Wissen » Kunst und Kultur » ??? NavText ??? » ??? NavText ??? » Unesco Welterbestätten in Deutschland: Bauhaus in Dessau und Weimar

Städte

Unter Städte der Welt finden Sie nicht nur Städte wie Florenz oder Peking, sondern auch Städte wie Nukualofa und Zittau

      Städte

Europäische Länder

Informieren Sie sich detailliert über das Land Ihrer Wahl

      Europäische Länder

Reisemedizin

Alles Wissenswerte über die Reisemedizin bei goruma

      Reisemedizin

Bauhaus in Dessau und Weimar

Weltkulturwerbe Bauhaus in Dessau ©goruma (koppenwallner)

Mit seinem Plädoyer für eine praktische, preiswerte und zweckmäßige Architektur revolutionierte Walter Gropius die Ästhetik der Moderne. Die Bauhaus-Künstler versuchten mit ihren Häusern, Möbeln und Haushaltsgeräten den Bedürfnissen des Menschen zu entsprechen. Ein Objekt galt den Vertretern der Bauhausarchitektur als schön, wenn es praktisch und erschwinglich war.

Das Dessauer Bauhaus-Gebäude stellt das architektonisch veranschaulichte Manifest des Bauhaus-Meisters und langjährigen Direktors der Hochschule dar. Die Bauhaus-Schulen in Weimar und Dessau galten als Knotenpunkte für künstlerische Innovationen und veränderten nicht nur das Wohnen nachhaltig, sondern auch Kunst und Kultur in der gesamten westlichen Welt. 1996 wurden das Bauhaus und seine Stätten in Dessau und Weimar in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

StandortDessau im Bundesland Sachsen Anhalt
Weimar im Bundesland Thüringen
BauzeitKunstgewerbeschule Weimar: 1906-1910
Haus am Horn: 1923
Bauhaus Dessau: 1925-1926
Meisterhäuser: 1926-1930
Architekten Walter Gropius
BesonderheitenArchitektonisches Manifest des modernen Funktionalismus
NutzungHochschule für Kunst, Design und Architektur sowie Musterhäuser als Werkschau
Größe360.000 m2
Adresse/Telefon
Stiftung Bauhaus Dessau
Gropiusallee 38,
06846 Dessau
Telefon: 0049 - (0)340 - 6508 250
ÖffnungszeitenÖffnungszeiten (Bauhaus und Ausstellungen) täglich 10:00 bis 18:00 Uhr

Geschichte des Bauwerks

Eingang zum Bauhaus in Dessau ©goruma (koppenwallner)

Die Keimzelle der Bauhaus-Schule, welche mit ihrem formalen und funktionalen Ästhetikverständnis die internationale Moderne von Architektur und Design begründete und in die ganze Welt trug, liegt in Weimar. Der Maler und Designer Henry van de Velde, der bereits seit 1902 in den Räumlichkeiten seines Privatateliers ein kunstgewerbliches Seminar leitete, gründete 1907 das private Kunstgewerbeinstitut Weimar und war im selben Jahr an der Gründung des Deutschen Werkbunds beteiligt. Van de Veldes erklärtes Ziel war die Suche und as Experimentieren mit funktionellen Formen und organischen Elementen, mit denen “die Industrien die Aufmerksamkeit des abgestumpften Publikums erregen“ könnten. Schon im Jahr 1908 wurde das Kunstgewerbeinstitut verstaatlicht und trug als “Großherzoglich Sächsische Kunstgewerbeschule Weimar“ einen neuen imposanten Namen. Henry van de Velde erhielt zum 1. April 1908 einen Arbeitsvertrag gemäß der Satzung der nun staatlichen Schule. Das Gebäude der Weimarer Kunstgewerbeschule bestand aus einem Atelierbau, der 1905 für die Weimarer Bildhauerschule und die Kunstgießerei errichtet wurde und dem 1906 erbauten Südflügel, der für die Kunstgewerbeschule und das Privatatelier van de Veldes konzipiert war. Vis á vis der Kunstgewerbeschule entstand zum selben Zeitpunkt die Kunstschule, welche 1910 zur “Hochschule für Bildende Kunst“ erklärt wurde.
Bereits 1915 wurde die Kunstgewerbeschule als eigenständige Institution geschlossen und Henry van de Velde emigrierte zwei Jahre darauf in die Schweiz. 1919 wurden im seinerzeit sozialdemokratisch regierten Weimar die Kunstgewerbeschule und die Hochschule für bildende Kunst zusammengeschlossen. Die aus diesem Zusammenschluss gegründete Schule residierte zunächst weiterhin in den Räumlichkeiten der alten ehemaligen Kunstgewerbeschule und wurde weltweit bekannt als das Weimarer Bauhaus. “Erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen von Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallines Bild eines neuen kommenden Glaubens,“ forderte Walter Gropius in seinem Bauhaus-Manifest, mit dem er 1919 die Stelle als Direktor der Schule antrat. 1923 veranstaltete das Bauhaus seine erste Leistungsschau, in welcher unter anderem das Musterhaus am Horn in Weimar präsentiert wurde.
1925 waren jedoch die konservativen und rechten Kräfte in Thüringen derart erstarkt, dass sich die Weimarer Hochschule auf politischen Druck hin auflösen musste. Am 31. März 1925 wurde die Auflösungserklärung nach Ablauf der geschlossenen Verträge rechtskräftig. Der Bürgermeister von Dessau und sein Kulturreferent Ludwig Grote ermöglichten jedoch innerhalb kürzester Zeit die Umsiedlung der Kunsthochschule ins anhaltinische Dessau. Noch im März 1925 erhielt Walter Gropius vom Dessauer Stadtrat den Auftrag, einen entsprechenden Gebäudekomplex zu entwerfen und bereits im September des gleichen Jahres begannen die Bauarbeiten. Gropius erhielt mit diesem Auftrag die einmalige Chance, einen Neubau zu realisieren, in dem optimale Arbeitsbedingungen für den speziellen Hochschulbetrieb des Bauhauses herrschten. So trennte Gropius beispielsweise die Gebäudeteile nach ihren Funktionen und gestaltete sie nach den entsprechenden Anforderungen. Die Stadt Dessau stellte das Geld sowohl für den Neubau als auch für die Meisterhäuser - die als Wohnungen für die Dozenten der Schule dienten - zur Verfügung. Am 21. März 1926 fand das Richtfest statt und bereits am 4. Dezember erfolgte die Eröffnung und Inbetriebnahme der Schule. Noch im gleichen Jahr wurde das Bauhaus als staatliche Hochschule von Anhalt anerkannt.
Die Bauhauswerkstätten waren maßgeblich an der Innenausstattung der Gebäudes beteiligt. Die Möbel und Einbauten aus Stahlrohr stammten aus der Bauhaus-Tischlerei und die Bestuhlung des Hörsaals wurde von Marcel Breuer entworfen. Die Lampen wurden in der Metallwerkstatt gefertigt und Max Krajewski übernahm die Gestaltung der Leuchtkörper im Hörsaal. Die Möbel- und Vorhangstoffe entstanden in der eigenen Weberei, sämtliche Beschriftungen kamen aus der Reklamewerkstatt und die Farbgestaltung wurde von der Werkstatt für Wandmalerei realisiert. Durch diese konsequente Einbeziehung aller Disziplinen entstand unter Walter Gropius` Leitung ein Gebäude wie aus einem Guss. In dem Bauwerk offenbarte sich die Vorstellung des Direktors von der Architektur als “Mutter aller Künste,“ in der alle weiteren Disziplinen der Kunst, des Handwerks und der Industrie eine Zusammenführung erfahren und aufgehen.
Erst mit der Neugründung der Schule in Dessau wurde am Bauhaus eine Abteilung für Architektur eingerichtet, deren Leitung zunächst Hannes Meyer übernahm. 1928 trat Gropius als Direktor der Schule zurück und siedelte mit seinem Architekturbüro nach Berlin um. Hannes Meyer übernahm zunächst die Gesamtleitung des Bauhauses und forcierte den weiteren den Ausbau der Architekturabteilung, bis er im Jahr 1930 aus politischen Gründen die Schule verlassen musste. Ludwig Mies van der Rohe wurde sein Nachfolger in den letzten Dessauer Jahren. 1932 musste das Bauhaus Dessau auf Beschluss der nationalsozialistischen Mehrheit des Stadtparlaments zum zweiten Mal schließen. Ludwig Mies van der Rohe versuchte in Berlin-Steglitz eine Fortführung der Schule als Privatinstitut, doch bereits 1933 erzwangen die Nationalsozialisten nach umfassenden Durchsuchungen des Hauses und schwerwiegenden Vorwürfen gegen einzelne Mitglieder aufgrund ihrer kommunistischen Gesinnung die definitive Auflösung des Berliner Bauhauses.
Das von den Nationalsozialisten so verfemte Dessauer Bauhaus-Gebäude wurde zwischen 1933 und 1945 von diesen für zahlreiche Zwecke, unter anderem als NS-Amtswalterschule, als Landesfrauenarbeitsschule und schließlich als Sitz des Baustabs um Albert Speer genutzt. 1945 brannte während der Luftangriffe der Alliierten das Gebäude zu weiten Teilen aus und wurde erst ab 1963 wieder rekonstruiert. So erneuerte man unter anderem im Jahr 1965 die Glasfassade des Werkstattflügels, welche bis dahin nur notdürftig mit Bretterbeschlägen geflickt worden war. 1974 erfolgte die Aufnahme des Bauhauses in die zentrale Denkmalliste der DDR und am 4. Dezember 1976 wurde das rekonstruierte Gebäude mit einem Staatsakt zum 50. Jubiläum der Bauhauseinweihung neu eröffnet. Ab 1977 wurden einige Räume vom neu gegründeten Wissenschaftlich-Kulturellen Zentrum (WKZ) der Stadt Dessau genutzt und die Geschichte des Bauhauses wurde in ersten Sammlungstätigkeiten, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen gepflegt. 1984 nahm das Billdungszentrum Bauhaus Dessau seine Tätigkeit auf und zwei Jahre später wurde das Gebäude nochmals mit einem Festakt als Zentrum für Gestaltung eingeweiht.
Nachdem mit der Wende die Funktion des Bauhaus-Gebäudes erneut zur Disposition stand, gründete sich 1994 mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Sachsen-Anhalt und der Stadt Dessau die Stiftung Bauhaus Dessau mit den Bereichen Werkstatt, Sammlung und Akademie. 1996 erfolgte die Aufnahme des Bauhauses in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Mit der Errichtung des Bauhaus Kollegs im Dezember 1999 wurde das Bauhaus nach jahrzehntelanger bewegter Geschichte letztendlich wieder zu einem Ort der Gestaltung, der Forschung und der Lehre.

Beschreibung des Gebäudes

Weltkulturwerbe Bauhaus in Dessau ©goruma (koppenwallner)

Die bedeutendste der Bauhausstätten ist zweifelsohne das Schulgebäude in Dessau. Mit ihm realisierte Walter Gropius das anschaulichste Beispiel des von ihm verfolgten Funktionalismus und einer Ästhetik der Geometrie. Der Grundriss des Dessauer Bauhaus entspricht drei L-förmigen Trakten, die windmühlenartig ineinander greifen. Im ersten Trakt waren die “Technischen Lehranstalten,“ die spätere Berufsschule, untergebracht. Im Atelierhaus befanden sich die ursprünglich 28 Wohnappartements der Studenten und Jungmeister, während der dritte Trakt die Werkstätten beherbergte. Die so genannte Festebene - ein eingeschossiger Zwischenbau – verband den Werkstattflügel mit dem Atelierhaus. In der Festebene waren unter anderem die Aula, die Bauhaus-Bühne und die Mensa untergebracht. Durch eine zweigeschossige Brücke, in der sich auch die Verwaltungsräume und bis 1928 das Architekturbüro von Walter Gropius befanden, wurde wiederum der Werkstättentrakt mit dem Flügelbau der Lehranstaltsräume der Berufschule verbunden.
Durch die asymmetrische Anordnung der separaten Gebäudeeinheiten erinnert das Bauhaus mehr an einen modernen Fabrikkomplex als an ein konventionelles Schulgebäude. Das architektonische Markenzeichen des Instituts stellt die Glasfassade des zur Gropiusallee ausgerichteten Werkstättenflügels dar. Tragende Wände oder Stützen wurden hier vollständig aus der viergeschossigen Fassade getilgt. Die vor das tragende Stahlbetonskelett gehängte Glasschürze umfängt den flachgedeckten Baukörper auf drei Seiten und zeigt offen seine konstruktiven Elemente. Gropius verzichtete auf eine optische Verstärkung der Kanten und ließ die Verglasung die rechten Winkel umgreifen, wodurch sich die “Curtain Walls“ in fließender Leichtigkeit und flächiger Transparenz über die drei Seiten des Gebäudes ungehindert ausbreiten. Auf der Fassade des angegliederten Trakts der Technischen Lehranstalten treten wiederum die Akzentuierungen der Konstruktion und die Einteilung der einzelnen Etagen in den Vordergrund. Auf den hellen Fassaden setzt sich in schlichten, dunkel gerahmten Fensterbändern die horizontale Dynamik der Etageneinteilung fort. Einzig das fünfstöckige Atelierhaus auf der Rückseite der Anlage setzt einen vertikalen Akzent in dem Gebäudeensemble. An dessen Ostseite  prägen 16 Einzelbalkone die Fassade und weisen auf die Studentenappartements hin. Auf der Südseite sind die Balkone lang gezogen und umgreifen teilweise die Gebäudeecken. Wie Sprungbretter ragen die Balkone aus dem weißen Turmhaus hervor und überziehen die verputzte, und vorrangig hell angestrichene Fassade mit lebhaft wechselnden Schatten. Auf dieser so segeltuchartig gespannten Fassade bieten die dunklen Glaseinfassungen und relingartigen Metallbrüstungen reizvolle Kontraste und assoziieren eine gewisse Nähe zur Schiffsarchitektur. Für das Innere hatte Hinnerk Scheper, der Jungmeister der Wandmalereiwerkstatt, einen detaillierten Farbplan erstellt, durch den tragende und verkleidende Wände und Elemente farblich markiert wurden. So wie die äußere Fassade besticht auch das Innere des Gebäudes durch seine absolut ornamentlose Klarheit und übersichtliche Offenheit. Insbesondere die Glasfassade des Werkstättentrakts vermittelt das pädagogische Konzept des Bauhauses, in dem die Trennung von Innen und Außen aufgelockert und somit ein freies und offenes Denken angeregt werden sollte.
Zu den weiteren Bauhaus-Stätten in Dessau gehören die von Gropius entworfenen Meisterhäuser in der Ebertallee 65-71. Diese ursprünglich als Unterkünfte für die Meister und Professoren der Hochschule gedachten Gebäude galten als Musterhäuser der modernen Architektur und wurden nach 1990 aufwändig restauriert. Das Haus, welches Walter Gropius in der Siedlung bewohnte, wurde während des Krieges nahezu vollständig zerstört, so dass es bereits in den 1950er Jahren durch ein inadäquates Wohnhaus ersetzt wurde. Die Laubenganghäuser an der Mittelbreite und Peterholzstrasse wurden zwischen 1926 und 1928 nach dem Vorbild industrieller Bauweise realisiert. Vor allem die Flachbauweise der Laubenganghäuser wurde zum Stein des Anstoßes bei den konservativen Kräften im Dessauer Stadtrat. Das Haus Fieger in der Südstrasse entstand 1927 nach den Entwürfen Carl Fiegers und zeichnet sich insbesondere durch seine rationelle Bauweise und wandlungsfähige Räume aus. Von 1929 bis 1930 baute Fieger im Auftrag der Stadt Dessau und der Schultheiss-Patzenhofer-Brauerei das Kornhaus, eine Ausflugsgaststätte direkt auf dem Elbdeich, welche ebenfalls besucht werden kann. Das erste städtische Arbeitsamt von Dessau, in welchem heute das Straßenverkehrsamt untergebracht ist, wurde zwischen 1928 und 1929 von Walter Gropius realisiert und gilt als einer seiner schönsten Bauten.
Neben dem Atelierhaus der einstigen Kunsthandgewerbeschule gilt das Haus am Horn als das bedeutendste Bauhaus-Gebäude in Weimar. Das innovative Musterhaus ging als erster Bungalow in die Architekturgeschichte ein und wurde stilbildend für das mittelständische Wohnen in Deutschland.




Kommentieren

eMail:  

Name:  

Kommentar:  


Benoten sie diesen Artikel


 
gut 1   2   3   4   5  schlecht 

Bergwerk Rammelsberg bei Goslar

Über 1.000 Jahre lang wurde im Bergwerk Rammelsberg südlich Goslar  Erz abgebaut. Das...

      Bergwerk Rammelsberg bei Goslar

Bode-Museum in Berlin

Kaum ein anderes Bauwerk in Deutschland kann auf einen derartig langen Restaurationsprozess zurü...

      Bode-Museum in Berlin

Bremer Rathaus und Roland

Das Rathaus und der Roland in Bremen ergeben gemeinsam ein symbolträchtiges steinernes Ensemble...

      Bremer Rathaus und Roland

Fürst Pückler Park

Er galt als ein wahrlich Besessener, als Enfant Terrible der feinen Gesellschaft und als Casanova, d...

      Fürst Pückler Park

Gartenreich Dessau-Wörlitz

Das Gartenreich Dessau-Wörlitz ist nicht nur eine der größten Parkanlagen Deutschlan...

      Gartenreich Dessau-Wörlitz

Hildesheimer Dom - Dom Mariä Himmelfahrt und Klosterkirche St. Michael

Der Dom Mariä Himmelfahrt zu Hildesheim und die Klosterkirche der einstigen Benediktinerabtei S...

      Hildesheimer Dom - Dom Mariä Himmelfahrt und Klosterkirche St. Michael