Kurzer Überblick
Das Erzbistum Paderborn umfasst eine Fläche von rund 14.754 km². Es erstreckt sich von Minden bis nach Siegen und von der Weser bis nach Wanne-Eickel. Hinzu kommen noch der ehemalige Landkreis Waldeck in Hessen sowie die Stadt Bad Pyrmont in Niedersachsen. Auf dem Gebiet des Erzbistums leben insgesamt rund 5 Mio. Menschen, von denen sich rund 1,7 Mio. zur römisch-katholischen Kirche bekennen. Zur Erzdiözese Paderborn, also der Kirchenprovinz Paderborn, gehören die Bistümer Erfurt, Fulda und das Bistum Magdeburg. Das Bistum Paderborn wurde 799 gegründet und erst 1930 erfolgte die Gründung des Erzbistums Paderborn. Der amtierende Erzbischof ist Udo Markus Bentz.
Insgesamt gibt es in Deutschland 7 Erzbistümer und 20 Bistümer, also 27 Diözesen bz. Erzdiözesen. In Deutschland hat die Katholische Kirche rund 19,8 Millionen Mitglieder, während alle Evangelischen Landeskirchen (EKD) zusammen über rund 17,4 Millionen Mitglieder verfügen. Die Mitgliederzahl der Kirchen nimmt in den letzten Jahren, u.a. durch Austritte ständig ab.
Kleiner geschichtlicher Abriss
Das Bistum Paderborn wurde im Jahr 799 durch Papst Leo III. während seines rund dreimonatigen Aufenthals in der Stadt und durch Karl den Großen errichtet (742-814) errichtet. Allerdings wurde das Bistum von Würzburg aus verwaltet. Das endete mit der Einsetzung des heiligen Hathumars, der aus sächsischem Geschlecht stammte, als Bischof der Diözese Paderborn.
Unter Bischof Meinwerk, Bischof von 1009 bis 1036, begannen die ersten Schritte zur Bildung eines fürstlichen Territoriums, das sich aber erst im 13. Jahrhundert konsolidierte. Das fürstliche Territorium begrenzte sich in seiner Ausdehnung allerdings nur auf die heutigen Landkreise Paderborn und Höxter. Im Zuge der Säkularisation während der napoleonischen Herrschaft wurde es 1802 Teil des preußischen Staates, jedoch blieb das Bistum bestehen.
Durch die päpstliche Bulle "De salute animarum" wurde dann im Jahr 1821 das Bistum Paderborn neu gegliedert, infolge der Neugliederung kamen das Bistum Corvey sowie Teile der Bistümer Mainz, Köln, Osnabrück, Minden, Halberstadt und Magdeburg dazu. Ein wichtiger Einschnitt für das Bistum war das Jahr 1930 – in diesem Jahr wurde das Bistum Paderborn zum Erzbistum und stand somit einer Kirchenprovinz vor. Erzbistum. Zu dieser neuen Kirchenprovinz gehörten seinerzeit die Bistümer Fulda und Hildesheim.
Mit der Gründung des Bistums Magdeburg nach der Wiedervereinigung im Jahr 1994 wurde der in Sachsen-Anhalt gelegene östliche Teil des Erzbistums ausgegliedert. Derzeit gehört das neu errichtete Bistum Magdeburg sowie das ebenfalls 1994 neu errichtete Bistum Erfurt zusammen mit dem Bistum Fulda zur Kirchenprovinz Paderborn. Das Bistum Hildesheim, das seit 1930 zur Kirchenprovinz Paderborn gehörte, wurde der neuen Kirchenprovinz (Erzbistum) Hamburg zugeteilt.
Öffentlicher Bistumshaushalt
Über den Öffentlichen Bistumshaushalt laufen u.a. die Kirchensteuer und eine Reihe von staatlichen Leistungen. Die Bilanzen dieses Haushalts sind öffentlich zugänglich bzw. werden vom Bistum veröffentlicht. Dieser Haushalt wird meistens von einem Gremium kontrolliert, in dem sich auch katholische Laien befinden.
Bischöflicher Stuhl
Unter diesem Begriff versteht man Teile des Eigentums eines Bistums bzw. Erzbistums, das nahezu steuerfrei ist. Eine Kontrolle üben der Bischof selbst und einige bischöfliche Institutionen - wie der Vermögensverwaltungsrat - aus. Dieses Vermögen wurde innerhalb vieler Jahre durch Schenkungen, Erbschaften, Stiftungen oder Aktien erworben. Auch Immobilien, Ländereien, Wälder, Brauereien, Banken oder Akademien und deren Erträge, wie z.B. Zinsen zählen dazu. Der Bischöfliche Stuhl ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts und ist gegenüber staatlichen Institutionen nicht auskunftspflichtig.
Vermögenshaushalt des Bistums
Der Vermögenshaushalt des Bistums ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Die Aufsicht führt ein so genannter Kirchensteuerrat, der seine Aufsicht aber meist an den Diözesanverwaltungsrat delegiert hat. Die Vermögenswerte bleiben gegenüber anderen Personen geheim, und es besteht gegenüber dem Staat und seinen Institutionen keine Auskunftspflicht. Zudem besteht nur eine eingeschränkte Steuerpflicht.
Vermögenshaushalt des Domkapitels
Der Vermögenshaushalt des Domkapitels ist ebenfalls eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, die dem Staat gegenüber nicht auskunftspflichtig ist und deren Vermögenswerte teilweise geheim sind. Zudem besteht nur eine eingeschränkte Steuerpflicht. Die Aufsicht führt das Domkapitel, das z.B. auch dem Papst Vorschläge für die Wahl eines neuen Bischof machen kann.
Die (Erz)Bistumskirche
Die Bischofskirche des Erzbistums Paderborn - also die Kathedralkirche - ist der Paderborner Dom St. Maria, St. Liborius und St. Kilian, der im Zentrum der Paderborner Innenstadt liegt. Der Dom in seiner heutigen Form mit einer dreischiffigen Hallenkirche und zwei Querhäusern entstand zwischen 1215 und 1280. Besonders beeindruckend ist der 93 m hohe romanische Westturm, dessen Helm mit den vier Ziertürmchen allerdings erst im 19. Jahrhundert entstand.
Wer die Krypta besucht, findet dort die Gebeine des Heiligen Liborius, dem Schutzpatron von Stadt und Erzbistum. Von der Krypta führt der Weg in die Bischofsgruft, die im Jahr 1935 angelegt wurde. Die älteste Hallenkirche nördlich der Alpen ist die dem Dom angegliederte und bereits 1017 geweihte Bartholomäuskapelle. Eine wichtige Sehenswürdigkeit stellt das so genannte "Dreihasenfenster“ dar. Dieses auf den ersten Blick eher unscheinbare Kunstwerk wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts geschaffen. Das an der Nordseite im Innenhof des Kreuzgangs befindliche Werk zeigt in einem Fenster drei kreisförmig angeordnete springende Hasen.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Dom immer wieder renoviert und umgebaut, dennoch wurde der Gesamteindruck der Kirche nicht wesentlich verändert. Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618-1648) wurde der Dom geplündert und dabei auch stark verwüstet. Aber bereits ab dem Jahr 1650 begann man mit der Wiederherstellung der Kirche. Dabei wurden die Seitenkapellen im Langhaus erneuert. Der Dom erhielt seinerzeit auch eine barocke Ausstattung, die durch die Bombenangriffe gegen Ende des Zweiten Weltkrieges (1939-1945) zu einem großen Teil zerstört wurde.
Seit dem Jahr 1895 wurde durch den Dombaumeister Arnold Güldenpfennig eine umfassende Restaurierung durchgeführt, in deren Verlauf der Südgiebel und der Ostgiebel neu gestaltet wurde. Nach den schweren Zerstörungen infolge der Bombardierungen im Verlauf des Jahres 1945 begann man nach Kriegsende sehr früh mit der Wiederherstellung des Domes. Die Leitung dieser Restaurierungsarbeiten oblag dem Domprobst Paul Simon und seinem Nachfolger Domprobst Joseph Brockmann. Im Jahr 1978 begann man erneut mit umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen, die sich über mehrere Jahre hinzogen.
Der Paderborner Erzbischof
Der amtierende Erzbischof von Paderborn ist Udo Markus Bentz, der am 3. März 1967 in Rülzheim in geboren wurde. Er absolvierte zunächst von 1986 bis 1988 eine Ausbildung zum Bankkaufmann, trat aber 1988 in das Priesterseminar Mainz ein und studierte Theologie und Philosophie an den Universitäten Mainz und Innsbruck. 1994 erfolgte seine Diakonenweihe und seine Priesterweihe empfing er am 1. Juli 1995 durch Bischof Karl Lehmann. Bis 1998 war er in der Propsteipfarrei Dom St. Peter und der Pfarrei St. Martin in Worms als Kaplan tätig. Daran schloss sich eine vierjährige Zeit als persönlicher Sekretär des Mainzer Bischofs Karl Lehmann an. Nach weiterführenden Studien wurde er 2007 bei Albert Raffelt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg mit einer theologiegeschichtlichen Dissertation zum Dr. theol. promoviert.
Am 15. Juli 2015 ernannte ihn Papst Franziskus zum Titularbischof von Sita und zum Weihbischof in Mainz. Die Bischofsweihe erteilte ihm Diözesanbischof Karl Kardinal Lehmann am Sonntag, 20. September 2015, im Mainzer Dom. Am 27. August 2017 ernannte ihn Bischof Peter Kohlgraf zum Generalvikar des Bistums Mainz. Am 1. November desselben Jahres wur-de Udo Bentz als residierender Domkapitular eingeführt und war damit Mitglied des Mainzer Domkapitels.
Am 9. Dezember 2023 wurde Bentz von Papst Franziskus zum Erzbischof von Paderborn er-nannt und am 7. Februar 2024 leistete er den Treueeid auf die Landesverfassung. Die Amts-einführung als Bischof fand am 10. März 2024 im Hohen Dom zu Paderborn statt.
Besoldung des Erzbischofs
Aufgrund des "Hauptschlusses der außerordentlichen Reichsdeputation" (Reichsdeputationshauptschluss) vom 27. April 1803 - nach den vorangegangenen Enteignungen der Kirchen unter Napoleon - zahlt der deutsche Steuerzahlen noch heutzutage ca. 500 Millionen Euro als Entschädigung an die beiden großen Kirchen - unabhängig von der Kirchensteuer. Davon werden u.a. die Bischöfe bzw. Erzbischöfe sowie die Weihbischöfe besoldet. Die Höhe dieser Besoldung entspricht in etwa der eines Staatssekretärs in einem Bundes- oder Landesministerium.