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Wolf
Systematische Einteilung
Selbst in Märchen kommt der Wolf meist als böses Tier daher. Und in Deutschland gab es - auch deshalb - bis vor wenigen Jahren keine freilebenden Wölfe mehr. Aber mittlerweile hat sich die Einstellung zu diesen schönen und sehr scheuen Rudeltieren zum Positiven gewandelt. Es ist zu hoffen, dass dieses Tier auch in Deutschland bald wieder in größerer Stückzahl heimisch wird. Erste erfolgsversprechende Anfänge sind bereits gemacht
| Ordnung | Raubtiere (Carnivora) |
|---|---|
| Familie | Hunde (Canidae) |
| Gattung | Echte Hunde (Canis) |
| Art | Canis Lupus |
Ausländische Bezeichnungen
- Englisch: Gray wolf
- Französisch: Loup
Einleitung
Der Wolf, in Sagen und Märchen als Isegrim bezeichnet, spielt meist eine unerfreuliche Rolle, und wer ein solch "böses" Tier zur Strecke bringt, wird in der Regel gelobt. In einem Märchen frisst er Rotkäppchens Großmutter und in einem anderen die Sieben Geißlein und wird am Ende jeweils mit dem Tod bestraft. In allen Gegenden, in denen Wölfe leben bzw. lebten gibt es Erzählungen über Angriffe von Wolfsrudeln auf Reisende oder Kindesraub durch einzelne Tiere. Traurige Berühmtheit erlangte die "Bestie von Gévaudan", ein angeblich riesiger Wolf, der in Südfrankreich Mitte des 18. Jahrhunderts über hundert Menschen getötet haben soll. Dies hatte zur Folge, dass die Wölfe dieser Region gnadenlos gejagt wurden. An Schauergeschichten herrscht also kein Mangel, doch entbehren die meisten Geschichten jeglicher Wahrheit. Allerdings dringen in Einzelfällen die sonst so menschenscheuen Wölfe, vom Hunger getrieben, im Schutze der Dunkelheit in Gehöfte und kleine Dörfer ein, so dass es theoretisch zu Zwischenfällen kommen könnte. Aber in der Regel gehen die Wölfe dem Menschen aus dem Wege und sind eher scheue Tiere. Der Wolf ist aber auch der Stammvater aller heute lebenden Hunderassen, aus ihm hat der Mensch seinen besten Freund den Hund gezüchtet, der sich mit dem Wolf verpaaren lässt und lebensfähige Junge hervorbringt. Mit seiner Domestizierung vor etwa 15.000 Jahren begann der Übergang vom Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern. Ohne ihn würde es unsere heutige Zivilisation vielleicht in dieser Form nicht geben.
Vorkommen
Die verschiedenen Unterarten des Wolfes besiedeln weite Teile Europas, Asiens und Nordamerikas. Selbst die Arktis (Polarwolf) und die arabische Halbinsel (Arabischer Wolf) hat er sich erobert. In ganz Europa leben noch etwa 20.000 Wölfe, die Hälfte davon in Russland. Kleine Bestände gibt es in Portugal, Spanien, Italien und Finnland. Über Osteuropa, speziell Polen und Rumänien, haben sie auch Deutschland wieder besiedelt. Die ersten zwei Rudel haben sich inzwischen in der Oberlausitz (Sachsen) fest eingerichtet und ziehen dort erfolgreich ihre Jungen groß. auch in Bayern soll es wieder Wölfe geben. Und am 24. April 2007 wurde auf einer Bundesstraße in Schleswig Holstein ein einjähriger Wolfsrüde von einem Auto überfahren und tödlich verletzt.
Merkmale
Der Wolf ist das größte Mitglied der Hundefamilie. Die nordamerikanische Unterart wird bis zu 160 cm lang, erreicht eine Schulterhöhe von 1 m und wird 80 kg schwer. Die europäischen Tiere sind etwas kleiner. Das lange, dichte Fell ist in Grautönen gefärbt, im Nordwesten Amerikas gibt es schwarze und in der Arktis ganz weiße Tiere. Die Männchen sind im Allgemeinen größer als die Weibchen. Die lange Schnauze mit der hervorstehenden Nase ist für den ausgezeichneten Geruchssinn verantwortlich: Wölfe riechen etwa hundertmal besser als Menschen und können ihre Beute über 2 km mit dem Wind wahrnehmen. Die dreieckigen und gut beweglichen Ohren verleihen ihm ein ebenso vorzügliches Gehör. In freier Wildbahn werden Wölfe selten älter als 10 Jahre alt, in menschlicher Obhut können sie bis zu 20 Jahre alt werden.
Lebensweise und Lebensraum
Die 44 Unterarten bewohnen nahezu alle Lebensräume. Man findet Wölfe von der Polargegend bis hin zur Wüste, in Wald und Steppe ebenso wie im Hochgebirge. Im Folgenden soll das Verhalten der großen nordamerikanischen und europäischen Wölfe näher beschrieben werden: Wölfe sind sehr soziale Tiere und leben in festen Verbänden, die gemeinsam ihr Revier verteidigen. Ein solches Rudel umfasst durchschnittlich 5-8 Mitglieder und wird vom ranghöchsten Tier, dem Alpha-Männchen angeführt. Bei den Weibchen gibt es eine ebensolche Rangordnung und nur das Alpha-Paar hat das Anrecht auf Nachwuchs. Die 4-7 Jungen kommen nach einer Tragezeit von 61-63 Tagen häufig in erweiterten Fuchs- oder Dachsbauten zur Welt. Da es in einem Wolfsrudel immer nur einen Wurf gibt, um den sich aber alle Mitglieder kümmern, wird sichergestellt, dass alle Tiere überleben und nicht auf Grund von Nahrungsknappheiten eingehen. Wölfe jagen gemeinschaftlich und können so Beutetiere überwältigen, die zehnmal so groß sind wie sie selbst. Ihre wichtigste Beute sind Wapiti und Elch, sie begnügen sich aber auch mit Kleinerem, wie Mäusen, Vögeln, Fischen, Heuschrecken und Beeren. Bei großen Beutetieren handelt es sich meist um kranke, alte oder ganz junge Mitglieder einer Herde. Können sie den Riss nicht auffressen, so wird er versteckt und später wieder aufgesucht. Ein Wolf kann in einer Mahlzeit bis zu 9 kg Fleisch aufnehmen, in Notzeiten aber auch zwei Wochen ohne Nahrung auskommen.
Feinde
Der Wolf hat nur einen Feind, den Menschen. Er wurde seines Pelzes wegen gejagt, als Nahrungskonkurrent vertrieben oder einfach aus Angst oder aus Aberglauben verfolgt und in entlegene Rückzugsgebiete verdrängt.
Besonderheiten
Körpersprache und Mimik spielen im Zusammenleben der Wölfe eine besondere Rolle. Selten kommt es im Rudel zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Die Stellung der Ohren, Zähnefletschen, Körperstellung und Schwanzhaltung sind wichtige Mittel zur Kommunikation. Das berühmte Heulen dient der Gleichschaltung der Aktivitätsphasen und fördert den Zusammenhalt der Gruppe. Gleichzeitig signalisiert es benachbarten Rudeln, dass das Gebiet besetzt ist und verhindert somit Revierstreitigkeiten.
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