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Chagas-Krankheit

Überblick

Die Chagas-Krankheit (auch: Amerikanische Trypanosomose) ist eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten verursacht wird und ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent vorkommt. Sie ist durch einen Befall von Muskel-, Immun- und Nervenzellen gekennzeichnet.

Name der Erkrankung Chagas-Krankheit
Weitere Bezeichnungen Amerikanische Trypanosomose
Unterformen  
Vorkommen/Häufigkeit Mittel- und Südamerika
Schätzungen zufolge gibt es ca. 16-18 Millionen Infizierte
Ursachen Infektion mit Parasiten
Erreger Trypanosoma cruzi
Familie Trypanosomatidae
Übertragungsweg Stich durch Raubwanzen (Triatoma)
Bluttransfusion
Organtransplantation
Übertragung von Mutter auf Kind während Schwangerschaft und Geburt
Risikofaktoren, Risikogruppen Übernachten in Lehmhütten
Bluttransfusion, Organtransplantation
Schwangere
Kinder
Inkubationszeit 7-30 Tage
Krankheitszeichen (Symptome) akute Phase: Fieber, Schwellung an der Einstichstelle in der Haut, Schwellung von Lymphknoten, Leber und Milz, Herz-Kreislaufstörungen
Latenzphase: beschwerdefreies Intervall
chronische Phase: krankhafte Erweiterung und Erschlaffung der Herzmuskulatur und der Organe des Verdauungstraktes, Lähmun-gen, geistiger Verfall
Komplikationen Entzündungen der Herzmuskulatur, des Gehirns und der Hirnhäute
Chronifizierung der Erkrankung mit lebensbedrohlichen Organschädigungen
Diagnose Erregernachweis und Antikörpertest
Therapie Behandlung der akuten Symptome (z.B. Stabilisierung des Kreislaufs, fiebersenkende Maßnahmen)
Nifurtimox
Verlauf, Prognose führt unbehandelt häufig zum Tod; bei rechtzeitiger Therapie gute Heilungsaussichten
Vorsichtsmaßnahmen (Prophylaxe) Schutz vor Raubwanzenbefall
Vermeidung (soweit möglich) von Bluttransfusionen in betroffenen Ländern

Was versteht man unter der Chagas-Krankheit?

Die Chagas-Krankheit (auch: Amerikanische Trypanosomose) ist eine Infektionskrankheit, die durch Parasiten verursacht wird und ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent vorkommt. Sie ist durch einen Befall von Muskel-, Immun- und Nervenzellen gekennzeichnet.

Die Erkrankung wurde im Jahre 1909 von dem brasilianischen Bakteriologen Carlos Chagas (1879-1934) zum ersten Mal beschrieben und nach ihm benannt.

Ursachen/Erreger

Ursache für die Chagas-Krankheit ist eine Infektion mit dem Parasiten Trypanosoma cruzi.
Bei Trypanosoma cruzi handelt es sich um tierische Einzeller (Protozoen). Der Erreger gehört zur Gattung der Trypanosoma (trypanon: Bohrer, soma: Körper) und zur Familie der Trypanosomatidae. Er ist spindelförmig, 15-20 µm (1 µm = 10-6 m) lang und hat ein zugespitztes Ende, das sich in Zellen und Gewebe einbohren kann.

Übertragungs- bzw. Ansteckungswege

Die Übertragung von Trypanosoma cruzi auf den Menschen erfolgt in erster Linie durch den Stich von blutsaugenden Raubwanzen (Triatomen). Raubwanzen kommen nachts zum Blutsaugen aus ihren Schlupfwinkeln (Nestern, Höhlen, Hohlräumen in Lehmhütten) hervor. Auch Wild- und Haussäugetiere wie Hunde, Nagetiere und Gürteltiere können Träger der Raubwanzen sein.

Die Trypanosomen durchlaufen in den Raubwanzen verschiedene Entwicklungsstadien und werden nach einigen Tagen mit deren Kot ausgeschieden. Befallen die Wanzen einen Menschen, gelangt der infizierte Kot auf dessen Haut. Die Trypanosomen dringen durch kleine Verletzungen in die Haut oder Schleimhaut der betroffenen Person ein, werden von Zellen des Immunsystems aufgenommen und gelangen dadurch in die Blutbahn. Von hier aus können sie in verschiedene Körperzellen eindringen, wobei Muskelzellen (Herz-, Skelett- und Eingeweidemuskulatur), Immunzellen und Nervenzellen besonders betroffen sind. In den Körperzellen vermehren sich die Erreger, gehen anschließend in die Blutbahn zurück und befallen neue Zellen. Wird eine infizierte Person von einer Raubwanze gestochen, gelangen die Erreger über das aufgenommene Blut in die Wanze - auf diese Weise schließt sich der Kreislauf.

Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Vor allem Infektionen über verseuchte Blutkonserven spielen hierbei eine große Rolle. Daneben können die Erreger über Organtransplantationen oder während einer Schwangerschaft bzw. der Entbindung von der Mutter auf das Neugeborene übertragen werden.

Inkubationszeit

Die Inkubationszeit, d.h. die Zeit zwischen dem Beginn der Infektion (Stich der Wanze) und dem Auftreten von Krankheitszeichen, variiert bei der Chagas-Krankheit zwischen sieben Tagen und einem Monat.

Krankheitszeichen (Symptome)

Die Chagas-Krankheit verläuft in drei Stadien:

Akute Phase
Die Betroffenen leiden zunächst unter Fieber, schmerzhaft vergrößerten Lymphknoten, einer Schwellung von Leber und Milz, beschleunigtem Puls und Blutdruckabfall. An der Stichstelle in der Haut entsteht häufig eine kurzzeitige Schwellung und Rötung, Chagom genannt. In seltenen Fällen kommt es zu lebensbedrohlichen Entzündungen der Herzmuskulatur (Myokarditis) sowie des Gehirns und der Hirnhäute (Meningoenzephalitis).
Latenzphase
Etwa acht bis zehn Wochen nach Ausbruch der akuten Symptome beginnt ein Stadium, in dem die Krankheit ruht. In dieser Zeit, die Monate bis mehrere Jahre dauern kann, haben die Betroffenen keine Beschwerden.

Chronische Phase
Bei etwa einem Drittel der Infizierten treten etwa 10-20 Jahre nach Infektionsbeginn dauerhafte Organschäden auf. Beobachtet werden vor allem krankhafte Erweiterungen und Erschlaffungen der Herzmuskulatur und der Organe des Verdauungstraktes (v.a. Speiseröhre und Dickdarm). Auch das Zentralnervensystem wird angegriffen, so dass die Patienten unter Lähmungserscheinungen und geistigen Störungen leiden.

Diagnose

Da die Chagas-Krankheit in unseren Breiten eher ungewöhnlich ist, spielt die Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese), vor allem im Hinblick auf Auslandsaufenthalte in tropischen Gebieten, eine entscheidende Rolle für die Diagnosestellung.
Im akuten Stadium der Krankheit sind die Erreger im Blutausstrich (sog. "dicker Tropfen") oder in Blutkulturen nachweisbar. Während der chronischen Phase gelingt ein Nachweis der Erreger nur noch selten. Allerdings bildet das Immunsystem der Patienten als Antwort auf die Trypanosomen Antikörper, die auch während der Latenzphase nachweisbar sind.

Therapie

Zunächst werden die akuten Symptome des Patienten behandelt, z.B. durch fiebersenkende und kreislaufstabilisierende Maßnahmen. Die Infektion selbst kann in allen Stadien der Erkrankung mit dem die Parasiten abtötenden Mittel Nifurtimox behandelt werden. Das Medikament wird in Tablettenform verabreicht und muss etwa 90 bis 120 Tage lang eingenommen werden. Es kann verschiedene Nebenwirkungen wie Entzündungen der Haut, Arzneimittelgelbsucht, Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen, psychotische Reaktionen (besonders bei gleichzeitigem Alkoholgenuss), Krampfanfälle und Störungen der Blutbildung hervorrufen. Kinder können - allerdings in geringerer Dosierung als Erwachsene - ebenfalls mit Nifurtimox behandelt werden.

Alternative Behandlungsmöglichkeiten
Wirksame alternative Behandlungsmöglichkeiten sind bei der Chagas-Krankheit nicht bekannt.

Verlauf, Prognose

Nur etwa ein bis zwei Prozent der mit Trypanosoma cruzi Infizierten entwickeln akute Krankheitszeichen. Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren erkranken allerdings erheblich häufiger. Sie sind auch besonders gefährdet, eine lebensbedrohliche Entzündung der Herzmuskulatur oder des Gehirns und der Hirnhäute (Meningoenzephalitis) zu entwickeln.

Rund 10-20 Jahre nach Infektionsbeginn geht die Chagas-Krankheit bei etwa einem Drittel der zuvor akut Erkrankten in eine chronische Form mit schwerwiegenden Organschädigungen über. Vor allem die krankhaften Veränderungen am Herzen führen häufig zum Tod der Betroffenen. Wird frühzeitig - möglichst noch während der akuten Krankheitsphase - die Behandlung mit Nifurtimox begonnen, bestehen allerdings gute Heilungsaussichten.

Vorkommen, Häufigkeit

Die Chagas-Krankheit kommt ausschließlich in Süd- und Mittelamerika vor. Sie tritt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) dort in 21 Staaten endemisch auf, ist also regelmäßig, jedoch in der Regel auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt. Schätzungsweise 16 -18 Millionen Menschen sind mit Trypanosoma cruzi infiziert. Rund 25% der Bevölkerung Lateinamerikas haben ein erhöhtes Risiko für diese Infektion.

Risikofaktoren/Risikogruppen

  • Rucksackreisende
    Rucksackreisende, die in den Ländern Süd- und Mittelamerikas unterwegs sind, haben ein besonderes Risiko, sich mit dem Erreger der Chagas-Krankheit zu infizieren. Vor allem beim Übernachten in Höhlen, einfachen Lehmhütten oder billigen Hotels besteht eine hohe Gefahr, von Raubwanzen befallen zu werden. Auch in Städten sind die Insekten mittlerweile weit verbreitet. Ein besonderer Schutz durch Moskitonetze, Repellents und dergleichen ist deshalb unbedingt zu empfehlen.
  • Schwangere
    Während der Schwangerschaft ist die Chagas-Krankheit besonders gefährlich. Das derzeit verfügbare Medikament Nifurtimox ist mit teilweise erheblichen Nebenwirkungen verbunden und darf bei einer Schwangerschaft nicht angewendet werden. Darüber hinaus können die Erreger der Krankheit während der Schwangerschaft und bei der Geburt von der infizierten Mutter auf ihr Kind übertragen werden.
  • Kinder
    Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren erkranken bei einer Infektion sehr häufig an akuten Symptomen. Sie haben ein besonders hohes Risiko, eine akute Entzündung des Herzens oder des Gehirns bzw. der Hirnhäute zu entwickeln.
  • Bluttransfusion
    Der Erreger der Chagas-Krankheit kann durch verseuchte Blutkonserven übertragen werden. Noch bis Anfang der 1990er Jahre waren die Blutbanken in den Ländern Süd- und Mittelamerikas häufig infiziert (z.B. in Santa Cruz, Bolivien, rund 50% - nach Angaben der WHO).

Vorsichtsmaßnahmen/Prophylaxe

Impfungen
Eine wirksame Impfung zur Vorbeugung der Chagas-Krankheit existiert nicht.

Insektenschutz
Um einer Infektion mit Trypanosoma cruzi vorzubeugen, sollten Maßnahmen zum Schutz vor Wanzenstichen ergriffen werden.
  • Kleidung
    Reisende in Risikogebiete sollten ihren Körper grundsätzlich mit langer, fester Kleidung bedecken. Um die Schutzwirkung der Textilien zu erhöhen, können diese, genau wie Moskitonetze, mit Insektensprays behandelt werden.
  • Moskitonetze
    Bevorzugt angewendet werden heute mit Insektenmitteln imprägnierte Moskitonetze aus Kunststoff, da diese leichter und nicht so anfällig für Feuchtigkeit sind wie Baumwollnetze. Wichtig ist eine Maschengröße von nicht mehr als 1,2 x 1,2 mm bzw.180-200 mesh/square inch (Maschen/Quadratzoll). Das Moskitonetz sollte den Körper nicht berühren, rundum unter der Matratze fixiert sein oder - bei Hängematten - rundum fest auf dem Boden aufliegen (ausreichend langes Netz mit Erdstreifen).
  • Raumschutz
    Wirkungsvolle Mittel zum Insektenschutz in Räumen sind Fliegengitter vor sämtlichen Raumöffnungen sowie Insektizide (Räucherspiralen, Insektizidverdampfer, Insektensprays).
  • Repellents (insektenabweisende Mittel)
    Repellents haben eine abweisende Wirkung auf Insekten. Sie werden auf die Haut aufgetragen, wobei verschiedene Wirkstoffe in unterschiedlichen Darreichungsformen (Sprays, Lotionen, Gele, Cremes) zur Verfügung stehen. Die meisten heutzutage verwendeten Repellents sind für den Menschen wohlriechend und haben gute Gebrauchseigenschaften. Übel riechende, klebrige Substanzen gehören eher der Vergangenheit an. Die Wirkstoffe unterscheiden sich in Effektivität, Wirkspektrum und Wirkdauer. So haben Sprays z.B. generell eine kürzere Wirkdauer als andere Darreichungsformen. Für Kinder stehen spezielle Repellents zur Verfügung.
    Es ist ratsam, insektenabweisende Mittel erst nach anderen Hautpflege- oder Sonnenschutzmitteln aufzutragen, damit sie nicht überdeckt werden. Auch der Kontakt mit Wasser (Schwimmen, starkes Schwitzen) kann die Wirksamkeit der Mittel herabsetzen. Schleimhautkontakt sollte vermieden werden, spezielle Hinweise auf Unverträglichkeiten sowie mögliche Materialschäden an Kunststoffen sind gesondert zu beachten.
Chemoprophylaxe
Eine medikamentöse Vorbeugung von Infektionen mit Trypanosoma cruzi ist derzeit nicht möglich.
Bluttransfusionen
Reisende in die Länder Süd- und Mittelamerikas sollten sich in Hinblick auf mögliche Infektionen nur in absoluten Ausnahmefällen medizinisch mit Blutkonserven versorgen lassen.
Naturheilkundliche Vorsichtsmaßnahmen, Ernährung
Es existieren verschiedene Berichte über alternative Vorsichtsmaßnahmen, deren Wirkung jedoch nicht hinreichend gesichert oder teilweise sogar widerlegt ist. So werden bestimmte ätherische Öle als Repellents empfohlen. Diese sind jedoch nicht zuverlässig wirksam. Aufgrund der Gefährlichkeit der Chagas-Krankheit ist von Experimenten bezüglich alternativer Vorsichtsmaßnahmen eher abzuraten.

Linktipps

www.who.int
Informationsseite der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu Chagas-Krankheit (Englisch)

www.fit-for-travel.de
Informationen über aktuelle Gesundheitsrisiken in Reiseländern




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