Ecuador: Pflanzen

Allgemeine Hinweise

Die Vegetation Ecuadors ist in bestimmte Bereiche unterteilt, die sich zum großen Teil nach deren Höhenlage richten.
Mangrovenwälder und laubabwerfende Wälder verteilen sich um den Küstenbereich, während man innerhalb die tropische Regenwaldzone in den Tief- und Bergländern antrifft. Das Grasland der Páramo-Vegetation findet sich in dem Andenhochland.
Etwa 20% der Flora Ecuadors sind endemisch, das heißt diese Pflanzen kommen nur hier vor.

Bäume

Während Mangrovensümpfe das Bild der Pazifikküste dominieren, prägen Laubwälder die Savannengebiete. Zahlreiche Lorbeerbäume, Eichen, Ebenholzbäume und Guyacans kann man im Manglares Churute, einem ökologischen Reservat, bewundern. Das Polylepis Privatreservat hat seinen Namen den dort wachsenden Polylepisbäumen (Papierbäumen) zu verdanken. Die rötlich-braune Rinde dieser Bäume ist sehr fein und besteht aus vielen einzelnen Schichten, was namensgebend für den Baum war.
Zu den Pionierbäumen gehört der bis zu 20 m hoch werdende Balsaholzbaum, den man oft in Sekundärwäldern antrifft. Sein Holz findet auf vielfache Weise Verwendung, u.a. auch als Ohrschmuck.
Die Regenwälder der Tief- und Bergländer sind besonders reich an den unterschiedlichsten und faszinierendesten Pflanzen.
Hier fällt besonders der etwa 40 m große Weiße Kapokbaum auf, da er die untere Schicht aus immergrünen Bäumen deutlich überragt. Charakteristisch sind die radial nach außen laufenden, etwa 5 m langen Brettwurzeln, die dem Baum den nötigen Halt vermitteln.

Nutzpflanzen

Die wenigen in Páramo wachsenden Bäume sind Eukalyptusbäume, die für den Holzerwerb angepflanzt wurden. Verschiedene Palmenarten sind ebenfalls wichtige Nutzpflanzen. So findet die Chonta-Palme eine vielseitige Verwendung. Das sehr harte Holz wird als Baustoff verwendet, die Früchte hingegen werden gerne gegessen sowie zum Verkauf angeboten. Aus den Fasern der Blätter der Chambira, einer bis zu 30 m hohen Fiederpalme, werden Hängematten und Fischernetze gedreht.
Zu den wohl wichtigsten Nutzpflanzen gehört das Maniok, welchen man auch unter den Namen Cassava oder Brotwurzel kennt.
Die Pflanze gehört zu den Wolfsmilchgewächsen, wird bis zu 3 m hoch, hat eine buschige Wuchsform und grünlich-gelbe Blüten.
Verwendet werden die stärkereichen, bis zu 8 cm dicken und bis zu 90 cm langen Wurzelknollen.
Alle Pflanzenteile enthalten einen Giftstoff, der aber durch Auswaschen und Hitzeinwirkung zerstört wird. Somit wird der Maniok genießbar. Weitere Anbaupflanzen sind Baumwolle, Kakao, Agaven, Reis, Kaffee und Tabak. Riesige Bananenplantagen, das ehemals wichtigste Exportgut, gibt es heute immer noch im westlichen Tiefland.
Zahlreiche Pflanzen werden als Färbemittel verwendet, so z.B. das stark rotfärbende Innere der Frucht des Annatostrauches.

Heilpflanzen

Das für seine beruhigende Wirkung bekannte Baldrian wächst im ökologischen Reservat Cayambe Coca.
Die Katzenkralle (Uña de Gato) ist eine Liane, die 3 - 9 cm dick und manchmal bis zu 100 m lang werden kann. Von dem hellroten Holz wird die Borke verwendet, aus der ein Sud zur Stärkung des Immunsystems gekocht wird.
Der Sud hilft bei Krankheiten, die durch Pilze, Bakterien oder Mikroben hervorgerufen wurden, aber auch bei Verletzungen, Arthritis und Gastritis, da es die Schmerzempfindlichkeit der entzündeten Gelenke verringert.
In den Achseln der paarweise angeordneten Blätter befinden sich gekrümmte Halte- oder Kletterorgane, denen die Liane ihren Namen zu verdanken hat.
Die Blüten, die während der Blütezeit anstelle der Dornen wachsen, enthalten eine weiße bis gelbliche oder orange Färbung und haben einen zimtartigen Geruch.
Eines der wichtigsten Heilmittel Ecuadors ist Sangre de Drago (Drachenblut), welches aus der Rinde von drei verschiedenen, zu den Wolfsmilchgewächsen gehörenden Bäumen gewonnenen wird.
Den blutroten Saft erhält man, wenn man den Stamm (oder auch die Äste) anschneidet. Er wirkt entzündungshemmend und wundheilend, wird aber auch bei Magengeschwüren, Krebs, Hepatitis, Tuberkulose, Durchfall und zahlreichen anderen Erkrankungen angewendet.
Der Tee aus Blättern des Zitronengrases wird gerne bei Kopf- oder Magenschmerzen getrunken.
Diese buschige Pflanze ist ein sehr häufiger Anblick in den Gärten, da ihre Kultivierung weit verbreitet ist.

Giftpflanzen

Giftig sind verschiedene Pflanzen wie die Strychnos toxifera oder die Grieswurzel, aus deren Rinden- und Blätterextrakt Curare hergestellt wird. Dieses atemlähmende Pfeilgift wird von den Ureinwohnern Ecuadors zum Jagen verwendet. Allerdings entfaltet es seine Wirkung ausschließlich über die Blutbahn, so dass die erlegten Tiere anschließend ohne Bedenken verzehrt werden können.
Eine weiteres nervenlähmendes Gift aus der zu den Schmetterlingsblütlern gehörenden und extra dafür kultivierten Barbasco-Pflanze wird zum Fischen verwendet.
Der giftige Milchsaft wird aus den Wurzeln und Zweigen gewonnen und in einen Fluss mit einem möglichst niedrigen Wasserstand gegeben. Die Fische werden so betäubt und können schließlich eingesammelt werden.
Eine der zahlreichen zeremoniellen Pflanzen ist die Engelstrompete, ein sehr giftiger, bis zu 5 m hoher baumartiger Strauch.
Diese Pflanze hat weich behaarte Blätter und blüht zwischen Juni und Januar. Die hängenden Blüten sind bis zu 25 cm lang und können weiß, gelb, orange oder rot sein. Es sind alle Pflanzenteile giftig, da sie Tropanalkaloide enthalten.
Die Symptome sind u.a. Erbrechen, Durchfall, Gesichtsröte, Schluckbeschwerden, Sehstörungen und Herzbeschwerden.

Weitere Pflanzen

Nahezu baumlos sind die Páramo-Gebiete in den Anden. Die hier dominierende Vegetation ist eher karg und besteht hauptsächlich aus Gräsern, Moosen, Flechten und Polsterpflanzen wie die Gattung der Espeletia. Verbreitet sind auch Frailejones, Greiskrautgewächse aus der Familie der Korbblütler, die eine Höhe von bis zu 3 m erreichen können. Übersetzt bedeutet der Name "Riesenmönche", da diese Pflanzen im Nebel zuweilen wie menschliche Gestalten erscheinen. Frailejones wachsen sehr langsam (weniger als 1 cm / Jahr) und blühen mit gelben Blüten zwischen November und Dezember.
Die Quinua, eine für die Inkas heilige Pflanze, wächst im Chimborazo Fauna Produktionsreservat. Orchideen, Bromelien, Baumfarne, Walnusssträucher sowie zahlreiche Anthurienarten gedeihen in Pululahua.

Die Eukalyptusbäume stammen ursprünglich aus Australien. Die Kiefern sind hier ebenfalls nicht heimisch, sondern wurden aus Mexiko und Kalifornien nach Ecuador eingeführt. Das die Graslandschaften bedeckende Molassegras stammt aus Afrika.
Das gerne in der Funktion als Heilpflanze kultivierte Zitronengras hat seine Heimat in Indien. Es wurde allerdings schon vor sehr langer Zeit nach Ecuador eingeführt und erfreut sich hier allgemeiner Beliebtheit.

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