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Tollwut

Die Tollwut ist eine durch den Biss einer Reihe fleischfressender infizierter Tiere, insbesondere durch Füchse, übertragene fast immer tödliche Viruserkrankung.

Überblick

Name Tollwut
weitere Bezeichnungen Rabies, Lyssa
Familie Infektionskrankheiten
Vorkommen vor allem in Amerika, Afrika, Asien sowie im Osten von Europa
Ursachen Infektion mit dem Tollwutvirus
Erreger ein neurotropes Virus aus der Familie der Rhabdoviren
Übertragung Biss durch infizierte Tiere, wie Hunde, Katzen Füchse, Dachse, Marder, Waschbären, Skunks oder Fledermäuse
Risikofaktoren Kontakt mit infizierten Tieren
Inkubationszeit in der Regel 3 bis 8 Wochen, nicht unter 9 Tagen und in seltenen Fällen sogar mehrere Jahre
Symtome Verlauf in 3 Stufen: von Allgemeinsymptomen wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit und Fieber bis hin zu Krampfanfällen, Koma und letztendlich fast immer dem Tod
Komplikationen eine Zusatzinfektion mit Tetanus
Diagnostik Antigennachweis (Teile der Virushülle) oder Nachweis der Virus-RNA
Therapie Bisswunde auswaschen und sofort eine Immunisierung durchführen
Prognose eine ausgebrochene Erkrankung mit dem Tollwuterreger endet fast immer tödlich
Prophylaxe Schutz vor Kontakt mit den oben genannten Tieren, aktive und passive Impfung

Erreger

Der Erreger ist ein neurotropes (= in die Nerven gehend) Virus aus der Familie der Rhabdoviren, Genus Lyssaviren, von denen es verschiedene Geno- und Serotypen gibt.

Übertragungswege, Überträger

Der Mensch wird in der Regel durch den Biss eines infizierten Tieres seinerseits infiziert. Aber nicht jeder Biss durch ein erkranktes Tier führt auch zu einem Ausbruch der Erkrankung. So erkranken bei tieferen Bissverletzungen im Gesicht ca. 60% der Betroffenen, während beispielsweise bei weniger tiefen Bissverletzungen an den Händen nur ca. 5% der Betroffenen erkranken. In Europa sind in der Hauptsache fleischfressende Wildtiere, wie Füchse, Dachse oder Marder, Träger des Virus. Weiterhin Rehe, Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sowie Hunde und Katzen. In den USA sind es außerdem Waschbären, Stinktiere und Fledermäuse.

Inkubationszeit

Unter der Inkubationszeit versteht man die Zeit zwischen dem Moment der Infektion, also des Bisses, bis zum Ausbruch der Erkrankung. Bei einer Tollwutinfektion beträgt sie im Mittel 3 bis 8 Wochen. Aber in seltenen Fällen kann sie sogar mehrere Jahre oder nur wenige Tage, jedoch nicht unter 9 Tagen, betragen.

Krankheitszeichen, Symptome

Es werden prinzipiell die drei folgenden Krankheits-Stadien unterschieden:

  • Erststadium (Promodalstadium)
    Bei diesem Stadium treten wenig spezifische Symptome auf. So Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, hin und wieder auch Fieber. An der Bissstelle kommt es zum Jucken, Brennen oder zu Schmerzempfindungen.
  • Akutes neurologisches Stadium
    Bei diesem Stadium überwiegen zerebrale (vom Gehirn) Ausfälle. Dabei kommt es zu einer ausgeprägten Abneigung gegen Flüssigkeiten. Das rührt vor allem daher, dass es zu Krämpfen der Schlundmuskulatur mit einem starken Speichelausfluss kommt. So kommt es bereits beim Hören oder Sehen von Flüssigkeiten zu starken Krampfanfällen, die die gesamte Muskulatur erfassen können. Durch Zerstörung bzw. Schädigung der Nerven kommt es weiterhin zu starken Lähmungserscheinungen. Das Befinden der Betroffenen wechselt stark zwischen extrem depressiven und aggressiven Stimmungen.
  • Koma
    In diesem Stadium fällt der Mensch ins Koma und verstirbt bald darauf. Der Tod tritt etwa 7 Tage nach dem Auftreten der ersten Symptome ein.

Diagnosemöglichkeiten

Beim infizierten Menschen ist der Nachweis des Virus-Antigens, also von Teilen der Virushülle oder der Tollwut- RNA im Speichel, dem Liquor ( Hirnflüssigkeit, die sich auch im Rückenmark befindet) oder der Nackenhaut möglich. Leider bringen all die Diagnoseverfahren am lebenden Menschen kein eindeutiges Ergebnis, so dass trotz eines negativen Tests eine Infektion möglich ist. Diese Tests dauern einige Tage, an einem Schnelltest wird jedoch gearbeitet.

Behandlung/Therapie

Die Bissstelle sollte unverzüglich mit Wasser und Seife ausgespült sowie mit medizinischem Alkohol desinfiziert werden. Anschließend muss eine aktive und passive Immunisierung erfolgen. Derzeit gibt es jedoch keine Therapie, die den tödlichen Verlauf der Erkrankung verhindern kann. Wer nicht geimpft war, oder kurz nach der Infektion vor Ausbruch der ersten Symptome immunisiert wurde, wird mit ziemlicher Sicherheit sterben. Mit Hilfe unterstützender Maßnahmen, wie eine künstliche Beatmung, lässt sich der Eintritt des Todes allenfalls verzögern. Aus den USA wurde jedoch der Fall eines Mädchens (15 Jahre) berichtet, die nach einer Behandlung mit einer komplexen Mischung verschiedener Virostatika die ausgebrochene Erkrankung überlebt hat.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten
Es sind keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten bekannt.

Verlauf, Prognose

In der Regel tritt der Tod etwa 7 Tage nach dem ersten Auftreten der Krankheits-Symptome ein. Es gibt nur extrem wenig Menschen, die diese Infektionskrankheit überlebt haben

Vorkommen

Die Erkrankung kommt in vielen Ländern der Erde vor. In Deutschland jedoch gab es in den letzten Jahren keine bekannt gewordenen Infektionent. In den meisten europäischen Ländern, mit Ausnahme Osteuropas, sieht es ähnlich aus. In China dagegen sind es ca. 5.000 und in Indien sogar ca. 15.000 jährlich, wobei in den beiden letztgenannten Ländern von einer relativ hohen Dunkelziffer ausgegangen werden muss. Nach Angaben von Infektiologen rechnet man weltweit jährlich mit ca. 30.000 bis 40.000 Tollwutinfektionen. Aber auch diese Zahl ist wahrscheinlich mit einer hohen Dunkelziffer behaftet.

Risikogruppen

Gefährdet sind vor allem Menschen, die berufsbedingt mit den Überträgertieren in Berührung kommen können, wie Waldarbeiter, Förster, Tierärzte u.ä. Geradezu grob fahrlässig wäre es, in fremden Ländern Hunde, Katzen und andere Tiere anzufassen, um sie beispielsweise zu streicheln oder zu füttern. Gefährdet sind auch Urlauber, die im Freien übernachten.

Impfungen

Glücklicherweise gibt es eine sehr effektive Impfung gegen das Tollwut-Virus. Dabei sind aktive und passive Impfungen zu unterscheiden.

Aktive Impfungen
Unter einer aktiven Impfung (Immunisierung) versteht man die Gabe eines Antigens, das den Körper dazu veranlasst, entsprechende Antikörper zu bilden. Antigene sind prinzipiell von außen zugeführte Substanzen, so z.B. Viren bzw. Virusbestandteile, die vom Immunsystem des Körpers als "fremd" angesehen werden und in der Regel zu Abwehrmaßnahmen des Körpers führen. Eine aktive Immunisierung ist die bei weitem häufigste Art einer Impfung. Diese Art einer Impfung bietet meist einen über viele Jahre andauernden Schutz.

Besonders gefährdete Personen werden vor einer möglichen Infektion rein vorsorglich aktiv geimpft. Man spricht hierbei von einer präexpositionellen Impfung. Dazu werden inaktivierte Tollwutviren als Antigene verwendet, die vorher auf speziellen Gewebekulturen gezüchtet wurden.

Passive Impfungen
Unter einer passiven Impfung versteht man allgemein die Gabe von Antikörpern (Immunglobuline). Diese Antikörper werden entweder beim Menschen oder bei Tieren auf Grund einer Infektion mit einem bestimmten Antigen gebildet. Die Gabe dieser Antikörper ist insofern problematisch, da prinzipiell die Risiken von beispielsweise allergischen Reaktionen und der Übertragung nicht erkannter Krankheitserreger von dem "Spender" auf die geimpfte Person, bestehen. Ein weiterer Nachteil ist die relativ kurze Wirksamkeit einer derartigen Impfung, die in der Regel nur wenige Monate beträgt.

Bei einer möglichen Tollwutinfektion nach einen Biss wird die so genannte postexpositionelle Simultanprophylaxe angewandt. Hierbei werden gleichzeitig Antikörper und Antigene verabreicht. Es findet also eine aktive und passive Immunisierung gleichzeitig statt. Als Antikörper gegen das Tollwutvirus wird ein menschliches Tollwut-Immunglobulin gegeben. Das Tollwut-Immunglobulin wird aus dem Blut (Plasma) gesunder Menschen gewonnen, die nach einer aktiven Impfung einen hohen Gehalt an den erwünschten Antikörpern aufweisen. Mit Hilfe der zusätzlichen passiven Immunisierung überbrückt man nach einer möglichen Infektion den schutzlosen Zeitraum, bis die gleichzeitig verabreichte aktive Immunisierung wirksam wird.

Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen der passiven Immunisierung sind, wie bereits erwähnt, allergische Reaktionen und die Übertragung nicht erkannter Krankheitserreger von dem "Spender". Bei der aktiven Immunisierung kann es zu Allgemeinreaktionen, wie Fieber, Kopfschmerzen oder einem allgemeinen Krankheitsgefühl kommen. Auch sind allergische Reaktionen möglich. Zusätzlich kommt es bei der aktiven Tollwutimpfung zu häufigen (über 10%) Nebenwirkungen, wie Schmerzen und Schwellungen an der Impfstelle, Magen-Darmbeschwerden und Muskelschmerzen. In sehr seltenen Fällen (etwa 0,1%) kann es zu Schüttelfrost, Nervenerkrankungen bis hin zu Lähmungen und Arthritis kommen.

Vermeidung einer Ansteckung

In fremden Ländern, und natürlich besonders in tollwutverdächtigen, muss jeglicher Kontakt mit Tieren vermieden werden, auch mit Haustieren wie Hunden und Katzen. In vielen europäischen Ländern, so auch in Deutschland ist durch eine konsequente Impfung der Überträgertiere die Erkrankung glücklicherweise nahezu ausgerottet. Besonders hohe Ansteckungsgefahren herrschen jedoch immer noch im Osten von Europa sowie in Asien und Afrika.

Linktipps

Robert-Koch-Institut
www.rki.de

World Health Organization (WHO)
www.who.int




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