Länder der Welt
Städte
Unter Städte der Welt finden Sie nicht nur Städte wie Florenz oder Peking, sondern auch Städte wie Nukualofa und Zittau
Landkarten
Hier finden Sie Landkarten Afrika, Amerika, Arktis und Antarktis, Asien, Australien und Südsee, Europa!
Kreuzotter, vipera berus
|
Inhaltsverzeichnis |
Allgemeines/Historisches
In Deutschland ist die Kreuzotter (vipera berus), mit Ausnahme einiger Regionen, die einzige in der Natur vorkommende Giftschlange. Allerdings kommt z.B. in einigen Biotopen im Südschwarzwald noch die Aspisviper vor. Der Biss der Kreuzotter ist für Gesunde in der Regel nicht lebensgefährlich - aber extrem unangenehm. Für kleine Kinder und ältere allerdings könnte ein Biss sogar tödlich enden. Gefährlich werden kann ein Biss außerdem stets bei Allergikern. Da kann es zu so starken allergischen Reaktionen kommen, dass sie unbehandelt sogar zum Tod führen können.
Allein in der Giftnotrufzentrale in München - eine von insgesamt neun in Deutschland - werden jährlich ca. 50 Bissunfälle mit Kreuzottern gemeldet. Viele davon natürlich aus Bayern, z.B. auf Liegewiesen, beim Wandern oder beim Versuch, die Schlange von der Straße wegzutragen. Die Giftnotruf-Zentrale in Wien/Österreich meldet pro Jahr im Mittel 19 Zwischenfälle - mit einer Schwankungsbreite zwischen 14 bis 24. Besonders gefährdet sind Hunde und auch Katzen, die immer wieder gebissen werden, da sie mit den Tieren spielen wollen.
Es sei erwähnt, dass man früher die relativ selten vorkommende schwarz gefärbte Kreuzotter für eine eigene Art gehalten hatte und sie als Höllenotter bezeichnete. In derselben Weise wurde früher auch die kupferfarbene Kreuzotter für eine eigene Art gehalten und als Kupferotter bezeichnet.
Einer der beiden letzten bekannt gewordenen tödlichen Bisse durch eine Kreuzotter in Deutschland ereignete sich Anfang der 60-er Jahre in der Lüneburger Heide. Es handelte sich dabei um den Biss in die Halsschlagader eines Kindes. Und im Jahr 2004 in Breege - auf der Insel Rügen - verstarb eine 82jährige Frau nach dem Biss einer schwarzen Kreuzotter in den Ringfinger. Da ihr Tod aber bereits ca. 15 Minuten nach dem Biss erfolgte, kann mit großer Wahrscheinlichkeit das Gift der Kreuzotter als direkte Todesursache ausgeschlossen werden. Wahrscheinlich starb sie an einem Herzinfarkt infolge des Schrecks oder an den Folgen einer allergischen Reaktion.
In der folgenden Tabelle ist eine Auflistung der Biss-Unfälle in Deutschland von 1883 bis zum Jahr 2006 dargestellt. Seit 1964 hat es in der Bundesrepublik und der DDR bis auf den ungekärten Todesfall auf Rügen keine weiteren tödlichen Zwischenfälle mehr gegeben.
| Land | Zeitraum | Zahl der Unfälle | davon tödlich |
|---|---|---|---|
| Deutsches Reich | 1883-1892 | 216 | 14 (6,4%) |
| Deutsches Reich | 1907-1912 | 256 | 6 (2,3%) |
| Preußen | 1920-1925 | 150 | 1 (0,7%) |
| Bundesrepublik | 1952 | 20 | 2 (10%) |
| Bundesrepublik | 1964-1969 | 211 | 0 |
| Bundesrepublik | 1964-2006 | 87 | 1 etwas über 1%) |
| Gesamtzahl | 1883-2006 | 940 | 24 (2,7%) |
Tab. Häufigkeit und Folgen von Kreuzotter-Bissen in Deutschland.
In diesem Zusammenhang sei eine ältere Statistik aus dem damals sehr viel ländlicherem Schweden mit einer relativ hohen Kreuzotterpopulation erwähnt:
Demnach waren von 1915 bis zum Jahr 1944 dort insgesamt 4.734 Menschen wegen eines Bisses einer Kreuzotter in Behandlung. Von diesen erfassten Menschen verstarben 15, das waren nur rund 0,3% Todesfälle! Eine neuere Statistik liegt aus Schweden nicht vor.
Die systematische Einteilung der Schlange
Die systematische Einteilung der Kreuzotter
| Familie | Vipern (Viperidae) |
|---|---|
| Gattung | Echte Ottern (Vipera) |
| Art | Kreuzotter (Vipera berus) |
Ausländische Bezeichnungen
- Englisch: Common Adder
- Französisch: Vipère péliade
- Italienisch: Marasso, Vipera commune
Aussehen, Verhalten
Das Tier erreicht etwa eine Länge zwischen 50 bis etwa 80 cm. Eine Länge von 1 m oder gar mehr wird nicht erreicht und gehört ins Land der Fabeln. Es muss festgestellt werden, dass das äußere Erscheinungsbild dieser Schlange von pechschwarz über braun bis hellgrau und sogar rötlich variiert und sie deshalb anhand ihrer Farbe sehr schwer z.B. von der Aspisviper zu unterscheiden ist. Sogar ihr charakteristisches Zickzackmuster auf dem Rücken kann fehlen, z.B. bei der schwarzrn Variante (Höllenotter). Sie besitzt im Gegenstz zur harmlosen Schlingnatter, mit der sie gelegentlich verwechselt wird, gekielte Schuppen und einen kurzen und spitz zulaufenden Schwanz..
Sie gehört zu den lebend gebärenden Schlangen - mit 4 bis 20 Jungen pro Wurf. Sie ernährt sich vorwiegend von Mäusen und Fröschen und Eidechsen, die sie mit dem Kopf voran verschlingt. Die Schlange greift einen Menschen von sich aus nicht an und sucht bei Bodenerschütterungen meistens das Weite, sodass der Wanderer das Tier nur selten überhaupt zu Gesicht bekommt.
Vorkommen
Die Kreuzotter kommt vom Polarkreis - als nördliche Grenze - bis zur Insel Sachalin vor. Es gibt sie auch auf den britischen Inseln - mit Ausnahme Irlands .
Es ist die in Europa am meisten vertretende Giftschlange. Sie lebt besonders in Heidegebieten, auf Wiesen, sowie in lichten Wäldern, aber auch gerne in Moorgebieten und subalpinen Lagen in Geröllhalden.. Entgegen landläufiger Meinung kommt sie in der Lüneburger Heide kaum noch vor; das letzte Exemplar wurde dort (dokumentiert) im Jahr 1995 gesichtet. Aber einen großen Bestand gibt es z.B. auf der nahe Rügen liegenden (autofrei) Insel Hiddensee. In den Bergen, wie den Alpen, kommt sie bis in Höhen von 2.000 m vor
Vermeidung eines Bisses
Gebiete, in denen diese Schlange vorkommen kann, sollte möglichst mit festem und hohem Schuhwerk begangen werden. Beim Klettern sollte nicht in Felsspalten u.ä. gefasst werden. Beim Suchen von Pilzen und Beeren nicht ohne besondere Vorsicht in Gebüsche, Sträucher o.ä. greifen. Eventuell mit einem Stock diese vorher vorsichtig abklopfen. Beim Laufen ist fest aufzutreten. Das Tier sollte im Fall einer Begegnung nicht gereizt werden, und auf keinen Fall sollte versucht werden, es anzufassen, zu fangen oder gar zu töten. Bei einer Begegnung auf Abstand bleiben bzw. gehen und sich über die sehr seltene Begegnung erfreuen. Wichtig ist dabei zu wissen, dass die Distanz auf der diese Schlange zustoßen kann, etwa die Hälfte ihrer Größe beträgt. So besteht bereits in einer Entfernung von mehr als 1 m keine Gefahr mehr, gebissen zu werden.
Art des Giftes
Bei dem Gift der Kreuzotter - wie bei vielen europäischen Giftschlangen - handelt es sich um ein Gift mit einer hämorrhagischen Wirkung (auf das Blut wirkend). Aber auch Proteasen, also das Gewebe zerstörende Eiweiße befinden sich in dem Gift. Neurotoxische Giftwirkungen können, je nach Verbreitungsgebiet bei Bissunfällen eine Rolle spielen, bekannt dafür ist vor allem die südeuropäische Unterart Vipera berus bosniensis. Die Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommende Kreutotter gehört der Nominatform Vipera berus berus an.
Entgegen landläufiger Meinung beruhen die vielen gut verlaufenden Bissunfälle der Kreuzotter nicht auf der relativen Harmlosigkeit des Gifts, sondern nur auf der bei einem Biss abgegeben geringen Giftmenge. Kreuzottertoxine sind sogar um einiges potenter als z.B. die der Texasklapperschlange (Crotalus atrox).
Folgen eines Bisses
Auf jeden Fall sollte nach einem Biss unverzüglich ein Arzt aufgesucht werden. Jede körperliche Anstrengung nach einem Biss sollte vermieden werden.Ob tatsächlich Gift injiziert wurde, zeigt sich relativ schnell an der Symptomatik an der Bissstelle. Zuerst spürt man einen hetigen Schmerz. Weiterhin schwillt z.B. ein gebissener Arm in der Umgebung der Bissstelle an und die Schwellung wandert allmählich den Arm entlang in Richtung Schulter. Dasselbe gilt für den Giftbiss an einem Bein. Aber auch ein Giftbiss am Körperstamm hat Schwellungen und Ödeme zur Folge. Außerdem kann sich die Umgebung der Bissstelle blau-rot verfärben. Außerdem tretenBlutungen ins Gewebe auf.
Bei allen europäischen Giftschlangen lassen sich im Prinzip die drei folgenden Vergiftungsstufen beobachten. Welche Art der Vergiftung im Einzelfall auftritt, hängt von zahlreichen Faktoren ab, so u.a. dem Alter des Gebissenen (Kind), dem Allgemeinzustand und natürlich davon, wohin die Schlange gebissen hat:
- Leichtere Vergiftung
In der Umgebung der Bissstelle treten Schwellungen und evtl. ein kleineres Ödem auf. Dazu kommen Übelkeit meist mit Erbrechen, eine erhöhte Herzfrequenz (Herzklopfen). Außerdem gibt es Schmerzen um die Bissstelle herum. - Mittelschwere Vergiftung
Die Schwellung breitet sich aus, Ödembildung, dazu kommen Entzündungen der Lymphbahnen mit Verknotung und Rötung (Lymphangitis), Erbrechen, Durchfall, krampfartige Schmerzen im Bauchbereich, starke Blässe sowie ein erniedrigter Blutdruck - Schwere Vergiftung
Starke, sich über die gebissene Extremität hinweg ausbreitende Schwellungen, wiederholtes Auftreten von (Kreislauf)Schockzuständen, bläuliche Hautverfärbung, Bewusstseinstrübungen bis hin zur Bewusslosigkeit, evtl. auch ein Koma.
Schwere Vergiftungserscheinugen sind beim Biss einer Kreuzotter nur in wenigen Fäälen zu erwarten. Neben (Klein)Kindern sind vor allem ältere oder gesundheitlich vorgeschädigte Menschen von schwereren Formen einer Vergiftung betroffen.
Gegenserum (Antiserum)
Gegen das Gift der Kreuzotter existieren verschiedene monovalente und polyvalente Antiseren. Bei der Gabe eines Antiserums muss berücksichtigt werden, dass dies stets mit der Gefahr des Auftretens eines allergischen Schocks verbunden sein kann. Daher ist dessen Anwendung stets im Einzelfall genau abzuwägen und sollte nur durch einen erfahrenen Arzt erfolgen. Es hat sich aber gezeigt, dass die Folgen an der gebissenen Extremität nach der Gabe eines Antiserums weniger stark ausfallen als ohne.
Erste Hilfe
Die allgemeinen Regeln, wie man sich bei einem Schlangenbiss zu verhalten hat, sind bereits in unserer allgemeinen Einleitung über Schlangen dargestellt worden. Sie seien der Übersichtlichkeit halber hier nochmals erklärt:
- Ruhe bewahren, sowohl körperlich wie auch psychisch. Falls vorhanden, ist die Gabe eines Beruhigungsmittels empfehlenswert
- die gebissene Extremität ruhig stellen, den Arm in eine Schlinge legen und das Bein möglichst schienen.
- die Schlange identifizieren
- die Gabe von Flüssigkeit ist sinnvoll, aber nur in Form von Wasser, Säften u.ä. und nicht als Alkohol, Cola oder Kaffee
- Dafür sorgen, dass die gebissene Person möglichst bald professionelle Hilfe bekommt
- das Aussaugen, Ausschneiden oder Ausbrennen der Bisswunde hat sich als nicht sinnvoll erwiesen
- auch das Kühlen mit Eis hat sich als wirkungslos und teilweise sogar schädlich erwiesen. Durch starkes Kühlen können entstandene Gewebsnekrosen verstärkt werden und es kann zu Durchblutungsstörungen kommen
Das Anlegen eines Immobilisierungs-Druckverbandes ist nach einem Biss dieser Schlange nicht nur nicht empfehlenswert, sondern verschlimmert die Bissfolgen meist noch.
Prognose
In der Regel endet ein Biss der Kreuzotter zwar mit erheblichen Beschwerden im Bereich der gebisseen Extremität, aber nicht tödlich. Spätfolgen sind nicht zu erwarten. Bei Kindern, körperlich Geschwächten oder bei bestimmten Erkrankungen können jedoch Komplikationen auftreten.
Ein allergischer Schock auf Grund des durch das Gift injizierten Eiweißes allerdings kann zu dramatischen Folgen führen und muss dann unbedingt ärztlich behandelt werden. Aber bekanntlich kann das bei Allergikern sogar nach einem Wespenstich erfolgen.
Zusammenarbeit mit einer Schlangenfarm
Seit Anfang September 2008 arbeiten wir mit der folgenden sehr bedeutenden österreichischen Schlangenfarm zusammen:
Reptilienzoo Nockalm
Eigentümer: Peter Zürcher
Vorwald 83
9564 Patergassen
Österreich/Kärnten
Tel.: 0043 - 4275 - 23165
Mobil: 0043 - 676 - 734 4 270
Der Reptilienzoo - idyllisch im Bundesland Kärnten gelegen - beherbergt eine große Anzahl der verschiedensten Schlangen, von den Kobras über Klapperschlangen, Kreuzottern, Aspisvipern bis hin zu Puffottern und Mambas - um nur einige zu nennen. Der Zoo eignet sich sowohl für Einzelbesucher wie auch für Familien oder Schulklassen.
Er liegt ca. 40 km von Villach in Richtung Kleinkirchheim entfernt.
Öffnungszeiten, Eintrittspreise
Die Öffnungszeiten, Eintrittspreise und weitere Informationen finden Sie unter folgender Webadresse:
www.reptilienzoonockalm.at
Giftnotruf-Zentralen in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Kompetente Giftnotruf-Zentralen - die auch im Fall von Schlangenbissen im Ausland - 24-stündig erreichbar sind, finden Sie unter:
Giftnotruf-Zentralen in Deutschland
Giftnotruf-Zentralen in Österreich und der Schweiz
Benoten sie diesen Artikel
