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Klassizismus, Barock, Rokoko ... in der folgenden Rubrik finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Baustile.

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Zentralstadion in Leipzig

Das Eingangsportal des Leipziger Zentralstadions ©goruma (M.Barton)

Das Stadion im Stadion – oder das Neue im Alten. Anlässlich der WM 2006 in Deutschland wurde das legendäre "Stadion der Hunderttausend" durch den Einbau eines sehr innovativen und eigenwilligen Stadions wiederbelebt. Das am Wasser und im Grünen idyllisch gelegene Zentralstadion in Leipzig ist ein integraler Bestandteil des weitläufigen Sportforums mit angrenzender Festwiese und der Arena Leipzig.

Standort Leipzig, im dortigen Sportforum
Bauzeit 1956, Neubau: Dezember 2000 – März 2004
Architekt Bis zum 06.02 ARGE Zentralstadion, ab 06.2002 Zech Planungs GmbH
Besonderheiten FIFA WM Station 2006
Nutzung Multifunktionales Fußballstadion, Heimstadion des FC Sachsen Leipzig
Platzangebot Zu Liga Spielen: etwa 45.000, davon 16 Logen und 1.379 Business-Plätze im VIP-Bereich.
Platzangebot zur WM 06 Vorrunde: ca. 34.300, Viertelfinale: ca. 34.000
Adresse/Telefon
Zentralstadion
Am Sportforum 3
D-04105 Leipzig
Tel: +49-(0)341-2341-0
Ticket-Info: +49-(0)341-2341-100

Anfahrt zum Stadion

Anreise mit dem Pkw
Moderne Autobahnen, größtenteils bereits sechsspurig ausgebaut, ermöglichen eine schnelle Zufahrt. Die Stadt ist über die Autobahnen A 9 (Berlin- München), A 14 (Magdeburg- Dresden) und A 38 (Südumfahrung Leipzig) am einfachsten über folgende Anschlussstellen der Autobahnen zu erreichen:

A 9 Berlin-München
Abfahrt Leipzig-Bad Dürrenberg - B 87
Abfahrt Leipzig-West - B 181
Abfahrt Großkugel - B 6 


A 14 Magdeburg-Dresden
Abfahrt Leipzig-Ost - B 6
Abfahrt Leipzig-Nordost - B 87
Abfahrt Leipzig-Messegelände
Abfahrt Leipzig-Mitte - B 2, B 184
Abfahrt Leipzig-Nord


A 38 Südumfahrung Leipzig
Abfahrt Leipzig-Südwest - B 186
Leipzig kann auch über die Bundesstraßen B 2, B 6, B 87, B 95, B 181 und B 184 erreicht werden.


Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln
Ab Leipziger Hauptbahnhof: Der Hauptbahnhof ist nur einen "Steinwurf" vom Stadion entfernt. Direkt vom Hauptbahnhof aus kommen Sie mit folgenden Straßenbahnlinien zum Sportforum: Linie 3, 7 und 15. Von der Hauptbahnhof-Westseite fährt die Tram 52 das Sportforum an.

Anfahrt vom Flughafen Halle/Leipzig
Vom Flughafen aus fährt man zunächst mit dem Flughafen-Express der Deutschen Bahn AG bis zum Leipziger Hauptbahnhof und von dort mit den Straßenbahnlinien 3, 7 und 15 direkt zum Zentralstadion. Von der Hauptbahnhof-Westseite fährt die Tram 52 das Sportforum an.

Geschichte des Bauwerks

Mit dem 56 ha großen Sportforum-Areal, dessen Herz das Zentralstadion war, avancierte Leipzig schnell zur "Sporthauptstadt der DDR". Die Idee zur Errichtung einer Großkampfbahn kam erstmals im Jahr 1926 auf. Die Nationalsozialisten bemächtigten sich dieser Idee und planten die Entstehung eines Stadion für 100.000 Zuschauer. In Wirklichkeit entstand dann auf dem Gelände ein riesiges Aufmarschfeld. Erst nach Kriegsende beschlossen die Stadtväter 1948 erneut die Errichtung des Sportforums. 1952 begann die Bebauung des Areals mit der Errichtung eines Schwimmstadions, anschließend entstanden viele einzelne Gebäuden, die von der "Deutschen Hochschule für Körperkultur" (DHfK) genutzt wurden.

1955 begann man schließlich mit dem Bau des Stadions. In nur 15 Monaten wurde das für 100.000 Zuschauer ausgelegte Stadion fertiggestellt. Es wurde von 180.000 freiwilligen Helfern errichtet, die 1,5 m3 Kriegsschutt zu einem 23 m hohen Wall auftürmten, der zum Boden hin eine Breite von 100 m und an seiner Spitze 8 m bemaß und eine Fläche von 310 x 240 m einnimmt. Auf 75 Rängen verteilt, fanden sich die Helfer auf Sitzplätzen unter freiem Himmel ein. Eingeweiht wurde das Zentralstadion vom 2 – 5 August 1956 anlässlich des "II. Turn- und Sportfestes". Bis zum Ende des Jahres war es bereits fünf Mal ausverkauft. Während der glanzvollen Jahre des DDR-Sports wurden hier allein 49 Fußball-Länderspiele ausgetragen und daneben natürlich jedes Sportereignis von Bedeutung.

In den 90ern versank das Zentralstadion in die Trostlosigkeit - mit brüchigem Beton und verwitternden Bänken.

1997 beschloss die Stadt Leipzig, innerhalb des alten Stadionwalls ein neues Fußballstadion zu bauen. Zum 100. Jahrestag des Deutschen Fußball-Bundes, der in Leipzig gegründet wurde, sollte das Stadion fetiggestellt werden. Tatsächlich erfolgte jedoch anlässlich des Jubiläums erst der erste Spatenstich. Bauaufschwung brachte die "Quoten-Zusage", derzufolge zur WM 2006 zumindest ein Stadion in den neuen Bundesländern bespielt werden sollte. Signalwirkung hatte auch der im Mai 2000 erfolgte Abriss der 1977 errichteten Flutlichtmasten, die wie in vielen Städten und so auch in Leipzig zum inoffiziellen Wahrzeichen der Stadt wurden.

Doch durch die Insolvenz des Generalunternehmers Holzmann sowie den Konkurs des Gesellschafters Kölmel geriet der Bau ins Stocken. Im Dezember 2000 begann der Neubau nach Plänen der ARGE Zentralstadion Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus den Büros Wirth + Wirth, Glöckner Architekten und Körber, Barton, Fahle. Durch den Bauverzug entstanden Mehrkosten, sodass die ursprüngliche Kalkulation von 90 Mio. Euro auf 116 Mio. Euro anstieg. Damit starb auch die kostspielige Idee eines flexiblen und verschließbaren Daches. Ab Juni 2002 übernahm das Büro Zech Planungs GmbH aus Leipzig die weiteren Ausführungsplanungen. Im März 2004 wurde das neue Stadion offiziell eingeweiht. Damit erhielt Leipzig einen Ort an dem der Mythos fortleben kann.

Beschreibung des Gebäudes

Die Zugangstreppen ©goruma (M.Barton)

Das Neue im Alten, Tradition und Moderne oder schlicht die Schüssel in der Schüssel, für die Leipziger Lösung, die in ihrer Art weltweit einzigartig ist, gibt es viele Umschreibungen. Tatsache ist, dass man das mythisch aufgeladene "Stadion der Hunderttausend" nicht ohne weiteres unter Trümmern begraben wollte. So wurde die neue Arena in den begrünten Wall, auf dem sich ehedem die Ränge des Freiluftstadions befanden, eingebettet. Wo früher der Rasen war, befindet sich jetzt das deutlich kleinere Stadion und wo einst die Zuschauer saßen, grünt nun der Rasen.

Die 100.000 Sitzplätze wurden auf 45.000 reduziert, was zum einen zeitgemäßer ist und zum anderen eher dem Bedarf des Heimatvereins entspricht, der zur Zeit im Profifußball keine große Rolle spielt. Das Zentralstadion thront auf 720 Rammpfählen. Die Raffinesse an dieser architektonischen Lösung ist zum größten Teil gar nicht sichtbar. Während der Bauarbeiten erwies sich der Baugrund als extrem porös. Deshalb fertigte man die einzelnen Rammpfähle in unterschiedlichen Längen von zwei bis 27 m an, um sie in der Tiefe auf festen Grund stoßen zu lassen. Die Rammpfähle wurden wiederum mit 320 Stützenköchern verbunden, die wiederum in Pfähle eingegossen wurden. Insgesamt wurden 21.000 m3 Beton und 9.600 t Stahl verbaut. Nicht umsonst wird diese Konstruktionsweise als Tresormethode bezeichnet.

14 Brücke leiten die Zuschauer vom Wall ins Innere des Stadions zur zentralen Verteilerebene 5. Von dort aus gelangt man dann weiter zu den Tribünen im Unterrang. Vier weitere Brücken leiten die Zuschauer direkt in die Oberränge. Das Stadion ist in vier Sektoren gegliedert. Insgesamt befinden sich im Unterrang 32 und im Oberrang 22 Blöcke, die durch die Kurventribünen unterbrochen werden. Unter dem Oberrang sind die funktionellen Flächen für Besucher- und VIP-Bereiche sowie für die Stadionverwaltung, Presse und Technik untergebracht. Die Parkdecks, Sportlerbereiche und Betriebsräume befinden sich unter dem Unterrang.

Farblich akzentuiert werden die Ränge durch in Türkis und Lila gehaltene Sitzschalen, die als Farbwellen das Stadionrund durchlaufen und ihm den Namen "Delphinarium" eingebracht haben. Gekrönt wird das Stadion durch ein geschwungenes Dach. Getragen wird die kühne Dachkonstruktion von zwei leicht geneigten, seilunterspannten Bogenbindern, die mit einer Höhe von 56,5 m die Dachfläche um 10 m überragen und gleichzeitig markant akzentuieren. Ein Ring, die Stadionfassade umläuft, fängt die Bogenbinder ab, sodass man im Stadioninneren auf allen Plätzen eine ungestörte Sicht genießen kann. In das mit Metall und Glas auf 24.400 m2 bedeckte Dach kann bei Bedarf später auch eine mobile Spielfeldüberdachung integriert werden.

Das gesamte Stadion besitzt eine semitransparente Fassade und verwandelt sich bei Nacht in einen futuristischen Leuchtkörper. Statt des mythisch aufgeladen Stadions ist dank der Ambitionen des Architekten Johannes Zech ein emotionaler Bau entstanden - ein Bau, der dem emotionsgeladen Sport ein Spiegel und eine Stätte sein wird.

Nutzung, Größe

Das Zentralstadion wurde für 116 Mio. Euro - von denen 51,12 Mio. der Bund trug - zu einem reinen Fußballstadion ausgebaut. Daneben finden aber auch regelmäßig Großveranstaltungen, Musikkonzerte, Tagungen und Firmen-Events statt.
Das Zentralstadion gliedert sich in vier Sektoren auf: Sektor A mit Haupttribüne und VIP-Bereich, Sektor B mit FC Sachsen-Fanblock, Sektor C mit der Gegengeraden und Sektor D als Gästeblock. 224 Leuchten mit einer Beleuchtungsstärke von 1.700 Lux bestrahlen das 68 x 105 m große Spielfeld mit integrierter Rasenheizung. Das Stadion verfügt über eine 63 m2 große Anzeigetafel.

Besonderheiten

Das Zentralstadion in Leipzig war das einzige WM-Stadion ohne eine Profi-Heimmannschaft. Eine weitere Besonderheit, die auch optisch aus dem ansonsten sehr gelungen Bild sticht, ist der so genannte Kontroll-Container. Dieser befindet sich oberhalb des Gästefanblocks und beherbergt eine Polizeistadion inklusive Verwahrzellen und sogar Räume für Schnellrichter.
Im Januar 2006 gab Stiftung Warentest bekannt, dass alle FIFA-WM Stadien Sicherheitsmängel aufweisen. Das Zentralstadion bekam dabei sogar die Note mangelhaft. Nach Prüfung von unabhängigen Experten aus allen Bereichen wurde die Bewertung revidiert und die Brand-, Flucht- und Evakuierungskonzepte als sicher bewertet.

Die Architekten

Die Firma ARGE Zentralstadion bestehend aus Wirth + Wirth, Glöckner, Körber Barton Fahle.
Wirth + Wirth umfasst 40 Mitarbeiter mit Sitz in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Sie sind spezialisiert auf den Bau von Firmengebäuden, Sport- und Freizeitanlagen, Industriebauten, Renovierungen und Innenarchitektur. Zu ihren Bauten zählt u. a. das Stadion St. Jakob in Basel/Schweiz (1996), das Tivoli-Stadion in Innsbruck/Österreich (1998) und das Fußballstadion in Cottbus (2000).

Glöckner Architekten GmbH mit Filialen in Berlin, Leipzig und Nürnberg. Ihre Haupttätigkeitsfelder sind Sport- und Freizeitanlagen, Schulen, Kliniken, Verwaltungsgebäude, Industriebauten, Ladenbau und Wohnhäuser.
Körber Barton Fahle wurde 1974 von Dipl.-Ing. Thomas Körber gegründet. Ab 1980 partizipierten zunehmend mehr Partner und das Netzwerk wurde ausgebaut. Mit hochbaulichen und städtebaulichen Projekten etabliert sich das Büro über den südbadischen Raum hinaus und bearbeitet zunehmend Projekte in Thüringen und Sachsen. 2005 erfolgte die Gründung des Büros Barton Architekten im Netzwerk Körber, Barton, Fahle.

Zech Planungs GmbH wurde 2002 in Leibzig von Johannes Zech gegründet. Die Spezialgebiete sind der Bau von Sportstätten, Bürogebäuden und Wohnanlagen.




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