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Klassizismus, Barock, Rokoko ... in der folgenden Rubrik finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Baustile.

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Veltins-Arena in Gelsenkirchen

Veltins Arena, Eingangsbereich ©goruma (m.barton)

Die Veltins-Arena in Gelsenkirchen - bis 2005 Arena  AufSchalke - setzt Maßstäbe in Flexibilität am Bau und in der Funktion. Von außen betrachtet, nimmt sich die Arena eher bescheiden aus, doch im Innern ist sie beneidenswert ausgestattet, vom mobilen Dach bis zum ausfahrbaren Rasen mangelt es an nichts. So verwundert es nicht, dass sie sich als Austragungsort der WM 2006 qualifizierte. Die UEFA verlieh der Arena prompt fünf Sterne, aber auch nur deshalb, weil sie keine sechs zu vergeben hatte.

Standort Gelsenkirchen im Ortsteil Schalke
Bauzeit November 1998 – Juli 2001
Architekten HPP – Hentrich-Petschnigg & Partner KG
Besonderheiten FIFA-WM Station 2006
Nutzung Multifunktionales Stadion, Heimatstadion FC Schalke 04
Platzangebot Bundesliga: etwa 61.500, davon ca. 42.500 Sitzplätze und etwa 16.300 Stehplätze, VIP-Bereich: 81 Logen und ca. 2.500 Business-Plätze
Internationale Spiele: etwa 54.000
Platzangebot zur WM 06 Vorrunde: 43.920, Viertelfinale: 43.574
Anschrift des Stadions Veltins-Arena
Arenaring 1
45891 Gelsenkirchen
Info-Tel: 01805/150810 (0,12 EUR/Minute)
Fax: 0049-(0)209-3892-599
Internet: www.veltins-arena.de

Anfahrt zum Stadion

Anreise mit dem Pkw
Anfahrt über die A 40: Fahren Sie an der Abfahrt "Gelsenkirchen" ab. Anfahrt über die A 2: Fahren Sie an der Abfahrt "Gelsenkirchen-Buer" ab. 
Anfahrt über die A 42: Fahren Sie an der Abfahrt „Schalke“ ab.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Vom Hauptbahnhof aus fährt die Straßenbahnlinie 302 die stadionnahen Haltestellen Veltins-Arena und Willy-Brandt-Allee an. Von dort aus kommt man in 3 – 5 Minuten zum Stadion. Die Fahrzeit beträgt ca. 15 Minuten. Bei Bedarf werden auch zusätzliche Shuttlebusse eingesetzt.

Verbindung von Flughäfen zum Hauptbahnhof Gelsenkirchen
Gelsenkirchens Entfernung zu den internationalen Verkehrsflughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn beträgt 45 km bzw. 100 km, zum Flughafen Dortmund 45 km und bis zum Flughafen Münster-Osnabrück 100 km.
Der Flughafen Paderborn-Lippstadt liegt 120 km von Gelsenkirchen entfernt.
Die Flughäfen Düsseldorf und Köln-Bonn sind direkt an das Fernbahn- und S-Bahnsystem angebunden, womit Gelsenkirchen schnell erreicht werden kann. Der Flughafen Dortmund ist über den Bahnhof Holzwickede bzw. über Shuttlebusse und den Hauptbahnhof Dortmund an das Schienennetz angeschlossen und Gelsenkirchen damit schnell zu erreichen.
Vom Flughafen Münster-Osnabrück fahren Schnellbusse die Bahnhöfe Ibbenhausen, Münster und Osnabrück an. Auch von hier ist Gelsenkirchen gut erreichbar.

Geschichte des Bauwerks

Veltins-Arena: Detailansicht ©goruma (m.barton)

Einst spielte der Verein Schalke 04 in der Glückauf-Kampfbahn. Anlässlich der anstehenden WM 1974 nutzte man die Gelegenheit, um die kleine Spielstätte durch einen Neubau zu ersetzen. Unter der Regie von Horst Klement wurde das Parkstadion gebaut. Seine Entwürfe, wie das geplante Zeltdach, wurden allerdings nicht realisiert. Stattdessen setzte man 1973 für 56 Mio. DM eine nicht besonders charmante Betonschüssel auf das Berger Feld. Eine Laufbahn schnitt das Geschehen am Spielfeld von den Zuschauerebenen ab.

Doch gleichzeitig bewies man auch Humor und Zeitgeist, indem man die Spieler per Rolltreppe auf den Rasen beförderte. Ausgebaut für 72.000 Zuschauer, stelle sich bald heraus, dass das Stadion zu groß und damit ein Stimmungstöter war. Zudem begann das Stadion zu sinken. Der vom Bergbau durchlöcherte Grund gab nach und riss das Stadion Stück für Stück mit. Keine 30 Jahre hat es an dieser Stelle gestanden. Im Ausblick auf die WM 2006 schickte sich Schalke 04 erneut zum Umzug an und übergab das Parkstadion dem Abriss. Allerdings ist ein Teil der Haupttribüne bis heute erhalten geblieben. Auch zu Trainingszwecken wird das nahgelegene Stadion noch verwendet.

Der Neubau der auf Schalke entstanden Veltins-Arena basiert auf einem mutigen Finanzierungskonzept für das sich der Club-Manager, Rudi Assauer, stark gemacht hatte. Assauer rühmt sich gern mit der Aussage, als erster eine große Sportstätte in Deutschland selbst finanziert zu haben. Deshalb wird die Arena auch häufig als Kommerztempel und in diesem Sinne als "Kohle(n)grube" angefeindet. Zudem wird bei den Lobgesängen auf die Privatwirtschaft oft unterschlagen, dass das Land eine 80-prozentige Bürgschaft für den 115 Mio. Euro Kredit übernommen hat. Sprich, im Ernstfall einer Pleite muss der Steuerzahler dafür geradestehen.

Doch das Konzept geht mit rund 40 Veranstaltungen pro Jahr mustergültig auf. Mit einer Summe von 186 Mio. Euro startete der Neubau im Schalker Feld. Errichtet auf so genannten Waschbergen, den Abfallprodukten des Bergbaus, musste, wie man aus Erfahrung wusste, eine flexible Konstruktion wie sie in Erdbebengebieten verwendet wird die Bewegungen im Grund abfangen. Aus diesem Grund wurde die Arena in 15 Bauabschnitte gegliedert. Die Dachkonstruktion wiederum fußt auf 660 etwa 17 m tiefen Pfählen und hat 40 flexible, gelenkige Stützen, die nachjustierbar sind. Damit ist die Veltins-Arena vor Erschütterungen gesichert. Am 13. August 2001 konnte das Stadion nach knapp drei Jahren Bauzeit unter dem Namen Arena AufSchalke offiziell eröffnet werden.
Die Namensrechte wurden übrigens 2005 für 10 Jahre - also bis 2015 - an die Veltins-Brauerei übertragen. Seitem heißt das Stadion Veltins-Arena.

Beschreibung des Gebäudes

Panoramablick auf die Veltins-Arena ©goruma (m.barton)

Die Veltins-Arena setzt Maßstäbe und wurde viel gerühmt. Der FIFA-Sprecher Markus Siegler schwärmte "Die Arena wird eine Perle der WM sein!". Glänzende Kritiken erhielt der Prachtbau besonders für seine Sicherheitstechnik. "Ich habe auf der ganzen Welt nur zwei Stadien gesehen, die in dieser Hinsicht der Arena ebenbürtig waren: Der Sapporo Dome in Japan und das Stadion in Detroit/USA", lobte Walter Gagg, Direktor für Stadionsicherheit der FIFA.

Von der Oberfläche her betrachtet ist die Veltins-Arena eher unspektakulär, doch hat sie sehr viel technisches Raffinesse, was auf den ersten Blick im Verborgenen bleibt. Die Außenfassade zeichnet ein Rechteck mit abgeschrägten Ecken nach und wird von einer Glas- und Stahlkonstruktion ummantelt. Akzentuiert wird die Außenhaut durch ein blau leuchtendes Leuchtstoffröhrenensemble, das sich um die Dachkante zieht, 18 offene Treppenhäuser lockern die Fassade auf. Im Inneren gruppieren sich die Ränge dicht und steil um das Spielfeld. In der Westkurve befinden sich auf fünf Geschossen die VIP-Bereiche mit Logen und Business-Club, Medienräumen und die Umkleidebereiche der Mannschaften. Der Großteil der Tribünen besteht aus Stahlbeton-Fertigteilen.

Die Ausnahme bildet die Südtribüne, unter der das 118 x 79 Meter große Spielfeld bei Bedarf per Knopfdruck aus dem Stadion gefahren und draußen geparkt werden kann. Daher wird die Südtribüne von drei riesigen Stahlfachwerkträgern getragen, die eine Brückenfunktion haben, um diese zu heben und in einer Breite von 85 m zu öffnen. Etwa 30 min Zeit und 15.000 Euro erfordert dieser Vorgang. Doch im Vergleich zu Stadien, die ihren Rasen ständig erneuern, nimmt sich die Lösung noch günstig aus. Durch diese so genannte Rasenschubladen-Lösung ist die Arena zu einem regelrechten Verwandlungskünstler avanciert. Ein Fußballspiel hier und eine Opernveranstaltung gleich im Anschluss - nichts ist mehr unmöglich. Zudem kann der Unterrang der Südtribüne um rund 16 m unter den Oberang geschoben werden, wodurch Raum für eine Bühne geschaffen wird.

Das Dach besteht aus einer 3.700 Tonnen schweren Stahl-Raumfachwerkkonstruktion und wurde mit einer teflonbeschichteten, lichtdurchlässigen Glasfasermembran verkleidet. Das rechteckige Dach über dem Spielfeld kann innerhalb von 30 min geöffnet oder verschlossen werden. Dabei werden einfach die zwei Längsseiten eingefahren. Darüberhinaus gibt es noch ein paar kleine Versatzstücke wie die fast schon obligatorische Rasenheizung, 212 Leuchten, die mit einer Beleuchtugsstärke von 2.400 Lux aufstrahlen und den 29 t schweren Videowürfel, der zentral über dem Spielfeld thront. Oft bedauert wurde die recht eigenwillige Akustik des Stadions, doch wenn Popikonen und selbst der Papst damit leben können, werden es auch die zahlreichen Fans von Schalke und die anderen Besucher können.

Nutzung, Größe

Die Veltins-Arena - bis 2005 Arena AufSchalke - wurde als Multifunktions-Stadion mit einer Kapazität von bis zu 61.500 Zuschauern ausgebaut. Zu diversen Veranstaltungen, vom Popkonzert bis zur Oper, kann der Spielraum der Arena auf eine Kapazität von 70.000 Zuschauern gesteigert werden. Die Arena gliedert sich in folgende Bereiche auf:
Auf der Westtribüne befindet sich der VIP- und Pressebereich. Die Nordkurve ist regulär den Schalke-Fans vorbehalten und fast komplett im Abo ausgebucht. Die Südtribüne ist als Brücke konstruiert. Darunter befindet sich die Rasenschublade. Bei Bedarf wird die Tribüne angehoben und der Rasen ausgefahren. In der Stadionmitte befindet sich ein Kubus, auf dessen vier Seiten jeweils eine Anzeigentafel in der Größe von 35,6 m2 angebracht ist. Zum Anpfiff erstrahlen 212 Leuten mit einer Leuchtdichte von 2.400 Lux und verwandeln das Stadion in einen regelrechten Lichtpalast.

Besonderheiten

Dem Finanzierungskonzept entsprechend, ist die Veltins-Arena multifunktional ausgelegt. Neben Rock- und Popkonzerten etablierte sich auch schon eine Biathlon-Veranstaltung in dem Stadion. Nichts ist unmöglich, so lautet das Motto der Betreiber. So fanden in einem Monat innerhalb von 96 Stunden ein Popkonzert, ein Bundesligaspiel sowie eine Partie der American Footballer von Rhein Fire in der NFL Europe League statt. Das Equipment der Musiker musste ab-, die Südtribüne umgebaut, der Rasen für die Fußballer eingefahren und nach Abpfiff der Partie mit den Markierungen der Footballer versehen werden. Doch alles hat reibungslos funktioniert. Selbst heiraten kann man vor Ort. Eine 70 m2 große Kapelle gehört zur Grundausstattung.
Vor Heimspielen des FC Schalke 04 wird die erste Strophe des Steigerlieds eingespielt - dabei ist das Mitsingen erlaubt und sogar erwünscht:
Die erste Strophe dieses traditionsreichen alten Bergmannslieds lautet:

"Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt.
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
schon angezündt"
 

Architekten

HPP – Hentrich-Petschnigg & Partner KG: Das Architekturbüro HPP zählt zu den größten und erfolgreichsten Architektenteams in Deutschland. HPP plant und realisiert Objekte der unterschiedlichsten Art und Größe. In der Urform 1935 das Architekturbüro von H. Hauser und H. Hentrich gegründet. 1953 trat H. Petschnigg nach dem Tod Hausers in die Geschäftsführung ein. Seit 1969 firmierte man unter dem Namen HPP.
Im Jahr 1972 erfolgte die Erweiterung durch HPP International Architects + Engineers GmbH. Man engagierte sich u. a. in Süd-Afrika, Iran und Saudi-Arabien. Seit Januar 2002 wird das Büro von G. G. Feldmeyer, J. H. Faust und H. Hebel geleitet. Zur Zeit beschäftigt HPP etwa 200 Mitarbeiter. Unter anderem entwarf HPP folgende Sportbauten:
 
Stadion im Allerpark in Wolfsburg (2000)
Arena Mannheim (2004)
Frankenstadion in Nürnberg (2005)




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