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Insel-Lanzenotter, Bothrops insularis

Inhaltsverzeichnis

  1. Allgemeines
  2. Systematische Einteilung
  3. Aussehen, Verhalten
  4. Vorkommen
  5. Vermeidung eines Bisses
  6. Art des Gifts
  7. Folgen eines Bisses
  8. Erste Hilfe
  9. Gegenserum (Antiserum)
  10. Prognose
  11. Zusammenarbeit
  12. Giftnotruf-Zentralen

Allgemeines

Es gibt die folgenden verschiedene Arten der Gattung der amerikanischen Lanzenotter (Bothrops):

Bothrops alcatrazBothrops jararacussu
Bothrops alternatusBothrops jonathani
Bothrops ammodytoidesBothrops lanceolatus
Bothrops andianusBothrops lojanus
Bothrops asper Bothrops lutzi
Bothrops atrox Bothrops marajoensis
Bothrops barnetti Bothrops marmoratus
Bothrops braziliBothrops matogrossensis
Bothrops caribbaeusBothrops moojeni
Bothrops colombianusBothrops muriciensis
Bothrops colombiensisBothrops neuwiedi
Bothrops cotiaraBothrops pauloensis
Bothrops diporusBothrops pictus
Bothrops erythromelasBothrops pirajai
Bothrops fonsecaiBothrops pirajai
Bothrops insularisBothrops pubescens
Bothrops itapetiningaeBothrops sanctaecrucis
Bothrops jararacaBothrops venezuelencis

 

Die hier dargestellte Insel-Lanzenotter besitzt eine große Besonderheit. Sie existiert nur auf einer kleinen Insel vor der Ostküste von Brasilien - Queimada Grande - und ist eine der giftigsten Schlangen ganz Südamerikas. 
In dem Film "Queimada - Insel des Schreckens" von 1969 mit Marlon Brando wurde die Gefährlichkeit dieser Schlangen dramatisch - aber auch etwas übertrieben -  dargestellt.


Systematische Einteilung

FamilieVipern (Viperidae)
UnterfamilieGrubenottern (crotalinae)
GattungAmerikanische Lanzenottern (Bothrops)
ArtInsel-Lanzenotter (Bothrops insularis)

 Ausländische Bezeichnungen

  • Englisch: Golden lancehead
  • Französisch:

Aussehen, Verhalten

Die Schlange besitzt eine Länge von etwa 0,70, bei einer "Rekordlänge" von 1,18. Ihr schlanker Körper ist gelblich, gelbbraun bis orangefarben, sodass sie in ihrer natürlichen Umgebung schwer zu erkennen ist. Sie lebt überwiegend auf Bäumen. Da es auf Grund der riesigen Menge an Schlangen auf der Insel praktisch keine für sie essbare Lebewesen mehr gibt, ernährt sie sich von Zugvögeln. 
Die Insel wurde gegen Ende der letzten Eiszeit vom Festland abgeschnitten, sodass sich diese einzigartige Schlangen-Population bilden konnte. Unter den Schlangen gibt es vier verschiedene Geschlechter. "Normale" Männchen und Weibchen und Weibchen mit männlichen Geschlechtsorganen sowie Männchen mit weiblichen. 
Ihr hochwirksames Gift entwickelten die Tiere wohl deswegen, um die durchziehenden Vögel sehr schnell betäuben bzw. töten zu können und damit als Nahrung nutzen zu können.

Vorkommen

Diese Schlange kommt nur auf der kleinen Insel Queimada Grande vor der Ostküste Brasiliens in der Nähe Sao Paulos vor. Diese Insel hat eine Größe von rund 1.500 m mal 500 m und besitzt eine Schlangenpopulation von mehr als 5.000 Tieren. Eine weltweit einmalige Schlangendichte. aufgrund der geringen Anzahl der Tiere und der Tatsache, dass es auf der Insel häufiger zu Bränden kam, ist das Überleben dieser Art bebroht. Für Besucher ist die Insel strikt gesperrt.

Vermeidung eines Bisses

Die Insel, auf der die Schlange lebt, gilt als "Insel des Todes" und als nahezu unbetretbar, daher ist die Insel auch für jede Art von Besuchern strikt gesperrt. Segler und andere Wassersportler sollten sich unbedingt an dieses Verbot halten - um sich selber nicht zu gefährden, aber auch um den Bestand zu erhalten. Ohne sehr genaue Kenntnisse des Verhaltens dieser Schlangen und ohne ausreichende Sicherheitsvorkehrungen ist ein Betreten der Insel extrem gefährlich.

Art des Giftes

Ihr Gift soll um einiges potenter sein, als das einiger gefürchteter Festlandbothropsarten. Da die Schlange sich fast ausschließlich von Vögeln ernährt, benötigt sie natürlich ein schnell wirkendes Gift. 
Der Hauptanteil des Giftes ist ein die Blutgerinnung störendes Gift sowie ein das Muskelgewebe auflösendes Protein (Proteasen). In dem Gift befindet sich außerdem die Phoslipase A2, die die Lipidschicht der Zellmembranen zerstört und damit auch die gesamte Zelle (cythotoxisch).
Die LD50 des Gifts liegt bei Labortieren auf ein Kilo Tiergewicht berechnet bei etwa 0,5 mg. Unter der LD50 versteht man die Menge an Gift pro Kilogramm Tiergewicht, bei der die Hälfte der Labortiere - meist Mäuse - (50%), verstirbt. Die Übertragung auf den Menschen ist dabei - wie oft bei Tierversuchen - nur bedingt aussagekräftig. Aber eine bessere Aussagemöglichkeit gibt es derzeit nicht.
Es sei erwähnt, dass das Gift junger Schlangen stärker auf die Blutgerinnung wirkt als das von älteren Schlangen.

Folgen eines Bisses

Da die Insel für jeglichen Besucher strikt gesperrt ist, kann man davon ausgehen, dass Touristen u.ä. kaum mit dieser Schlange in Kontakt kommen. Dennoch seien die Folgen eines Bisses dieser Schlange vorgestellt.
Die ersten Symptome nach einem Vollbiss dieser Schlange sind bereits nach ca. 10 Min. Ödeme um die Bissstelle herum, was mit starken Schmerzen verbunden ist. Nach einigen Stunden entstehen große Blasen und die Haut ist rötlich bis blau verfärbt. Weiterhin kommt es zu Blässe, Übelkeit bis hin zum Erbrechen sowie starkem Herzrasen. Später bilden sich schwere Gewebsnekrosen (Zugrundegehen von Gewebe). Weiterhin kommt es zu starken, auch inneren, Blutungen bis hin zu einem völligen Zusammenbruch der Blutgerinnung (Verbrauchskoagulopathie). Die starken Blutungen können zu einem allgemeinen Schockzustand (hämorrhagischer Schock) führen, der ohne Behandlung zum Tode führt..

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Bequemlichkeit halber hier nochmals abgedruckt:

  • unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen
  • darauf achten, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen, z.B. an der Bissstelle in Form von Schmerzen und Ödemen
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser oder Säften und nicht als Alkohol oder Kaffee
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt
  • das Aussaugen oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen
  • das Ausschneiden der Bisswunde verschlimmert möglicherweise die Giftwirkung, da es z.B. bei Gerinnungsstörungen zu unkontrollierten Blutungen kommen kann

Das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes ist nach einem Biss dieser Schlange nicht nur nicht empfehlenswert, sondern verschlimmert die Bissfolgen nur noch. Möglicherweise sogar ganz beträchtlich. Näheres siehe unter Giftschlangen

Gegenserum (Antiserum)

Es gibt kein verlässlich wirksames Gegenserum. Aber es gibt möglicherweise verwendbare polyvalente Antiseren, die gegen das Gift der verschiedensten Bothropsarten entwickelt wurden. 
Die Gabe eines Antiserums ist stets mit der Gefahr einer allergischen Reaktion bis hin zum lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock verbunden. Daher ist dessen Anwendung stets im Einzelfall genau abzuwägen und sollte nur durch einen erfahrenen Arzt erfolgen. Aber nach einem Biss dieser Schlange gibt es ohne Zweifel keine Alternative zur Gabe eines Antiserums. Eines der führenden Institute in Südamerika zur Herstellung von Antiseren und der Erforschung von Schlangengiften ist:

Instituto Butantan
Centro de Biotechnologia
Avenue Vital Brazil
Sao Paulo
Brasilien

Prognose

Ohne Behandlung ist nach einem Vollbiss dieser Schlange mit großer Sicherheit mit dem Tod zu rechnen. Auf Grund des das Gewebe zerstörerischen Potenzials des Giftes dieser Schlange ist mit bleibenden Gewebs-Schäden an der Umgebung der Bissstelle zu rechnen. In besonders schweren Fällen kann es, trotz guter medizinischer Versorgung bzw. Behandlung, sogar zum Verlust der gebissenen Extremität kommen.

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit der folgenden sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen:

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Tel.: 0043 - 4275 - 23165
Mobil: 0043 - 676 - 734 4 270

Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter folgender Webadresse:
www.reptilienzoonockalm.at

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Kompetente Giftnotruf-Zentralen - die auch im Fall von Schlangenbissen im Ausland - 24-stündig erreichbar sind, finden Sie unter:

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland

Giftnotruf-Zentralen in Österreich und der Schweiz

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Kommentare
Henry  (Samstag, 11.07.2009)
Die Schlangen haben normalerweise keine Möglickheit einen Menschen zu beißen, was früher anders war es als der Leuchturm noch mit Personal betrieben wurde, Bei einer solch hohen Populationsdichte muß man ja förmlich auf die Tiere treten, was zu Bissen führt. Die Giftigkeit ist natürlich wesentlich höher als bei den Artgenossen da sie nur selten einmal die Chance zum Biß haben, der dann natrürlcih erfolgreich sein muß (wie die Tigerottern auf den Bass-Inseln vor Australien). Sollte jemand so dumm sein trotz Verbot, unbedingt dort ein Picknick zu veranstalten gibt es halt günstig ein Boot zu erwerben.
michael  (Montag, 02.02.2009)
Ich finde es gut, dass hier eine sachliche Darstellung dieser Schlangenart stattfindet und ihr nicht auch in dieses sensationsheischende Katastrophengeschrei vieler Medien eingefallen seid. Und ein Kompliment an die auch für den SChlangenlaien sehr verständliche Datellung nebst Familie, Unterfamilie, Gattung und Art. Das habe auch ich jetzt endlich mal kapiert.
Paulus  (Montag, 15.12.2008)
Die Geschichte mit der Segelyacht mag eine Internetstory sein, vielleicht aber auch nicht. Aber auf jeden Fall ist die Insel nicht ohne Grund von den Behörden strikt für jeglichen Besuch gesperrt worden. Also muss etwas dran sein an der großen Gefährlichkeit dieser Schlangen.
Lieber Hubertus  (Donnerstag, 27.11.2008)
Aber nun mal langsam mit den Pferden. Diese Insel-Tierchen tun dem Menschen - wie alle Tiere - nur dann etwas, wenn er in ihren Bereich eindringt und/oder sie reizt. Wer dieser Schlange mit dem nötigen Respekt gegenüber tritt, dem wird auch nichts passieren. Die Geschichte mit der Segelyacht halte ich für eine dieser typischen Internet-Katastrophenstorys. MfG P. Meyerbrinck
Hubertus aus Rio de Janeiro  (Dienstag, 02.09.2008)
Als ich euren Beitrag hier gerade las, erinnerte ich mich an eine Segelyacht, die im Jahr 1997 mit 7 Mann Besatzung trotz eindringlicher Warnungen dort hin gesegelt war. Von den 5 Landgängern hatte keiner überlebt. Die beiden an Bord gebliebenen berichteten später, dass die Schlangen sogar bis ans Boot gekommen waren, sodass sie in Panik den Anker gelichtet hatten und ein großes Stück weiter aufs Meer gefahren sind. Eine an Bord gelangte Schlange konnten sie erschlagen. Ihre Segelfreunde konnten erst später durch brasilianische Fachleute geborgen werden. Sie mussten grauenhaft ausgesehen haben!


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