Wissen » Kunst und Kultur » Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts » Europa » Architektur des 20. und 21. Jahrhunderts in Europa: Allianz-Arena in München

Baustile

Klassizismus, Barock, Rokoko ... in der folgenden Rubrik finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Baustile.

      Baustile

Städte

Unter Städte der Welt finden Sie nicht nur Städte wie Florenz oder Peking, sondern auch Städte wie Nukualofa und Zittau

      Städte

UNESCO!

Weltkulturerbestätten Deutschlands

      UNESCO!

Sprachführer

Wie verständige ich mich in der Landessprache?

      Sprachführer

Allianz-Arena in München

Allianz-Arena in München ©goruma (barton)

Die Allianz Arena in München ist derzeit das wahrscheinlich formschönste Stadion in Deutschland. Zu diesem repräsentativen Zweck wurde es jedoch auch vom 1. FC Bayern München in Auftrag gegeben: Imposant sollte das neue Stadion sein und in seinem Luxus das alte Münchner Olympiastadion noch übertreffen. Nach langen Verhandlungen gewährte die Stadt im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 dem führenden Bundesligisten schließlich den Wunsch und es entstand ein beeindruckendes Bauwerk, das nicht nur Fußballfans begeistert. Die auffallende Pracht des Stadions können sogar die Autofahrer auf der A 9 besonders während der Dunkelheit bewundern.

Standort München-Fröttmaning, an der Autobahn A9 nach Nürnberg
Bauzeit 2002 bis 2005
Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron
Besonderheiten  FIFA WM-Station 2006  
Nutzung Heimatstadion des 1. FC Bayern München und des TSV München 1860    
Platzangebot rund 67.000
Platzangebot zur WM 2006 52.000
Anschrift des Stadions Allianz Arena München Stadion GmbH
Werner-Heisenberg-Allee 25
80939 München
Tel: 0049 - (0)89 - 2005 - 0    
Fax: 0049 - (0)89 - 2005 - 4009

 

Anfahrt zum Stadion

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Erreicht man München am Hauptbahnhof oder am Bahnhof München-Ost, fährt man zunächst mit der S-Bahn zum zentralen Umsteigepunkt Marienplatz und steigt dort in die U-Bahnlinie U6 in Richtung Garching-Hochbrück um. In ca. 15 Minuten erreicht man die Haltestelle Fröttmaning, von der man das Stadion bequem zu Fuß über die Esplanade erreicht.

Mit dem Fahrrad 
erreicht man das Stadion vom Marienplatz aus auf einer optimalen, flachen Strecke, die ca. 10, 7 km beträgt. Die wichtigsten Orientierungspunkte der Etappe sind: Marienplatz – Residenzstrasse – Odeonsplatz – Ludwigstraße – Leopoldstraße – Ungererstraße – Situlistraße – Hofreiterweg – Georg-Wopfner-Straße – Harnierplatz – Edmund-Rumpler-Straße – Lilienthalallee – Kieferngartenstraße – Burmesterstraße – Werner-Heisenberg-Allee – P+R-Parkhaus Fröttmaning – Allianz Arena

Anfahrt mit dem PKW

Aus Richtung Westen
Von der A 8 Stuttgart – München kommend, verlässt man am Autobahndreieck München – Eschried die Autobahn und fährt auf der A 99 weiter bis zur Anschlussstelle München – Fröttmaning – Nord (AS 12b). Von dort leitet eine Beschilderung weiter zur Allianz Arena.
Aus Richtung Norden
Von der A 9 Nürnberg – München kommend, folgt man am Autobahnkreuz Neufahrn der Wegweisung weiter über die A 9 zur Anschlussstelle München – Fröttmaning – Süd (AS 73). Kommt man über die A 92 zum Autobahndreieck München - Feldmoching, fährt man auf der A 99 weiter Richtung Salzburg bis zur Anschlussstelle München – Fröttmaning – Nord (AS 12b). Von dort leitet eine Beschilderung weiter zur Allianz Arena.
Aus Richtung Süden und Osten
Von der A 99 kommend, wechselt man am Autobahndreieck München – Nord auf die A 9 Richtung München und fährt bis zur Anschlussstelle München – Fröttmaning – Süd (AS 73). Von dort leitet eine Beschilderung weiter zur Allianz Arena.
Aus München kommend
fährt man auf der A 9 München – Nürnberg bis zur Anschlussstelle München – Fröttmaning – Süd (AS 73) oder über die Ingolstädter Straße zur Anschlussstelle München – Neuherberg der A 99 und von dort zur Anschlussstelle München – Fröttmaning – Nord (AS 12b). Von dort leitet eine Beschilderung weiter zur Allianz Arena.

Anfahrt vom Flughafen Franz Josef Strauß
Vom Münchner Flughafen aus fährt man zunächst in ca. 37 Minuten mit der S-Bahnlinie 1 zum Hauptbahnhof oder zum Marienplatz. Dort steigt man um in die U-Bahnlinie U6 in Richtung Garching-Hochbrück. In ca. 15 Minuten erreicht man die Haltestelle Fröttmaning, von der man das Stadion bequem zu Fuß über die Esplanade erreicht.

Geschichte des Bauwerks

Bereits seit 1997 drängte der 1. FC Bayern München auf ein neues Fußballstadion in München, obwohl sich zu jenem Zeitpunkt das Münchner Olympiastadion, entworfen von Günther Behnisch und Frei Otto, noch größter Beliebtheit erfreute und zu den meistbesuchten Stadien Europas zählte. Dem 1. FC Bayern München wiederum erschien das alte Olympiastadion nicht luxuriös genug – eine Meinung, die bei den Münchner Stadtvätern über mehrere Jahre hinweg auf taube Ohren stieß.

Die Finanzierung des Stadions war dabei interessanterweise nicht das Problem, da sich der Verein, unter der Leitung Franz Beckenbauers, bereit erklärte, den Bau sozusagen “aus der Portokasse“ zu finanzieren. Dennoch wurde weder innerhalb der Stadt noch in der umliegenden Region dem Verein ein geeigneter Baugrund zur Verfügung gestellt, da man der Meinung war, das Olympiastadion würde durch einen anderen Neubau seine Attraktivität verlieren. So durchkreuzte die Stadt München Beckenbauers Pläne und die Wogen von Politik, Medien und Fans kochten hoch. “Kaiser Franz“ machte in seiner Wut über die Mühlen der Bürokratie auch einige eher unbürokratische “Vorschläge“ zur Lösung des Problems: „Am besten ist, wir sprengen das Stadion einfach weg. Es wird sich doch ein Terrorist finden, der für uns diese Aufgabe erledigen kann".

Als er jedoch im Jahr 2000 von seinen Reisen rund um den Globus den Zuschlag für die Fußball-Weltmeisterschaft mit nach Hause brachte, war dies nicht mehr nötig und in die Stadionsdiskussion geriet frischer Wind. Während sich der TSV München 1860 inzwischen auf Beckenbauers Neubau-Seite gestellt hatte, verfolgte die Stadt wiederum eine Kompromisslösung: den Umbau des Olympiastadions. Als sich nun 2001 die Stadt München und der Verein, die Denkmalschützer und Liebhaber des Olypiastadions und selbst der Architekt Günther Behnisch auf ein Konsensmodell geeinigt hatten, zog der Architekt des Entwurfes im letzten Moment seine Pläne zurück. Der enorme Zeitdruck, der durch diesen Rückzug entstand, bewegte die Verantwortlichen der Stadt München schließlich zur Zustimmung zu dem lang ersehnten Neubau.

Dieser Schulterschluss von Stadt und Verein beschleunigte das Projekt rapide: Innerhalb kürzester Zeit wurde ein geeignetes Grundstück in Fröttmaning gefunden und man war sich einig – imposant sollte es sein und schnell musste es gehen. Nur ein Bürgerbegehren, das sich gegen die städtische Kostenübernahme der Geländeerschließung zur Wehr gesetzt hatte, wäre im Stande gewesen, den Plan noch zu stürzen. Doch durch die mehr oder minder stichhaltigen Argumente des Vereins und der Stadt, die durch die Lokalpresse und das Fernsehen verbreitet wurden, verloren auch die letzten Neubaugegner an Standhaftigkeit und die Proteste verstummten. Am Wahltag des Volksentscheids stimmten schließlich zwei Drittel der Befragten für den Neubau in Frött-maning.

Unter der Leitung des Architektenteams Herzog / de Meuron begannen im Oktober 2002 die Arbeiten an der Allianz Arena. Innerhalb eines Zeitraums von 30 Monaten führte das Bauunternehmen Alpine Bau Deutschland das “Projekt Schlauchboot“ aus.

Beschreibung des Gebäudes

Einige nennen sie aufgrund ihrer luftkissenähnlichen Form das “Schlauchboot“. Andere nennen die Allianz Arena wegen der schwebenden Leichtigkeit, die sie vermittelt, auch die “Wolke“. Und Dritte nennen die im Norden Münchens gelegene Fußballarena das “Chamäleon“, da die Kunststoffoberfläche des Daches und der Fassade atemberaubende Farbspiele des Sonnenlichts verursacht.

Doch wie man das neue Stadion auch nennen mag, es hat in jedem Fall eine ebenso imposante wie eigentümliche Ausstrahlung, die nicht nur Fußballfans begeistert. 25 Industriekletterer waren 41 Wochen lang damit beschäftigt, 2.760 Folienkissen wie Puzzleteile in das Dach und die Fassade einzusetzen. Durch die so erarbeitete Struktur und die milchige Kunststoffoberfläche erwecken die Lichtreflektionen darauf manchmal sogar den Eindruck, als leuchte es von Innen heraus. Geht das natürliche Licht am Ende des Tages zur Neige, sorgen 25.344 in die Fassade integrierte Leuchtstoffröhren für eine atmosphärische, künstliche Beleuchtung in immerhin drei Farben.

Dann gelingt auch die von den Architekten gewünschte Illusion: Ein UFO wollten sie bauen und setzten die Fassade in 3,50 m Höhe über dem Erdboden an, wodurch die Arena im Dämmerlicht tatsächlich wie ein schwebendes Etwas, das nicht von dieser Welt ist, erscheint. Auch das Interieur des Stadions folgt einem ähnlich überirdischen Prinzip: Von den formschönen Schalensitzen in silbrigem Grau oder den schlichten Detailstickereien auf ausnahmslos jedem Sitzpolster bis hin zu den Kaskadentreppen zwischen Mittel- und Oberrang, die sich spiralförmig um den Korpus des Stadions winden – alles erscheint aus einem hochästhetischen Guss.

20 m führt die Kaskadentreppe nach oben, doch selbst im obersten Rang wird man durch die steile Anordnung der Tribünen noch mit einem ausgezeichneten Blick aufs Geschehen belohnt. Bis zu 700 Arbeiter, 72 Architekten und 24 Kräne waren an dem spektakulären Bau beteiligt und ganze 120.000 Kubikmeter Beton flossen in die Baustelle, die schließlich dieses hochgradig anmutige Bauwerk hervorgebracht hat.

Nutzung, Größe

Die Münchner Allianz Arena verfügt über 67.000 Sitzplätze, laut Betriebsgenehmigung sind jedoch derzeit nur 66.000 Plätze zugelassen. Im Rahmen der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 stehen rund 52.000 Plätze zur Verfügung. Die 232 Leuchten der Flutlichtanlage haben eine Lichtstärke von 1.500 Lux. Das Stadion verfügt über zwei Anzeigetafeln à 92,16 m2. Die Baukosten des Stadions betrugen 340. Mio. € und wurden größtenteils vom Fußballverein 1. FC Bayern München übernommen. Die Kosten für die Erschließung des Geländes übernahm die Stadt München. Das Stadion verfügt mit der “Esplanade“ nicht nur über eine eigene Parkanlage, sondern auch über eine Tiefgarage mit 9.800 Pkw-Stellplätzen, die sich unter der künstlich angelegten Heidelandschaft verbirgt.

Besonderheiten

Das raffinierteste Detail der Fassadentechnik der Allianz Arena bleibt dem einfachen Besucher gemeinhin verborgen. Auf der Ebene 7 des Stadions, also fast direkt unter dem Dach, liegt das so genannte Nervenzentrum der Kunststoffhülle. Ein feines Netzwerk aus Ventilen, Schläuchen, Pumpen und Messgeräten sorgt für einen konstanten Druck in den Folienkissen und gibt der Oberfläche ihr homogenes Erscheinungsbild. Vollautomatisch kann jedes Kissen separat aufgeblasen oder entlüftet werden; entweicht irgendwo Luft, kann das undichte Kissen sofort lokalisiert und bearbeitet werden. Von hier aus können einzelne Kissen aufgeklappt werden, um einen Hitzestau im Inneren des Stadions zu vermeiden.

Architekten

Die beiden Architekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron wurden 1950 in Basel geboren und beendeten zeitgleich, im Jahr 1975, das Studium der Architektur an der ETH Zürich. Bereits 1978 gründeten sie gemeinsam ihr erstes Büro in Basel. Seitdem sind mehrere Zweigstellen in London, München, Barcelona, San Francisco und Tokio entstanden, in denen insgesamt 182 Angestellte beschäftigt sind.

Zu den Partnern des Büros Herzog und de Meuron gehören derzeit die Architekten Harry Gugger, Christine Binswanger, Robert Hösl und Ascan Mergenthaler. Zu den wichtigsten Gebäuden des Büros Herzog / de Meuron zählen die Bibliothek in Paris (1992), die Erweiterung der Tate Gallery of Modern Art in London (1995-1999), das Prada Aoyama Epicenter in Tokyo (2001 bis 2003) und die Allianz Arena in München (2002 bis 2005).

Neben diversen Auszeichnungen erhielt das Team unter anderem im Jahr 1987 den Kunstpreis der Akademie der Künste Berlin und 2001 die wichtigste Auszeichnung im Bereich der Architektur, den Pritzker Preis. Derzeit befinden sich unter der Leitung von Herzog / de Meuron mehrere Großprojekte in der Entstehung, so unter anderem die Elbphilharmonie in Hamburg und das Nationalstadion für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.


Kommentare
maxi  (Samstag, 13.06.2015)
Über Architektur müsste viel mehr öffentlich diskutiert werden. Denn nahezu alle Gebäude sind für jeden sichtbar und beeinflussen oft ganz erheblich das Erscheinungsbild einer Stadt. Ein grausiges Beispiel eines völlig misslungenen Gebäudes ist das Alexa am Alexanderplatz in Berlin.


Kommentieren

eMail:  

Name:  

Kommentar:  


Benoten sie diesen Artikel


 
gut 1   2   3   4   5  schlecht 

Alvar Aalto Sanatorium in Paimio (Finnland)

Das Sanatorium von Alvar Aalto in Paimio in Finnland gilt als Musterbeispiel eines heroischen Ration...

      Alvar Aalto Sanatorium in Paimio (Finnland)

AOL-Arena in Hamburg

Die AOL-Arena in Hamburg ist, neben der AOL-Arena in München, Deutschlands Vorzeigestadion. So wunde...

      AOL-Arena in Hamburg

Arche Nebra Besucherzentrum (Deutschland, Sachsen Anhalt)

Das "Besucherzentrum Arche Nebra" wurde eigens erbaut, um den spektakulärsten archäologisc...

      Arche Nebra Besucherzentrum (Deutschland, Sachsen Anhalt)

AWD-Arena in Hannover

Anlässlich der Qualifikation als Austragungsort der WM 2006 verwandelte sich die am Maschsee in Hann...

      AWD-Arena in Hannover

Bauhaus in Dessau (Deutschland)

Mit seinem Plädoyer für eine praktische, preiswerte und zweckmäßige Architektur revolutionierte Walt...

      Bauhaus in Dessau (Deutschland)

Berliner Philharmonie

Die Philharmonie von Hans Scharoun in Berlin zählt mit ihren organischen Rundungen und dem zeltartig...

      Berliner Philharmonie