Seitenflecken sowie einer dunkel gefärbten Schnauze besteht.
Der dreieckige Kopf setzt sich deutlich vom Rest des Körpers ab. Die Augen haben vertikale Pupillen. 
Die Schlange ernährt sich von Echsen, Kleinsäugern und gelegentlich auch von Vögeln. Zur Fortpflanzung legt sie 15-30 Eier, aus denen nach einer relativ kurzen Inkubationszeit von ca. 40 Tagen die Jungen schlüpfen.
Das Tier ist je nach Jahreszeit tag-, dämmerungs- nachtaktiv.

Vorkommen

Die Palästinaviper  kommt in den folgenden Ländern vor:
Israel
Jordanien
Libanon
Palästina
Syrien 

Diese Schlange kommt zwar im Grenzgebiet von Syrien zur Türkei vor, sie wurde aber in der Türkei (bisher) nicht gefunden.
Sie bewohnt Wüsten und Halbwüsten, also aride bzw. semi-aride Regionen, dringt jedoch als Kulturfolger in Plantagen und in die Nähe menschlicher Ansiedlungen vor.

Vermeidung eines Bisses

Gebiete, in denen diese Schlange vorkommen kann, sollte nur mit festem und hohem Schuhwerk begangen werden. Das Tier sollte nicht gereizt und auf keinen Fall sollte im Falle einer Begegnung versucht werden, es zu fangen, zu ärgern oder gar zu töten. Bei einer Begegnung auf Abstand bleiben bzw. sich vorsichtig rückwärts gehend entfernen.
Das Schlafen im Freien, z.B. einem Schlafsack, kann nur als Leichtsinn angesehen werden. Es sollte dabei mindestens ein Zelt sollte benutzt werden, und zwar so, dass keine Tiere und damit auch keine Schlangen herein können. Beim Übernachten in Hütten, Wohnmobilen u.ä. stets die Türen geschlossen halten.
Bambushütten bieten jedoch kaum einen ausreichenden Schutz gegen das Eindringen dieser und anderer Schlangen

Art des Giftes

Das Gift beinhaltet besonders die Blutgerinnung beeinflussende (hämotoxisch) Anteile sowie die Blutzellen und die Blutgefäße schädigende Anteile (hämorrhagisch) und das Gewebe zerstörende Anteile (Proteasen). Neurotoxine sind dagegen kaum vorhanden.
Die LD 50  des Giftes beträgt bei intravenöser Gabe zwischen 0,08 und 0,3 Mikrogramm pro Gramm Maus.
Unter der LD 50  versteht man die Menge an Gift, bei der 50% der Versuchstiere verstorben sind.
Da die LD 50 pro Gramm angegeben wird, muss die tödliche Menge natürlich noch mit dem Gewicht der Maus multipliziert werden.
Beim Menschen sind Giftmengen zwischen 40 und 70 mg tödlich.
Bei einem durchschnittlichen Biss gibt die Kettenviper eine tödliche Menge von etwa 70 mg Gift ab, es wurden aber auch 150 bis 250 mg Gift pro Biss festgestellt - das ist der Gesamtinhalt ihrer Giftdrüsen.

Folgen eines Bisses

Die Symptome nach einem Vollbiss dieser Schlange sind ein sofortiger starker Schmerz, starke Schwellungen, Ödeme und später Nekrosen in der Bissumgebung. Der Kreislauf kann mit einem Blutdruckabfall (Hypotonie) bis hin zu einem Kreislaufkollaps mit einer (kurzen) Bewusstlosigkeit reagieren. 
Die Blutschädigung zeigt sich in einer starken Verminderung der Blutgerinnung bis hin zur Verbrauchskoagulopatie, also dem völligen Zusammenbrechen der Blutgerinnung. Dabei kann es zu Einblutungen in die Haut, den Magen-Darmtrakt oder das Gehirn kommen.
Weiterhin kann es zu Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinstrübungen kommen.

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Bequemlichkeit halber hier nochmals abgedruckt:

  • unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt.
  • sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden
  • die Schlange möglichst eindeutig identifizieren
  •  von der Gabe von Speisen jeglicher Art ist wegen der Gefahr von Erbrechen mit der Gefahr einer anschließenden gefährlichen Aspiration ist dringend abzuraten.
    Aber Wasser oder Tee - jedoch keine kohlensäurehaltigen oder alkoholische Getränke - können sinnvoll sein, um einer gefährliche Dehydrierung (Flüssigkeitsverlust) beim Erbrechen mit möglichen Kreislaufproblemen vorzubeugen.
    Sollte die gebissene Person in ärztlicher Behandlung an einem Tropf  "hängen" erübrigt sich natürlich, die Frage, ob es sinnvoll ist, zu trinken oder nicht.
  • sollten Atembeschwerden auftreten, kann das Leben über viele Stunden mittels einer Mund-zu-Mundbeatmung erhalten bzw. verlängert werden.
  • das Aussaugen Ausschneiden oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen

Neben diesen allgemeinen Maßnahmen ist bei einem Biss der Schlange vom Anlegen eines Immobilisierungs -Druckverbandes abzuraten.

Gegenserum (Antiserum)

Es gibt  in Israel ein monovalentes Antiserum. Außerdem gibt es diverse polyvalente Antiseren. Die Gabe eines Antiserums ist aber stets mit der Gefahr einer allergischen Reaktion bis hin zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock verbunden. Daher ist dessen Anwendung stets im Einzelfall genau abzuwägen und sollte nur durch einen erfahrenen Arzt in einem entsprechenden Zentrum erfolgen. Bei der Injektion dieses Schlangengifts ist die Gabe eines Antiserums in ausreichender Menge allerdings angebracht, obwohl eine Wirksamkeit gegenüber dem gewebezerstörenden Gift nur bei sehr früher Gabe zu erwarten ist.

Prognose

Ohne Behandlung ist mit einem tödlichen Ausgang zu rechnen.
Sofern man den Biss überlebt hat, ist aufgrund der Nekrosen aber mit bleibenden Schäden oder Folgeschäden an der gebissenen Extremität zu rechnen, die oft einer späteren Behandlung bedürfen

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit der folgenden sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen.
Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen. Die Schlangenfarm liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Mobil: 0043 - (0)676 - 37 47 807

Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter folgender Webadresse:
www.reptilienzoonockalm.at

Giftnotruf in Deutschland, Österreich und der Schweiz

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