Küstentaipan, Oxyuranus scutellatus scutellatus

Allgemeines

Die nur in Australien vorkommenden Taipane gehören zur Familie der Elapidae (Giftnattern). Es gibt in Australien und Neuguinea 3 Arten der Taipane und zwar den Inlandtaipan (Oxyuranus microlepidotus), den Oxyuranus scutellatus  (Östlicher Taipan) - mit den zwei Unterarten Oxyuranus scutellatus scutellatus (Küstentaipan) und Oxyuranus scutellatus canni (Neuguinea Taipan) -  sowie seit dem Jahr 2006 den Oxyuranus temporalis, für den noch kein deutsche Name existiert.
Taipane gelten als die giftigsten Landschlangen weltweit. Der Küstentaipan  ist mit ca 3 m Länge die längste Giftschlange in Australien - und nur unwesentlich länger als der Inlandtaipan. Auf Grund der hervorragenden Infrastruktur Australiens kommt es trotz vieler Bissunfälle insgesamt nur zu einer Handvoll von Todesfällen.

Systematische Einteilung

FamilieGiftnattern (Elapidae)
GattungTaipane (Oxyuranus)
ArtOxyuranus scutellatus
UnterartKüstentaipan (Oxyuranus scutellatus scutellatus)

 Ausländische Bezeichnungen

  • Englisch: Caostal Taipan
  • Französisch:

Aussehen, Verhalten

Die Rückenpartie dieser Schlange besitzt meist eine braune bis zu einer schwarzen Farbe. Die Unterseite der Schlange sowie die Seiten des Kopfes sind eher hellbeige gefärbt. Die Länge der Schlange variiert zwischen 2,2 bis 3 m, wobei selten Exemplare von sogar über 3 m gefunden wurden. Dieser Taipan ist damit die ländste australische Giftschlange. Der Kopf des Tieres hebt sich nur wenig vom Rest des Körpers ab. Der Küsten-Taipan ist, neben seinem sehr starken Gift, auch deshalb so außerordentlich gefährlich, da er als extrem schnell, sehr stark und außerordentlich wehrhaft gilt. Das Tier ist vorwiegend tagaktiv und legt zur Fortpflanzung bis zu ca. 20 Eier, die beim Schlüpfen bereits um die 60 cm lang  und sehr nervös sind. Die Schlange ernährt sich von Kleinsäugern, Echsen und Vögeln.
Das Tier gilt als eher scheu und versucht in der Regel zu flüchten. Ist ihm dies jedoch nicht möglich, verteidigt es sich mit einer Vehemenz, die man bei den meisten Schlangen in diesem Ausmaß nicht kennt.

 

Vorkommen

Der Küstentaipan kommt in den Küstenregionen von Nord- und Nordostaustralien vor:

Queenslands
New South Wales
Northern Territory

 
Außerdem  im südlichen Teil von Papua Neuguinea und in einem kleinen Teil von Indonesien.
 
Die Schlange lebt in lichten Wäldern, in Gras bewachsenen Dünen oder in an den Küsten des Landes gelegenen Weideflächen. Aber auch in bestimmten kultivierten feuchten Gebieten, wie z.B. Zuckerrohrfeldern, ist die Schlange zu finden.

Vermeidung eines Bisses

Gebiete, in denen diese Schlange vorkommen kann, sollte nur mit festem und hohem Schuhwerk begangen werden, obwohl das einen nur begrenzten Schutz bietet -  nicht zuletzt deswegen, da das Tier über bis zu 13 mm lange Giftzähne verfügt. Das Tier sollte nicht gereizt und auf keinen Fall sollte im Falle einer Begegnung versucht werden, es zu fangen oder gar zu töten. Bei einer Begegnung auf Abstand bleiben bzw. sich sehr vorsichtig entfernen. Das Schlafen im Freien, z.B. einem Schlafsack, kann nur als grober Leichtsinn angesehen werden - und das nicht nur wegen dieser Schlange. Es sollte dabei mindestens Zelt sollte benutzt werden, und zwar so, dass keine Tiere und damit auch keine Schlangen herein können. Beim Übernachten in Hütten, Wohnmobilen u.ä. stets die Türen geschlossen halten.

Art des Giftes

Das Gift des Küstentaipan ist etwas weniger wirksam als das des Inlandtaipans, aber dennoch eines der stärksten Gifte, die bei den Landschlangen weltweit vorkommen. Einer der wirksamen Anteile des Giftes ist ein Nervengift (Neurotoxin). Zusätzlich besitzt die Schlange ein die Blutgerinnung sehr stark  störenden, und ein die roten Blutkörperchen zerstörenden Anteil im Gift. Chemisch gesehen sind in dem Gift u.a. eine Reihe von Phospholipasen A2 vorhanden. Auch Muskel-Gewebe zerstörende Anteile (Proteasen) befinden sich in dem Gift. 
Die LD50 des Taipangifts liegt bei etwa 0,099 mg. Unter der LD50 versteht man die Menge an Gift in Milligramm (= 1/1000 g), bei dessen Injektion die Hälfte (50%) der eingesetzten Versuchstiere pro Kilo, meist weiße Mäuse, verstorben ist. Die Übertragung auf den Menschen ist natürlich problematisch, aber es ist trotzdem die einzige Möglichkeit, überhaupt zu Aussagen bezüglich der Potenz von Schlangengiften zu gelangen.

Folgen eines Bisses

Die ersten Symptome nach einem Vollbiss dieser Schlange sind eher seltener Schwellungen, Schmerzen oder Nekrosen an der Bissumgebung.

Sehr schnell, aber möglicherweise erst nach Stunden, kommt es zu einen Herabhängen der Augenlider (Ptosis) sowie Sprach - und Schluckstörungen. weiterhin treten Atemstörungen bis hin zur Atemlähmund und einer kompleetten Muskellähmung (Paralyse). Spätere Giftwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schmerzen im Bauchraum (abdominelle Schmerzen), ein Kreislaufkollaps, Blutgerinnungsstörungen bis zur Ungerinnbarkeit des Blutes (sog. Verbrauchskoagulopatie), Bewusstseinsstörungen bis Bewusstlosigkeit, ein bräunlich gefärbter Urin (Myoglobinurie) sowie Nierenfunktionsstörungen und seltener bis hin zu einem akuten Nierenversagen. Es kommt zu einem teilweisen Untergang der Skelett- und Herzmuskulatur (Rhabdomyolyse).

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Bequemlichkeit halber hier nochmals abgedruckt:

  • unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden
  • die Schlange identifizieren
  • darauf achten, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen, z.B. an der Bissstelle oder, bei neurotoxischen Vergiftungen, Lähmungen oder auch eine Augenstarre.
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser und nicht als Alkohol oder Kaffee.
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt.
  • sollten Atembeschwerden auftreten, kann das Leben über viele Stunden mittels einer Mund-zu-Mundbeatmung erhalten bzw. verlängert werden.
  • das Aussaugen oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen
  • das Ausschneiden der Bisswunde verschlimmert möglicherweise die Giftwirkung, da es z.B. bei Gerinnungsstörungen zu unkontrollierten Blutungen kommen kann.
  • auch das Kühlen mit Eis hat sich als wirkungslos und teilweise sogar schädlich erwiesen. Durch starkes Kühlen können sich bildende Gewebsnekrosen verstärkt werden und es kann zu Durchblutungsstörungen kommen.

Neben diesen allgemeinen Maßnahmen empfiehlt sich bei einem Biss dieser Schlange das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes.

Gegenserum (Antiserum)

Es gibt sowohl ein monovalentes wie ein polyvalentes australisches Antiserum gegen Taipangifte. Die Gabe eines Antiserums ist stets mit der Gefahr einer allergischen Reaktion bis hin zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock verbunden. Daher ist dessen Anwendung stets im Einzelfall genau abzuwägen und sollte nur durch einen erfahrenen Arzt erfolgen. Obwohl es bei einem Vollbiss dieser Schlange keine Alternativen zur Anwendung des Antiserums gibt.

So gibt es nur einen einzigen dokumentierten Fall, dass ein Mensch ohne Gegenserum den Biss dieser Schlange überlebt hat. Es war ein 19-jähriger Mann aus Hopevale in Nord Queensland, der im Jahr 1949 von dieser Schlange in das Fußgelenk gebissen wurde. Er wurde im Krankenhaus intensiv-medizinisch versorgt und hatte wohl mehrere Herzstillstände - noch viele Monate später litt er an den Folgen - z.B. einem fehlenden Geschmackssinn. Außerdem ergraute er bereits im Alter von 21 Jahren. Das erste Gegenserum gegen Taipanbisse stand übrigens erst ab 1955 zur Verfügung. 
Das erste Gegengift, das überhaupt gegen australische Giftschlangen entwickelt wurde, war das gegen das Gift der Tigerottern.

Prognose

Ohne eine adäquate Therapie endet der Vollbiss eines Küstentaipans immer tödlich. Die Therapie besteht in der Gabe eines Antiserums, einer künstlichen Beatmung sowie einer intensivmedizinischen Betreuung. Und sollte der Biss überlebt worden sein, ist über eine längere Zeit mit  Misshelligkeiten und Beschwerden zu rechnen.

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit der folgenden sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen:

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Mobil: 0043 - 676 - 3747 807

Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter folgender Webadresse:
www.reptilienzoonockalm.at

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Giftnotruf-Zentralen, die auch vom Ausland aus 24-stündig erreichbar sind, findet man hier >>>

 

 

Buchempfehlung

Ein sehr informatives und hervorragend bebildertes Buch zu den Gift- und Beißtieren in Australien stammt von der in Sydney lebenden Deutschen Barbara Barkhausen:

Gefährliches Australien
Barbara Barkhausen
Mana-Verlag-Berlin