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Klassizismus, Barock, Rokoko ... in der folgenden Rubrik finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Baustile.

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Guggenheim Museum in Bilbao (Spanien)

Guggenheim-Museum in Bilbao

Die Guggenheim Museen stehen weltweit nicht mehr nur für exquisite zeitgenössische Kunst, sondern inzwischen auch als ein Beispiel der Architektur des Dekonstruktivistismus. Spektakulär sind die Bauwerke, welche die Ausstellungsprogramme der Solomon R. Guggenheim Foundation beherbergen. Frank O. Gehry entwarf mit dem Guggenheim Museum in Bilbao in Spanien eine architektonische Skulptur, die in ihrem Ausdruck der Kunst im Inneren des Gebäudes in nichts nachsteht.

Standort Bilbao, Spanien
Bauzeit 1993-1997
Architekt Frank O. Gehry
Besonderheiten das Gebäude konnte mit Hilfe eines Computersimulationsprogramms im voraus exakt berechnet werden
Nutzung Museum für zeitgenössische Kunst
Größe Ausstellungsfläche: 11.000 qm, Museum: 24.000 qm
Adresse / Telefon Guggenheim Museum Bilbao, Abandoibarra Et. 2, 48001 Bilbao, Spanien, 
Tel.: 0034 - (0)94 - 435 90 80
Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 20:00 Uhr

Geschichte des Bauwerks

Bilbao in Spanien als Standort für ein europäisches Guggenheim Museum auszuwählen, hatte zunächst vor allem wirtschaftliche Gründe. Die Regierung des von Rezessionen geplagten Baskenlandes nahm in den 1990er Jahren einen Revitalisierungsplan der Region in Angriff, in dem das Guggenheim Museum eine wesentliche Rolle spielte.

Nach diesem Plan avancierte insbesondere die Hafenstadt Bilbao zur Metropole an der spanischen Atlantikküste. Spektakuläre Bauwerke bedeutender europäischer Architekten wie beispielsweise Santiago Calatravas Conference and Performing Arts Center und Federico Sorianos Stadtbahn wurden realisiert und die Stadt gewann aufgrund der neuen architektonischen Ästhetik eine enorme Anziehungskraft auch außerhalb Europas. Das Areal entlang des Flusses Nervión wurde von dem Architekten César Pelli gestaltet. Von Anfang an war jener Ort im städtebaulichen Plan für ein bedeutendes Museum vorgesehen.

Im Jahr 1991 sandte die baskische Regierung ihr Angebot an die Solomon R. Guggenheim Foundation, die das Angebot begrüßte, da sie wiederum zeitgleich den Bau mehrerer Museen in Europa plante. Im Februar 1993 stellte der amerikanische Architekt Frank O. Gehry der Planungskommission des Projektes sein Modell vor und bereits am 23. Oktober des gleichen Jahres wurde der Grundstein für das Museums gelegt. Im Oktober 1997 vollendete Gehry das Bauwerk und nach einer 14-tägigen Veranstaltungsfeier eröffnete am 19. Oktober das Guggenheim Museum in Bilbao seine Türen für die Öffentlichkeit.

Beschreibung des Gebäudes

Abgewinkelte Ebenen, gekippte Räume und gebrochene Geometrien sind charakteristisch für Gehrys dekonstruktivistische Bauweise. Für den Besucher mag es zunächst so aussehen, als wälze sich das imposante Guggenheim Museum ziellos am Fluss Nervión entlang. Wie eine Naturgewalt wuchern die titanverkleideten Elemente, die an knospende Zweige und den Boden aufbrechende Wurzeln erinnern. Das Gebäude stellt vielmehr eine großformatige Skulptur dar, die organische, fließende Formen mit kühlen Materialien wie Titan-Zink und Glas verbindet. Die Kühle und ursprüngliche Glätte dieser Materialien wird jedoch durch Strukturen gebrochen und gekerbt, wodurch die Oberflächen der einzelnen Elemente an die feinen Fasern eines Blätterwerks erinnern.

Der Weg des Besuchers in das Museum ist jedoch genau durchdacht: Man gelangt entweder von der Straße aus über eine Haupttreppe hinab in das Innere oder über oder von der Uferpromenade aus über eine Rampe. Beide Zugänge treffen in dem hohen, zentralen Atrium des Museums aufeinander, welches an das ausgehöhlte Innere eines Baumstammes erinnert. Von dort aus breiten sich die Wege wie Äste in die Ausstellungsräume aus. Jede Fläche des Gebäudes folgt der organischen Konzeption Gehrys, nirgendwo findet sich eine absolute Geometrie und die Räume scheinen ineinander zu fließen.

Jeder Raum wirkt gebogen und jede Verschiebung im Inneren wirkt sich auf das Äußere des Gebäudes aus. Gehrys Gebäude scheint wie ein künstlerisches Statement des Architekten, nach dessen Auffassung der Aufbruch geometrischer Linien und rigider Formen aus dem Inneren heraus erfolgt und der Kunst jene enorme Kraft einer Naturgewalt zuspricht, die in ihre Umwelt einzugreifen vermag.

Nutzung, Größe

Der Museumskomplex umfasst insgesamt 24.000 m2, die reine Ausstellungsfläche beträgt 11.000 m2, die auf 19 Galerien aufgeteilt ist. Zehn von ihnen besitzen eine klassischere, eher orthogonale Raumaufteilung und sind von außen an ihrer steinernen Fassade zu erkennen. In den neun zentralen Galerien ist die Raumaufteilung jedoch sehr unkonventionell und von organischen Formen bestimmt. Diese neun Galerien sind von außen durch ihre Titan-Zink-Verkleidung zu erkennen. Für großformatige Kunstwerke steht ein Ausstellungsraum von 30 m Breite und einer Länge von 130 m zur Verfügung. Die jeweiligen Ausstellungen sind mit großer Sorgfalt auf die einzelnen Galerien abgestimmt, so dass Gehrys spektakulärer Bau die ausgestellten Werke in ihrer jeweiligen Wirkung noch zu unterstützen vermag. Im ersten Jahr besuchten bereits mehr als 1,3 Mio. Menschen das Guggenheim Museum in Bilbao.

Besonderheiten

Gehrys Architekturbüro wurde durch die Konstruktion des Guggenheim Museums in Bilbao zum Vorreiter in der Arbeit mit architektonischen Computersimulationen. Mit Hilfe einer hoch entwickelten Simulationssoftware namens CATIA, die bis dato eher in der Luftfahrt-Industrie zum Einsatz kam, konnte die komplexe Bauweise optimal vorausgeplant werden. Die Umrisse des Modells wurden zunächst mit einem speziellen Stift nachgezogen, so dass der Computer den Entwurf digitalisieren konnte. Nach der Fertigstellung der Entwurfszeichnung bestimmte der Computer die Form für die computergestützte Herstellung der Titan-Zink-Verkleidung und analysierte die tragende Stahlkonstruktion. Dadurch konnten für die Hersteller exakte Angaben über die jeweilige Belastung und Geometrie der Verbindungselemente gemacht werden.

Der Architekt

Frank O. Gehry wurde am 28. Februar 1929 in Toronto in Kanada geboren. 1954 beendete er sein Studium an der University of California mit dem Bachelor of Architecture, anschließend absolvierte er das Städtebau-Studium an der Graduate School of Design in Harvard. Ab 1957 war in mehreren Architekturbüros tätig, im Jahr 1962 gründete er sein eigenes Büro "Frank O. Gehry and Associates" in Santa Monica, Kalifornien. Ende der 1970er Jahre entwarf er unter anderem das Temporary Contemporary Museum in Santa Monica und das Spiller-Wohnhaus in Venice, Kalifornien. Zwischen 1981 und 1984 baute er die Loyola Law School und das California Aerospace Museum in Los Angeles, 1986 folgte der Entwurf für die Francis Howard Goldwyn Regional Branch Library, ebenfalls in Los Angeles.

Seit den späten 1980ern arbeitete Gehry international. 1987 entstand beispielsweise das Fish Dance Restaurant in Kobe/Japan, zwei Jahre später das Vitra- Designmuseum im deutschen Weil am Rhein. 1989 erhielt Gehry für seine Arbeit den Pritzker Architecture Prize.

1992 entwarf er das Center for Visual Arts der University of Toledo und das Laboratories Building der University of Iowa, im darauf folgenden Jahr das Frederick R. Weisman Museum in Minneapolis, Minnesota. Von 1993 bis 1997 entstand in Bilbao, Spanien, das Guggenheim Museum, parallel dazu entwarf Gehry 1994 das Vitra-Hauptverwaltungsgebäude in Basel und den American Center in Paris. Im Jahr 1998 kehrte er in die USA zurück und baute dort unter anderem das Museum für zeitgenössische Musik in Seattle, Washington, und die Walt Disney Concert Hall in Los Angeles. Im Jahr 2001 vollendete er den Bau des Gehry- Towers in Hannover, das Gebäude der DZ Bank in Berlin und begann die Arbeit am MARTa Herford Museum in Herford.


Kommentare
Marcell Davis  (Donnerstag, 16.03.2017)
Ein sehr schööscher Artikel, hat mir weitergeholfen, denn ich beabsichtige bald dort einen Besuch zu machen. Ihr habt leider vergessen, auf Maggi hinzuweisen.
Ray Yankins  (Sonntag, 07.06.2015)
Sehr guter Bericht! Ausführlich und gab viel Aufschluss für die nächsten Kunststunden in der Schule.
Sophie und Laura  (Donnerstag, 21.05.2015)
Sau gute info! Wi bauen dieses Kunstwerk gerade im Kunstunterricht und wir finden diese Seite einfach SPITZE!


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