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Bamberger Dom

Kurzübersicht

Bamberger Dom ©goruma (barton/koppenwallner)

Der Bamberger Dom St. Peter und St. Georg ist der (Erz)Bischofssitz des Erzbistums Bamberg und gehört zu den großen Kulturgütern des deutschen Mittelalters. Der Dom beherbergt nicht nur das Grab des einzigen heilig gesprochenen Kaiserpaars des Heiligen Römischen Reichs, Heinrich II. und dessen Frau Kunigunde, sondern auch das einzige Papstgrab nördlich der Alpen. 

Doch auch zahlreiche Kunstschätze von unschätzbarem künstlerischen Wert locken jährlich tausende von Touristen in den Dom – mit dem „Bamberger Reiter“, dem Veit-Stoß-Altar sowie dem von Tilmann Riemenschneider gestalteten Kaisergrab seien nur einige von ihnen genannt.
Architektonisch verbindet das Bauwerk auf einzigartige Weise Romanik mit frühgotischen Stilelementen. 
Im Jahr 1993 wurde die Bamberger Altstadt in das UNESCO- Weltkulturerbe aufgenommen. In der Gruppe der Baudenkmäler, die zusammen das Weltkulturerbe Bamberg ausmachen, nimmt der Bamberger Dom zweifelsohne eine zentrale Stellung ein. 

Standort

Bamberg
Bauzeit
“Heinrichsdom“: 1003-1012; “Eckbertdom“ (Neubau): 1215-1237
Besonderheiten
Grablege des einzigen heilig gesprochenen Kaiserpaares des Hl. Römischen Reiches sowie einziges Papstgrab oberhalb der Alpen.
Hier heiratete 1933 der spätere Hitlerattentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg seine Verlobte Nina Freiin von Lerchenfeld.
Größe
Gesamtlänge: 96 m; maximale Breite: 28,5 m; Höhe: 25,5 m;
Turmhöhe: 74 m bzw. 76 m.
Nutzung
Der Dom dient in erster Linie als Bischofssitz des Bistums Bamberg. Es finden darin zudem Gottesdienste und Dommusik statt.
Information
Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats, Domplatz 3, 96049 Bamberg, Tel. 0049- (0)951- 502 270,
Öffnungszeiten  
April- Oktober: täglich von 8:00 bis 18:00 Uhr,
November- März: täglich von 8:00 bis 17:00 Uhr

Geschichte des Doms

Im Jahr 902 erfuhr Bamberg seine erste urkundliche Erwähnung in Regino von Prüms Weltchronik als “castrum babenbergh“. Rund 70 Jahre später, im Jahr 973, schenkte Otto II. seinem Cousin, dem Bayernherzog Heinrich dem Zänker, die Burg, die inzwischen Krongut geworden war. Im selben Jahr wurde dessen Sohn, der spätere Kaiser Heinrich II., geboren. Mit dem Tod seines Vaters wurde er 995 Herzog von Bayern und erbte damit auch Bamberg, für das er stets eine besondere Vorliebe hegte. Im Jahr 1000 schenkte er seiner Gemahlin Kunigunde Bamberg mit allen dazugehörigen Gütern als Morgengabe. Als Kaiser Otto III. während einer Italienreise überraschend verstarb, ließ Heinrich im Jahr 1002 dessen Leichzug durch Bayern aufhalten und bemächtigte sich der Reichsinsignien seines verstorbenen Großcousins. Nahezu unbemerkt von seinen Gegnern ließ er sich vom Mainzer Erzbischof Willigis zum ostfränkisch- deutschen König salben und nur wenig später auch Kunigunde in Paderborn krönen.
 
Schon im darauf folgenden Jahr veranlasste er den Bau eines Doms zu Bamberg, so dass der erste Dom auf den Fundamenten der Kapelle und des Friedhofs der ehemaligen Babenburg auch als “Heinrichsdom“ bezeichnet wurde. Heinrich beschloss bald, vielleicht weil die Ehe des Königspaares kinderlos zu bleiben schien, in Bamberg ein Bistum zu gründen, in welches sein Besitz einfloss. Zur Gründung des Bistums war es nötig, Gebiete aus den Bistümern Würzburg und Eichstätt herauszulösen, so dass die Frankfurter Synode erst nach langen Verhandlungen im Jahr 1007 der Bistumsgründung zustimmte. Mit der Bistumsernennung erfuhr der Dombau eine erhebliche Aufwertung: Am 6. Mai 1012, dem 39. Geburtstag Heinrichs II., wurde der Dom in Anwesenheit aller – mit einer Ausnahme - Erzbischöfe des Heiligen Römischen Reichs und einer Vielzahl weiterer Würdenträger zu Ehren des Apostels Petrus, der Muttergottes Maria und des Heiligen Georgs geweiht. Diese Patronate wurden bewusst gewählt, um die Verbindung von römischer Westkirche und byzantinischer Ostkirche zu betonen. Im Jahr 1014 wurden Heinrich II. und Kunigunde in Rom zum Kaiserpaar gekrönt. In den darauf folgenden Jahren veranlasste Heinrich II. die Gründung des Benediktinerklosters, der Stiftskirche St. Stephan sowie der 1021 geweihten Benediktinerabtei St. Michael.
 
Nachdem Kaiser Heinrich II. im Jahr 1024 verstarb, wurde er seinem Wunsch gemäß nach Bamberg überführt und dort in “seinem“ Dom beigesetzt. Kaiserin Kunigunde verstarb 1033 und wurde im 12. Jahrhundert, zum Zeitpunkt der Heiligsprechungen des Kaiserpaares, in den Dom überführt, wo ihr die letzte Ruhe neben ihrem Gemahl zuteil wurde. Als 1047 Papst Clemens II., der Zeit seines Amtes Bischof von Bamberg blieb, in Italien verstarb, wurde auch er, trotz vehementer Widerstände in Rom, seinem Wunsch gemäß nach Bamberg überführt, wodurch Bamberg heute im Besitz des einzigen Papstgrabes nördliche der Alpen ist.
In der Osternacht des Jahres 1081 brannten das Dach und die Türme des Bamberger Doms zum größten Teil aus. Auch ein großer Teil der Ausstattung wurde zerstört, während sich jedoch die Schäden an der Bausubstanz in Grenzen zu halten schienen: Bereits 1087 konnte im Dom wieder eine Synode abgehalten werden. Unter Bischof Otto I. erhielt der Dom einen neuen Fußboden, die vom Feuer beschädigten Säulen wurden mit Stuck verziert, der Ostchor wurde höher gelegt und die Dächer mit teurem Kupfer eingedeckt. Nach einem weiteren Großbrand im Jahr 1185 musste der zerstörte Bau dennoch abgetragen werden. Nach dem “Bamberger Königsmord“ und einem vierjährigen Exil des Bischofs Eckbert von Andechs-Meranien konnte nach dessen Rückkehr im Jahr 1215 schließlich mit dem Neubau des Doms begonnen werden. Eckberts Nähe zum französischen Hof war vermutlich der Grund für den Einzug der frühgotischen Stilelemente in der Architektur des Eckbertdoms. Etwa um 1220 wurde in Bamberg eine Bauhütte tätig, die mit der aktuellen nordfranzösischen Kunstentwicklung sehr vertraut war. Im Jahr 1237 konnte – wieder zum Geburtstag Heinrichs II. – der neue Dom zu Bamberg geweiht werden.
 
Seit dem Bauabschluss im 13. Jahrhundert blieb die Architektur des Doms weitestgehend unverändert, die Innenausstattung entwickelte sich dagegen ständig weiter. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Dom derart vernachlässigt, dass angeblich darin bereits Gras zu wachsen begann. Nach Kriegsende begann unter Fürstbischof Melchior Otto Voit von Salzburg die Barockisierung des Doms, in der sich die im Konzil von Trient beschlossene Erneuerung der katholischen Kirche ausdrückte. Bereits 1678 waren nahezu alle 30 Altäre der Stadt barockisiert.
In den 1830er-Jahren erfolgte unter dem bayerischen König Ludwig I. der Versuch einer Rückversetzung des Doms in seinen ursprünglichen romanischen Stil. Diverse purifizierende Rekonstruktionen wurden angeordnet, die einerseits als erste, umfassende Restaurierung zum Erhalt des Domes beitrugen, andererseits aber auch eine Verarmung des Doms bedeuteten. Nicht nur barocke Elemente wurden dabei fast vollständig eliminiert, die Reromanisierung wurde auch unter einem verfälschten Blick auf das Mittelalter vorgenommen. So führte beispielsweise das Entfernen der Farbe zu einem Herauspräparieren der Architektur, wodurch der Innenraum heute einen fast frostigen Raumendruck macht.
 
Durch das Grab des heiligen Kaiserpaares hatte sich der Dom bereits im Mittelalter zum Walllfahrtsort entwickelt. Alle sieben Jahr wurden während der Großen Heiltumsweisung alle Reliquien der Stadt im Dom versammelt und den Wallfahrern aus aller Welt präsentiert. Die “Wallfahrer“ von heute sind kunstinteressierte Touristen, die sich eher für die Schätze des Doms als Teil des Bamberger Weltkulturerbes interessieren. In den Gottesdiensten sind diese “Pilger“ nicht immer ganz willkommen, zum 1000. Bistumsjubiläum im Jahr 2007 waren jedoch sowohl Touristen als auch Gläubige gern gesehene Gäste.

Beschreibung des Doms

Der erste Dom zu Bamberg war eine dreischiffige Säulenbasilika mit Querhaus und Hauptchor und stand ganz in der Tradition der großen, romanischen Kathedralen des 11. Jahrhunderts. Mit einer Länge von 96 m war der so genannte “Heinrichsdom“ jedoch von eher bescheidenem Format. Alle Decken waren hölzern und flach, den Abschluss des Baus bildete eine halbkreisförmige Apsis. Vom Heinrichsdom ist heute nur noch die unterirdische Grablege der Bischöfe erhalten.

Er hatte zwei gedrungene, den Ostchor flankierende Türme, mit dem Neubau des Doms im 13. Jahrhundert wurden dann vier Türme errichtet. An diesen lässt sich der Stilwechsel der über 20-jährigen Bauzeit nachvollziehen: Man begann im Osten, wo heute die beiden romanischen Türme und Rundbögen vorherrschen, während sich im später erbauten Westteil bereits die Spitzbögen der Gotik durchsetzen konnten. Die Westtürme gelten als die mitunter frühesten Beispiele gotischer Baukunst in Deutschland. Der achteckige Grundaufbau mit den fünfeckigen Säulenerkern sowie die offenen Ecktabernakel mit den schlanken Säulen und Darstellungen der Lasttiere wurden fast vollständig dem französischen Vorbild in Laon nachempfunden. Erst im 18. Jahrhundert stockte man die Osttürme auf und glich sie der Höhe der Westtürme an. 
 
Zu den bemerkenswerten, architektonischen Details des Bamberger Doms gehören zunächst die vier Zugangsportale: Die Adamspforte, auch als Rote Türe bekannt, war der Hauptzugang in den Dom und wurde im Alltag zusammen mit der Gittertür am anderen Ende des Doms genutzt. Sie ist das älteste Portal des Doms. Verziert wird das abgestufte Rundbogenportal durch zwei umlaufende Zickzackfriese, zwischen denen sich seinerzeit sechs Sandsteinfiguren - der Hl. Stephanus, Kunigunde und Heinrich II. sowie Petrus, Eva und Adam – befanden, die heute im Diözesanmuseum zu besichtigen sind. Die Gnaden- oder auch Marienpforte im südwestlichen Turm wurde vorwiegend an Festtagen und feierlichen Anlässen sowie für Prozessionen genutzt. Im Bogenfeld ist der Ritter Georg, Petrus, Maria sowie ein weiteres Mal das Kaiserpaar zu sehen; außen wurden die Bauherren des Domes, Bischof Eckbert und Dompropst Poppo von Andechs, dargestellt. In der Mitte des Tympanons thront Maria mit dem Jesuskind. An der Gnadenpforte befanden sich einst die geschmiedeten Löwenköpfe, welche als “Bamberger Elle“ die älteste, mittelalterliche Maßeinheit darstellten und im gesamten Fürstbistum Bamberg galten.
Das Fürstenportal, das direkt auf den Domplatz führt, wurde nur bei großen Prozessionen oder bei Bischofsbeisetzungen geöffnet. Es zeigt eine Darstellung des Jüngsten Gerichts mit Christus in der Mitte als Weltenrichter. Zur rechten Seite Christi sind die Erlösten dargestellt, zu seiner Linken die Verdammten. Während Maria und Johannes der Täufer die Füße Christi kniend umfassen, kommen zur Rechten die Engel mit den Leidenswerkzeugen, die auf die Passion Christi hinweisen. Links schleppt ein nackter Teufel die Verdammten, unter denen auch Bischöfe und Könige dargestellt wurden, an einer Kette ab. Die Seite der Seligen wurde ursprünglich von der Statue der Ecclesia, der personifizierten Kirche, flankiert, während sich auf der Seite der Verdammten die Statue der Synagoge befand. Damit wurde das mittelalterliche Verhältnis von Juden- und Christentum veranschaulicht, nach welchem beispielsweise auch die Skulpturen der Apostel hierarchisch über den jüdischen, alttestamentarischen Propheten angeordnet wurden. Heute befinden sich Ecclesia und Synagoge im Innern der Kirche und das Fürstenportal wird in den Wintermonaten zum Schutz vor der Witterung abgedeckt und verschlossen gehalten.
 
Die Veitspforte an der Nordwand des Querschiffs ist das Schlichteste der vier Portale. Die Portalwand ist dreifach gegliedert, Kelch- und Knospenkapitelle schmücken die flankierenden Säulen und im Bogenfeld wurde ein Vierpass eingebaut. Benannt wurde das Portal nach der Sankt-Veits-Pfarrei, die für die weltlichen Bewohner der Domburg zuständig war. Heute dient die Veitspforte als ein Nebeneingang des Doms, der nur während der Gottesdienstzeiten geöffnet wird.
Das Mittelschiff, welches etwa ein Drittel der Gesamtlänge einnimmt, ist die eigentliche “Kirche“ des Doms. Mit der Heiligsprechung des Kaiserpaares erlangte das Mittelschiff mit dem Hochgrab im Zentrum seine Bedeutung als Andachtsort. Und auch nachdem in den 1970ern die Altarinsel vor dem Westchor geschaffen wurde, büßte das Mittelschiff nichts von seiner Bedeutung ein.
Die Seitenschiffe werden durch Rundbogenfenster belichtet. Das südliche Seitenschiff verfügte über keine Altäre und diente vermutlich als reine Verkehrsfläche, von der man in den Kreuzgang, in das Dormitorium und in die Sepultur gelangen konnte. Das Querhaus ist von Innen kaum als solches wahrnehmbar; es erinnert aufgrund der entstehenden, quadratischen Räume an kapellenartige Ausbauten der Seitenschiffe. Der romanische, hochgelegene Chor wird an den Seiten durch hohe Chorschranken begrenzt. An den Seiten der Schranken sind plastische Darstellungen der Apostel und Propheten zu sehen; hier befindet sich unter anderem auch der berühmte “lachende Engel“. Das Fresko in der Halbkuppel über der Apsis stammt von Karl Kaspar aus dem Jahr 1928 und zeigt, wie schon das Vorbild in Ravenna, den Weltenrichter Christus in der Mandorla. An der Außenseite des Ostchors befindet sich das so genannte Sonnenloch, eine kleine kreisrunde Öffnung, hinter welcher sich einst in einem Reliquienschrank der Schädel der heiligen Kunigunde befand. Von hier aus ergoss sich der Legende nach die Heilskraft der Kopfreliquie über die gesamte Stadt. Unter dem Ostchor befindet sich die Hallenkrypta mit den Gräbern des Bischofs Gunther von Bamberg und des Königs Konrad III. Der Brunnen, der sich in der Hallenkrypta befindet, wird bis heute als Taufbecken genutzt. Den ältesten Tei des Doms stellt jedoch die Krypta unter dem Georgenchor dar. Ein Teil der 27 m langen, dreischiffigen Hallunterkirche wurde nach Errichtung der Ostkrypta mit Bauschutt verfüllt.
Der Westchor ist dem heiligen Petrus geweiht und stellt heute den Standort des Hauptaltars und des Bischofssitzes, der Kathedra, dar. Der hölzerne, mit vergoldetem Kupferblech und Leder überzogene, mit Halbedelsteinen verzierte Stuhl symbolisiert das Zeichen für den Verkündigungsauftrag des Bischofs. Hinter der Kathedra befindet das Grab des Papstes Clemens II., der zu Lebzeiten die Stadt Bamberg als seine „süßeste Braut“ bezeichnet hatte. Das westliche Chorgestühl wurde um etwa 1380 errichtet und stellt das sichtbare Zeichen für das Wirken des Domkapitels dar. Es wurde aus Eichenholz geschnitzt und umfasst 66 Einzelsitze, als Vorbild diente das alte Gestühl des Prager Veitsdoms von Peter Parler.
Die wohl bekannteste Skulptur des Bamberger Doms ist der “Bamberger Reiter“, auch Domreiter genannt. Sie wurde von einem heute unbekannten Schöpfer etwa um 1230 aus Sandstein gefertigt und ist damit die älteste erhaltene, mittelalterliche Plastik eines Reiters. In der Figur vermutet man heute gemeinhin den Hl. Stephan, der als erster christlicher König von Ungarn und Gemahl der Schwester Heinrichs II. in Bamberg bereits früh große Anerkennung genossen haben soll. Einer Legende nach soll er bei seinem ersten Besuch in Bamberg geradewegs in den Dom galoppiert sein – was die Vermutung, dass es sich bei dem Reiter um ihn handelt, nur weiter unterstreicht. Die vertikale Gliederung des Standbilds von Pflanzenreich an der Konsole, Tierreich, symbolisiert durch das Pferd, dem Mensch darüber als Krone der Schöpfung und der Baldachin über dem Reiter, der für das Himmlische Jerusalem steht. Während des 2. Weltkrieges wurde der “Bamberger Reiter“ durch einen Bunker aus 64 cm dicken Mauern geschützt, die erst 1947 wieder entfernt wurden. 
Das liturgische Zentrum des Doms stellt das zwischen 1499 und 1513 von der Werkstatt Tilman Riemenschneiders angefertigte Kaisergrab dar. Auf den Seitenwänden des Hochgrabs wurden Legenden aus dem Leben Heinrichs II. und seiner Frau Kunigunde dargestellt. Die Deckplatte, die als eigenhändige Arbeit Riemenschneiders gilt, zeigt das liegende Kaiserpaar, zwei zu ihren Füßen liegende Löwen sowie das bayrische und das luxemburgische Wappen.
Darüber hinaus verfügt der Bamberger Dom über einige kostbare Altäre wie dem Kirchengattendorfer Marienaltar, dem Mühlhausener Marienaltar, dem so genannten Riemenschneideraltar, der 1926 aus mehreren, käuflich erworbenen Skulpturen Tilmann Riemenschneiders auf einer vorhandenen Predella zusammengestellt wurde, sowie dem von Veit Stoß stammenden, 1523 fertiggestellten Marien- oder Weihnachtsaltar. Veit Stoß hatte seinerzeit angeordnet, den Altar nur an besonderen Festtagen aufzuklappen und durch lediglich zwei Kerzen beleuchten zu lassen, damit Verschmutzungen durch Ruß vermieden werden. 
 Unter den Kapellen des Doms nimmt die Nagelkapelle eine Vorrangstellung ein: Sie beherbergte eine der so genannten Christus- Reliquien – jene Gegenstände, die mit dem Leib und Blut Christi in Berührung gekommen sein sollen. Der 11 Zentimeter lange Nagel, dessen Kopf und Spitze abgebrochen sind, wurde bereits 1390 in einer Rechnung erwähnt und wird seither im Bamberger Domschatz in einer Reliquienmonstranz aufbewahrt. Die Nagelkapelle wurde im frühen 13. Jahrhundert im Stil eines zisterziensischen Kapitelsaals errichtet und diente dem Domkapitel als Grablege und bis etwa 1350 als Versammlungsraum. Zur Ausstattung gehört mitunter der Bartholomäus- oder Apostelabschiedsaltar, dessen Retabel zeigt, wie die Apostel vor ihrem Auszug in die Welt noch einmal zusammen kamen und voneinander Abschied nahmen. Heute dient die Nagelkapelle für Werktagsgottesdienste und zum stillen Gebet; sie ist daher für eine Besichtigung nicht zugänglich. Auch die Andreaskapelle, die sich über einem kleinen Treppenhausanbau befindet, ist aus konservatorischen Gründen nicht zugänglich. Besichtigt werden kann dagegen die Sakramentskapelle, die eigentlich nur eine Überbauung eines Winkels ist. Bemerkenswert ist das dortige Rosengemälde, welches gemeinhin Lucas Cranach d.Ä. zugeschrieben wird.
 
In den beiden Osttürmen befindet sich das zehn Glocken umfassende Geläut des Doms. Im Nordostturm, dem “Heinrichsturm“, hängen die beiden Kaiserglocken. Die 5200 kg schwere Heinrichsglocke gilt als eine der bedeutenden Glockengießerleistungen des Mittelalters. Die Heinrichs- und die Kunigundenglocke erklingen zusammen vor hohen Festtagen. Die Heinrichsglocke ist zudem jeden Freitag um 15:00 Uhr zu hören und erinnert damit an den Kreuztod Christi, die Kunigundenglocke erklingt wiederum donnerstags zum Gedenken an Christus auf dem Ölberg.
Die Domuhr am Nordostturm war bis zum Jahr 1954 der maßgebliche Chronometer der Stadt Bamberg. Seit dem 16. Jahrhundert wurde die Uhrzeit durch die Domglocken weit hörbar verkündet. Die zweite mechanische Uhr aus dem Jahr 1562 hielt sich stattlich bis ins Jahr 1927 und befindet sich heute in der Sammlung historischer Uhren des Deutschen Museums in München.

Größe, Nutzung und Öffnungszeiten

Der Bamberger Dom ist die (Erz)Bischofskirche des Erzbistums Bamberg. Sie besitzt eine Länge von 30 m im Ostchor, 37 m im Mittelschiff und 28 m im Westchor. Die maximale Breite des Bauwerks beträgt 28,50 m, die maximale Höhe des Doms beträgt 25,50 m. Die beiden Osttürme sind jeweils 76 m, die beiden Westtürme jeweils 74 m hoch.
 
Bereits um 1415 verfügte der Dom über eine erste Orgel. Die derzeitige Orgel wurde im Jahr 1976 im nördlichen Obergaden von Rieger, Glatter-Götz und Goll angebracht. Die Orgel umfasst vier Manuale und ein Pedal mit 77 klingenden Stimmen, dazu sind mehrere Spielhilfen vorhanden. Im Bamberger Dom finden jährlich etwa 40 Konzerte unter Beteiligung der Domorgel statt. Auch der Bamberger Domchor hat eine lange Tradition, der erste bekannte Auftritt fand 1070 während des Besuches des damaligen Papsts Benedikt VIII. statt. Mit der Gründung der Kantorei im Jahr 1192 wurde der Chor institutionalisiert. Der heutige Chor ist ein klassischer Knabenchor, dessen Hauptaufgabe die musikalische Umrahmung feierlicher Gottesdienste ist. Zudem finden an hohen festen gemeinsame Auftritte mit den Bamberger Symphonikern statt. Derzeit besteht der Domchor aus 80 Sängern. Seit 1989 gibt es neben dem Knabenchor auch eine Mädchenkantorei mit 140 Sängerinnen im Alter von 8 bis 19 Jahren. 
 
1966 begann man mit dem Aufbau des Diözesanmuseums, welches sich im Kreuzgang des Doms und in einigen Räumen des Kapitelhauses befindet. Dort befinden sich der Domschatz mit seiner einzigartigen Sammlung hochmittelalterlicher Sakralgewänder, aber auch kostbare Exponate wie das Grabtuch des Bischofs Gunther aus der Zeit zwischen 1050 und 1060, den Ornat von Papst Clemens II. sowie mehrere Reliquienschätze. Nach der großen Jubiläumsausstellung zum 1000-jährigen Bestehen des Bistums Bamberg blieb das Diözesanmuseum bis zum Frühjahr 2008 geschlossen. 
Der Dom ist von April bis Oktober täglich von 8:00 bis 18:00 Uhr, von November bis März täglich von 8:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Während der Gottesdienste und Andachten ist von einer Besichtigung Abstand zu nehmen. Für weitere Fragen steht zunächst die Pressestelle des Erzbischöflichen Ordinariats, Postfach 10 02 61 in 96054 Bamberg oder Domplatz 3 in 96049 Bamberg  zur Verfügung. Die Pressestelle ist darüber hinaus telefonisch unter 0049- (0)951- 502 270 oder per e-Mail unter pressestelle@erzbistum-bamberg.de erreichbar.
 

Besonderheiten

Im Jahr 1993 wurde die Bamberger Altstadt in die Liste des UNESCO- Weltkulturerbes aufgenommen. In der Gruppe dieser bedeutenden Baudenkmäler nimmt der Dom zweifelsohne eine Vorrangstellung ein. Die zahlreichen einzigartigen Kunstwerke des Doms, darunter vor allem Riemenschneiders Kaisergrab, das Skulpturen- und Reliefprogramm sowie die Ausgestaltung der Portale, aber auch die einzigartige Verbindung romanischer und frühgotischer Architektur machen den Bamberger Dom zu einem kulturhistorischen Denkmal von unschätzbarem Wert.    

Die Baumeister

Die Namen der Baumeister und Künstler des Bamberger Doms sind weitestgehend unbekannt geblieben. Auch über die französisch geprägte Dombauhütte kann heute nur spekuliert werden. Erst mit dem späten 15. Jahrhundert wurden Künstler wie Tilman Riemenschneider, Veit Stoß, Lucas Cranach und andere schriftlich vermerkt, so dass an der Zuschreibung dieser Kunstwerke heute kaum mehr Zweifel bestehen.
Seit 1803 befindet sich der Dom in staatlicher Obhut, so dass die staatliche Bauhütte für Pflege, Erhalt und Instandsetzung der Baussubstanz des Doms verantwortlich ist.




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