Berggorillas

Einleitung

Der erste Bericht über Gorillas tauchte bereits 500 v. Chr. auf. Hanno, ein Feldherr Karthagos traf bei einer seiner Seereisen südlich von Kamerun auf einen riesengroßen, behaarten Waldbewohner, den die Einheimischen Gorilla nannten.
Er ließ einige Tiere erlegen und brachte ihre Felle mit nach Hause.
Dort bekam der römische Geschichtsschreiber Plinius der Ältere sie 500 Jahre später zu Gesicht. Aber erst 1860 gelangten neuere, meist Furcht einflößende Beschreibungen des Gorillas nach Europa und vermitteln das Bild einer gefährlichen Bestie.
Vom frühen Christentum an bis ins späte Mittelalter wurden  Affen  generell verteufelt. Ihre Menschenähnlichkeit wurde ihnen als Frevel vorgeworfen, da sie sich dem Menschen gleich machen wollten.
Zu diesem Irrglauben trug auch ihre  lateinische Bezeichnung  Simia bzw. Simius (= Affe) bei, die  fälschlicherweise von similis (= ähnlich, gleich) abgeleitet. wurde. Zudem wurde Ihre Lebensweise auf Bäumen ihnen als frevelhaftes als Himmelsstreben ausgelegt.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden zwei Gorillas nach Hamburg verschifft, die hier aber nach einigen Tagen verstorben waren. Durch die King-Kong-Filme wurden Gorillas weltweit bekannt.

Die Gorillas (Gorilla) sind eine Gattung aus der Familie der Menschenaffen (Hominidae).
Nach der neuesten Gliederung (Taxonomie) werden zwei Arten aus der Gattung Gorilla unterschieden:

  • Westlicher Gorilla (Gorilla gorilla) mit den beiden Unterarten:
    - Westlicher Flachlandgorilla (Gorilla gorilla gorilla)
    - Cross-River-Gorilla (Gorilla gorilla diehli)
  • Östlicher Gorilla (Gorilla beringei) mit den beiden Unterarten:
    - Östlicher Flachlandgorilla (Gorilla beringei graueri)
    - Berggorilla (Gorilla beringei beringei) unterschieden wird.

In folgenden Beitrag wird die Unterart Berggorilla näher dargestelt.

Systematische Einteilung

 

Ordnung Herrentiere (Primates)
Familie Menschenartige (Hominidae)
Gattung Gorilla (Gorilla)
Art Östlicher Gorilla (Gorilla gorilla)
Unterart Berggorilla (Gorilla beringei beringei)

Ausländische Bezeichnungen

  • Englisch: Mountain gorilla
  • Französisch: Gorille de montagne

Aussehen, Merkmale

Die Berggorillas sind von massiger Gestalt, muskulös und breitschultrig. Sie erreichen eine Körperlänge und –höhe von 110 bis 120 cm, aufgerichtet bis 180 cm. Voll ausgewachsene Männchen werden 200 bis 230 kg schwer und besitzen einen mächtigen Hinterhauptskamm, an dem die kräftige Kau- und Nackenmuskulatur ansetzt. Die Weibchen sind kleiner und mit max. 100 kg deutlich leichter. Ihr langes, dichtes Fell ist einheitlich schwarz gefärbt mit einem silbergrauen Rückenband bei älteren Männchen (Silberrücken). Gesicht, Ohren, Hände und Fußsohlen sind haarlos und ebenfalls schwarz.
Die kleinen braunen Augen liegen unter stark ausgeprägten Oberaugenwülsten, die Nase ist sehr flachgedrückt mit breiten Flügeln. Die Ohren erscheinen klein und sind sehr menschenähnlich geformt. In freier Wildbahn werden Gorillas 25 bis 40 Jahre alt, in menschlicher Obhut sogar über 50 Jahre.
Ihr Unterschied zu den Östlichen Flachlandgorillas, der zweiten Unterart der Östlichen Flachlandgorillas, besteht vor allem durch ihre kürzeren Arme sowie ihr langes und seidiges Fell. Außerdem sind sie etwas kleiner als diese.

Vorkommen, Lebensraum

Berggorillas  findet man nur noch  an den Hängen der Virunga-Vulkane im Grenzgebiet der Demokratischen Republik Kongo, Ruandas und Ugandas sowie im  331 km² und 1991 gegründeten Bwindi-Nationalpark im südwestlichen Uganda.
Sie leben  in den Gebirgswäldern in Höhen zwischen etwa  2.200 und 4.000 m.
Der Bwindi-Nationalpark wurde 1994 in die Liste der UNESCO-Weltnaturerbestätten aufgenommen

Lebensweise und Lebensraum

Berggorillas leben - wie alle Gorillas - in Gruppen und diese Tiere mit etwa 8  bis 9 bis 15 Tiere.
Diese Gruppen bestehen in der Regel  aus einem erwachsenen Männchen, mehreren Weibchen und ihrem dazugehörigen Nachwuchs.
Es gibt aber auch Gruppen mit mehreren Männchen, wobei eines von ihnen die dominante Rolle einnimmt. Die größte bekannt gewordene Gruppe bestand aus 48 Mitgliedern.
Ihr Territorium umfasst etwa eine Fläche von 400 ha = 4 km² bis 800 ha = 8 km².
Die Tiere besitzen kein ausgeprägtes Territorialverhalten, aber die verschiedenen Gruppen vermeiden meist den Kontakt untereinander.
Die Berggorillas sind Bodenbewohner und klettern nur selten auf Bäume. Am Boden bewegen sie sich auf allen Vieren im  so genannten Knöchelgang fort. Sie sind tagaktiv und verbringen ihre Nachtruhe in einem Nest aus Blättern und Ästen errichteten Nest, das sie jedoch meist nur einmal benutzen.
Das Zusammenleben innerhalb der Horde ist sehr harmonisch. Die Tiere verbringen ihre Ruhezeiten am Boden meist dicht zusammengedrängt, wobei sie den Körperkontakt mit ihrem Anführer suchen.
Die gegenseitige Fellpflege ist nicht so ausgeprägt wie bei anderen Affenarten. Meist wird sie nur den ganz jungen Gruppenmitgliedern und dem Silberrücken zuteil.
Kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen den Weibchen einer Horde, dann geht der Silberrücken energisch dazwischen und schlichtet. Geraten die Anführer zweier Horden aneinander wird die Situation durch Imponiergehabe gelöst.
Die Männchen stolzieren nebeneinander her, richten sich auf, trommeln sich auf die Brust und schlagen mit Zweigen ins Leere. Verletzungen oder gar Tötungen ereignen sich dabei nur in Ausnahmesituationen.

Ernährung

Ihre Nahrung besteht in der Hauptsache aus Blättern - und nur wenig aus Früchten.
Allerdings verzehren die Tiere des Bwingi-Nationalparks mehr Früchte als die anderen Tiere

Fortpflanzung, Jungtiere

Die Geschlechtsreife erreichen die Weibchen mit 6 bis 8 Jahren und die Männchen mit etwa 10 Jahren. Sie pflanzen sich jedoch erst einige Jahre danach fort.
Berggorillas haben keine feste Paarungszeit, sodass die Fortpflanzung das ganze Jahr über erfolgen kann.
Nach einer erfolgreichen Paarung bringt das Weibchen nach etwa 255 Tragzeit ein Junges zur Welt – Zwillinge sind selten.
Die Neugeborenen werden über eine Zeit von 2 bis 3 Jahren gesäugt und die ersten 4 Monate am Bauch getragen.
Danach ermuntert die Mutter es, auf ihrem Rücken zu reiten
Kommt ein unerfahrener Schwarzrücken einem Silberrücken, z. B. beim Werben um ein Weibchen, in die Quere, dann greift er sofort an und beißt mit seinem mächtigen Gebiss zu. Nicht häufig, aber durchaus regelmäßig, führen Männchen gezielt Kindstötungen aus.
Dabei werden die Nachkommen anderer Männchen umgebracht. Das Weibchen wird dadurch schnell wieder empfängnisbereit, verlässt meist ihre Gruppe und gründet mit dem "Mörder“ eine neue Familie.
Diese grausam erscheinende Praxis, die beispielsweise auch bei Löwen beobachtet wurde, trägt zum Durchmischen der Populationen bei und sichert die Weitergabe der eigenen Gene.

Feinde, Gefährdung

Ein ausgewachsener Berggorilla hat keine natürlichen Feinde. Jungtiere müssen sich allerdings vor Leoparden in Acht nehmen.
Neben der Lebensraumzerstörung, illegaler Jagd und dem Handel besonders mit Jungtieren sind die Berggorillas auch durch von Menschen übertragene Krankheiten – insbesondere durch Atemwegsinfektionen – gefährdet.
Man schätzt die Anzahl der Tiere auf über 850. Von der IUCN werden die Berggorillas nicht zuletzt aufgrund ihrer relativ geringen Anzahl als "vom Aussterben bedroht“ gelistet.
Berggorillas werden nicht in Zoos gehalten, ihre Erhaltung muss daher durch den Schutz der wild lebenden Tiere erfolgen. Eine große Ausnahme bildet eine Station im Senkwekwe Centre im Virunga-Nationalpark, wo weltweit als einzige Einrichtung Berggorillas betreut werden.

IUCN
Die (International Union for Conservation of Nature and Natural Resource (IUCN) ist eine internationale Nichtregierungsorganisation. Ihre Gründung erfolgte am 8. Oktober 1948 in Fontainebleau (Frankreich) als International Union for the Protection of Nature (IUPN)
Die IUCN erstellt unter anderem die Rote Liste gefährdeter Arten und kategorisiert Schutzgebiete mittels der World Commission on Protected Areas, zudem besitzt sie einen Beobachterstatus bei der UN-Vollversammlung.
Ihren  Sitz hat sie in Gland in der Schweiz mit Niederlassungen in über 60 Ländern.

Besonderheiten

Gorillas scheinen nicht so intelligent zu sein wie Schimpansen. Bei ihnen wurde weder ein Werkzeuggebrauch beobachtet, noch zeigten sie ein ausgeprägtes Neugierverhalten.
Die Tiere  verwenden stachelige und gerbstoffhaltige Blätter, um sich mit deren Hilfe von Parasiten im Darm zu befreien.
Die Berggorillas wurden 1903 von dem deutschen Zoologen Paul Matschie (1861-1926) im Zoologischen Museum in Berlin erstmalig wissenschaftlich beschrieben, nachdem der Hauptmann Friedrich Robert von Beringe (1865-1940) ihm zwei erschossene Tiere übergeben hatte.
Merkwürdigerweise erhielten die Tiere ihm zu Ehren – dem Gorillakiller - die wissenschaftliche Bezeichnung Gorilla beringei. Berggorillas waren die ersten Gorillas, deren Lebensweise dann durch längere Freilandstudien erforscht wurde.
Der Anfang dazu geht auf den deutschstämmigen US-Amerikaner George Beals Schaller (geb. 1933) zurück, der ab dem 1. Februar 1959 über 20 Monate lang die Tiere beobachtet hatte.
Von 1967 bis zu ihrer Ermordung am 27. Dezember 1985 hatte die US-amerikanische Zoologin Dian Fossey (1932-1985) die Tiere vor Ort erforscht und teilweise unter den Tieren gelebt.
Ihr Leben und ihre Ermordung durch kriminelle Wilderer im Jahr 1985 wurde durch den bewegenden Film Gorillas im Nebel aus dem Jahr 1988 weithin bekannt.
Der 1978 von ihr gegründete Dian-Fossey-Gorilla-Fund - heute der Dian-Fossey-Gorilla-Fund International - hatte nach ihrem Tod ihre Tätigkeit fortgesetzt.
Der zunehmende Tourismus der letzten Jahre führte zum Einsatz von Park-Rangern und Tierärzten und ist zu einer bedeutenden Einnahmequelle geworden.