Wissen » Giftschlangen » Giftschlangen: Boomslang, Afrikanische Baumschlange

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Boomslang, Afrikanische Baumschlange, Dispholidus typus typus

Inhaltsverzeichnis

  1. Allgemeines
  2. Systematische Einteilung
  3. Aussehen, Verhalten
  4. Vorkommen
  5. Vermeidung eines Bisses
  6. Art des Gifts
  7. Folgen eines Bisses
  8. Gegenserum (Antiserum)
  9. Erste Hilfe
  10. Prognose
  11. Zusammenarbeit
  12. Giftnotruf-Zentralen

Allgemeines/Historisches

Boomslang © Goruma (aufgenommen im Reptilienzoo Nockalm)

Der Name "Boomslang" entstammt dem Afrikans, was ins Deutsche übersetzt "Baumschlange" heißt. Da das Tier relativ scheu ist, sind Bissverletzungen eher selten. Sollte es aber dennoch zu einem Bissunfall kommen, besteht durchaus Lebensgefahr. Die Boomslang gehörte früher zu den Trugnattern aus der Unterfamilie "Boiginae" . Diese Systematik gilt aber mittlerweile aufgrund genetischer Untersuchungen als überholt..
Erstaunlicherweise galt die Schlange bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts als relativ ungefährlich. So spielte der weltweit bekannte Herpetologe Karl Patterson Schmidt vom Field Museum of Natural History bei Chicago unbesorgt mit einer ihm zu wissenschaftlichen Zwecken zugesandten Boomslang herum, bis er prompt in den Daumen gebissen wurde. Einen Tag später verstarb er, allerdings ohne ärztliche Hilfe in Anspruch genommen zu haben, an Hirnblutungen und einem Atemstillstand.
Die Schlange besitzt die folgenden drei Unterarten von denen hier die Nominalform, also die Dispholidus typus typus näher beschrieben wird:

Dispholidus typus typus
Dispholidus typus kivuensis 
Dispholidus typus punctatus

Hinweis
In einer Reihe von Ländern, so z.B. in Malawi, kommt auch die ungiftige "Spotted Bush Snake" vor, die der Boomslang ähnlich aussehen kann und in ihrer Angriffstellung mit einem etwas aufgeblähtern Hals mit
bläulichen Schuppen ihr auch hiermit ähneln kann. Diese Schlange ist eine gute "Kletterin" und beißt relativ schnell
und häufig zu - sofern sie sich bedroht fühlt.

Systematische Einteilung

FamilieNattern (Colubridae)
GattungAfrikanische Baumschlangen (Dispholidus)
ArtAfrikanische Baumschlange (Dispholidus typus)
UnterartAfrikanische Baumschlange (Dispholidus typus typus)

 Ausländische Bezeichnungen

  • Englisch: Tree snake
  • Französisch:

Aussehen, Verhalten

Boomslang © Goruma (aufgenommen im Reptilienzoo Nockalm)

Die Schlange wird zwischen1,30 m bis 1,50 m lang, Längen über 1,80 gelten als sehr selten. Sie besitzt einen kurzen, vom Hals deutlich abgesetzten Kopf mit großen rundlichen Augen. Ihr Körper ist schlank und sehr beweglich. Ihre Farbgebung reicht von eintönig hellgrün über braun bis hin zu einer schwarzen Färbung. Sie kann zusätzlich gestreift, gepunktet oder gefleckt sein. Die Körperunterseite ist hell mit großen sich überlappenden Schuppen. Bei Bedrohung bläht sie ihren Hals auf, was durch die damit verbundene Dehnung die dunklere Färbung der Schuppenzwischenräume zur Abschreckung zur Geltung bringt. Sie lebt meist auf Bäumen oder im Buschwerk und gilt als eher scheu und nicht bissfreudig. 
Sie kommt südlich der Sahara bis nach Südafrika vor und lebt vorwiegend in Savannen und im Buschland. Ihre Nachkommen legt sie als Eier (10-25) meist in Baumhöhlen ab. 
Sie ernährt sich vor allem von Vögeln und deren Eiern (Webervögel) und von in Bäumen lebenden Echsen. Aber auch Mäuse, Frösche und Chamäleons stehen auf ihrem Speiseplan. Die Schlange ist tagaktiv.

Vorkommen

Wie erwähnt, kommt sie im tropischen Afrika südlich der Sahara bis nach Südafrika vor. Sie lebt in Savannen oder im Buschland vorwiegend auf Bäumen. Nach Informationen der Deutschen Botschaft in Malawi kommt die Schlange auch dort vor, obwohl in den einschlägigen Veröffentlichungen zur Boomslang dieses Land nicht genannt wird. Außer in Malawi kommt die Boomslang noch in folgenden Ländern vor:

AngolaÄthiopien
BotswanaBurundi
Demokratische Republik KongoElfenbeinküste
EritreaGambia
KamerunKenia
MaliMosambik
NamibiaNigeria
Republik KongoRepublik Südafrika
RuandaSambia
SenegalSimbabwe
SomaliaSwasiland
TansaniaUganda
ZaireZentralafrikanische Republik

 

Vermeidung eines Bisses

Da die Schlange in Bäumen lebt und oft auf Grund ihrer Färbung dort kaum zu erkennen ist, könnte ein guter Hals-und Nackenschutz - der auch aus anderen Gründen empfehlenswert ist - einen gewissen Schutz bieten. Leider sitzen die Giftzähne weit vorne im Maul und sind recht lang.

Art des Giftes

Das sehr wirksame und gefährliche Gift der Schlange beinhaltet im wesentlichen zwei Komponenten: einen auf die Nerven wirkenden Giftanteil (Neurotoxin) und einen die Blutgerinnung schädigenden Giftanteil.

Folgen eines Bisses

Man unterscheidet sinnvollerweise zwischen lokalen Symptomen und Allgemeinsymptomen. Generell ist festzustellen, dass ein Biss durchaus lebensbebrohend ist

Lokale Symptome
Die lokalen Symptome im Bereich der Bissstelle bestehen in einer Schwellung um die Bissstelle, in Lymphknotenschwellungen und blutigen Blasen bzw. in Blutungen in die Unterhaut. Später kommt es oft zum Gewebeuntergang (Nekrosen).

Allgemeinsymptome
Es kommt zu Zahnfleischblutungen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchkoliken. Aufgrund der Gerinnungsstörungen kann es zu inneren Blutungen, zu Hirnblutungen und zum Nierenversagen kommen. 
Die Allgemeinsymptome können noch nach mehreren Tagen auftreten. Aufgrund des neurotoxischen Anteils des Giftes kommt es zu Lähmungen. Daher muss eine gebissene Person unbedingt mehrere Tage unter ärztlicher Beobachtung bleiben.

Gegenserum (Antiserum)

Es gibt ein nur für das Gift dieser Schlange wirksames (monovalentes) Antiserum. Polyvalente Seren, also Seren gegen eine Reihe ähnlicher Schlangengifte, sind leider nahezu wirkungslos.

Erste Hilfe

Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Übersichtlichkeit halber hier nochmals erklärt:

  • unbedingt Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
  • die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
  • sofern es irgendwie möglich ist, sollte die gebissene Person im Liegen transportiert werden
  • die Schlange identifizieren, und wenn möglich, töten und das Tier mit zu dem behandelnden Arzt nehmen
  • darauf achten, ob sich Symptome einer Vergiftung zeigen, z.B. an der Bissstelle oder, bei neurotoxischen Vergiftungen, Lähmungen oder auch eine Augenstarre
  • die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser und nicht als Alkohol oder Kaffee
  • alle Möglichkeiten ausschöpfen, dass die gebissene Person schnellstens professionelle Hilfe bekommt
  • das Aussaugen oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen
  • das Ausschneiden der Bisswunde verschlimmert möglicherweise die Giftwirkung, da es z.B. bei Gerinnungsstörungen zu unkontrollierten Blutungen kommen kann

Das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes ist nach einem Biss dieser Schlange nicht empfehlenswert.

Prognose

Nach einem Biss dieser Schlange ist ohne professionelle Hilfe mit einem gewissen Prozentsatz mit dem Tod zu rechnen. Außerdem kann es in der Umgebung der Bissstelle zu bleibenden Schäden kommen.

Zusammenarbeit

Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit einer sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen.

Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Tel.: 0043 - 4275 - 23165
Mobil: 0043 - 676 - 734 4 270

Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Kompetente Giftnotruf-Zentralen - die auch im Fall von Schlangenbissen im Ausland - 24-stündig erreichbar sind, finden Sie unter:

Giftnotruf-Zentralen in Deutschland

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Kommentare
Fredi Hügel  (Donnerstag, 17.12.2009)
In Ihrer Länderaufstellung fehlt Malawi. Habe die Schlange dort in einem Busch am Wegrand in den Mulanje-Bergen gesehen. Goruma: Wir haben uns aufgrund Ihres Beitrags an die deutsche Botschaft gewandt und die (vorerst noch vorläufige) Antwort erhalten, dass es die Boomslang dort tatsächlich gibt. Der Text wurde ergänzt.
Hans-Georg  (Dienstag, 07.07.2009)
Das Mistvieh beißt oft völlig unvermittelt von einem Baum herunter zu. Ich habe selber gesehen, wie ein Tourist in einem Cafe im Freien auf diese Weise gebissen wurde. Leider weiß ich nur, dass er mit der Ambulanz ins Krankenhaus verbracht wurde, danach fehlt mir jede weitere Information.
L.  (Mittwoch, 10.12.2008)
Diese Beschreibung könnte auf die sog. "Serpent noir" passen, die des öfteren in Gabun/Lambaréné gesehen wurde.
D.  (Mittwoch, 03.12.2008)
Danke für diese Infos, das hat mich weiter gebracht ;) LG D.


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