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Islamische Kunst

Hagia Sophia in Istanbul © goruma (chantal miller)

Der Islam wurde von dem Propheten Mohammed (570-632) begründet. Die von ihm empfangenen, visionären Offenbarungserlebnisse fanden im Koran, der heiligen Schrift des Islams, ihre schriftliche Form. Im Jahr 622, nach religiösen Auseinandersetzungen Mohammeds mit der arabischen Obrigkeit, floh er von Mekka nach Medina.

 

Yazd, Iran: Hazireh-Moschee © goruma (saad ali)

Mit der Flucht, die Hedschra genannt wird, beginnt die islamische Zeitrechnung. Anders als bei der christlichen Zeitrechnung basiert die islamische auf dem Zählen der Mondjahre. Mohammeds Anhänger bildeten eine Gesellschaft, die den Islam bald in ganz Arabien verbreitet hatten. Mohammed selbst war geistliches und politisches Oberhaupt des Islam. Nach seinem Tod hinterließ er den Kalifen, seinen Nachfolgern, ein politisch und religiös geeintes Arabien. Bis zum Jahr 711 wurden zudem Syrien, Persien und Ägypten vollständig und einzelne Gebiete in Indien und Spanien islamisiert. Das einigende Band des großen islamischen Reichs war der Koran, jedoch bildeten sich verschiedene religiöse Richtungen in unterschiedlichen Kalifaten sowie die schiitische und sunnitische Glaubensrichtung heraus.

Das Wort Islam meint die absolute Hingabe gegenüber des Willens Allahs. Die Anhänger des Islams bezeichnen sich selbst als Muslime. Im Zentrum der Religion steht der Koran, während Mohammed als der menschliche Überbringer betrachtet wird. Die Gebete der Gläubigen richteten und richten sich auch heute nach Mekka zur Kaaba hin, einem würfelförmigen, heiligen Bauwerk, das an der südöstlichen Seite einen schwarzen Stein, möglicherweise ein Meteorit, aufweist. Grundlegend für den Islam ist der Monotheismus, also die Überzeugung, dass es nur einen Gott gibt.

Da die erste islamische Glaubensgemeinschaft, der Mohammed vorstand, zugleich auch ein politischer Verbund war und sich die späteren Gesellschaften an diesem System orientierten, ist eine Trennung von Geistlichem und Weltlichem im Islam noch heute nicht gegeben. Die enge Verbindung von Staat und Religion wirkt in islamischen Ländern fort und beeinflusste und beeinflusst die islamische Kultur und Kunst ganz wesentlich.

 

Islamische Kunst

Das gemeinsame religiöse Bündnis und die Verbindlichkeit des Korans haben die natürlichen Differenzen und unterschiedlichen Sitten in den einzelnen islamischen Ländern überbrücken können. Auf dem Gebiet der Kunst gibt es deswegen, im Gegensatz zur christlichen Kunst, nur unwesentliche Unterschiede zwischen profaner und sakraler Gestaltung. Der Schwerpunkt islamischen Kunst beruht dabei auf Architektur und Kunstgewerbe.

Das Einflussgebiet der islamischen Kunst erstreckt sich seit dem 7.Jahrhundert von Syrien über Nordafrika und Südspanien, Im Osten über Anatolien, Iran und Irak, bis nach Nordindien. Ihren Ursprung findet die islamische Kunst in der Begegnung mit der spätantiken byzantinischen Kunst, wobei Techniken und Handwerker übernommen wurden. Ab dem 11.Jahrhundert galten chinesische Porzellanarbeiten als Vorbilder für die arabische blau-weiße Keramik. Auf Grund des islamischen Verbots lebende Wesen bildhaft darzustellen entwickelte sich eine reiche nichtfigurale Ornamentik und Kaligraphie (Schriftkunst) heraus. Vorwiegend an der Baukunst lässt sich ein schmückendes Dekor, das aus Rankenwerk, Stern- und Flechtmuster und Arabesken sowie Zierschriften besteht, bewundern. Das Bilderverbot wurde jedoch häufig, vorwiegend im bürgerlichen und höfischen Bereich, durchbrochen. Es existiert eine hochentwickelte darstellende Buchmalerei und es lassen sich menschliche und tierische Abbildungen auf Bodenmalereien und Keramik finden. Während der Expansion des Islams entwickelten sich lokale und kulturelle Differenzierungen der arabischen Kunst heraus. Auch Glaubensspaltungen, beispielsweise die sehr frühe zwischen Schiiten und Sunniten, wirkten sich auf die islamische Kunst aus. So wird das Bilderverbot von orthodoxen Schiiten weniger streng befolgt als von den Sunniten. 

Die islamische Kunst und Kultur wurde von einzelnen arabischen Dynastien und führenden ethnischen Gruppen stilprägend beeinflusst. Man unterscheidet in diesem Sinn zwischen der Kultur der Omaijaden (661-750), den Abbasiden (749-1258), den Fatimiden (909-1171), den Seldschuken (11.-13.Jahrhundert), dem Persisch-mongolischen Stil (13.-15.Jahrhundert), den Mamelucken (1250-1517), dem Maurischen Stil (12.-15.Jahrhundert), den Safawiden (1500-1722), dem Mogulstil (16.-18.Jahrhundert) und den Osmanen (14.-19.Jahrhundert).

 

Islamische Architektur

Jerusalem, Felsendom © goruma

Die Hauptaufgaben der islamischen Sakralarchitektur waren Moscheen, Ribat (Klöster) und Medresen (Koranschule). Die Profanarchitektur zeichnet sich durch Stadt- und Wüstenschlösser, Zisternen, Befestigungsanlagen, Bäder (Hammam), Grabbauten (Mausoleum) und Hospitäler aus. Verbindendes Stilmerkmal ist das Flächenornament als dominierende Schmuckform der gesamten islamischen Architektur.

Islamische Sakralarchitektur

Die ersten einfachen Moscheen entstanden um 640 n.Chr. unter der Herrschaft der Omaijaden in Alt-Kairo. Sie lehnten architektonisch an das Wohnhaus Mohammeds in Medina an, an dessen Hof der Prophet die Gläubigen zum Gebet versammelt hatte. Das Hauptmerkmal dieser frühen Hofmoschee war der von Mauern umgebene Innenhof, der zum Schutz gegen Hitze mit einem Dach aus Palmenblättern überdeckt wurde. Da die islamische Religion rituelle Waschungen vor dem Gebet vorschreibt, befindet sich in jeder Moschee, meist im Innenhof, ein Brunnen.
Die Rückwand der Moschee mit Gebetsnische weist den Gläubigen die Richtung nach Mekka, wohin sich die Gebete richten. Rechts neben der Gebetsnische befindet sich üblicherweise die Kanzel, wo das Freitagsgebet gesprochen und zur Gemeinde gepredigt wird. In einigen Moscheen befinden sich erhöhte Podien für die Geistlichen sowie abgeschirmte Emporen für Herrscher.
Durch den byzantinischen Einfluss wurde die Basilika in islamischem Gebiet bekannt und als architektonisches Vorbild genutzt. Der ursprünglich quadratische, nur von Mauern umgebene Bezirk der Moschee wurde erweitert, die Seitenschiffe in jede Richtung hin vermehrt und somit mehr Raum für die Gläubigen geschaffen. Auch die Moschee mit zentraler Kuppel findet ihren Ursprung in der byzantinischen, römischen Tradition. Aus Zentralasien wurde der Moscheentypus mit zentralem Hof und Iwan an jeder Seite als Vorbild in persisches Gebiet eingeführt.
Das Minarett, der Turm für den islamischen Gebetsruf, ist häufig direkt mit der Moschee verbunden. Teilweise weist der Hauptiwan, das Eingangsportal der Moschee, zwei Minarette auf. Üblich ist allerdings ein einzelnes Minarett, es kommen aber auch vier und bis zu sechs Minarette vor.

Neben der Moschee zählt die Medrese zur islamischen Sakralarchitektur. Der mauerumschlossene Hof mit vier Portalen diente als Koranschule und entwickelte sich im 12.Jahrhundert heraus. Die Zugänge wurden in Form von Iwanen gestaltet und symbolisieren die vier unterschiedlichen Schulen der Auslegung des Korans.

Auch die Ribat (befestigte Klöster) wurden in dem typischen viereckigen Schema gebaut. In ihrer Mitte befindet sich eine Moschee, an den vier Eckpunkten jeweils ein befestigter Wachturm.


Dekorationselemente und Baukörper

Als Vorbild für die islamische Baukunst dienten antike Steinbauten sowie mesopotamische Ziegelbauten und Stuckwerk. Bevorzugt waren offene, leichte Bauwerke, die reich mit floralen und geometrischen Stuckornamenten verziert wurden. Ebenso verbreitet und beliebt waren seit dem 11.Jahrhundert die so genannten Muqarnas, die einen Übergang von Wand und Kuppelwölbung bilden und wie Stalaktiten vom Deckengewölbe herabhängen. Sie wurden nicht nur aus Stein, sondern auch aus Holz, Stuck und Keramik gebildet. Auch Bogen und Kuppel spielen in der islamischen Baukunst eine wichtige Rolle. Es existieren verschiedenste Bogenformen, die als dekoratives Element eingesetzt wurden und an römische, byzantinische und sassanidische Bögen anknüpfen. Unter dem Einfluss byzantinischer Baukunst wurde vorwiegend der Rundbogen als Dekorationselement verwendet, später auch der Spitzbogen. Besonders beliebt war auch der Hufeisenbogen, der vorwiegend in Spanien und Marokko vorkam, aber auch kleeblattförmige Bögen und Vielpässe.

Die islamische Kuppel ist unter byzantinischem und sassanidischem Einfluss halbkreisförmig gestaltet. Unter zentralasiatischem Einfluss wurde die Kuppel auf einen trommelförmigen Sockel, Tambour genannt, gebaut. Die Kuppel der Mongolen sitzt auf einem hohen Tambour und hat die Form einer Zwiebel, während die Turkmenen ihre Kuppeln mit konischen Dächern bedeckten. Die indisch-islamische Baukunst bevorzugte leichte, baldachinförmige Aufbauten auf zierlichen Säulen.

Der Iwan, eine monumentale Nischenarchitektur, fand besonders in der persischen Baukunst großen Anklang. In dieser ausgestalteten, überdachten Nische hielten die islamische Herrscher Audienzen und sprachen Recht. Oftmals wurden Iwane in die vier Ecken des quadratischen Innenhofs einer Moschee integriert, wobei der Hauptiwan nach Mekka ausgerichtet und von zwei Minaretten (Türme für den islamischen Gebetsruf) bekrönt ist. Der meist reich geschmückte und verzierte Iwan kam auch als Eingangsportal für Mausoleen (Grabbauten) zur Anwendung.

Die Fassadengestaltung islamischer Bauten ist meist sehr schmuckreich. Häufig wurden Backsteine in geometrischen Mustern vermauert oder farbig glasierte Ziegel kunstreich angebracht. Im indisch-islamischen Raum verwendete man zudem farbigen Marmor und Steineinlegearbeiten.

Das Ornament am Außenbau wurde als Fries oder aus pflanzlich, geometrischen und kalligraphischen Mustern gestaltet und überzieht häufig den gesamten Bau in schier unendlicher Abfolge.

Stilprägende Bauten

  • Zu den stilprägenden Bauten der islamischen Architektur zählt unter anderem der Felsendom in Jerusalem (errichtet um 691). Der nach Vorbild der konstantinischen Grabeskirche errichtete Zentralbau sollte dem neuen Glauben ein Denkmal setzten.
  • Im Jahr 787 wurde die Große Moschee von Córdoba in Spanien errichtet. Sie hat 19 Schiffe und insgesamt 665 Säulen. Die auffällig schönen Hufeisenbögen schließen an den spätrömischen Brauch des Wechsels von rotem und hellem Sandstein an.
  • Die Große Moschee von Samarra (848-852) im Irak ist eine der größten Moscheen der Welt. Besonders das Minarett, das sich wie eine Spirale 50 m in die Höhe schraubt, macht die Moschee zu einer Besonderheit.
  • Die Ibn-Tulun-Moschee in Kairo (876-879) lehnt architektonisch an die Große Moschee von Samarra an. Das Minarett, mit den würfelförmigen Unterbau und dem zylindrischen Geschoss mit kleinem Kuppelbau wurde stilprägend für die Architektur Nordafrikas.
  • Die Sultan-Moschee (1609-1617) in Istanbul zeigt die für die osmanische Architektur typische Kontraste zwischen Kuppeln und Halbkuppeln sowie die Eckminaretts.
  • Die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem (702) wurde in basilikaler Form an der Südmauer des Tempelbergs errichtet. Von dort aus soll der Prophet Mohammed auf seinem Pferdh seine Himmelsreise begonnen haben.
  • Die Sulaiman-Moschee (1550-1557) in Istanbul wurde unter Sulaiman dem Prächtigen (1496-1566) erbaut und zählt zu den Hauptwerken osmanischer Architektur.
  • Die Giralda in Sevilla (1184-1198), das Minarett der alten maurischen Moschee ist heute der Turm der Kathedrale und das Wahrzeichen der Stadt. Zur Zeit der Konstruktion war das Minarett das höchste Bauwerk der Welt, mit 97,5 Metern.
  • Die Alhambra in Granada (13.-15.Jahrhundert) ist der maurische Königspalast und wurde oberhalb der Stadt errichtet. Innerhalb der großen Stadtburg befindet sich der kunstvolle Nasridenpalast, eine Zitadelle, der Palast Karls V (1500-1558). Sowie eine sehr schöne Gartenanlage. 1492 wurden die Mauren von dem "Roten Schloss" vertrieben, was gleichzeitig das Ende der islamischen Herrschaft in Spanien darstellt.
  • Die Blaue Moschee (1609-1616) in Istanbul zählt zu den schönsten Moscheen der Welt. Die Moschee erhielt ihren Namen von den 21.043 blauen Majolika Fliesen, die den Außenbau schmücken. Sie weist 6 Minarette, 260 Fenster sowie eine 43 m hohe Kuppel auf, was die Moschee zu einem außergewöhnlichen Bauwerk macht.
  • Das Mausoleum des I`timad al-Daula (1628) in Agra (Indien) weist erstmals den kunstvoll verarbeiteten weißen Marmor als Baustoff auf. Die traditionelle Würfelform der Mausoleen wurde mit indischen Formen bereichert. So befindet sich an jeder Ecke des Bauwerks ein typisch indischer Turm, Chattri genannt.
  • Der Rote Palast (um 1638) in Agra (Indien) weist die typischen zierlichen Arkaden und Kuppel in Form einer Tulpenblüte der indo-islamischen Bauweise auf.
  • Zu den schönsten und bekanntesten islamischen Bauwerken zählt das Taj Mahal in Agra (Indien), das der Grosmogul Schah Jahan ab 1629 seiner verstorbenen Frau zu Ehren errichten ließ. Zwanzig Jahre lang bauten die besten Kunsthandwerker und Baumeister an dem Mausoleum.
  • Die Große Moschee von Isfahan in Persien, begonnen unter den Seldschuken, fertiggestellt im 15.Jahrhundert, ist das älteste Beispiel für eine Moschee mit Iwanen an jeder Seite des Hofes. Zudem besticht diese Moschee durch ihre blaue Kachelverkleidung. Die Seldschuken waren eine türkische Herrscherdynastie in Mittelasien, dem Iran, Irak, Syrien und Anatolien etwa ab dem Jahr 1038 bis etwa 1194.

     

Islamisches Kunsthandwerk

Skulptur

Da Tierdarstellungen von dem islamischen Bilderverbot ausgenommen waren, kommen in der arabischen Skulptur häufig Löwen-, Pferde-, Wild- und Raubvögeldarstellungen vor. Auch Mischwesen findet man als dekorativen Schmuck an Brunnen, als Räucher- oder Gießgefäße. Das Kunsthandwerk und die Verarbeitung von Metall, Glas und Elfenbein erreichte in der islamischen Kunst eine große Blüte. Gold und Silber wurden, auf Grund der Ablehnung dieser Metalle durch den Koran, nur selten verarbeitet. Treibarbeiten, Tauschierungen und Gravierungen waren besonders beliebt. Bei diesen Techniken wurden im Metall Muster und Rillen ausgehoben, und teilweise durch feine Gold-, Silber- oder Kupferdrähte ersetzt, so dass eine ornamentale Wirkung entsteht. Man unterscheidet drei Hauptbereiche des islamischen Kunsthandwerks. Zum einen handelt es sich um religiöse Gegenstände, wie zum Beispiel Moscheelampen aus Metall und Glas oder um profane Gegenstände, wie Schreibgeräte, Vasen, Kästchen, Schalen, Truhen und Spiegel sowie militärische Gegenstände, wie Schilde, Krummsäbel, Rüstungen, etc.

Keramik
Die islamische Keramik bildet eine künstlerische Brücke zwischen Antike und europäischem Mittelalter. Ihr kommt eine besonders herausragende Bedeutung auf Grund der hohen künstlerischen Leistung zu. Die islamischen Töpfer übernahmen die Technik der Glasur von den alten Ägyptern sowie die Gestaltung von Majolika, einer weißen Keramik mit Unterglasur auf weißem Grund, von den Mesopotamiern und entwickelten eigene Versionen, vorwiegend im Dekor, heraus. Neben Ritztechniken handelt es sich dabei um Farbaufträge in dicker Schicht und seit dem 8.Jahrhundert um die Lüstertechnik, deren Glasur einen metallischen Glanz von rot-grün aufweist. Die Hochproduktionszentren früher islamischer Keramik befanden sich in Fustat (Ägypten), Samarra (Irak) sowie Susa und Rayy (Persien), seit dem 12.Jahrhundert in Kairo (Ägypten), Keshan, Isfahan, Ardabil und Raqqa (Persien) sowie Damaskus (Syrien), Iznik und Anatolien (Türkei). In Persien ließ man sich seit dem 8.Jahrhundert von den chinesischen blau-weißen Keramiken der Tang Dynastie, mit ihren Friesen und Blumenmotiven, inspirieren. Das chinesische Vorbild blieb bis ins 17.Jahrhundert in Persien einflussreich.
Die Dekorationsziegel von Bauwerken, vorwiegend in Ägypten, Rayy, Keshan, Isfahan, Ardabil und Iznik hergestellt, weisen besonders häufig eine Kombination von geometrischen Grundformen, wie Vielecke und Sterne, aber auch Kalligraphie und bildhafte Darstellungen auf. Die farbigen Wanddekorationen dienten hauptsächlich zum Schmuck von Moscheen, Palästen und Grabbauten. Sie wurden in leuchtenden Lüster- und Emaillefarben produziert und sind ein wesentliches islamisches Dekorationselement.

Buchmalerei
Auf Grund der hohen Achtung der islamischen Religion gegenüber dem geschriebenen Wort wurden Bücher schon sehr früh als ein hohes kulturelles Gut angesehen. Allein im Jahr 1000 besaß beispielsweise die Bibliothek von Cordoba in Spanien einen Buchbestand von 140.000 Werken. Der Vatikan zum Vergleich besaß nur um die 1.000 Bücher zu dieser Zeit. Zwar ist der Buchdruck in der islamischen Welt seit dem 10.Jahrhundert bekannt, doch wurden kunstvoll geschriebene Bücher mit Illustrationen und Kalligraphien bevorzugt. Wegen des islamischen Bilderverbots wurde der Koran nicht mit bildhaften Darstellungen, sondern nur mit geometrischer Ornamentik und Kalligraphie verziert. Jedoch fanden Maler der Miniaturmalerei zahlreiche Aufträge von Herrschern und wohlhabenden Bürgern. Illustriert wurden Handschriften historischer oder fabelhafter Art.
Im Laufe der Zeit entwickelten sich typische Elemente der Miniaturmalerei heraus. So wurde die zu illustrierende Seite in rechteckige Felder aufgeteilt, woraus eine Komposition mit übersichtlicher Gliederung entstand. Die Bilder wurden von einem Rahmen, der fein ausgearbeitete Kalligraphie oder geometrische Muster aufweist, umgeben. Verschiedene Handlungen, die der Betrachter aus der Vogelperspektive anschaut, sind meist auf einer Seite wiedergegeben und in geometrischer Ordnung gegliedert. Die Farbgebung der Miniaturmalerei ist überaus leuchtend und kräftig.

Teppichkunst
Die Teppichknüpfkunst wurde von Nomaden in die islamischen Welt eingeführt. Die frühesten erhaltenen islamischen Teppiche entstanden im 13.Jahrhundert in Anatolien (Türkei). Während die genaue Datierung schwierig ist, kann der Herkunftsort auf Grund von regional bevorzugten Mustern eindeutig festgemacht werden. In der Safawidenzeit (1501-1722) erreichte die islamische Teppichknüpfkunst eine große Blüte und gelangte bis nach Indien. Für die Nomaden war der Teppich in ihren Wüstenzelten Ersatz für blühende Wiesen. Im 16. Und 17.Jahrhundert standen Teppichmanufakturen im Dienst der Höfe, wobei die besten Künstler des Reiches die Entwürfe lieferten. Diese Teppiche dienten häufig als Repräsentationszweck, weniger für den alltäglichen Gebrauch. Sie weisen oft Gartendarstellungen des königlichen Parks sowie Tierdarstellungen aus den Wildgehegen auf.
Der islamische Teppich hat meist ein, von einem Rahmen umgebenes Mittelfeld, in dem sich geometrische und ornamentale Muster befinden. Persische Teppiche weisen zudem ein Medaillon in der Mitte auf. Häufig sind Tier- und Pflanzendarstellungen phantasievoll in die Gesamtkomposition eingegliedert.
Man unterscheidet drei Hauptgruppen der islamischen Teppiche, den Knüpfteppich, den Wirkteppich (Kelim) und den im Kettenstich geknüpften Teppich (Sumak). Die Teppiche sind aus Wolle, Baumwolle und Seide gefertigt. Während die türkischen Teppiche einen weiten Knoten (Ghordes) haben, sind die persischen dicht geknüpft (Senne). Die Dichte der Knoten wird als Qualitätsmerkmal angesehen.
Wollteppiche weisen 1.500 bis 3.000 Knoten je Quadratzentimeter auf, Seidenteppiche sogar bis zu 8.000 Knoten. Unterschiede finden sich auch mit der Provenienz, dem Herkunftsort, des Teppichs. Jede Region, Stadt oder jeder Stamm besitzt ein eigenes Muster, bestimmte Motive und Farben. Auch die Verarbeitung von Kamel-, Schaf- und Ziegenhaar gibt oft Aufschluss bei der Herkunftsfrage. Es lassen sich fünf Hauptgruppen von Teppichen unterscheiden: Der anatolische Teppich, der meist als Gebetsteppich verwendet wird und eine Gebetsnische als Motiv aufweist, der kaukasische Teppich im Längsformat mit geometrischem Muster, der persische Teppich mit einem Reichtum an Ornamenten, Gartendarstellungen, Schriftelementen, Ranken und Medaillons, der zentralasiatische Teppich mit einer stilisierten Rose oder anderen geometrischen Mustern auf rotem Grund und der indische Teppich, der meist eine realistische Wiedergabe aufweist und allgemein an den persischen Teppich erinnert.

 


Kommentare
Findus  (Dienstag, 17.11.2015)
Die islamische Kunstrichtung ist meiner Ansicht der der Romanik und Gotik an Schönheit und filigranen strukturen weir überlegen. Derartige Gebäude sind ein wahrer ästhetischer Hochgenuss.


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