Wissen » Kunst und Kultur » Bau- und Kunststile » Bau- und Kunststile: Renaissance

Städte

Unter Städte der Welt finden Sie nicht nur Städte wie Florenz oder Peking, sondern auch Städte wie Nukualofa und Zittau

      Städte

Europäische Länder

Informieren Sie sich detailliert über das Land Ihrer Wahl

      Europäische Länder

Reisemedizin

Alles Wissenswerte über die Reisemedizin bei goruma

      Reisemedizin

Renaissance

Einleitung

Petersdom in Rom © goruma

Die Renaissance steht nicht nur für eine Richtung der Architektur oder der darstellenden Kunst. Sie ist in erster Linie der Beginn eines Gesellschaftswandels weg von mittelalterlichen und hin zu neuzeitlichen Denk- und Vorstellungsstrukturen. Die mittelalterlichen, vor allem religiös bedingten Grenzen, die sich besonders auf die Bereiche der Wissenschaft, Kunst und das gesellschaftliche Zusammenleben auswirkten, begannen im 15. Jahrhundert allmählich zu verblassen.

Gesellschaftlichen Grundlagen

Während des Mittelalters befand sich der Mensch in einer, durch die christliche Religion bestimmten Gesellschaft, in der das weltliche Individuum nicht von Belang war. Das diesseitige Leben des Menschen beschränkte sich ausschließlich auf die christliche Vorstellung des Seins im Jenseits und damit auf die Einhaltung der religiösen Gebote. Der alles dominierende Einfluss der Kirche auf jegliche Bereiche des Lebens verhinderte im Mittelalter ein religiös unabhängiges Sein. Durch die Renaissance löste sich das Natur- und Lebensgefühl des Menschen von ausschließlich religiösen Aspekten. Ebenso befreite sich das Denken und Forschen sowie das Bild des Individuums von der Gebundenheit an das Mittelalter und orientierten sich neu.
Im frühen 15. bis zum beginnenden 16. Jahrhundert entwickelte sich in Italien ein Rückbezug zur antiken Kultur, was der Renaissance (frz.= Wiedergeburt) ihren Namen einbrachte. Die Wiederbelebung der antiken Sprachen und Philosophie sowie der Literatur und Kunst begründete schließlich den Humanismus. In Florenz entwickelte sich eine Gesellschaft, die von mächtigen Familien, Humanisten und Künstlern geprägt wurde und welche die Renaissance unmittelbar definierte. Der Geburtsort der Renaissance lässt sich folglich in der Toskana festmachen.
Italien, das noch im 13. und 14. Jahrhundert durch den Machtkampf zwischen weltlicher und geistlicher Herrschaft schwankte, blühte zu Beginn des 15. Jahrhunderts durch eine relativ stabile politische Lage und sehr gute Handelsbeziehungen regelrecht auf. Nichtadelige Familien, die meist durch Handel und Bankgeschäft zu Reichtum gekommen waren, gelangten zu großem Einfluss, förderten humanistische Studien und fungierten als Mäzene. Das neue Bild der Persönlichkeit spiegelte sich besonders in der Kunst wieder. Künstler erhielten Aufträge, den wachsenden Ruhm der führenden Elite in Portraits und Bauwerken zu verewigen, was die Fülle an Renaissance-Kunst und Renaissance-Architektur in Italien erklärt.
Die Wirkung der Renaissance, die vor allem von der Toskana, aber auch von Rom ausging, erreichte im 16. und 17. Jahrhundert auch andere europäischen Länder. Humanisten und Künstler reisten studienhalber nach Italien und brachten die neuen Entdeckungen mit in ihre Heimat.

Besonders Deutschland und die Niederlande standen mit Italien in engem geistigen Kontakt und Austausch. Ebenso in Frankreich, Spanien und England lässt sich der Einfluss der Renaissance auf die Gesellschaft, Kunst und Wissenschaft deutlich erkennen. Die Renaissance knüpfte nach einer langen Unterbrechung während des Mittelalters an antike Bildungs- und Kunsttraditionen an und entwickelte diese weiter. Der Humanismus als geistige Grundlage der Renaissance sowie die künstlerischen und wissenschaftlichen Errungenschaften dieser Epoche sind von größter Bedeutung für unsere moderne Zeit. Die Besonderheit dieser Epoche lässt sich durch die Wiedergeburt der freien, vom Mittelalter gelösten Kunst und des antiken griechisch, römischen Gedankenguts ausmachen.
Mit dem Architekten Brunelleschi und dessen Lehre über die Perspektive nimmt die Renaissance um 1400 ihren Ursprung in der Kunst. Die Wiederbelebung der römisch, griechischen Philosophie gipfelte im Humanismus, der geistigen Grundlage der Renaissance.

Bedeutende Persönlichkeiten der Renaissance

Benvenuto Cellini, Florenz: Perseus mit dem Haupt der Medusa © goruma (V. Koppenwallner)

Auffällig und prägend für die Zeit der Renaissance sind die vielen bedeutenden Persönlichkeiten, die sich in ganz unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft auszeichneten. Trotz ihrer differenten Tätigkeiten sind ihre Biografien meist eng miteinander verbunden. In Florenz, wo die Renaissance ihren eigentlichen Ursprung fand, tat sich Cosimo de` Medici (1389-1464), der ab 1434 Stadtherr war, als größter und bedeutendster Mäzen hervor. Er ließ unter anderem den Palazzo Medici errichten, gründete die Biblioteca Laurenzia und finanzierte die große Kirche San Lorenzo, in der sich heute die Grabmäler der Familie Medici befinden.
Der bereits erwähnte Architekt Filippo Brunelleschi (1377-1446) entwarf neben der, von Cosimo de Medici in Auftrag gegebenen Kirche San Lorenzo, auch das Findelhaus in Florenz, das als erster großer Renaissancebau bekannt ist. Ebenso baute er die berühmte Kuppel des Florentiner Doms und gilt als der eigentliche Begründer und Repräsentant der Früh-Renaissance Architektur.
Der Maler Massacio (1401-1428) wurde durch die ersten perspektivischen Gemälde der Kunstgeschichte bekannt. Er übertrug die, von Brunelleschi entwickelten Regeln der zentralperspektivischen Projektion auf die Gemäldefläche und schuf somit den Wendepunkt hin zu den ersten Merkmalen der Früh-Renaissance Malerei.
Donatello (1386-1466), der berühmte Bildhauer zählt neben Brunelleschi und Massacio als weiterer wichtiger Vertreter der Früh-Renaissance Kunst. Wie Massacio profitierte er von den Forschungen der Proportionslehre Brunelleschis und übertrug diese auf seine Skulpturen. Er erschuf die ersten freistehenden und nackten Skulpturen seit der Antike.
Der Architekt, Maler und Baumeister Bramante (1444-1514) wurde durch seinen Grundrissentwurf des Petersdom in Rom bekannt. Er führte die, in der Früh-Renaissance gebildete Kunstauffassung der Architektur weiter und gilt damit als wesentlicher Architekt der Hoch-Renaissance.
Michelangelo (1475-1564) der bekannte Bildhauer, Maler, Architekt und Dichter entwarf die Kuppel und die Chorpartie des Petersdoms. Auch die vielbewunderten Medici-Grabmäler in San Lorenzo sind von ihm geschaffen. Er malte die berühmte Schöpfungsszene und das "Jüngstes Gericht" in der Sixtinischen Kapelle und bildete die Skulptur des Davids in Florenz, die ursprünglich vor dem Palazzo Vecchio stand. Michelangelo brachte neben Leonardo da Vinci, Raffael und Bramante die Kunst der Hoch-Renaissance in Rom zu voller Blüte. Neben den Fresken Michelangelos befinden sich in der Sixtinischen Kapelle zahlreiche Bilder des Malers Botticcelli (1445-1510). Von hohem Bekanntheitsgrad sind ebenfalls seine Werke "La primavera" und "Die Geburt der Venus", die sich heute in den Uffizien in Florenz befinden.
Als Bauleiter des Petersdoms und Konservator der antiken Denkmäler fungierte Raffael (1483-1520). Neben Michelangelo und Leonardo da Vinci gilt Raffael als einer, der bedeutendsten Künstler der Renaissance. Er malte unter anderem das große Bild "Die Schule von Athen" und ist bekannt für seine zahlreiche Madonnenbildnisse.

Als bekannteste und rumvollste Persönlichkeit der Renaissance ist zweifelsfrei Leonardo da Vinci (1452-1519) anzuführen. Er betätigte sich als Maler, Zeichner, Baumeister, Bildhauer, Naturforscher und Erfinder und gilt deshalb zurecht als Universalgenie. Zu seinen wichtigsten Werken gehört neben der "Mona Lisa", "Das Abendmahl" und den zahlreichen Naturstudien, auch das Modell für die Kuppel des Mailänder Doms.
Die drei venezianischen Künstler Giorgione (1478-1510), Tizian (1490-1576) und Tintoretto (1518-1594) sind als die berühmtesten Maler der Spät-Renaissance anzuführen.
Nördlich der Alpen zählen Albrecht Dürer (1471-1528), deutscher Maler, Zeichner und Kupferstecher, Lukas Cranach d. Ä. (1472-1553), ebenfalls Maler, Zeichner und Kupferstecher und der niederländische Maler Jan van Eyck (1390-1441) zu den Vertretern der Renaissance-Malerei. Ihnen gelang es, eine Verbindung spätgotischer Aspekte mit denjenigen der italienischen Renaissancemalerei herzustellen. Weitere herausragende Persönlichkeiten der Renaissance sind die drei Päpste: Nikolaus V. (1397-1455), der Gründer der vatikanischen Bibliothek; Pius II. (1405-1464), ein Vertreter des Humanismus, der neben Lyrik, Novellen und Komödien auch ein umfangreiches historische, geografisches Werk verfasste; und Julius II. (1443-1513), der den Bau des Petersdoms veranlasste.
Zu den berühmten Personen müssen schließlich noch Machiavelli (1469-1527), der bekannte und umstrittene Staatstheoretiker und Verfasser der Staatsschrift "Il principe" (it.= der Fürst) und Vesalius (1514-1564), ein hervorragender Anatom und Chirurg, und Begründer der modernen Medizin, angeführt werden.

Einer der bedeutendsten Vertreter der italienischen Renaissance war ohne Zweifel der in Padua geborene und in Vicenza verstorbene Andrea di Pietro della Gondola (1508-1580) - Palladio genannt. Seine Schriften und Bauwerke hatten zudem großen Einfluss auf den späteren Klassizismus in West- und Nordeuropa sowie in Großbritannien und den USA. 

Epochale Errungenschaften

Perspektive und Proportionslehre
Die Entdeckung der Perspektive bedeutete eine wahrhafte Revolution für die Kunst. Sie ermöglichte es, eine Räumlichkeit auf der Leinwand oder in der Skulptur darzustellen und Personen und Gegenstände innerhalb dieses Raumes unterschiedlich anzuordnen. Durch die Perspektive gelang es den Künstlern der Renaissance, die Natur so abzubilden und zwar so, wie man sie tatsächlich sah. Mit Hilfe von Geraden, die von den einzelnen Bildobjekten hin zu einem gemeinsamen Fluchtpunkt gezogen werden, lässt sich die kompositorisch richtige Verjüngung von Gegenständen und die theoretische Verkleinerung der Objekte im Gemälde darstellen. In der Renaissance galt die Auffassung, dass es sich bei der Kunst um eine Wissenschaft handle, die durch das Studium der Perspektive und der anatomischen Proportionslehre erst perfektioniert werden könnte.

Humanismus
Der Renaissance-Humanismus definiert als Epochenbegriff eine literarische und philosophische Bewegung seit dem 14. Jahrhundert, die sich durch die Beschäftigung mit antiken Texten und Philosophie auszeichnet. Mit der Gründung der Platon Akademie in Florenz im Jahre 1459 erlangte der Humanismus eine herausragende Bedeutung für die gesamte italienische Gesellschaft. Mäzene förderten humanistische Studien, deren Erkenntnisse bald weit über die Grenzen Italiens hinaus bekannt wurden. Auch Künstler arbeiteten in der Renaissance eng mit den Humanisten zusammen. Vertreter des Humanismus berieten Maler, Bildhauer und Architekten in Fragen der antiken Wert- und Formenvorstellung.
Unter Renaissance-Humanismus versteht man die Übersetzung und wissenschaftliche Überarbeitung antiker Autoren und deren Schriften. Die humanistische Bildungsbewegung gründete sich um 1350 in Italien mit Blick auf die römische Antike. Nach der Zerstörung Konstantinopels im Jahre 1453 erreichten, durch einen Zustrom byzantinischer Gelehrter nach Italien, zahlreiche antike griechische Texte das Heimatland des Humanismus.
Die Bewegung des Renaissance-Humanismus breitete sich im 15. Jahrhundert bald in ganz Europa aus und bedingte den fortschreitenden Prozess der Neuzeit. Zu den bekanntesten Humanisten lassen sich zum Beispiel Leonardo da Vinci (1452-1519), Universalgenie, Kopernikus (1473-1543), deutscher Astronom und Begründer des Heliozentrischen Weltbildes und Erasmus von Rotterdam (1465-1536), niederländischer Theologe, zählen. Heutzutage versteht man unter Humanismus vorwiegend das Bemühen um Menschlichkeit und Menschenwürde sowie freie persönliche Gestaltung des Lebens und der Gesellschaft. Eine humanistische Ausbildung meint die zentrale Beschäftigung mit der Geisteswissenschaft, wie Literatur, Philosophie und den alten Sprachen.

Stilprägende Bauten der Renaissance

Brunelleschi: Kuppel des Florentiner Doms © goruma (V. Koppenwallner)

Michelangelo: Kuppel des Petersdoms in Rom © goruma (Dominik Jesse)

Der Architekturstil Renaissance bildete sich in Florenz zu Beginn des 15. Jahrhunderts aus. Als stilprägender Früh-Renaissance Architekt ist Filippo Brunelleschi (1377-1446) anzuführen. Er studierte die erhaltenen römischen Bauten und nutzte die Formen der antiken Architektur als Vorbild für seinen eigenen Baustil. Die Prinzipien dieser Formen basierten auf den Elementen der Grundformen von Halbkugel (Kuppel) und Würfel. Der Rückbezug auf diese antiken Architekturformen sollte den, aus dem Norden importierten Stil der Gotik, der als archaisch und grob galt, ablösen.

Als erster Renaissancebau kann das Findelhaus in Florenz genannt werden, das sich besonders durch die eigenen Gestaltungs- und Proportionsvorstellungen Brunelleschis, nach Vorbild antiker Stilelemente auszeichnet.
Der stilprägendste Bau der Früh-Renaissance ist zweifelsfrei die, von Brunelleschi entworfene Kuppel des Florentiner Doms. Als Beispiel hierfür diente die Kuppel des Pantheons in Rom aus dem Jahre 128 n.Chr. Die Florentiner Domkuppel besteht aus einer Doppelschale von roten Backsteinen, die von sogenannten, für Brunelleschi typische Rippen in einzelne Abschnitte unterteilt werden.
Die größte Domkuppel der Christenheit wurde von Michelangelo in Rom geschaffen und ist damit der zentrale Bau der Hoch-Renaissance Architektur. Die Kuppel des Petersdoms wurde in Anlehnung an Brunelleschis Florentiner Domkuppel gebaut. Sie besitzt allerdings etwa doppelt so viele Rippen und gilt als logische Konsequenz einer architektonischen Entwicklung, die mit Brunelleschi begonnen hatte. Lange Zeit diente sie als Vorbild des monumentalen Kirchenbaus schlechthin.
Als weiterer stilprägender Bau der Renaissance lässt sich neben der Domkuppel die, seit dem römischen Reich wieder entdeckte Villa anführen. Sie war ländlicher Wohnsitz der Aristokratenfamilien und wurde zur Zeit der Renaissance bevorzugt unweit der Stadt in freier Lage gebaut, mit schönem Ausblick über die Landschaft.

Die Renaissance-Architekten wandten ihre Aufmerksamkeit auch der Stadtplanung zu. So konnten auf Grund der, von Brunelleschi aufgezeigten und formulierten Gesetzte der Perspektive, wissenschaftliche Konstruktionsmethoden und dreidimensionale räumliche Objekte auf Plänen genau festgelegt werden. Als Stadtzentrum fand die Planung des Platzes, im italienischen der piazza, architektonisch besonders viel Beachtung. Sogar die heutige, moderne Stadtplanung verdankt der Renaissance in dieser Hinsicht eine Reihe von Anregungen. 
Oberhalb der Alpen wird der italienische Baustil der Renaissance in der Fuggerschen Grabkapelle in Augsburg, im Zentralbau der Wallfahrtskirche zur "Schönen Maria" in Regensburg und in der Landshuter Residenz deutlich. Ebenfalls im Heidelberger Schloss und in der so genannten Weserrenaissance ist der architektonische Einfluss der Renaissance auf Deutschland sichtbar.

Renaissance in der Bildenden Kunst

Wie die gesamte Bewegung der Renaissance ist auch die bildende Kunst in drei Merkmalsabschnitte gegliedert. Die Kunst der Früh-Renaissance unterscheidet sich von derjenigen der Hoch-Renaissance, genauso wie von den Merkmalen der Spät-Renaissance. Ein Faktum aber steht für die gesamte Epoche und zwar, dass das Individuum an Einfluss gewinnt. Das macht sich auch in der Kunst bemerkbar. Der Künstler, sei es Architekt, Bildhauer oder Maler, ist seit der Renaissance nicht mehr nur Handwerker und Meister seines Berufs. Durch die Loslösung aus der mittelalterlichen Ordnung und ihren Lebensnormen erlangt der individuelle Künstler an Selbstbewusstsein, was sich ebenfalls in seiner Kunst widerspiegelt. Für Bildhauer und Maler bedeutete das die Ablösung und Befreiung der Gebundenheit ihrer Kunst an die Architektur. Bisher hatte jahrhundertelang in Europa die Vorstellung geherrscht, dass die Skulptur ihren Platz nur in Verbindung mit der Architektur habe. Auch die Malerei definierte sich primär durch sakrale Darstellungen in Kirchen und Historienbilder.

Die Bildhauer der Renaissance legten ihr Gewicht, durch die Antike inspiriert, nun mehr auf die Darstellung von Menschen und deren realistische, individuelle Abbildung. Proportionsstudien und die Regeln der Perspektive halfen bei der exakten naturalistischen Darstellung. Als Vorbild für alle folgenden Renaissance-Bildhauer ist Donatello anzuführen. Der Humanismus, der die Schönheit und den Geist des Menschen verherrlichte, fand auch in der Kunst Anklang. Der vollkommene menschliche Körper wurde zum Ideal. Donatellos David fungiert in diesem Sinne als Beispiel. Der bronzene David war wohl die erste nackte und naturalistische Skulptur seit dem Mittelalter. Die Figur besticht durch ihre elegante, antikisch gelöste Haltung und ihrer großen Realitätsnähe zu dem menschlichen Körper.
Michelangelos Pieta, befindlich im Petersdom in Rom, zählt zu den bedeutendsten Werken der Hoch-Renaissance Bildhauerei. Die große Komposition der Muttergottes, die den toten Christus auf ihrem Schoß hält, zeigt die Vorliebe der Renaissance zur Form des Dreiecks und der Pyramide. Auch in der Malerei, vorwiegend bei religiösen Darstellungen, wie Marienbildern, kommt diese Komposition häufig vor. Keine andere Epoche hat einen solchen Reichtum an Malerei aufzuweisen wie die Renaissance. Während dieser Epoche wurde die Malerei gewissermaßen identisch mit der Kunst selbst. Dieses Verständnis entwickelte sich auch nördlich der Alpen, wie zum Beispiel bei dem flämischen van Eyck und den deutschen Künstlern Dürer und Cranach.

Die wesentliche Entdeckung der Renaissance-Malerei, wie auch in der Renaissance-Architektur, ist zweifelsfrei die Perspektivische Darstellung von Räumlichkeit innerhalb des Bildes. Der florentinische Maler Masaccio übertrug die Studien des Architekten Brunelleschis zur Perspektive erstmals auf die Leinwand und revolutionierte somit die Malerei. Die angestrebte Wiedergabe der Realität auch innerhalb der Malerei wurde durch den Gebrauch der Ölfarbe, die aus den Niederlanden nach Italien kam und der Verwendung von Leinwand an Stelle von dünnen Holzbrettern, erleichtert. Die exakte Wiedergabe der Realität steht als zentrales Thema der Renaissance-Malerei im Mittelpunkt des künstlerischen Bemühens. Hauptanliegen der Malerei wurde die wirklichkeitsgetreue Wiedergabe von Mensch und Natur, wenn auch meist innerhalb eines religiösen Zusammenhangs. In diesem Zusammenhang sind die Werke Michelangelos, Raffaels, Botticellis, Giorgiones, und selbstverständlich die Werke Leonardo da Vincis anzuführen, um nur einige der berühmtesten Namen zu nennen.

Renaissance in Deutschland

Rathaus zu Augsburg © goruma (V. Koppenwallner)

Wie in Italien bedeutet die deutsche Renaissance eine Abkehr von der Gotik und das Streben nach Neuem. Dies geschah jedoch in Deutschland aus anderen Motiven und Intentionen. Die politische Situation Deutschlands lag während des 14. und 15.Jahrhunderts in ständiger Ungewissheit. Deutschland war ein Wahlkönigtum, in dem jeder König versuchte seine Macht zu sichern und ständig mit seinen Konkurrenten in Fehde lag.
Indessen gewannen die deutschen Städte immer mehr an Einfluss, vor allem durch die Tätigkeit der Hanse. Die Bevölkerungszahlen stiegen stetig und Handel und Industrie sorgten für einen aufkommenden Reichtum des Bürgertums, das, ähnlich wie in Italien, bald die Führung in allen kulturellen Dingen übernahm. Um 1500 hatte das Haus der Fugger in Augsburg auf dem internationalen Geldmarkt eine führende Rolle. Da eine großer Differenz zwischen den Menschen und ihren Lebensbedingungen nördlich und südlich der Alpen bestand, definierte sich der gewaltige geistige Umschwung in beiden Ländern auf unterschiedliche Weise. Deutlich und ähnlich zu Italien ist jedoch, dass man in Deutschland nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten suchte, aus denen sich zum Ende des 15. Jahrhunderts der Stil der deutschen Renaissance entwickelte.
Dieser Stil wurde gerade in der Kunst maßgeblich durch die italienische Renaissance beeinflusst. Viele Maler, Bildhauer und Architekten reisten nach Italien um dort zu lernen und brachten die geistigen Errungenschaften mit nach Deutschland. Doch gelang es deutschen Künstlern nur selten die gotischen Stilelemente ganz abzuschütteln, so dass häufig eine Stilmischung aus Gotik und Renaissance entstand. Beispielhaft sind hierfür die Gemälde Albrecht Dürers und Lukas Cranachs.

 

Wittenberg, Schloss mit Schlosskirchturm © goruma (V. Koppenwallner)

Der gewaltige Einfluss der Kirche auf den Menschen zur Zeit der Gotik war jedoch im Schwinden begriffen. Durch die Loslösung von den kirchlichen Fesseln und deren Bevormundung beschritt Deutschland im frühen 16.Jahrhundert neue Wege. Martin Luther (1483-1446) schlug im Jahre 1517 seine fünfundneunzig Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg und wurde damit zum Exponenten seines Zeitalters. Johannes Gutenberg (um 1400- 1468) erfand um 1450 den Buchdruck und begünstigte damit die Strömung des deutschen Humanismus, der mit Nikolaus Kopernikus (1473-1543) und dessen Begründung des heliozentrischen Weltbildes, seine Blütezeit erlebte. Die Auswirkung des Humanismus in Deutschland zeigte sich auch in der Gründung von Universitäten, Mittel- und Volksschulen. Allein im 15. und 16.Jahrhundert wurden in deutschem Raum 14 Universitäten, darunter jene in Tübingen, Marburg und Freiburg, gegründet. Die Wissenschaften blühten zur Zeit der deutschen Renaissance regelrecht auf.

Der Humanismus verlangte auch nach einer klaren Kirchenarchitektur. Die Schlosskirche in Stettin und die Universitätskirche in Würzburg verkörpern den deutschen Renaissance-Kirchenbau am deutlichsten. Die Michaelskirche in München ist der bedeutendste Kirchenbau der Renaissance in Süddeutschland. In den mächtigen Städten verkörperte jedoch nicht der Kirchenbau die Renaissance-Architektur am besten. Es ist vor allem der Profanbau, wie Rats- und Bürgerhaus, der diese auszeichnet.

Die Fugger in Augsburg legten den Grundstein der Renaissance-Architektur. Das Augsburger Rathaus, erbaut im Jahr 1615, gilt allgemein als wichtigster Profanbau der Renaissance in Deutschland. Auch die Grabkapelle der Fugger ist, mit den Gemälden von Dürer und Holbein, ein gelungenes Beispiel der deutschen Renaissance-Baukunst.
Weitere stiltypische Bauten findet man entlang der Weser. Die Weserrenaissance definiert sich in Architektur und Möbelstücken zu Beginn des 16. bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts. Neben Hameln, Hannover Münden und Lemgo zählt auch Bremen mit seinem Rathaus, dessen Fassade 1609 im Stil der Weserrenaissance aufgearbeitet wurde, zu den typisch deutschen Renaissance-Städten.

 

Görlitz, Schönhof © goruma (V. Koppenwallner)

Die ältesten deutschen Stilbauten findet man jedoch in Torgau und Görlitz. Der Schönhof in Görlitz wurde 1526 errichtet. Das Torgauer Schloss Hartenfels wurde in den Jahren 1533-1544 im Stil der Renaissance umgebaut und erweitert. Mit Renaissance bezeichnet man die deutsche Kunst zur Zeit der Reformation. Sie nimmt ihr Vorbild gewiss an der italienischen Renaissance-Kunst, ist jedoch keine Folgeerscheinung. Vielmehr ist es der gewaltige geistige Umschwung jener Zeit, weg von der Gotik, hin zu einer Zeit, die durch Wissenschaft und Fortschritt geprägt ist, der eine neue Ausdrucksform auch in der Kunst begründete. So, dass sich die deutsche Renaissance im 15. und 16.Jahrhundert als eigene Stilepoche, geprägt durch den Humanismus, für Kunst und Architektur herausbildete.




Kommentieren

eMail:  

Name:  

Kommentar:  


Benoten sie diesen Artikel


 
gut 1   2   3   4   5  schlecht 

Römische Antike

Traditionell wird die Gründung Roms auf das Jahr 753 v. Chr. datiert, wobei dieses Datum allerdings ...

      Römische Antike

Rokoko

Die Epoche des Rokokos fand in Frankreich Anfang des 18.Jahrhunderts ihren Ursprung. Die Blütezeit l...

      Rokoko

Romanik

Die Stilepoche der Romanik umfasst etwa 300 Jahre, und zwar von etwa 950 bis circa 1250, und fand al...

      Romanik

Asiatische Kunst und Kultur

Bei einer näheren Beschäftigung mit dem asiatischen Kontinent kristallisiert sich eine Figur ganz kl...

      Asiatische Kunst und Kultur

Wandmalereien

Mit zu den ältesten und bekanntesten Höhlenmalereien gehören die Malereien im südöstlichen Teil Fran...

      Wandmalereien