Asiatische (Gemeine) Sandrasselotter, Echis carinatus

Allgemeines

Diese Schlangenart wird auch als "Gewöhnliche bzw. Gemeine Sandrasselotter" bezeichnet. Es gibt neben der hier dargestellten Art Echis carinatus noch die folgenden Arten der Gattung Echis:
  • Echis borkini (keine Unterarten
  • Echis coloratus (2 Unterarten)
  • Echis hughesi (keine Unterarten)
  • Echis jogeri (keine Unterarten)
  • Echis khosatzkii (keine Unterarten)
  • Echis leucogaster (keine Unterarten)
  • Echis megalocephalus (keine Unterarten)
  • Echis ocellatus (keine  Unterarten)
  • Echis omanensis (keine Unterarten)
  • Echis pyramidum (3 Unterarten)
Aufgrund der Bisse der Sandrasselottern und der Kettenvipern kommen mehr Menschen ums Leben als durch alle anderen Schlangen zusammen. Man schätzt, dass allein durch diese Schlangen zusammen mit den Kettenvipern über 20.000 Menschen jährlich ums Leben kommen. Auch für die Soldaten der deutschen Bundeswehr in Afghanistan bedeutete die Schlange eine gewisse Gefahr.
Die Schlangenart Echis carinatus kommt in den folgenden Unterarten vor:
  • Echis carinatus astolae (Vorkommen: Auf der Insel Astola vor Pakistan)
  • Echis carinatus carinatus (Vorkommen: Indien und ein kleiner Teil von Bangladesch)
  • Echis carinatus multisquamatus (Vorkommen: Nördliches Pakistan, Turkmenistan)
  • Echis carinatus sinhaleyus (Vorkommen: Sri Lanka)
  • Echis carinatus sochureki (Vorkommen: Nordwestliches Indien, Südliches Afghanistan, Iran, Pakistan, Vereinigte Arabische Emirate, Oman)

Systematische Einteilung

Familie Vipern (Viperidae)
Gattung Sandrasselotter (Echis)
Art Asiatische Sandrasselotter (Echis carinatus)

Ausländische Bezeichnungen

  • Englisch: Indian saw scaled viper bzw. Central Asian saw scaled viper
  • Französisch:

Aussehen, Verhalten

Die Länge dieser Schlangenart beträgt im Durchschnitt 50-70 cm, sie kann in Einzelfällen aber auch 80 cm geringfügig überschreiten.
Die Echis carinatus Art ist eine untersetzte aber dennoch insgesamt schlank wirkende Schlange. Ihr Kopf hat eine abgerundete Dreiecksform, der deutlich vom Körper abgestzt wirkt. Die Augen liegen relativ weit vorne am Kopf und sind rund - mit im Licht senkrecht geschlitzten Pupillen.

Die Farbe und Zeichnung der Schlangenart variieren sehr stark, vor allem in Abhängigkeit von ihren Unterarten und ihrem Vorkommen. Man kann aber feststellen, dass ihre Grundfarbe von graubraun, sandbraun, gelblichbraun bis zum dunkelbraun reicht. Die mittlere Region ihrer Oberseite ist meist dunkler gefärbt als die Flanken und ist von einer Reihe dunkler Flecken, die hell umrandet sein können, überzogen. Diese Flecken sind quergestellt und reichen vom Nacken bis zum Schwanz. An den Flanken zieht sich meist eine helle, nach unten dunkel begrenzte wellenförmige Linie hin. Die Bauchseite ist cremefarben oder porzellanweiß mit einer eher dunkel gesprenkelter Fleckung. Ihre Körperschuppen sind gekielt, wobei die 25-40 Schuppenreihen in der Körpermitte auf dem Rücken sägezahnartig gekielt sind.

Sie bewegt sich auch"seitenwindend" fort, was vor allem auf sandigem Untergrund eine sehr schnelle Beweglichkeit schafft.

Als Warnsignal oder Drohgebärde kann sie mit den gekielten Flankenschuppen rasselnde Geräusche erzeugen. Wer diese Signal hört, sollte sofort adäquat reagieren (stehen bleiben und sich langsam rückwärts entfernen).
Die Tiere sind überwiegend dämmerung- und nachtaktiv. Sie sind leicht reizbar, bei einer Bedrohung rollt sie sich ein und hält den Kopf auf den Körperschlingen stoßbereit. Aus dieser Lage kann sie dann blitzschnell zubeißen
Sie ernähren sich von kleinen Säugetieren, Vögeln, Echsen, Insekten, kleineren Schlangen und Fröschen
Die meisten Unterarten sind lebendgebärend und bringen bis zu bis zu 15 Junge zur Welt.

Vorkommen

Die Schlange kommt mit allen ihren Unterarten in den folgenden Ländern vor. Dabei kann sie sowohl auf Meereshöhe wie auch auf Höhen bis zu ca. 2.000 m leben:
Afghanistan
Indien
Iran
Pakistan
Sri Lanka
Bangladesch
Vereinigte Arabische Emirate
Oman
Turmenistan

Sie lebt vorwiegend in Trockengebieten wie Wüsten oder Halbwüsten, und gerne dort wo es Felsen, Geröll oder dichtes Buschwerk gibt. Auch in den dortigen Berghängen findet man die Schlange. Aber auch an den Rändern von landwirtschaftlich genutzten Flächen, vor allem im Bereich von Oasen, kann man auf das Tier treffen.

Vermeiden eines Bisses

Da die Schlange sich tagsüber meist versteckt hält und bei einer Annäherung auch nicht flüchtet, besteht die Gefahr, unbeabsichtigt auf das Tier zu treten. Bei derartigen "Begegnungen" kann die Schlange auch keine Warnsignale aussenden und beißt daher sofort zu. Daher ist hohes und festes Schuhwerk und eine weite Hose sehr zu empfehlen. Auf keinen Fall sollte man irgendwo in Büsche, Geröll, altes Mauerwerk u.ä. hineinfassen. Und beim Ertönen des Rasselgeräuschs sofort stehen bleiben und, sofern man den Standort der Schlange erkannt hat, sich langsam rückwärts entfernen. Unter keinen Umständen das Tier ärgern oder gar versuchen, es zu fangen oder zu töten.

Art des Gifts

Bei dem Gift dieser Echis-Art handelt es sich um ein hochwirksames Gift, das in die Blutgerinnung eingreift. Das von dieser Schlange injizierte Enzym aktiviert den Faktor X (Stuart-Prower-Faktor) des Blutgerinnungssystems zum Faktor Xa. Dieser aktivierte Faktor Xa bildet zusammen mit dem im Blut vorhandenen Faktor V einen so genannten Prothrombinaktivator, der das ebenfalls im Blut vorhandene Prothrombin in Thrombin umwandelt. Das Thrombin wandelt dann durch Abspaltung der Fibrinopeptide A und B vom Fibrinogen dieses in das Fibrin um. Fibrin ist ein hochmolekulares und wasserunlösliches Protein (Eiweiß), das zahlreiche Quervernetzungen besitzt und das Endprodukt der Blutgerinnung darstellt.
Dieser Blutgerinnungsprozess kann so weit gehen, bis das Blut so gut wie ungerinnbar geworden ist. Man spricht dann von einer Verbrauchskoagulopathie, die ansonsten hin und wieder bei schweren Operationen auftritt. Trotz dieses Blutgerinnungs-Mechanismus nach einem Biss findet in der Regel keine Thrombosebildung statt.

Folgen eines Bisses

Die lokalen Symptome, also im Bereich der Bissstelle sind Schmerzen (meist nur mäßig) und Schwellungen mit einem Schwellungsmaximum nach etwa 24 h, weiterhin treten regionale Lymphknotenschwellungen und lokale Blasenbildung ohne Entstehung einer Nekrose auf.
Es kommt selten zu einem Schock oder zur ST-Strecken-Senkung im EKG. Blutungen sind in den ersten 6 h eher selten, sie entstehen meist nach 7 bis 48 Stunden, aber spätestens nach 72 h. Es ist mit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Atemnot (Dyspnoe) zu rechnen. Aufgrund der schweren Gerinnungsstörungen ist mit einem völligen Zusammenbruch der Blutgerinnung zu rechnen (Verbrauchskoagulopathie), was zu schweren inneren Blutungen führen kann. Außerdem kann es zu Nierenschädigungen und Blutungen im Gehirn kommen. Ein akutes Nierenversagen ist dagegen eher nicht zu erwarten

Gegenserum, Antiserum

Es gibt gegen diese Schlangenart diverse monovalenteund polyvalente Antiseren. Polyvalente Antiseren sind Seren, die gegen das Gift für eine ganze Reihe verschiedener Schlangenarten entwickelt wurden, sie sind aber meist nicht so wirksam wie monovalente Antiseren. Bei der Anwendung polyvalenter Antiseren gilt die allgemeine Regel:
Es sollte stets das Antiserum bevorzugt verwendet werden, dessen Herstellungsort dem Vorkommen der Schlange (Bissort) am nächsten liegt!

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Übersichtlichkeit halber hier nochmals erklärt:

  • unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden
  • die Schlange möglichst identifizieren
  • darauf achten, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser, Säften und nicht als Alkohol, Cola oder Kaffee
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt
  • das Aussaugen oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen
  • das Ausschneiden der Bisswunde verschlimmert möglicherweise die Giftwirkung, da es z.B. bei Gerinnungsstörungen zu unkontrollierten Blutungen kommen kann
  • auch das Kühlen mit Eis hat sich als wirkungslos und teilweise sogar schädlich erwiesen. Durch starkes Kühlen können sich bildende Gewebsnekrosen verstärkt werden und es kann zu Durchblutungsstörungen kommen

Das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes wird nach einem Biss  dieser Schlange nicht empfohlen.

Prognose nach einem Biss

Ohne eine adäquate ärztliche Versorgung ist in vielen Fällen mit dem Tod zu rechnen. Mit Spätschäden ist dagegen eher nicht zu rechnen.

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit der folgenden sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen:

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Tel.: 0043 - 4275 - 23165
Mobil: 0043 - 676 - 734 4 270

Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter folgender Webadresse:
www.reptilienzoonockalm.at

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Kompetente Giftnotruf-Zentralen - die auch im Fall von Schlangenbissen im Ausland - 24-stündig erreichbar sind, finden Sie unter: