Rabenvögel

Man mag es kaum glauben, aber auch Raben, Krähen und Eichelhäher gehören zu den Singvögeln.  Wissenschaftlich sind Rabenvögel (Corvidae) eine Vogelfamilie aus der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) und der Unterordnung der Singvögel (Passeri). Die Familie der Rabenvögel umfasst 25 Gattungen mit 120 Arten.

Nebelkrähe
Die Nebelkrähe (Corvus corone cornix) ist eine der in Deutschland vorkommenden Rassen der Aaskrähen (Corvus corone). Sie ist eng verwandt mit der Rabenkrähe (Corvus corone corone), die ebenso auftritt wie die Nebelkrähe. In ihrem Verhalten und ihrer Lebensweise sind sich beide so ähnlich, dass es im Überschneidungsgebiet zur Vermischung kommt. Die Grenze verläuft in etwa entlang der Elbe und wird im Süden von den Alpen gebildet.
Der bis zu 50 cm große Vogel hat einen hellgrau gefärbten Körper mit tiefschwarzen Schwingen und Kopf. Der kräftige Schnabel sowie die Beine sind ebenfalls schwarz. Nebelkrähen besiedeln offenes Gelände, Kulturlandschaften, Parks und Gärten.
Als Allesfresser ernähren sie sich von tierischer und pflanzlicher Kost, wie Insekten, Larven, Engerlingen, Würmern, Getreide, Beeren, aber auch von Aas und Siedlungsabfällen. Im Herbst und Frühjahr sieht man sie häufig auf frisch bestellten oder umgepflügten Äckern sitzen.
Die Nebelkrähe ist die in Kroatien vorkommende Rasse der Aaskrähe (Corvus corone). Sie ist eng verwandt mit der Rabenkrähe (Corvus corone corone), die in Deutschland ebenso auftritt wie die Nebelkrähe.
Ihren Nachwuchs ziehen die in lebenslanger Ehe lebenden Vögel in aus groben Zweigen und allerlei Polstermaterial gebauten Nestern (Horsten) in hohen Bäumen auf. Außerhalb der Brutzeit von März bis Mai kann man große Schwärme der Vögel beobachten, die sich abends auf ganz bestimmten Schlafbäumen versammeln, um gemeinsam in der Sicherheit einer großen Gruppe zu übernachten.
Da die Anzahl ihrer natürlichen Feinde wie Habicht, Wanderfalke und Uhu stark zurückgegangen ist, konnten sich vielerorts große Krähenbestände entwickeln.
Vor dem Menschen haben diese schlauen Tiere nur wenig Scheu und man kann sich ihnen zumindest in Städten bis auf wenige Meter nähern.

Elster
Die 46 cm große Elster () fällt durch die scharf abgegrenzte schwarz-weiß Zeichnung ihres Gefieders und den langen Schwanz auf. Zudem schillern die Oberseiten der Flügel in verschiedensten Blautönen. Die geselligen Tiere sind häufig in Kleingruppen anzutreffen und bewegen sich nicht selten zu Fuß am Boden. Sie bevorzugen offenes Gelände mit Hecken und vereinzelten Bäumen und haben als typische Kulturfolger bewirtschaftetes Ackerland und Stadtgebiete mit Parks und Gärten erobert; dennoch sind sie ausgesprochen scheu. Sie ernähren sich von allerhand Kleingetier wie Insekten, Larven, Schnecken, Würmer und Mäuse, aber sie verschmähen auch Aas und Beeren nicht. Während der Brutzeit plündern sie die Nester anderer Vögel und rauben Eier und junge Küken. In besiedelten Räumen, in denen Baummarder und Greifvögel als ihre natürlichen Feinde fehlen, kann dies vereinzelt ein Problem für die Population kleiner Singvögel darstellen. In ihrem lehmverstärkten Nest aus Zweigen, welches in hohen Bäumen angelegt wird, werden Gelege von bis zu 8 Eiern bebrütet. Nur selten können allerdings alle Jungvögel großgezogen werden.

Kolkrabe
Der Kolkrabe (Corvus corax) ist mit seinen über 60 cm der größte Singvogel Europas. Der durchgehend schwarz gefärbte Vogel hat ein stahlblau schimmerndes Gefieder und einen mächtigen Schnabel. Er bewohnt selten dichter besiedeltes Gebiet, höchstens große Parkanlagen mit altem Baumbestand. Man trifft ihn eher in offenen Kulturlandschaften, Waldgebieten und im Gebirge an. Häufig kann man die kräftigen, tiefen Rufe der Raben weithin hören, ohne die Tiere zu Gesicht zu bekommen. Früher wurde der Kolkrabe erbarmungslos verfolgt. Nach der Einführung von Schutzmaßnahmen haben sich die Bestände aber vielerorts in Europa wieder einigermaßen erholt. Kolkraben sind Allesfresser, die sich aber vorwiegend von tierischer Kost ernähren. Vor ihnen ist nichts sicher, was sie auf Grund ihrer Größe überwältigen können. Würmer, Käfer, Schnecken und Frösche stehen ebenso auf ihrem Speiseplan wie die Brut anderer Vögel, Mäuse, Eidechsen, Schlangen und Maulwürfe.
An den Kadavern von verendeten Rehen oder Hirschen versammeln sich ganze Gruppen der Tiere, um mit ihrem kräftigen Schnabel große Fleischbrocken herauszureißen. Ihren Nachwuchs ziehen die in lebenslanger Ehe lebenden Vögel in aus groben Zweigen und allerlei Polstermaterial gebauten Horsten in hohen Bäumen oder an unzugänglichen Felswänden auf. Die Horste werden jedes Jahr von demselben Paar wieder benutzt und dabei ständig erweitert.
Der sprichwörtliche „Rabenvater“ versorgt die Mutter und den Nachwuchs, solange diese das Nest noch nicht verlassen können, unermüdlich mit Nahrung. Natürliche Feinde hat der Kolkrabe auf Grund seiner Größe kaum.

Eichelhäher
Der etwa 34 cm große Eichelhäher (Garrulus glandarius) ist in ganz Europa anzutreffen. Er hat eine rötlichbraune Grundfärbung mit auffälligen Gefiederzeichnungen. Die Flügel tragen am Bug eine leuchtende blau-schwarze Bänderung und sind an den Enden schwarz-weiß gemustert. Der kräftige schwarze Schnabel geht in einen schwarzen Bartstreif über. Kehle und Bürzel sind hell gefärbt. Der Eichelhäher ist gut an den Menschen angepasst und man findet ihn neben Waldgebieten auch in Parks und Gärten überall da, wo es ausreichend Nahrung gibt.
Der „Polizist des Waldes“ fällt vor allem durch seine „rrätschenden“ Rufe auf, mit denen er im Wald indirekt auch andere Tiere vor größeren Raubtieren und auch dem Menschen warnt. Deshalb ist er Jägern nicht selten ein Dorn im Auge. Eichelhäher sind große Insektenvertilger, die auch vor größerer Beute nicht zurückschrecken. Zum Nahrungsspektrum gehören auch Mäuse, Eidechsen und kleine Schlangen. Während der Brutzeit plündert er allerdings in nicht unerheblichem Maße die Nester anderer Vögel. Im Herbst ernährt er sich von den Früchten des Waldes. Für den Winter legt er sich Vorräte von Eicheln, Bucheckern und Nüssen an, die er im Boden versteckt.
Da er viele Verstecke nicht wiederfindet, trägt er somit zur Verbreitung der verschiedenen Baumarten bei.
Durch die Lebensraumzerstörung sind seine natürlichen Feinde, wie Marder, Greifvögel und Eulen stark zurückgegangen.