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AWD-Arena in Hannover

AWD-Arena in Hannover © goruma (Dr.Ramm)

Anlässlich der Qualifikation als Austragungsort der WM 2006 verwandelte sich die am Maschsee in Hannover gelegene AWD-Arena (Allgemeiner Wirtschaftsdienst Gesellschaft für Wirtschaftsberatung und Finanzbetreuung mbH), ehemals Niedersachsenstadion, von einem Sportstadium zu einem reinen Fußballstadion. Das neue Station wirkt offen und freundlich und überzeugt architektonisch durch seine einmalige Dachkonstruktion und die Asymmetrie des Stadionrunds. Während der WM 2006 allerdings musste der namensgebende Schriftzug des Sponsors verschwinden, da derartige Werbung von der FIFA für Nichtsponsoren der WM 2006 untersagt wurde.

Standort Hannover am Nordufer des Maschsees
Bauzeit 1954, Umbau: Februar 2003 - März 2005
Architekten Umbau: Schulitz + Partner 
Besonderheiten FIFA-WM Station 2006
Nutzung Sportstadion, Heimstadion des Vereins Hannover 96
Besucher-Kapazität  50.000, davon 43.000 Sitzplätze und 7.000 Stehplätze
Platzangebot zur WM 06 Vorrunde: 34.311
im Achtelfinale: 33.965 
Anschrift des Stadions AWD-Arena
Arthur-Menge-Ufer 5
30169 Hannover
Info-Tel: 05 11/ 96 900 - 45

 

Anfahrt zum Stadion

Hannover, AWD-Arena, Eingangsbereich © goruma (Dr.Ramm)

Anreise mit dem PKW

Anfahrt aus Richtung Norden: A 7 Richtung Kassel, Ausfahrt Hannover-Laatzen Richtung Messe auf die B 443 und dann auf die B 6 Richtung Hannover Zentrum/Messe.
Anfahrt aus Richtung Süden: Autobahn A 7 Richtung Hamburg, Abfahrt Dreieck Hannover-Süd Richtung Hannover-Zentrum/Messe.
Anfahrt aus Richtung Westen/Osten: A 2 bis zum Dreieck Hannover-Ost, hier auf die A 7 Richtung Hannover/ Kassel, Ausfahrt Hannover-Laatzen Richtung Messe auf die B 443 und dann auf die B 6 Richtung Hannover Zentrum/Messe.
Parksituation
Die Park & Ride-Parkplätze befinden sich auf dem Messegelände. Von dort aus kommt man mit allen S-Bahn Linien gut ins Zentrum von Hannover. An der Haltestelle Aegidientorplatz (Aegi) muss man aussteigen. Danach folgt man einfach der Beschilderung, die den Besucher direkt zum Stadion führt.

Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Ab dem Hauptbahnhof Hannover fahren die U-Bahn-Linien 3 und 7 das Stadion an. Man steigt am besten an der Haltestelle Waterloo aus und folgt einfach der Beschilderung, die den Besucher direkt zum Stadion leitet.
Vom Hauptbahnhof aus kann man das Stadion auch bequem zu Fuß über den "Kröpcke", die Karmarschstraße und Culemannstraße erreichen.

Anreise vom Flughafen Hannover

Mit der S-Bahn-Linie 5 kommt der Besucher direkt zum Hauptbahnhof Hannover. Hier muss man in die U-Bahn Linien 3 oder 7 umsteigen und dann an der Haltestelle Waterloo aussteigen. Von dort folgt man dann der Beschilderung bis zum Stadion.

Geschichte des Bauwerks

Hannover, Maschsee © goruma (Dr.Ramm)

1950 gab die Stadt Hannover bekannt, dass in prominenter Lage am Ufer des Maschsees ein Sportstadion entstehen solle. Damit wurden vorhergehende Überlegungen zum Ausbau des bestehenden Eilenriede-Stadions endgültig verworfen. Die stadtnahe Lage am Maschsee wurde dem alten Standort vorgezogen, da man die Transportkosten der Kriegstrümmer, aus denen das neue Stadion gebaut werden sollte, so gering als möglich halten wollte. Im Februar 1951 begannen die Bauarbeiten des Masch-Ohe-Stadions, so der damalige vorläufige Projektname. Am 1. August 1953 sollte das Stadium ursprünglich eröffnet werden.

Da sich die Baukosten von 2 Mio. DM auf 4. Mio. DM verdoppelt hatten, kam das Bauvorhaben, bis zur Bewilligung der höheren Baukosten von Seiten der Stadt, jedoch zum erliegen. Nach der Bewilligung der zusätzlich erforderlichen Finanzmittel konnte das Stadion am 26. September 1954 als Niedersachsenstadion offiziell eröffnet werden. Mit 86.656 Plätzen, wovon 44.000 Sitzplätze waren, und einer Haupttribüne mit 3.000 überdachten Sitzplätzen wurde mit dem Niedersachsenstadion die zweitgrößte Sportstätte Deutschlands, dem Olympiastadion in Berlin folgend, eingeweiht. In Anbetracht der Größe zählte der Stadionbau lange Zeit zu einem der ökonomisch günstigsten Sportbauten in Deutschland.

Bereits wenige Wochen nach der Eröffnung des Stadions war es zur Begrüßung der Weltmeisterschaftself von Bern restlos ausverkauft. Danach nahm es der DFB unter seine Fittiche und richtete zwischen 1955 und 1963 hier vier von neun Endspielen um die Deutsche Fußball-Meisterschaft aus.

Das Stadion war von Beginn an durch eine eigenwillige Asymmetrie gekennzeichnet, wonach der niedrigste Abschnitt des Stadions ausgerechnet die Haupttribüne war. Neben der Asymmetrie erhielt das Niedersachsenstadion 1965 durch die Errichtung der Flutlichtanlage ein weiteres charakteristisches Merkmal. Die 70 m hohen, schlanken Masten dienten seitdem als urbaner Orientierungskompass und wurden von den Einheimischen liebevoll "Zahnbürsten" getauft. Um sich als Spielstätte für die WM 1974 zu qualifizieren, investierte die Stadt weitere 22 Mio. DM in die Überdachung von 20.000 Plätzen. Zur EXPO 2000 wurde dann auch die Gegentribüne in der Westkurve saniert.

Im April 2001 erhielt das Niedersachsenstadion von der FIFA die Mitteilung, als Austragungsort von fünf Spielen der WM 2006 ausgewählt worden zu sein. Gleichzeitig wurde damit der Umbau des Stadions mit einem Investitionsvolumen von 64 Mio. Euro beschlossen. Im November 2001 stand das Finanzierungskonzept für den Umbau, das zu einem Drittel von der Stadt und zu zwei Dritteln von der neu gegründeten Stadionprojektgesellschaft getragen wurde. Mit dem Aufstieg von Hannover 96 in die erste Bundesliga kam ein neuer Namenspatron und Sponsor im August 2002 ins Spiel. Aus dem Niedersachsenstadion wurde die AWD-Arena.

Am 25. Februar 2003 begann der Umbau mit dem Abriss der alten Nordtribüne. Das architektonische Fitnessprogramm für die WM sollte während des laufenden Spielbetriebs vollzogen werden. Daher wurde eine kuriose Mini-Tribüne mit 1.000 Plätzen in die Haupttribüne implantiert und je nach Bedarf demontiert. Im September begann die Montage des ausgeklügelten Dachsystems, welches seitdem zu den Besonderheiten des Stadions zählt. Damit fielen auch die Flutlicht „Zahnbürsten“ der moderneren „Cat-walk“ Beleuchtung zum Opfer. Der Entfernung des Rasens ist natürlich ein Kapitel für sich. Der "heilige Grund" wurde in 30 x 40 cm große Rasenstückchen zerlegt und an die Fans versteigert, in deren Vorgärten er seitdem seinen "Lebensabend" fristet. Am 23. Januar 2005 war die AWD-Arena fit für das Großereignis und wurde offiziell als neues WM-Stadion eingeweiht.

Beschreibung des Gebäudes

AWD-Arena in Hannover © goruma (Dr.Ramm)

Fast unsichtbar und eingebettet in die Topografie des Geländes ruht die AWD-Arena im Grünen am Nordufer des Maschsees. Die Hanglage wirkt bis ins Innere hinein und begründet die eigenwillige Asymmetrie des Stadions. Die Westkurve wurde aus Kostengründen erhalten und in den Neubau integriert. Das letzte Relikt des alten Stadions hat eine baugeschichtliche Charakteristik. Sie ist im Gegensatz zur heutigen Stadionbauweise flach und weiter vom Spielfeld entfernt. Block für Block schreibt sich die Baugeschichte fort und die Ränge gewinnen an Steilheit und Dichte zum Spielfeld. Daher hat man im Osten eine bessere Sicht als im Westen des Stadions.

In der Dachkonstruktion setzt sich die Asymmetrie fort. Mit einer konstanten Breite von 15 m bedeckt die Dachkonstruktion im Osten einen Großteil der Tribüne, während sie im Westen, aufgrund des anderen Neigungswinkels, lediglich einen kleinen Teil schützt. Dort sitzt die Prominenz allerdings bei Wind und Wetter. Das Dach ist raffiniert konstruiert und ein Blickfang. Es besteht aus einem geschlossenen Außendach, das nach dem Prinzip eines Speichenrades entworfen wurde - ein Druckring mit offener Narbe. Im Innern diktiert der Rasen die Beschaffenheit des Daches. Über einer spinnennetzartigen Seilkonstruktion spannt sich eine transparente und UV-durchlässige Membran, eine ETFE-Folie. Im Gegensatz zum üblichen Einsatz in Gewächshäusern wurde die ETFE Membran auf 11.000 m² nur einlagig aufgezogen. Unter ETFE versteht man den Kunststoff Ethylen-Tetrafluorethylen.

Eine weitere Besonderheit des Daches ist das Tragwerk aus Seilen, welches sich entgegen allen Vorläufermodellen unterhalb statt oberhalb der 2.500 tonnenschweren Dachkonstruktion befindet. Gekrönt wird das Dach von dem Rund der „Catwalk“ Beleuchtung, die mit 160 Leuchten in 1.500 Lux das Stadion in ein Meer aus Licht taucht, während der Schein der historischen Flutlichtmasten endgültig verloschen ist.

Farblich intoniert wird das Stadion durch die Komposition von 44.000 blauen, roten, grünen, schwarzen und weißen Schalensitzen. Der Grundton ist ein Tiefblau, das von den roten Business-Sitzen der Haupttribüne kontrastiert wird. Das Schwarz-Rot-Grüne Logo des Heimatvereins Hannover 96 wird ebenfalls von roten Sitzen umrahmt, da die Mannschaft in Fankreisen als „die Roten“ bezeichnet wird. Und ganz unsichtbar im Innern sorgt eine Rasenheizung für ein ewig leuchtendes Grün.

Nutzung, Größe

Die AWD-Arena verfügt über 50.000 Plätze, wovon 43.000 Sitzplätze und 7.000 Stehplätze sind. Davon sind 1.241 Business-Seats und 29 Logen dem VIP Bereich vorbehalten. Bei internationalen Spielen liegt die Kapazität bei 44.900 Plätzen. Zwei Anzeigetafeln mit einer Fläche von jeweils 41 m² zoomen das Spiel zusätzlich ins Blickfeld der Zuschauer. Das Stadion gliedert sich in Westkurve als größte Tribüne, in der sich Stadionregie, Leitstände sowie der Hauptzugang befinden. Im Unterrang der Haupttribüne befinden sich die Business-Seats, wohingegen sich die Pressetribüne im Oberrang befindet. Darüber hinaus verteilen sich mehrere Logenplätze auf die Haupttribüne. In der Nordkurve können die Fans auf zwei Etagen dem Spiel folgen. Im Oberrang der Südkurve befinden sich die Stehplätze der Zuschauerfans.

Besonderheiten

Ein Problem ergab sich mit der richtigen Überbauung des Rasens. Gegenüber hochtechnologisierten Varianten wie dem ausfahrbaren Rasen auf Schalke, Arnheim (Niederlande) und in Sapporo (Japan) wurde in Hannover nur der innere Teil des Daches mit einer transluzenten Membran überspannt. In Gewächshäusern erprobt, bringt die ETFE-Folie 95% Lichtdurchlässigkeit im Gegensatz zu den herkömmlichen 5 -12% der PVC-Folie. Da Dämmwirkung in einem Stadion nicht erforderlich ist, wurde ETFE einlagig auf einem zweiten Dachring aufgezogen. ETFE ist langlebiger, hat eine Selbstreinigungsfunktion und ist voll recyclebar.

Architekten

Schulitz + Partner wurde 1974 von Prof. Helmut C. Schulitz in Los Angeles (USA) gegründet. 1983 wurde der Hauptsitz nach Braunschweig (Deutschland) verlegt. Wichtige frühe Projekte waren u. a. das T.E.S.T.- Bausystem in Kalifornien und die hoch installierten Institutsbauten IAM und CIM in Braunschweig. Schulitz + Partner bauen vom Einfamilienhaus bis zum Sportstadion mit 50.000 Plätzen in unterschiedlichsten Kategorien. Stahl und Glas sind ihre bevorzugten Baumaterialien.
Für ihre innovativen Bauten erhielten Schulitz + Partner u. a. 1977 den Preis des American Institute of Architects (SCAIA), mehrere Male den BDA (Bund Deutscher Architekten) Preis Niedersachsen und 1995 den Deutschen Architekturpreis.




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