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Olympiastadion in Berlin

Olympiastadion Berlin © goruma (Dr.Ramm)

Das Olympiastadion in Berlin ist wahrscheinlich das geschichtsträchtigste Sportstadion in Deutschland. Das 1913 eingeweihte Deutsche Stadion wurde unter Hitler zu einem Stadion der Superlative umgebaut, im Rahmen der Olympischen Spiele 1936 als Olympiastadion eingeweiht und als repräsentatives Bauwerk zur internationalen Demonstration scheinbar friedfertiger Ziele instrumentalisiert.

Olympiastadion, Berlin
Olympiastadion © goruma (B.Ramm)

Nach umfassenden Umbauten und einer Grundsanierung wurde es  im Sommer 2006 nicht nur als einer der zwölf Austragungsorte der Fußball-WM dienen, sondern auch das Stadion, in dem das Finale dieses sportlichen Großereignisses stattfand.
 

Standort Berlin-Charlottenburg
Bauzeit 1936, Umbau: 2000-2004
Architekten Werner March, Umbau: gmp - von Gerkan, Marg und Partner
Besonderheiten Olympiade 1936, Heimatstadion von Hertha BSC
Nutzung Sportstadion
Kapazität Etwa 74.500
Kapazität zur WM 06 Etwa 66.000

Geschichte des Bauwerks

Glockenturm am Olympiastadion, Berlin

Bereits im Jahr 1916 sollte Berlin der Austragungsort der Olympischen Spiele sein, ein Vorhaben, das aufgrund der politischen Weltlage im Vorfeld des ersten Weltkriegs scheiterte. Im Jahr 1933, kurz vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten, bewarb man sich erneut und erhielt den Zuschlag für die Olympischen Spiele im Jahr 1936. Der Architekt Werner March erhielt den Auftrag, das “Deutsche Stadion“ mit seinen Platzkapazitäten für nur mehr 30.000 Zuschauer zu einem gigantisch-repräsentativen, olympiatauglichen Stadion umzubauen.

Mit Marchs ersten Entwürfen war der Auftraggeber Adolf Hitler nur bedingt zufrieden und stellte dem projektleitenden Architekten March seinen Haus-und-Hof-Architekten Albert Speer zur Seite. 1933 begann March mit dem Bau des Stadions und in nur 36 Monaten wurde in Tag- und Nachtarbeit der dritte Entwurf des Architekten mit dem Titel “Reichssportfeld“ realisiert. Gerade rechtzeitig zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele wurde das Olympiastadion fertig gestellt und erfüllte mit seinem antiken Erscheinungsbild Hitlers vollste Zufriedenheit.

Das Olympiastadion blieb während der Luftangriffe des Zweiten Weltkrieges weitestgehend verschont und ging im Jahr 1949 in den Besitz der Stadt Berlin über. Seither brach das Berliner Olympiastadion zahlreiche Zuschauerrekorde. Für die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 1974 setzte man dem Stadion eine eher dürftige Dachkonstruktion auf, eine Flutlichtanlage war bereits im Vorfeld installiert worden. Seit 1985 findet im Olympiastadion jährlich das Endspiel um den DFB-Pokal statt. 1998 beschloss der Berliner Senat, das Stadion denkmalgerecht sanieren zu lassen und beauftragte damit das Architektenteam von Gerkan, Marg und Partner (gmp) aufgrund des sensiblen Entwurfs des Teams, der die historische und künstlerische Charakteristik mit einer modernen Infrastruktur verband.

Der Umbau des Stadions begann im Juli 2000 und gestaltete sich wegen der Denkmalschutzbestimmungen als äußerst schwierig. So durfte beispielsweise auch das neue Dach nicht optisch in Erscheinung treten, da die antiken Vorbilder des Stadions eben gar kein Dach besaßen. Eine Hängekonstruktion kam demzufolge nicht in Frage, da diese in die Höhe hätte gebaut werden müssen. In mühsamer Kleinarbeit trug man das alte, notdürftige Dach ab und installierte 20 so genannte Baumstützen im hinteren Tribünenbereich, die das flache, 68 m tiefe Dach tragen.

Die statischen Systeme der Tribünen mussten im Vorfeld komplett neu berechnet werden, da wichtige Bauunterlagen von 1936 verschollen waren. Auch die Sanierung der Fassade stellte eine enorme Herausforderung dar. Die Steinbrüche, aus denen die 1936 verwendeten Muschelkalkplatten kamen, existieren heute nicht mehr, so dass die 18.000 Platten auf das benachbarte Maifeld manövriert, dort aufbereitet und anschließend wieder an ihren Platz gebracht wurden. Im Jahr 2004 wurden die Arbeiten am Berliner Olympiastadion abgeschlossen, zum Pokalendspiel 2004 konnte das neue Stadion erstmals bewundert und bespielt werden.

Nutzung, Größe

Das Berliner Olympiastadion verfügt über rund 74.500 überdachte Sitzplätze bei internationalen Spielen oder Bundesligaspielen. Die 155 Leuchten der am Dach angebrachten Flutlichter haben eine Lichtstärke von 1.500 Lux. Das Stadion verfügt über zwei Anzeigetafeln, eine à 140 m2 und eine à 55 m2.
Die Baukosten für die Sanierung und den teilweisen Umbau des Stadions betrugen 242 Mio. € und wurde weitestgehend durch die Walter Bau AG getragen. Derzeit ist es das Heimatstadion des Fußball-Bundesligavereins Hertha BSC.

 

Besonderheiten

Olympiastadion in Berlin
Olympiastadion in Berlin © goruma (B.Ramm)

Ein ästhetischer Streitpunkt im Rahmen des Umbaus war die Laufbahn, die sich in leuchtendem Blau um das Spielfeld zieht. Der Architekt Volkwin Marg und seine Kollegen von gmp hatten für nahezu alle Schwierigkeiten, die die Bestimmmungen des Denkmalschutzes mit sich brachten, eine produktive Lösung gefunden, doch die Farbe der Laufbahn gehörte in eine andere Bestimmungskategorie des Senats:
Die Solidarität mit Hertha BSC, symbolisiert durch das auf der Laufbahn strahlende Vereins-Blau - und steht bis heute dem ästhetischen Empfinden des Architekten Marg und seiner Kollegen von gmp unversöhnlich gegenüber. Diese bezeichnen das Hertha-Blau noch immer als einen “blauen Fleck“ auf dem ansonsten makellosen Teint des Bauwerks.

Architekten

Pylone des Eingangsbereiches vom Olympiastadion © goruma (M.Barton)

Werner March wurde am 17. Januar 1894 in Berlin-Charlottenburg geboren. Zu seinen wichtigsten Bauwerken, von denen die meisten in den 1930er Jahren entstanden, zählen das Berliner Olympiastadion, das ehemalige Reichssportfeld und das Deutsche Sportforum in Berlin-Charlottenburg, das Olympische Dorf in Dallgow-Döberitz-Elstal, die Waldbühne in Berlin-Charlottenburg, das Bürohaus und die Montagehalle der Rourbachwerke in Berlin-Wedding und Karinhall der Wohnsitz Hermann Göhrings. Werner March verstarb am 11. Januar 1976 in Berlin-Zehlendorf.

Die im Jahr 1965 von Meinhard von Gerkan und Volkwin Marg gegründete Architektengemeinschaft gmp hat in den vergangenen 40 Jahren in nahezu allen großen Städten der Bundesrepublik geplant und gebaut. Ihre Projekte reichen von Einfamilienhäusern über Bürogebäude, Handelszentren, Forschungs- und Bildungseinrichtungen sowie Theater, Museen und Hotels. Mit über 300 Mitarbeitern, die sich auf 10 Büros verteilen, ist gmp im In- und Ausland tätig. Das Architekturbüro gmp vertritt die grundsätzliche Position, sich für ein Projekt vom Entwurf bis zur Realisierung und sogar bis hin zum Design des Interieurs verantwortlich zu fühlen.


Kommentare
Olympiastadion in Berlin  (Sonntag, 24.04.2016)
Olympiastadion in Berlin wird bei goruma letzte Zeit gut angeklickt. wissen Sie - warum?
reza  (Mittwoch, 19.08.2015)
sehr schön geschrieben. danke für Ihre information


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