Wissen » Giftschlangen » Giftschlangen: Kettenviper, Russellviper

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Kettenviper, Daboia russelii

Inhaltsverzeichnis

  1. Allgemeines
  2. Systematische Einteilung
  3. Aussehen, Verhalten
  4. Vorkommen
  5. Vermeidung eines Bisses
  6. Art des Gifts
  7. Folgen eines Bisses
  8. Erste Hilfe
  9. Gegenserum (Antiserum)
  10. Prognose
  11. Zusammenarbeit
  12. Giftnotruf-Zentralen

Allgemeines

Die Kettenviper teilt sich mit der Sandrasselotter (Echis carinatus) den zweifelhaften Ruf, für die meisten Schlangenbisse mit tödlichem Ausgang verantwortlich zu sein. Es gibt in Abhängigkeit von dem Land ihres Vorkommens eine Reihe von Unterarten dieser Schlangenart:
Daboia russelii formosensis (Taiwan)
Daboia russelii limitis (indonesische Inseln)
Daboia russelii pulchella (Südindien, Sri Lanka)
Daboia russelii russelii (Pakistan, Indien, Bangladesch)
Daboia russelii siamesis (Myanmar, Kambodscha, Thailand)

Systematische Einteilung

FamilieVipern (Viperidae)
Gattung Orientalische Viper (Daboia)
ArtKettenviper (Daboia russelii)

 Ausländische Bezeichnungen:

  • Englisch:  Russells viper
  • Französisch:

Aussehen, Verhalten

Diese sehr giftige Viper erreicht eine Länge zwischen, 1,00 m und 1,50 m. Ihre Färbung variiert stark und reicht von orange, rosa bis zu einem Grau- oder Braunton. Über ihrer Grundfärbung befinden sich drei Längsreihen hell umrandeter kleinerer ovaler Bereiche, dere mittlere Reihe auf dem Rücken oft zu einer Kette zusammengefasst ist - daher der Name Kettenviper. Oft zeigt sie weitere Reihen kleiner dunkle gefärbter Punkte bzw. Flecken. 
Der Kopf der Schlange setzt sich deutlich vom Hals der relativ schlanken Schlange ab, er ist flach und nahezu dreieckig geformt. Die recht großen Nasenlöcher werden von nur einem Nasenschild bedeckt. Die relativ großen Augen werden von 10 bis 15 Schuppen umgeben. Wie bei den Vipern typisch, befinden sich Ihre Giftzähne vorne im Maul und können ein- bzw. ausgeklappt werden - beim Zubeißen.
Sie ist lebend gebärend und bringt bis zu ca. 50 Junge zur Welt. Das Tier ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und ernährt sich vorwiegend von kleinen Säugern und Vögeln.
Wenn sie gereizt wird oder das Tier sich bedroht fühlt, rollt sie ihren Körper eng zusammen und gibt laute zischende Geräusche von sich. Aus dieser Lage beißt sie dann auch sehr schnell und mit großer Kraft zu. Wegen ihrer langen Giftzähne dringt das Gift sehr "effektiv" tief ins Gewebe ein. Um einem Biss zu entgehen, muss man einen Abstand von der Schlange haben, der etwa dem 1,5- bis 2-fachen ihrer Länge entspricht.

Vorkommen

Die Kettenviper kommt in den folgenden Ländern vor:
Bangladesch
Indien
Myanmar
(früher: Burma)
Pakistan
Sri Lanka
Süd-östliches China 
Thailand
Taiwan
Indonesien
(Java und kleine Sundainseln)

Sie bevorzugt eher trockene oder wenig feuchte Regionen. Man findet sie vor allem im Grasland, aber auch in Buschlandschaften. Auch in den Randvegetationen an den Ufern von Flüssen ist sie zu finden. Als Kulturfolger hält sie sich auch in landwirtschaftlich genutzten Flächen oder Gärten auf. Obwohl sie durchaus in dichtem Gebüsch vorkommt, meidet sie Waldgebiete mit einer dichten Vegetation.  Die größten Höhen, in denen sie beobachtet wurde, lagen sogar über 2.000 m.

Vermeidung eines Bisses

Gebiete, in denen diese Schlange vorkommen kann, sollte nur mit festem und hohem Schuhwerk begangen werden. Die Kettenviper befindet meist gut getarnt im Gras oder Gestrüpp und beißt sehr schnell zu. Ein festes Auftreten bringt allerdings kaum Erfolg, da das Tier in der Regel nicht flüchtet. Das Tier sollte nicht gereizt und auf keinen Fall sollte im Falle einer Begegnung versucht werden, es zu fangen oder gar zu töten. Bei einer Begegnung auf Abstand bleiben bzw. sich vorsichtig entfernen. Die Warnsignale in Form eines lauten Zischens dürfen auf keinen Fall ignoriert werden.
Das Schlafen im Freien, z.B. einem Schlafsack, kann nur als Leichtsinn angesehen werden. Es sollte dabei mindestens ein Zelt sollte benutzt werden, und zwar so, dass keine Tiere und damit auch keine Schlangen herein können. Beim Übernachten in Hütten, Wohnmobilen u.ä. stets die Türen geschlossen halten.

Art des Giftes

Das Gift der Kettenviper ist ein Mischgift. Die Anteile der verschiedenen Gifte variieren in Abhängigkeit von der Region und den dort lebenden Unterarten. Die meisten Anteile sind jedoch hämotoxisch (das Blut schädigend) und gewebetoxisch. Es werden dadurch mittels Proteasen und der Phospholipase A2 die Blutzellen und vor allen die Eiweiße des Muskel-Gewebes zerstört. 
Die Phospholipase A2 ist ein Enzym, das die Lipidschicht der Zellmembranen im menschlichen Organismus zerstört und damit die Zellen schwer schädigt. Kortisongabe kann deren Wirkung übigens einschränken. 
Proteasen sind Biokatalysatoren, die Eiweße "zerschneiden" und damit zerstören. Sie werden z.B.  manchen Waschmitteln zugesetzt, um Eiweißflecken zu entfernen.
Beim Menschen gelten 10 bis 15 mg  des Gifts der Schlange - je nach Gewicht, Alter und Allgemeinzustand - als tödlich. Die gesamte Giftmenge in den Giftdrüsen beträgt beim erwachsenen Tier zwischen 150 mg bis 250 mg, die aber bei einem Biss nicht vollständig abgegeben wird.

Folgen eines Bisses, Verhalten der Person

Die Symptome nach einem Vollbiss dieser Schlange sind ein sofortiger starker Schmerz, starke Schwellungen, Ödememe und Nekrosen an der Bissumgebung. Der Kreislauf reagiert mit einem Blutdruckabfall (Hypotonie) bis hin zu einem Kreislaufkollapps mit einer (kurzen) Bewusstlosigkeit. Die Blutschädigung zeigt sich in einer starken Verminderung der Blutgerinnung bis hin zur Verbrauchskoagulopatie, also dem völligen Zusammenbrechen der Blutgerinnung. 
Es kommt zu Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinstrübungen. Bei einigen Unterarten (z.B.  Russelli Pulchella und Russelli Russelli) kann es auch zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungen, starken Muskelschmerzen bis hin zu einer Rhabdomyolyse- also der Auflösung der quergestreiften Muskulatur kommen (Skelettmuskulatur, Herzmuskel, Zwergfell). Auch mit einem Nierenversagen muss gerechnet werden.

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Bequemlichkeit halber hier nochmals abgedruckt:

  • unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden
  • die Schlange möglichst eindeutig identifizieren
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser, Säften o.ä und nicht als Alkohol, Cola oder Kaffee.
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt.
  • sollten Atembeschwerden auftreten, kann das Leben über viele Stunden mittels einer Mund-zu-Mundbeatmung erhalten bzw. verlängert werden.
  • das Aussaugen Ausschneiden oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen

Neben diesen allgemeinen Maßnahmen ist bei einem Biss der Kettenviper vom Anlegen eines Immobilisierungs -Druckverbandes abzuraten.

Gegenserum (Antiserum)

Es gibt diverse monovalente sowie polyvalente Gegenseren. Die Gabe eines Antiserums ist stets mit der Gefahr einer allergischen Reaktion bis hin zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock verbunden. Daher ist dessen Anwendung stets im Einzelfall genau abzuwägen und sollte nur durch einen erfahrenen Arzt in einem entsprechenden Zentrum erfolgen. Bei der Injektion dieses Schlangengifts ist die Gabe eines Antiserums in ausreichender Menge allerdings angebracht.

Prognose

Ohne Behandlung ist mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit mit dem Tod zu rechnen. Sofern man den Biss überlebt hat, ist aufgrund der Nekrosen durchaus mit bleibenden Schäden oder Folgeschäden an der gebissenen Extrimität zu rechnen, die einer späteren Behandlung bedürfen

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit der folgenden sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen:

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Tel.: 0043 - 4275 - 23165
Mobil: 0043 - 676 - 734 4 270

Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter folgender Webadresse:
www.reptilienzoonockalm.at

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Kompetente Giftnotruf-Zentralen - die auch im Fall von Schlangenbissen im Ausland - 24-stündig erreichbar sind, finden Sie unter:

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland

Giftnotruf-Zentralen in Österreich und der Schweiz

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Kommentare
Dr. Philipps, Biologielehrer aus Bayern  (Mittwoch, 21.01.2009)
Sehr geehrtes Goruma-Team. Herzlichen Dank für diese fantastische Darstellung der Kettenviper. Den Dank hier verknüpfe ich aber gleichzeitig mit einem generellen Kompliment für die gesamte Schlangenseite. Nirgends sonst im Netz habe ich eine so komprimierte und sachlich fundierte Beschreibung so vieler Giftschlangen gefunden wie bei Ihnen!
Susi  (Sonntag, 19.10.2008)
Liebe Susi, ich habe gestern einen Bericht über Kettenvipern in Indien gesehen und mich gleich informiert. Lies Dir das mal durch zur Information. 1000 Bussis Papa


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