Allgemeine Übersicht

Bihar umfasst eine Fläche von 94.163 km² - bei rund 105 Millionen Einwohnern. Die Hauptstadt ist Patna - das antike Pataliputra. Die Einwohner von Bihar leben in der Hauptsache von der Landwirtschaft.
Bihar grenzt im Westen an den Bundesstaat Uttar Pradesh, im Süden an Jharkhand und Westbengalen. Im Norden hat es eine Landesgrenze zu Nepal.
Der Bundesstaat ist jedes Jahr von starken Monsunregenfällen betroffen, wodurch es oft zu erheblichen Überschwemmungen kommt, die zahlreiche Menschen in Mitleidenschaft ziehen.
Etwa 83% der Einwohner sind Hindus und rund 17% sind Moslems. Andere Religionen sind verschwindend gering vertreten.
Die hiesige Amtssprache ist Hindi, was etwas weniger als 75% der Bevölkerung sprechen.
Dabei muss aber berücksichtigt werden, dass es sich dabei vielfach um Sprachen aus der Bihari-Gruppe - hauptsächlich Bhojpuri und Magahi - handelt, die aber wegen ihrer Verwandtschaft zum Hinidi offiziell zur Hindi-Sprache gezählt werden.

Folgende in der Tabelle alphabetisch geordneten interessanten Städte liegen in dem Bundesstaat:

Name der Stadt Einwohnerzahl
Arrah rund 265.000
Begusarai rund 255.000
Bhagalpur rund 400.000
Bodh Gaya (Bodhgaya) rund 40.000
Biharsharif rund 300.000
Chhapra rund 205.000
Darbhanga rund 300.000
Dinapur Nizamat rund 190.000
Gaya rund 470.000
Katihar rund 230.000
Munger rund 215.000
Muzaffarpur rund 355.000
Patna rund 1,7 Millionen
Purnia rund 290.000
Saharsa rund 1,1 Millionen

Patna und Umgebung

Patna ist neben Kanpur, Allahabad und Varanasi, die jedoch im Bundesstaat Uttar Pradesh liegen, eine der vier Großstädte am Ufer des Ganges.
Die Stadt Patna hat rund 1,7 Millionen Einwohner und ist die Hauptstadt des Bundesstaates Bihar.

Gandhi Maidan
Dieser große Platz trennt die Stadt in einen westlichen und einen östlichen Teil und ist der zentrale Platz der Stadt. Der Platz ist aber eher eine riesige Grünfläche in der Nähe des Ganges.
Der Platz war ein Versammlungsort der indischen Freiheitsbewegung, er dient aber auch heute noch als Ort für Massenveranstaltungen.
Auf dem Platz steht mit einer Höhe von 70 m die höchste Gandhistatue von ganz Indien und auch weltweit.

Golghar
Die Golghar liegt westlich der Gandhi Maidan . Das Gebäude in Form eines Bienenstocks erinnert an eine Stupa. Es wurde 1786 als Getreidespeicher für die britischen Truppen nach Plänen von Kapitän John Garstin - einen Ingenieur der East India Company.
Das Gebäude verfügt über eine Breite von 125 m und eine Höhe von 29 m - bei einer Wanddicke an der Basis von 3,6 m. Außen am Gebäude führt eine Wendeltreppe mit 145 Stufen bis zur spitze, von wo man einen herrlichen Rundblick auf die Stadt und den Ganges hat.
Eine Kuriosität ist die Tatsache, dass sich die Türen nur nach Innen öffnen lassen, was natürlich die Kapazität des Speichers erheblich begrenzte.

Har Mandir
Har Mandir ist ein Tempel der Sikhs und gilt ihnen als eine der heiligsten Stätten. Der Tempel liegt im östlichen Teil der Stadt rund 6 km vom Platz Gandhi Maidan entfernt
Der Tempel ist dem 1660 in Patna geborenen zehnten Guru Govind Singh (1660-1708 gewidmet.
Der Tempel wurde unter der Herrschaft von Maharaja Ranjit Singh (1780-1839), dem ersten Maharaja (Maharadscha) des Sikh Reiches, errichtet

Katholische Kirche
Die Kathedrale "Cathedral of the Blessed Virgin Mary" wurde bereits 1775 errichtet. Aber zur Bischofskirche wurde sie erst im September 1919, als das ehemalige Apostolische Vikariat Patna als Bistum Patna wieder errichtet wurde. Das Bistum Patna wurde dem Erzbistum Ranchi als Suffraganbistum unterstellt. Am 16. März 1999 wurde das Bistum Patna durch Papst Johannes Paul II. (1920-2005) zum Erzbistum erhoben. Im Dezember 2005 verlor das Erzbistum Patna Teile seines Territoriums wegen der Gründung des Bistums Buxar.
Das Erzbistum Patna umfasst in Bihar die Distrikte Aurangabad, Gaya, Jehanabad, Nalanda, Nawada, Patna und Teile des Distriktes Munger.

Märtyrer Gedenkstätte
Dieses Denkmal besteht aus sieben lebensgroßen Männern aus Bronze von denen einer eine Fahne trägt, während die andren fallen oder bereits liegen.
Sie symbolisieren die zahlreichen Toten bei den antibritischen Protesten im August 1942.
Das Denkmal wurde am 15. August 1947 vor dem heutigen Verwaltungssitz der Regierung von Bihar aufgestellt.

Museum
Das Museum von Patna liegt südlich des Golghars. Es war Anfang der 1930er Jahren hier eingezogen.
Das Museum präsentiert Artefakte aus Stein und Terrakotta aus der Zeit des Maurya-Reiches. Aber auch die hiesigen buddhistischen Figuren aus Bronze sind einen Besuch wert.

Sher Sha Mausoleum
Dieses Mausoleum wurde unter dem pastunischen Herrscher Sher Shah (Sher Khan Suri) (1486-1545) errichtet, es wurde aber erst wenige Monate nach seinem Tod von seinem Sohn fertiggestellt.
Dessen kurzzeitige Dynastie hatte die Herrschaft der Mogulen unterbrochen. Der Name Suri stammt von der Ortschaft Sur in Bihar.

Ruinen von Pataliputra
Pataliputra war im Altertum die Hauptstadt des indischen Königreiches Magadha und später des Maurya-Reiches.
Das Magadha-Reich war ein ostindisches Reich, dessen Beginn im 6. Jahrhundert v. Chr. lag und aus dem sich im 3. Jh. v. Chr. das Reich der Maurya-Dynastie, das erste indische Großreich, entwickelt hatte.
Dessen bedeutendster Herrscher König Ashoka war, unter dem Magadha nicht nur seine größte Ausdehnung, sondern auch eine kulturelle Blüte erlebte. Um das Jahr 180 v. Chr. übernahm dann die Shunga-Dynastie die Macht.
Wahrscheinlich war die Stadt aus einer kleinen Ortschaft durch Ajatasattu, den König von Magadha gegründet worden, dessen Sohn sie dann zur Hauptstadt des Reichs gemacht hatte.
Die Stadt war von einer rund 40 km langen Palisadenmauer, die später durch eine Ziegelmauer erweitert wurde, geschützt.
Pataliputra bestand aus sechzehn Vierteln, in denen jeweils andere Handwerkszünfte gelebt hatten. In der Stadtmitte befand sich der Königspalast und wo viele hochgestellte Beamte und Adlige lebten.
Die Stadt war seinerzeit ein wichtiges Zentrum des Buddhismus.
Pataliputra wurde im dritten Jahrhundert vor Christus entweder aufgegeben oder von den Hephtaliten oder durch ein Erdbeben zerstört.
Einige Reste der früheren blühenden Stadt wurden von Archäologen freigelegt und können rund 7 km südöstlich des Stadtzentrums von Patna besichtigt werden.

Bodh Gaya (Bodhgaya)

Bodh Gaya (Stadt der Erleuchtung) hat rund 40.000 Einwohner. Die Stadt ist der heiligste Ort der Buddhisten weltweit.
Hier soll Siddharta Gatauma (Buddha) nach einer langen Wanderung am Ufer des Flusses Nairanjana meditiert haben. Nach sieben Tagen Meditation unter einem Bodhi -Baum (Pappelfeige) hatte er die vollkommene Erleuchtung erreicht.
Siddharta Gatauma wurde 563 v. Chr. in Lumbini im heutigen Nepal geboren. Er war 483 v. Chr. in Kushinagar im heutigen Bundesstaat Uttar Pradesh verstorben. Jedes Jahr im Dezember erscheint hier der Dalai Lama persönlich vor seinen Anhängern.

Mahabodhi Tempel
Der Tempel in der Stadt der Erleuchtung ist mit das größte Heiligtum der Buddhisten in der ganzen Welt. Die Anfänge des Tempels gehen auf das zweite Jahrhundert n. Chr. zurück.
Sein jetziges Aussehen stammt allerdings aus dem 14. Jahrhundert. An den Außenwänden des prächtigen Tempels befindet sich eine Reihe von Nischen mit Buddhafiguren.

Weg zum Buddha, Bhodi-Baum
Bevor Siddharta Gatauma hierher zur Meditation gekommen war, hatte er sich bereits vorher sechs Jahre in Meditation geschult. Als er danach erkannt hatte, dass er der Erleuchtung sehr nahe war, hatte er sich hier in Bodh-Gaya zum Vollmond des vierten Monats des Mondkalenders unter eine Pappelfeige (Bodhi-Baum) gesetzt und gelobt, bis zur vollständigen Erleuchtung in Meditation zu versinken. Während seines Wegs zur Erleuchtung war er zahlreichen Versuchungen durch Devaputra-Mara, dem Oberhaupt aller Dämonen, ausgesetzt. Darunter waren sogar schöne und verführerische Frauen.
Aber er hatte allen Versuchungen widerstanden und am siebten Tag war sein Geist vom letzten Schleier der Unwissenheit befreit und er wurde in diesem Moment zu einem Buddha - einem voll erleuchteten Mensch.
Der heute vor dem Mahabodhi Tempel stehende Baum ist natürlich nicht der originale Baum, sondern ein "Nachkomme".
Ein roter Sandstein unter dem Baum markiert die Stelle, wo er zur Erleuchtung gekommen war. Dieser heilige Baum wird von den Pilgern mit Opfergaben und bunten Tüchern geschmückt

Makalinda See
Zu dem hiesigen für die Buddhisten heiligen See gibt es eine schöne Legende:
Während seiner Meditation war ein schweres Unwetter über dem See niedergegangen. Um den meditierenden Siddharta Gatauma zu schützen, hatte eine Königskobra ihren Schild über ihm aufgespannt..
An diese Begebenheit erinnert eine Statue im See.

Tempel, Universität
Durch den Bau zahlreicher mit Spenden finanzierter Tempel wurde die Stadt zudem zu einem Zentrum des Buddhismus. Unter den zahlreichen Tempeln sind der japanische und der tibetische Tempel zu erwähnen.
Im japanischen Tempel befindet sich eine vergoldete Buddhastatue, während der tibetische Tempel durch seine Farbenpracht ins Auge fällt.
Dies wird noch durch die nahe gelegene buddhistische Magadha-Universität verstärkt.

Buddha Statue

Im Jahr 1989 wurde die hiesige riesige 23 m hohe Buddhastatue auf dem Zugang zum tibetischen Tempel vom Dalai Lama persönlich eingeweiht.

Archäologisches Museum
Einen Besuch wert ist zudem das hiesige Archäologische Museum, in dem man u.a. Überreste des Zauns sehen kann, der in früheren Zeiten den Bodhi-Baum (Pappelfeige) umgeben hatte
Auch eine Reihe alter buddhistischer aber auch hinduistischer Statuen und Skulpturen kann man hier besichtigen

Nalanda

Nalanda liegt rund 55 km südlich der Hauptstadt Patna und rund 15 km nördlich von Rajgir.
Hier befand sich die im 5. Jahrhundert gegründete und damals größte buddhistische Universität Zu der Universität gehörten 9-stöckige Gebäude, sechs Tempel und sieben Klöster.
Man schätzt, dass zur Blütezeit der Universität hier ca. 10.000 Studenten neben den Lehren des Buddhismus Logik, Metaphysik und Rhetorik studiert hatten
Die Bibliothek der Universität hatte einen Umfang von neun Millionen Büchern. Aber gegen Ende des 12. Jahrhunderts wurde die buddhistische Universität mit den Tempeln und Klöstern im Verlauf der islamischen Eroberung Indiens zerstört. Besucher finden hier neben den Ruinen der Klöster und Tempel, eine gut erhaltene Stupa, ein Museum mit Artfakten aus der Umgebung und aus Rajgir, ein Multimedia-Museum und Sehenswert is zudem die neue Gedenkstätte für Xuanzang, der im 7. Jahrhundert in Nalanda gelehrt hatte.
Im Juli 2016 war Nalanda in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommen worden.

Rajgir

Die Stadt hat rund 42.000 Einwohner und ist ein bedeutendes religiöses Zentrum. Hier hatten sowohl Buddha (563-483 v. Chr.) wie auch Mahavira (599-527) gelehrt und gepredigt.
Mahavira gilt als Begründer der Religion Jainismus, die etwa zur gleichen Zeit wie der Buddhismus entstanden ist.
Mahavira gilt nach jainistischer Tradition als der letzte der 24 Tirthankaras - der heiligen Männer, die als Mittler zwischen der materiellen und der spirituellen Welt gelten.

Gridhrakuta-Hill
Dieser Berg spielt für die Buddhisten eine wichtige Rolle, da Buddha hier gepredigt hatte.

Saptapani-Höhlen

In diesen Höhlen auf einem Hügel hatte im Jahr 404 v. Chr. der erste buddhistische Rat mit 500 Teilnehmern stattgefunden.

Sonbhandar-Höhlen
In der östlich gelegenen der beiden Höhlen befinden sich die Darstellungen von sechs "heiligen Männern" - den Tirthankaras.

Thermalquellen
Die Thermalquellen spielen neben dem hiesigen buddhistischen Erbe für Besucher eine wichtige Rolle.
Die Quellen findet man am Fuß des Vaibhava-Hills - ihr Ursprung befiindet sich in den Saptani-Höhlen.

Vishwa Shant Stupa
Diese im Jahr 1969 errichtete buddhistische Vishwa Shant Stupa - befindet sich bei Rajgir auf dem Ratangiri-Gipfel.
Sie entstand durch den buddhistischen Mönch Nichidatsu Fujii (1885-1985)aus Japan - dem Gründer der Nipponzan-Myohoji Buddhistischen Ordensgemeinschaft
An allen vier Ecken des Tempels stehen vergoldete Buddhadarstellungen. Die in hellem Weiß erstrahlende Stupa ist eine von 80 Friedenspagoden weltweit
Menschen denen der etwa 30-minütige Weg dorthin zu beschwerlich ist, können auch den hieisigen Selssellift benutzen.

Nationalpark

Valmiki Nationalpark
Der Valmiki Nationalpark wurde im Jahr 1990 eingerichtet und ist derzeit der einzige Nationalpark in Bihar. Er hat eine Fläche von rund 336 km².
Er befindet sich im West Champaran Distrikt. Man findet in dem Park eine große Diversität von Flora und Fauna, darunter Tiger, Leoparden, Schwarzbären, Wildhunde, Wildbüffel, Wildschweine, Fischkatzen, Hirsche und Rehe sowie die indische Antilope.
Weiterhin leben hier Pythons, der sehr giftige Gelbgebänderte Krait und die ebenfalls sehr giftige Königskobras oder die ungiftige Indische Sandboa. Auch Krokodile haben hier ihren Lebensraum.
Zudem leben hier mehr als 240 Vogelarten und viele wunderschöne Schmetterlinge.

Flüsse im Bundesstaat

Der Ganges ist ein heiliger Fluss und viele Hindus wollen wenigsten einmal im Leben von ihren Sünden durch ein Bad in dem Fluss befreit werden.
Er entsteht aus zwei Quellflüssen und mündet nach 2.600 km über ein verzweigtes Mündungsdelta in den Golf von Bengalen, der ein Teil des Indischen Ozeans ist
Die beiden Quellflüsse sind:
- Alaknanda
Die Alaknanda ist der linke Quellfluss des Ganges und hat eine Länge von 190 km. Bei Devprayag vereinigt sich der Fluss mit dem rechten Quellfluss der Bhagirathi.
Die Alaknanda hat ihren Ursprung am Zusammenfluss von Satopanthgletscher und dem Gletscher Bhagirath Kharak in Uttarakhand.
- Bhagirathi
Die Bhagirathi ist der rechte Quellfluss des Ganges. Sie hat ihren Ursprung am Gaumukh (Gangotri-Gletscher) im Bundesstaat Uttarakhand in einer Höhe von rund 3.890 m. Ihre Länge beträgt rund 205 km.
Bei Devprayag vereingt sie sich mit dem linken Quellfluss der Alaknanda zum Ganges
Am Ganges liegen die Großstädte Patna im Bundesstaat Bihar sowie Kanpur, Allahabad und Varanasi im Bundesstaat Uttar Pradesh

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