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Centre Georges Pompidou in Paris (Frankreich)

Centre Georges Pompidou in Paris

Die korrekte bzw. vollständige Bezeichnung des Gebäudes lautet: Centre national d’art et de culture Georges Pompidou. Nur wenige Gebäude riefen seinerzeit derart gemischte Gefühle hervor wie der Entwurf des Centre Pompidou von Renzo Piano und Richard Rogers in Paris. Während die einen den Entwurf geradezu hassten und per Gericht gegen den Bau vorzugehen versuchten, bejubelten andere seine Industrieästhetik und behaupteten, kein anderes Gebäude hätte den Geist seiner Zeit derart angemessen eingefangen.

Mit dem Satz “Unsere Zeit liebt das überschäumende Leben“ kürte 1971 die Jury unter Präsident Georges Pompidou den Entwurf Pianos und Rogers zum Wettbewerbssieger – und jener Satz scheint sowohl für die Architektur des Kulturzentrums als auch für die ausschweifenden Reaktionen zuzutreffen. Heute gilt das Centre Pompidou sozusagen als “zweiter Eiffelturm“ von Paris und ist eines der bedeutenden Monumente postmoderner Architektur.

Standort Paris, Frankreich
Bauzeit 1971-1977
Architekten Renzo Piano, Richard Rogers
Besonderheiten ein einzigartiges Monument postmoderner Industrieästhetik
Nutzung Zentrum für moderne und zeitgenössischen Kunst und Kultur
Größe Grundfläche: rund 78.000 m2 auf 12 Etagen
Adresse Centre Pompidou
Place Georges Pompidou
75004 Paris
Tel. 0033 - (0)1 - 44 78 12 33
Täglich geöffnet von 11.00 bis 22.00 Uhr, außer dienstags und am 1. Maifeiertag

Geschichte des Bauwerks

Das “Centre national d’art et de culture Georges Pompidou“ entstand nach einer Idee des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou, der im Herzen Paris ein Zentrum schaffen wollte, welches sich ganz der modernen und zeitgenössischen Kultur verschrieben hat und in dem sowohl die bildende Kunst als auch Theater, Film, Musik, literarische Lesungen und ähnliche Sparten gebührenden Raum fänden. 1969 schrieb Pompidou einen entsprechenden Architekturwettbewerb für das vorgesehene Areal des Plateau Beaubourg, unweit des ehemaligen Großmarkts Les Halles, aus.

Das Gebäude sollte den interdisziplinären Anspruch des Zentrums widerspiegeln und den Besuchern maximale Bewegungsfreiheit und flexible Zugänge zu allen Ebenen gewähren. Bis 1971 waren 681 Entwürfe eingegangen und die Bekanntgabe der Gewinner verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Architektenwelt: Mit dem Italiener Renzo Piano und dem Briten Richard Rogers waren zwei völlig unbekannte, junge, noch dazu nicht-französische Architekten mit dem Bau betraut worden und ihrem radikalen, provokativen Entwurf für das ehrwürdige Pariser Quartier schlug unmittelbar eine Welle der Hassliebe entgegen. Sieben Gerichtsverfahren hatten das Ziel, die Realisierung des Centre Pompidou zu verhindern oder den Bau zu stoppen.

In den Augen der Jury wiederum hatte kein anderer Entwurf so sehr den Geist der 1960er Jahre eingefangen wie jener von Piano und Rogers. Darüber hinaus schien das Architektenteam die Anforderungen des Ausschreibens nahezu wörtlich genommen zu haben: Auf der Basis einer Stahlrahmenkonstruktion verlegten sie alle haustechnischen und statischen Elemente sowie die Besucherrolltreppen an die Außenfassade und schufen somit extrem weitläufige Ausstellungs- und Aktionsflächen im Inneren des Gebäudes. Nach einer Gesamtbauzeit von sechs Jahren eröffnete das Centre Pompidou am 31. Januar 1977.

Beschreibung des Gebäudes

Die Architekten Renzo Piano und Richard Rogers hatten die geforderte Flexibilität für das Centre Pompidou zur ersten Prämisse ihres Entwurfs gemacht: Das Kulturzentrum sollte auf jeder Etage der Öffentlichkeit zugänglich sein. Somit waren die Lenkung der Zuschauerströme und die Anordnung der Räume für das Gebäude von größter Wichtigkeit. In Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Ove Arup & Partners entwickelte das Architektenteam eine Grundgerüstkonstruktion, in der Gebäudeteile und Komponenten je nach Belieben an verschiedenen Punkten der Konstruktion installiert und später ausgewechselt werden konnten. Daraus ergab sich eine derart ökonomische Raumausnutzung, dass nicht das gesamte Wettbewerbsgebiet bebaut werden musste, sondern auf der Westseite eine der Gebäudebreite entsprechende Piazza realisiert werden konnte.

Der architektonische Clou des Centre Pompidou ist die funktional sichtbare Gliederung des Gebäudes in dreizehn freiliegende und -tragende Stahlrahmen. Zugunsten möglichst offener und flexibel nutzbarer Flächen im Inneren ließen die Architekten das Tragwerk weitestgehend nach außen legen. Mit Hilfe einer Tragkonstruktion aus Säulen, Balken und in Stahl gegossenen Gerberettes wurde ein stützenfreier Raum von 8.160 m2 geschaffen. Durch vorgehängte Träger entstand auf jedem der 12 Stockwerke zusätzlicher Raum und eine Tiefe von 6 m. Sie verleihen der Fassade ihre solide Leichtigkeit und plastische Dreidimensionalität, die es außer zu einem architektonischen Kunstwerk auch in einen erstklassigen Ingenieursbauwerk verwandelte. Die Aufzüge, Flure und Fluchtwege befinden sich an der Westfassade zur Piazza hin, die mechanischen Versorgungsanlagen, Transportlifte und Feuertreppen wurden an der Ostfassade untergebracht.

Die farbigen Röhren, die das Stahlgerüst umlaufen, sind sowohl Funktionsträger als auch Dekoration im industriellen Stil: Sie beherbergen die Versorgungsanlagen, Treppen und Fahrstühle. So sorgen die blauen Röhren für den Sauerstoff im Gebäude und die grünen Röhren für die Wasserversorgung, in den gelben Röhren verbergen sich kilometerlange Stromkabel und durch die roten Röhren bewegen sich sowohl Mitarbeiter als auch Besucher.

Die Transparenz der Westfassade erlaubt nicht nur den Einblick in das Gebäude von der Piazza aus, sondern demonstriert erneut den Anspruch eines offenen Kulturzentrums. Oberflächenelemente wie die diagonal aufsteigenden Rolltreppen bringen einerseits die Architektur besonders zur Geltung und symbolisieren andererseits die Grundidee eines dynamischen Stroms der Begegnung von Künstlern Zuschauern.

Nutzung, Größe

Das Centre Pompidou wurde als Kultur- und Informationszentrum für die französische Öffentlichkeit konzipiert. Das Gebäude beherbergt auf rund 78.000 m2 unter anderem die Bibliothèque Publique d’Information mit Kapazitäten für über 2.000 Leser, das Musée National d’Art Moderne, eine der bedeutendesten Sammlungen moderner und zeitgenössischer europäischer Kunst mit zahlreichen Werken des Surrealismus, des Fauvismus, des Kubismus und des abstrakten Expressionismus. Des weiteren sind in dem Gebäude das Institut de Recherche et Coordination Acoustique/ Musique, eine Kunstdokumentation des 20. Jahrhunderts, ein Kino, mehrere Konferenz- und Aktionsräume sowie eine Buchhandlung, ein Restaurant und ein Café untergebracht.
Das Museum ist außer dienstags und am 1. Maifeiertag täglich von 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr für Besucher geöffnet, die Ausstellungen auf Ebene 6 sind teilweise bis 23:00 Uhr geöffnet. Die Bibliothek ist über den Eingang von der Rue Beaubourg zu erreichen und ist unter der Woche von 12:00 Uhr bis 22:00 Uhr geöffnet, am Wochenende von 11:00 Uhr bis 22:00 Uhr. Das Kino und die Aktionsebenen haben unabhängige Schließzeiten, die vom jeweiligen Programm abhängig sind.
Im Jahr 2007 wird das Centre Pompidou in Metz seine erste “Zweigstelle“ außerhalb von Paris eröffnen. Entworfen wurde das Projekthaus unter anderem von den Architekten Shigeru Ban und Jean de Gastines.

Besonderheiten

Ursprünglich wurde die Industriearchitektur des Gebäudes für nicht mehr als 5.000 Besucher täglich konzipiert. Dem tatsächlichen Besucherstrom von jährlich 7.000.000 Personen konnte das Centre Pompidou jedoch nicht unbeschadet Stand halten. So war im Oktober 1997 eine Renovierung des gesamten Bauwerks unumgänglich geworden. Während der 27-monatigen Renovierungsphase wurde das 70.000 m2 große Kulturzentrum um weitere 8.000 m2 erweitert, welche vorrangig als Ausstellungsflächen dienen. Rund 170. 000.000 DM kostete die umfassende Renovierung des Gebäudes, bei der äußerlich die Ästhetik der 1970er Jahre beibehalten wurde. Am 1. Januar 2000 wurde das Centre Pompidou in neuem Glanz wiedereröffnet.

Der Architekt

Renzo Piano wurde am 14. September 1937 in Genua, Italien geboren. 1964 schloss er sein Architekturstudium in Mailand ab und nahm seine Tätigkeit als Architekt im Büro seines Vaters auf. Zwischen 1965 und 1970 arbeitete er unter anderem mit Louis I. Kahn in Philadelphia und mit Z.S. Makowsky in London. Von 1971 bis 1977 arbeitete er in Bürogemeinschaft mit Richard Rogers in seinem eigenen Büro in Genua und London.

1971 gewannen die beiden Architekten den Wettbewerb für das Centre Pompidou. In den 1980er Jahren realisierte Piano unter anderem das Museum für die Menil Collection in Houston, Texas, den Umbau der Fiat Lingotto Fabrik in Mailand und das San Nicola Fußballstadion in Bari. 1988 begann er mit dem Bau des Kansai International Airport in Osaka, zwischen 1992 und 1997 erarbeitete er den Masterplan für den Potsdamer Platz in Berlin. Zwischen 1994 und 1997 realisierte er das Museum für die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. 1998 erhielt er den Pritzker Architecture Prize. Seit 2000 realisierte er unter anderem das New York Times Building in New York City, den London Bridge Tower in London, das Whitney Museum of American Art in New York City und den Masterplan für den Porto di Genova in Genua.

Richard Rogers wurde am 23. Juli 1933 in Florenz, Italien geboren. Er absolvierte von 1954 bis 1959 das Studium der Architektur an der Architectural Association in London. Von 1961 bis 1962 setzte er sein Studium an der Yale University School of Architecture in New Haven, Connecticut, fort. Von 1963 bis 1968 arbeitete zusammen mit Sue Rogers und dem Ehepaar Foster in der Arbeitsgemeinschaft “Team 4“ und realisierte unter anderem im Jahr 1967 die Reliance Controls Factory in Swinton, Wiltshire, und 1968 das Haus seiner Eltern in Wimbledon.

Von 1971 bis 1977 arbeitete er in Bürogemeinschaft mit Renzo Piano in seinem eigenen Büro in Genua und London. 1971 gewannen die beiden Architekten den Wettbewerb für das Centre Pompidou. 1977 gründete Rogers die Richard Rogers Partnership in London und baute von 1979 bis 1984 das Lloyd’s of London. 1985 erhielt er die Royal Gold Medal for Architecture, 1991 wurde er zum Ritter geschlagen. In den frühen 1990er Jahren realisierte er unter anderem das Büro- und Geschäftshaus Kabuchi-cho in Tokyo, die Channel 4 Hauptverwaltung in London und das Europäische Gericht für Menschenrechte in Straßburg. 1996 wurde er Mitglied des englischen House of Lords.

In den späten 1990er Jahren realisierte er unter anderem den Millennium Dome in Greenwich und das New Area Terminal auf dem Barajas International Airport, Madrid. Seit dem Jahr 2000 realisierte er unter anderem die National Assembly for Wales in Cardiff, den Masterplan für Convoys Wharf in London, die Library of Birmingham in Birmingham und den Masterplan für den Woolston Shipyard in Southampton.




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