Wuppertal: Stadtgeschichte

Von den ersten Besiedlungen bis zur Vereinigung von Elberfeld und Barmen

Wer sich mit der Geschichte der Stadt Wuppertal beschäftigt, muss deutlich früher einsetzen als bei der eigentlichen Stadtgründung im Jahre 1929. Das liegt daran, dass die damals zu einer Stadt zusammengeschlossenen Städte und Gemeinden eine eigene (teilweise sehr lange) Geschichte aufweisen.

Dass die erste Spuren menschlicher Besiedlung im Tal der Wupper bis auf das Jahr 1000 v. Chr. zurückgehen, beweist u.a. eine große Wuppertaler Fundstelle aus der Bronzezeit, die Keramikbruchstücke ans Tageslicht gebracht hat. Gesichert ist weiterhin, dass germanische Volksstämme etwa im 7. Jahrhundert das Wuppertal (wenn auch spärlich) besiedelt haben. Dieses Tal war über viele Jahre hinweg Teil des Grenzgebietes zwischen den Franken und den Sachsen.

Nachdem Karl der Große sich das Wuppergebiet durch die Einrichtung fränkischer Herrenhöfe gesichert hatte, konnte der Geschichtsschreiber Widukind am Ende des 10. Jahrhunderts von einer Fliehburg Elberfeld berichten, die ab dem Jahre 955 im Besitz des Kölner Erzbischofs stand. Wirft man einen Blick auf die historischen Urkunden, so lässt sich sagen, dass im Allgemeinen die Siedlungen, welche der heutigen Stadt Wuppertal vorausgegangen waren, etwa um die erste Jahrtausendwende gegründet wurden. So entstanden Cronenberg im Jahre 1050, Barmen im Jahre 1070, Elberfeld im Jahre 1161, Schöller im Jahre 1182, Ronsdorf im Jahre 1246, Beyenburg im Jahre 1298, Langerfeld im Jahre 1304, Dönberg im Jahre 1355 und Vohwinkel im Jahre 1356. Nachdem im 10. Jahrhundert das Deutsche Reich etabliert gewesen war, begann im Gebiet der Wupper die lange Rodungszeit, welche immerhin bis ins 16. Jahrhundert andauern sollte. Neue Siedlungen entstanden, neue Burgen wurden gebaut und Herrensitze erweitert. Die Grafen (später sogar Herzöge) von Berg, welche vom Grafen Adolf von Berg (1101 ein erstes Mal erwähnt) abstammten, konnten durch Erbschaft, Heirat oder käuflichen Erwerb im Laufe der folgenden Jahrhunderte das wesentliche Areal des heutigen Wuppertaler Gebietes für sich erwerben.

Elberfeld, seit 1610 Stadt, wurden im Jahre 1820 die Gemeinden des Landkreises Mettmann angegliedert. Die Stadt wuchs im 19. Jahrhundert mit Barmen zusammen, das erst seit 1808 eine eigene Stadt geworden war. Beide Städte, nun als Barmen-Elberfeld geführt, konnten sich bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einem der größten deutschen Wirtschaftszentren entwickeln und waren in der ersten Hälfte desselben Jahrhunderts gemeinsam größer als Köln. Bereits im Jahre 1884 hatte Barmen-Elberfeld die 100.000-Einwohner-Grenze überschritten und war zur Großstadt geworden.

Wirtschaftlich hatte sich der Stadtzusammenschluss auf die Textilindustrie spezialisiert, während infrastrukturell viele wichtige Transportstrecken in die Stadtkreise hineinführten. Zu jener Zeit gehörte auch das Straßenbahnnetz von Barmen-Elberfeld zu den größten des Deutschen Reiches.

Das prosperierende Kleineisenhandwerk und die wachsende Textilindustrie konnten den Ersten Weltkrieg jedoch nicht überstehen und kamen zum erliegen. Der endgültigen Vereinigung von Elberfeld und Barmen am 1. August 1929 ging 1920 der Widerstand gegen den berühmt-berüchtigten Kapp-Putsch voran. Dieser Widerstand wurde in Elberfeld von Vertretern der SPD, der KPD und der USPD ausgerufen und hatte den Ruhraufstand in Bewegung gebracht, welcher auch in Wuppertal harte Kämpfe zwischen Polizei und Freikorps gegen die Arbeiter der Roten Ruhrarmee nach sich zog.

 

Von der Vereinigung von Elberfeld und Barmen bis zum Zweiten Weltkrieg

In den 1920er Jahren fungierte Wuppertal auf der einen Seite schön früh als westdeutsches Zentrum der an Terrain gewinnenden NSDAP. So wohnte etwa Joseph Goebbels, der Chefagitator der Nazis, in den Jahren 1925 und 1026 in Elberfeld. Auf der anderen Seite indes wurde Wuppertal zu einem wichtigen Hortus des politischen, kirchlichen und gewerkschaftlichen Widerstandes gegen die Nationalsozialisten. Leider konnte der Widerstand nichts daran ändern, dass im Jahre 1930 der brutale SA-Führer Willi Veller zum Reichstagsabgeordneten gewählt und 1933 zum kommissarischen Polizeipräsidenten Wuppertals ernannt wurde. Kurz nach seiner Ernennung ließ er das KZ Kemna errichten, eines der frühen Konzentrationslager der deutschen Faschisten. Was folgte waren die Bücherverbrennungen vom April 1933 (u.a. der von Else Lasker-Schüler), in deren Zusammenhang der Wuppertaler Schriftsteller Armin Wegner in einem offenen Brief an Hitler ein Ende der Judenverfolgungen forderte.

Nachdem es der Gestapo 1935 gelungen war, die rheinischen und bergischen Organisationen der Arbeiterbewegungen zu zerschlagen, setzten in Wuppertal Massenprozesse gegen etwa 650 Angeklagte ein. Diese Maßnahmen erhielten im Ausland die Bezeichnung Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse. Der christliche Widerstand formierte sich 1934 in der Barmer Bekenntnissynode, wobei die Bekennende Kirche (unter der Führung des Theologen Karl Barth) die so genannte Barmer Erklärung erließ, das bedeutendste Zeugnis kirchlicher Ablehnung des Nationalsozialismus’.

Durch die alliierten Bombardements während des Zweiten Weltkrieges wurde die Wuppertaler Innenstadt in erheblichem Maße zerstört. Abgesehen von mehreren tausend Toten war die beinahe vollständige Zerstörung der innerstädtischen Bausubstanz zu beklagen. Viele Gründerzeitvillen und alte Bürgerhäuser waren unwiederbringlich verloren gegangen.

 

Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart

Waren die kriegerischen Zerstörungen allein verheerend genug, sorgte die verfehlte Bauplanung der 1950er Jahre für eine weitere Beschädigung des Stadtbildes. Statt Historisches zu retten, wurde schnell, funktionell und uninspiriert gebaut. Neben unattraktiven Bausünden schoben sich bald breite Straßenschneisen durch die Stadt, durch die dem anwachsenden Individualverkehr gedient werden wollte. Dennoch muss man hervorheben, dass Wuppertal noch immer über etwa 4.500 Baudenkmäler und mithin über den zweitgrößten Bestand von Nordrhein-Westfalen verfügt.

Wirtschaftlich sah es besser aus, denn die Textilindustrie blieb lange Zeit der ökonomische Hauptfaktor der Stadt. Erst in den mitleren 1970ern ebte diese Entwicklung ab. Dafür ist Wuppertal insbesondere in der Werkzeugherstellung auf dem Weltmarkt führend gewesen.

Im Zusammenhang mit dem Strukturwandel und dem Niedergang des Ruhrgebietes wurde die soziale und wirtschaftliche Situation Wuppertals seit den 1980ern immer schlechter. Nachdem die Stadt auf Landesregierungsebene lange allein gelassen worden war, sorgte die Politik der Wuppertaler Oberbürgermeister Hans Kremendahl und Peter Jung für einen gewissen Aufschwung.

Derzeit liegt die amtliche Einwohnerzahl Wuppertals bei etwa 352.000. Vorsichtigen Prognosen des Landesamtes zufolge muss in den nächsten Jahren mit einem Bevöllkerungsrückgang gerechnet werden, so dass Wuppertal im Jahre 2025 nur noch geschätzte 324.500 Einwohner haben wird.

Neben der Chemieindustrie, dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und dem Verlagswesen dominiert in Wuppertal heute die Landwirtschaft. Auch wenn es die schlechten klimatischen Bedingungen eigentlich nicht unbedingt nahelegen, werden 21% des Stadtgebietes für landwirtschaftliche Zwecke verwendet.