Ägyptische Sandrasselotter, Echis pyramidum pyramidum

Allgemeines

Diese Schlange (Echis pyramidum pyramidum) ist eine Unterart der Echis pyramidum. Sandrasselottern gelten als eine der gefährlichsten Schlangen weltweit.
Die Sandrasselottern sind für einen großen Teil der tödlich verlaufenden Schlangenbisse verantwortlich. Die Gründe dafür sind zum einen ihre große Verbreitung weiterhin ihre hohen Populationsdichten. Außerdem kommt sie als Kulturfolger häufiger auch in menschlichen Ansiedlungen vor. Wegen ihrer geringen Größe und ausgeprägten Beißfreudigkeit kommt es häufiger als bei anderen Schlangen zu Bissunfällen. Und natürlich verfügt sie über ein starkes Gift.

Man schätzt, dass jährlich bis zu 100.000 Menschen von Sandrasselottern gebissen werden, von denen ca. 20.000 tödlich enden. Zu den Sandrasselottern gehört auch die Gewöhnliche Sandrasselotter (Echis carinatus), die in großen Teilen Asiens vorkommt.
hren Namen erhielt sie - obwohl sie in Ägypten nur in einigen Gebieten vorkommt - weil sie dort das erste Mal beobachtet und wissenschaftlich katalogisiert wurde. Die hier beschriebene Sandrasselotterart Echis pyramidum besitzt die folgenden Unterarten:

  • Echis pyramidum pyramidum
  • Echis pyramidum leakeyi
  • Echis pyramidum lucidus

Alle Sandrasselotterarten

- Echis borkini (keine Unterarten)
- Echis coloratus (2 Unterarten)
- Echis carinatus (5 Unterarten)
- Echis hughesi (keine Unterarten)
- Echis jogeri (keine Unterarten)
- Echis khosatzkii (keine Unterarten)
- Echis leucogaster (keine Unterarten)
- Echis megalocephalus (keine Unterarten)
- Echis ocellatus (keine  Unterarten)
- Echis omanensis (keine Unterarten)
- Echis pyramidum (3 Unterarten)

Systematische Einteilung

Familie Vipern (Viperidae)
Gattung Sandrasselottern (Echsis)
Art Ägyptische Sandrasselotter (Echis pyramidum)
Unterart Ägyptische Sandrasselotter (Echis pyramidum pyramidum)

Ausländische Bezeichnungen:

  • Englisch: Northeast African carpet viper, Egyptian saw-scaled viper
  • Französisch:

Aussehen, Verhalten

Sandrasselottern erreichen eine Länge von nur ca. 50 cm bis (selten) von 80 cm. Es sollte aber beachtet werden, dass die relativ geringe Länge der Schlange kein Maß für ihre Gefährlichkeit ist.
Ihre Färbung reicht von grau, oliv, rötlich bis braun, die von hellen Flecken unterbrochen ist. Der kurze abgerundete Kopf setzt sich deutlich vom Körper ab und besitzt vergleichsweise große Augen. Die Tiere wirken insgesamt schlank. Die seitlichen Schuppen sind schräg angeordnet und sind gekielt und gezähnt, womit sie beim Aneinanderreiben ihrer Körperschlingen ein warnendes Geräusch erzeugen kann 
Die Schlangen bewohnen trockene Gebiete wie Wüstengebiete, Savannen oder felsige und grasbewachsene Biotope, wobei relativ viele Schlangen in dem gleichen Gebiet leben können. Bei einer hohen Populationsdichte kommen sie aber auch in landwirtschaftlich genutzten Gebieten vor. Wie alle Echis-Arten ist auch diese Schlange vor allem nachtaktiv; tagsüber eher nur an kühlen Tagen. Tagsüber verbergen sie sich unter Steinen, Büschen, Gerümpel oder auch Holz. Sie kann sich auch durch Seitenwinden fortbewegen. Bei einer Annäherung flüchtet sie in der Regel nicht, sondern erzeugt das typische Warngeräusch. Die Tiere beißen dann aber schnell und meist mehrfach zu.
Je nach Art und Unterart ist sowohl lebendgebärend wie auch Eier legend. 

Vorkommen

Die Ägyptische Sandrasselotter kommt in den folgenden Ländern vor:

Ägypten, nur stellenweise 
(Küstengebiet und im Südosten)
Äthiopien 
Algerien
(nur stellenweises Vorkommen)
Dschibuti
Eritrea Libyen
Somalia Sudan
Tunesien Zenralafrikanische Republik

Vermeidung eines Bisses

Da die Schlange sich tagsüber meist versteckt hält und bei einer Annäherung nicht flüchtet, besteht die Gefahr, unbeabsichtigt auf das Tier zu treten. Daher ist hohes und festes Schuhwerk und eine weite Hose sehr zu empfehlen. Auf keinen Fall sollte man irgendwo in Büsche, Geröll, altes Mauerwerk u.ä. hineinfassen. Und beim Ertönen des Rasselgeräuschs sofort stehen bleiben und, sofern man den Standort der Schlange erkannt hat, sich langsam rückwärts entfernen. Unter keinen Umständen das Tier ärgern oder gar versuchen, es zu fangen oder zu töten.

Art des Giftes

Bei dem Gift dieser Echis-Art handelt es sich um ein hochwirksames Gift, das in die Blutgerinnung eingreift und ein weniger wirksames Nervengift. Das für die Gerinnungsstörungen verantwortliche Enzym wird als Ecarin bezeichnet. Das Enzym aktiviert das Prothrombin, der Faktor II des Blutgerinnungssystems zu dem relativ schwach wirsamen Meizothrombin; wobei keine Kofaktoren wie Kalzium, der Faktor V oder Phospholipide zur Aktivierung erforderlich sind. Über autokatalytische Prozesse entsteht anschließend das hochwirksame α -Thrombin, das durch Abspaltung der Fibrinpeptide A und B vom Fibrinogen, dem Faktor I der Blutgerinnung, das Fibrin bildet.

Das Fibrin ist ein hochmolekulares und wasserunlösliches Protein (Eiweiß), das zahlreiche Quervernetzungen besitzt und das Endprodukt der Blutgerinnung darstellt. Dieser Blutgerinnungsprozess kann so weit gehen, bis das Blut so gut wie ungerinnbar geworden ist. Man spricht dann von einer Verbrauchskoagulopathie, die ansonsten hin und wieder bei schweren Operationen auftritt. Trotz dieses Blutgerinnungs-Mechanismus nach einem Biss findet in der Regel keine Thrombosebildung statt.
Das Gift-Enzym der Schlange ist im Kreislaufsystem sehr stabil, sodass die Ungerinnbarkeit des Blutes über Wochen hin anhalten kann. Bereits nach 10 bis 30 Minuten nach einem Biss ist eine Verlängerung der Thrombinzeit auf das 2 bis 3fache als Zeichen einer beginnenden Gerinnungsstörung feststellbar. Außerdem zerstört das Gift die Zellmenbranen, sodass es zu Blutungen kommen kann. Außerdem kann es zu einer dauerhaften Schädigung der Nierenrzellen kommen. Je nach Verbreitungsgebiet können zusätzlich Neurotoxine in dem Gift vorhanden sein.

Folgen eines Bisses, Symptome

Es kommt im Bereich der Bissstelle zu Schmerzen und Schwellungen, und auch zu Nekrosen. Relativ schnell (1-6 h) entstehen unstillbare Blutungen aus der Bisswunde, weiterhin kommt es zu Zahnfleisch - und Nasen-, und Ohrenblutungen. Es kommt zu Verfärbungen (bläulich-violett) im Bereich der Bissstelle.Weitere Folgen, ohne eine schnelle Antiserumtherapie, können subkutane (unter der Haut) und intramuskuläre (im Muskel) Hämatome (Blutergüsse), blutiger Speichel, Bluterbrechen, Hämaturie (Ausscheiden von Erythrozyten im Urin), Bluterbrechen, Blutgerinnungsstörungen bis zur Ungerinnbarkeit des Blutes (nach ca. 13-30 h) sowie ein Blutdruckabfall bis hin zu einem aber eher seltenen Schockzustand sein. 

Weiterhin kann es zu Blutungen ins Gehirn und zu Nierenschäden - aber selten zu einem Nierenversagen - kommen. Auch heftige Bauchschmerzen wurden beobachtet.Eine Behandlung ohne die Anwendung von Antiserum - nur durch eine Substitution von Gerinnungsfaktoren wie Fibrinogen oder Thrombozyten - ist wenig erfölgsversprechend. Nahezu wirkungslos ist die Gabe von Heparin. Im Unterschied zu einigen anderen Echis-Arten kann es bei dieser Schlange nach einem Biss auch zu (leichten) Lähmungserscheinungen und zu Herzrhythmusstörungen kommen.

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Gegenserum (Antiserum)

Es gibt kein speziell für diese Schlange geeignetes Antiserum (monovalent), es muss auf die gegen das Gift anderer Echis-Arten vorhandene Antiseren zurückgegriffen werden. Das Antiserum muss sofort - im Gegensatz zur Behandlung bei anderen Schlangenbissverletzungen - unter ärztlicher Aufsicht eingesetz werden.

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Übersichtlichkeit halber hier nochmals erklärt:

  • unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden
  • die Schlange identifizieren
  • darauf achten, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen, z.B. an der Bissstelle oder, bei neurotoxischen Vergiftungen, Lähmungen oder auch eine Augenstarre
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser, Säften u.ä. und nicht als Alkohol, Cola oder Kaffee
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt
  • das Aussaugen, Ausschneiden oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen - im Gegenteil - es kann infolgedessen zu unstillbaren Blutungen kommen

Das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes wird nach einem Biss dieser Schlange nicht empfohlen.

Prognose

Ohne eine intensiv-medizinische Behandlung - möglichst mit Hilfe eines Antiserums - kann ein solcher Biss tödlich enden. Außerdem kann es zu späteren Narbenbildungen kommen.

 

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit der folgenden sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen:

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Tel.: 0043 - 4275 - 23165
Mobil: 0043 - 676 - 734 4 270

Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter folgender Webadresse:
www.reptilienzoonockalm.at

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Giftnotruf-Zentralen - die auch im Fall von Schlangenbissen im Ausland - 24-stündig erreichbar sind, finden Sie hier >>>