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Völklinger Hütte

Kurzinformation

Völklinger Hütte © goruma

Im Jahr 1873 wird die Völklinger Hütte – ein Stahlwerk - von dem Ingenieur Julius Buch gegründet.
Im Jahr 1881 übernahm es  Carl Röchling, und  unter seiner Führung wude der erste Hochofen in Betrieb genommen.Seinem Einsatz war es zu verdanken, dass das Werk das größte Deutschlands für Eisenträgerherstellung wurde.

Röchling ließ eine Gasgebläsemaschine bauen und konnte die Produktion erhöhen.
Im Jahr 1928 wurde die erste Sinteranlage Europas installiert - eine „Recyclinganlage“ für Staub und Feinerz. Im zweiten Weltkrieg arbeiteten viele Tausend Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in der Völklinger Hütte. Sie mussten unter schlimmen Bedingungen dort arbeiten.

Die Arbeit wird so beschrieben: “ ... wer jemals erlebt hat  wie ein Arbeiter den mit hoher Geschwindigkeit auslaufenden glühend heißen Draht mittels Zange ergriff, eng um seinen Körper führte und in das nächst kleinere Walzgerüst steckte, wird das niemals vergessen“.

Als im Jahr 1956 das Saarland wieder zu Deutschland durch freie Wahl kam, wurde die Hütte der Familie Röchling zurückgegeben, die das Werk bis zur Stilllegung im Jahr 1985 betrieben. Es wurde dann unter dem Namen Saarstahl als Industriedenkmal unter Denkmalschutz gestellt

Deutschland, Unesco, Völklinger Hütte

Der damalige Besitzer des Werkes ist sehr umstritten, gelobt aber werden die Sozialeinrichtungen für seine Arbeiter, die vorbildlich gewesen sein sollen. Er gründete die Partei "Deutsche Front" und sprach sich

im Jahr 1933 für eine Annexion des Saarlands mit folgender Begründung aus: Das Saarland solle kein "jüdischer Nationalpark“ werden.
Im Jahr 1935 wurde er NSDAP-Mitglied und wurde Wehrwirtschaftsführer. Sein Verhältnis zu Hitler war ausgesprochen gut. Er beriet Hitler und schrieb für Hitler im Jahr 1936 "Gedanken über die Vorbereitung zum Kriege und seine Durchführung“. In dieser Schrift forderte er sogar den Krieg gegen die Sowjet-Union.

Nach dem Krieg wurde Röchling im Jahr 1949 in Frankreich zu 10 Jahren Haft wegen industrieller Ausbeutung der besetzen Gebiete, Erhöhung des Kriegspotentials des Deutschen Reichs und Einfluss auf die Verschleppung von Personen zur Zwangsarbeit verurteilt.

Über hundert Jahre lang stellte die Völklinger Hütte das Zentrum der saarländischen Schwerindustrie dar. Das Eisenwerk galt aufgrund ihrer optischen Erscheinung lange als “Kathedrale der Arbeit“ und ist untrennbar mit dem Namen Röchling verbunden.

Heute gilt die Völklinger Hütte als einer der wichtigsten Besuchermagneten auf der europäischen “Route der Industriekultur“ und dient als pulsierender Schauplatz zahlreicher Kunstprojekte und kultureller Veranstaltungen. 

Im Jahr 1994 wurde die Völklinger Hütte als weltweit erstes Industriedenkmal in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Standort Völklingen (Saarland)
Betriebszeit 1873-1986
Besonderheiten Die Völklinger Hütte gilt als “Ikone der Industriekultur.“
Nutzung Die Völklinger Hütte ist eine einstige Eisenhütte, die seit 1992 für eine kulturelle Nutzung zur Verfügung steht.
Seit 1994 gilt sie als Industriedenkmal und ist in der UNESCO- Liste des Weltkulturerbes gelistet
Größe Höhe der Hochofensilhouette: ca. 23 m
Gestelldurchmesser: ca. 4,5 m
Information/Öffnungszeiten Weltkulturerbe Völklinger Hütte,
Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur
66302 Völklingen an der Saar
Tel. 0049 - (0)6898 - 9100 100
E-mail: mail@voelklinger-huette.org
www.voelklinger-huette.org
Öffnungszeiten: täglich ab 10:00 Uhr

Geschichte der Hütte

Deutschland, Unesco, Völklinger Hütte

Die Geschichte der Eisenhütte beginnt im Jahr 1873 mit dem Hütteningenieur Julius Buch, der bei Völklingen an der Saar ein Stahlwerk gründete.
Nach nur sechs Jahren war Buch gezwungen, das Stahlwerk wieder zu schließen, da die hohen Einfuhrzölle für Roheisen die Verhüttung zu einem eher unrentablen Geschäft machten.

Carl Röchling erwarb im Jahr 1881 das stillgelegte Stahlwerk, um in Völklingen selbst Eisenerz abzubauen und nahm zwei Jahre später den ersten Hochofen in Betrieb.
Röchlings Unternehmenspolitik und sein besonderes Gespür für Innovationen zeigten schon bald Erfolg: Bereits im Jahr 1890 galten die Röchling’schen Eisen- und Stahlwerke als die wichtigstes Anlage zur Gewinnung und Weiterverarbeitung von Eisen und der größte Eisenträgerhersteller in Deutschland.

1891 wurde das Thomas-Stahlwerk der Völklinger Hütte gegründet. Damit führte der Familienbetrieb der Röchlings das Thomas-Verfahren zwar erst relativ spät ein, wurde aber dennoch schon bald mit dem entsprechenden Erfolg belohnt. Mit dem Thomas-Verfahren konnte nun auch die Minette, ein Eisenerz aus der Grenzregion Lothringen, verhüttet werden; die Minette wurde bis 1963 eingesetzt.

Die hohen Temperaturen, die jedoch zur Stahlherstellung nötig sind, stellten eine neue Herausforderung dar: Erze sind überwiegend Eisen-Sauerstoff Verbindungen, zu deren Trennung ein Reduktionsmittel nötig ist. Man benötigt also nicht nur Kohle, sondern vor allem Koks, da dieser einerseits den Sauerstoff aus seiner Bindung löst und andererseits während der Verbrennung mehr Wärme freisetzt als die Kohle-Verbrennung. Diese starke Wärme ist wiederum für die Reduktion erforderlich.

So ließen die Gebrüder Röchling 1897 neben den Hochöfen die erste Koksbatterie errichten und bauten in der Verkokung auf die lange Erfahrung ihrer Familie, die im Sulzbachtal bereits eine der größten Kokereien des Saarlands betrieben hatte, auf. Drei Jahre darauf wurde die erste Gasgebläsemaschine in Betrieb genommen, welche mit dem Gas aus den Hochöfen angetrieben wurde. Auch hier hatten die Röchlings schnell die Bedeutung des gereinigten Gichtgases als Antriebskraft für die Zukunft der Eisenindustrie erkannt und ließen das Gasgebläsehaus vis á vis der Hochöfen errichten.

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1911 entstand die Hängebahnanlage zur Beschickung der Hochöfen und die Hütte produzierte auf Hochtouren. Im Jahr 1928 entdeckte man die Sintertechnik in Völklingen, welche die Chance bot, die Abfallprodukte des Verhüttungsprozesses, vor allem Feinerz und Gichtstaub, zu nutzen und weiterzuverarbeiten.
Bei ca. 1.300° C wurde in der Sinteranlage, die seinerzeit als größte und modernste Anlage ihrer Art in Europa galt, das feine Material zu Stücken gebacken und in den Hochofen eingefüllt.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten im gesamten Saarrevier etwa 70.000 Fremdarbeiter und Kriegsgefangene. Auch in den Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken waren bis zum Kriegsende
Tausende von Menschen vor allem aus Polen, Russland und Jugoslawien, aber auch aus Italien, Belgien, Holland und Luxemburg verpflichtet. Für leichtere Arbeiten wurden in den Kriegsjahren auch Frauen eingesetzt, denen bis dahin der Zutritt zu den Produktionsanlagen strengstens untersagt war. Dank des Baubooms in der Nachkriegszeit erreichte die Hütte im Jahr 1952 ihren Produktionshöchststand.
Erst mit der Rückgabe des Saarlandes an Deutschland erhielten die alten Besitzer, die Industriellenfamilie Röchling, 1956 die Hütte zurück.

Im Jahr 1965 beschäftigte das Stahl- und Eisenwerk rund 17.000 Menschen - die höchste Beschäftigungszahl in der Geschichte der Hütte. Doch die weltweite Stahlkrise in den 1970er Jahren machte auch vor der Völklinger Hütte nicht Halt und führte 1982 zu einer Zusammenlegung der Eisen- und Stahlwerke Völklingen, Burbach und Neunkirchen; es entstand der ARBED-Saarstahl-Konzern, aus dem die Familie Röchling schließlich ausstieg.

In der Nähe des Völklinger Eisenwerkes errichtete man ein neues Stahlwerk, in welchem Roheisen im Blasstahlverfahren zu Stahl weiterverarbeitet wurde.

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Im Jahr 1986 wurden die Hochöfen der Völklinger Hütte stillgelegt und tausende von Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Einige Teile der stillgelegten Hütte wurden noch im selben Jahr unter Denkmalschutz gestellt, das Stahlwerk und andere Teile des Eisenwerks blieben jedoch weiterhin in Betrieb und fusionierten 2002 mit dem luxemburgisch-französisch-spanischen Stahlkonzern Arcelor.

Die seinerzeit gegründete Bürgerinitiative Völklinger Hütte kämpfte für die Erhaltung des Werks und dessen Aufnahme in die UNESCO- Liste des Weltkulturerbes. Diese erfolgte im Jahr 1994 und das Eisenwerk wurde zum Industriedenkmal erklärt. Das Saarland gründete daraufhin die neue Trägergesellschaft “Weltkulturerbe Völklinger Hütte – Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur“ und forcierte eine kulturelle Nutzung des Geländes. Seit 1992 erfolgten immer wieder Umbau- und Instandsetzungsmaßnahmen, um das Industriedenkmal der neuen Nutzung anzupassen.

Im Jahr 2004 feierte die Völklinger Hütte ihr 10-jähriges Jubiläum als UNESCO-Weltkulturerbe und das Science Center “Ferrodrom – die Erlebniswelt des Eisens“ eröffnete in der Möllerhalle.

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Beschreibung der Hütte

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Roheisen ist eine rohe, unsaubere Legierung aus etwa 94% Eisen, Kohlenstoff sowie mehreren metallischen und nicht metallischen Begleitstoffen.
In der Eisengewinnung spielt der Kohlenstoff eine wichtige Rolle, da von ihm Eigenschaften wie Festigkeit, Härte, Dehnbarkeit und Sprödigkeit des Rohstoffs abhängen.
Im Roheisen liegt der Kohlenstoffgehalt etwa zwischen 1,7% und 8,0%, im Normalfall zwischen 4% und 5%. Unterhalb der 1,7% lässt sich die Kohlenstofflegierung kalt oder warm verformen so dass man in diesem Fall von Stahl spricht. Verfolgt man nun den Weg des Roheisens bis hin zur Stahlgewinnung und der Verarbeitung von Abfallprodukten des Verhüttungsprozesses, so startet man seinen Rundgang im Entlade- und Austragungsbunker. Hier wurden die Erze und Zuschlagstoffe, welche per Bahn aus den Erzgruben angeliefert wurden, entladen.

Der Entlade- und Austragungsbunker der Völklinger Hütte wurde 1929 errichtet und war eine Beton- und Stahlsilokonstruktion mit einer Stahlfachwerk-Überdachung. Sein Fassungsvermögen betrug 1400 t. Zum Teil wurde das Roherz bis zur weiteren Verarbeitung im Erzbunker gelagert. Dieser Stahlblechbunker wurde 1902 errichtet und besaß eine Lagerkapazität von 12 000 t. Er war über Förderbänder mit der Erzbrechanlage und über Bahnlinien mit dem Erzsilo II verbunden.

1924 wurde der Erzbunker mit einem Dach versehen und 1950 teilweise erneuert. Über Platten und Austragsbänder wurden die Erze an die Erzbrechanlage geliefert und dort zerkleinert. Über einen Rollenrost wurden sie vorsortiert und in größere Stückgrößen gebrochen. Mit Hilfe der Siebanlage konnten die Stücke anschließend nach Korngrößen sortiert werden. Die Erzbrech- und Siebanlage entstand 1944 und besaß ein Leistungsvermögen von bis zu 300 t in der Stunde.

Aus der Siebanlage gelangte das Erz je nach Größe entweder über Förderbänder in die Aufbereitung in die Sinteranlage, zum Rohstofflager oder in die Möllerung im Erzsilo II. Im Erzsilo II wurden beim Möllern die verschiedenen Einsatzstoffe für die Erzeugung von Roheisen zusammengestellt. Die dabei entstehende Mischung aus so genannten Möllerstoffen war ein Gemisch aus Koks, Erz bzw. Sinter oder Pellets und Zuschlägen wie Kalkstein, Schrott, Kies und anderen Stoffen. Der Möllerbunker wurde im Jahr 1912 errichtet und besaß eine Länge von 125 m; dort wurde das als Möller bezeichnete Gemisch zunächst gelagert, bevor es schließlich in die Hochöfen eingefüllt wurde.

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Die Möllerstoffe sollten ein möglichst enges Kornband sowie ein große spezifische Oberfläche und mechanische Festigkeit besitzen, um beim Durchgang durch den Hochofen nicht zu zerfallen. Werden diese Voraussetzungen erfüllt, so kann das Gas bei einer sehr kurzen Verweilzeit im Hochofen optimal ausgenutzt werden und der Koksverbrauch ist entsprechend geringer. Mit Hilfe der beiden Erzschrägaufzüge, auch Erzschrägbrücke genannt, wurden sowohl die Erzmengen als auch der benötigte Koks zu den Hochöfen transportiert. Die Erzschrägaufzüge wurden zwischen 1911 und 1918 erbaut und stellten mit ihrer 48% Steigung eine kleine technische Innovation dar. Die Gesamtlänge der Gleise von ca. 5,8 km stellt eine weitere technische Besonderheit des Seil- und Hängebahnsystems der Völklinger Hütte dar.

Das Eisenwerk verfügte über 6 Hochöfen mit 18 Winderhitzern, von denen der Älteste im Jahr 1885 entstand. Eine gemeinsame Gichtbühne verteilte den angelieferten Möller an die einzelnen Hochöfen. Die Hochofengruppe wurde zwischen 1882 und 1916 erbaut, Hochofenpanzer und Hochofenschacht wurden 1967 erneuert. Die Gesamthöhe der Ofenanlage beträgt 36,30 m.
Die Gicht wurde mittels Haube und Glocke verschlossen, die Möllerung wurde über die geöffnete Gichtglocke bei geschlossener Haube in den Hochofen eingebracht.

Den größten Teil des Hochofens umfasst der Schacht. Der Stahlblechpanzer in Form eines abgestumpften Kegels wurde von innen mit Schamottesteinen ausgemauert und von außen zur Kühlung mit Wasser berieselt. Unterhalb des Schachtes schließt sich die Rast an. Sie ist ebenfalls ein konischer Kegel, der sich jedoch im Gegensatz zum Schacht nach unten verjüngt. Das Gestell ist der unterste Teil des Hochofens, in den über Düsenstöcke der vorgewärmte Wind eingeblasen wird. Hier findet die Koksverbrennung statt und es sammeln sich das erschmolzene Roheisen und die Schlacke an. Das optische Erscheinung der Hochofenanlage wird vor allem von den Schornsteinen und den Gasabzugsrohren bestimmt. Alle fünf bis zehn Jahre mussten die Hochöfen aufgrund ihrer hohen Beanspruchung neu ausgemauert werden. Die in den 1920er Jahren errichtete Hochofensilhouette besaß eine durchschnittliche Höhe von etwa 23 m Höhe und einen Gestelldurchmesser von ca. 4,5 m.

Im Jahr 1928 wurde die Sinteranlage erbaut, welche eine Monatsleistung von 55.000 t erzielte. In den dreißiger Jahren galt sie als eine der weltweit größten Anlagen ihrer Art. In ihr wurden die pulverförmigen eisenhaltigen Stoffe für den Hochofen durch den Prozess des Sinterns stückig gemacht. Die Produktion der Sinteranlage belief sich auf etwa 4.500 t täglich. Die vier Sintermaschinen der Anlage bestanden aus jeweils einer Kette von Rostwagen.

Die verschiedenen Materialien wie Gichtstaub, Feinerz und Feinauswurf, Kiesabbrand, Walzschlacke, Oxide sowie 8-10% Feinkohle oder Kokslösch wurden darin über mehrere Drehteller in ein optimales Mischungsverhältnis versetzt und mit Wasser vermengt. Anschließend wurde die Rohstoffmischung den Sinterbändern zugeführt und in einer Schütthöhe von 25-35 cm aufgebracht. Die Bänder liefen nun unter Zündhauben hindurch, welche mit Gicht- oder Koksgas beheizt wurde. In den Saugkästen sorgten Ventilatoren für eine gleichmäßige Luftzirkulation, so dass der Brennstoff langsam von oben nach durchbrennen konnte. Temperaturen bis zu 1 200° C trieben sowohl das Wasser als auch den Kohlenstoff aus. Der fertig gebackene Sinter kam in den Stachelbrecher, der die Sinterkuchen zerkleinert, und von dort in rotierende Siebtrommeln.

Nach dem Durchlaufen eines Kaltsiebes wurde der Sinter schließlich in Hängebahnwagen gefüllt und zu den Hochöfen transportiert. Die Sinteranlage der Völklinger Hütte stellte eine echte Innovation dar. Mit ihr konnten Hüttenreststoffe effizient verarbeitet werden lange bevor der Begriff Recycling überhaupt aufkam. Durch das Sintern und Brechen der Erze wurden Schmelzstoffe bereitgestellt, der Koksverbrauch gesenkt und die Qualität des Roheisens erheblich verbessert.

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Zunächst bezog die Völklinger Hütte ihren Koks von der firmeneigenen Kokerei in Altenwald, ab 1897 wurden jedoch die ersten Koksöfen auf dem Gelände des Eisenwerks angeheizt. Durch eine trockene Destillation gewann man in den Koksbatterien aus der Steinkohle Koks, welcher sowohl den Brennstoff als auch das Reduktionsmittel zur Roheisengewinnung darstellte. Die Kokerei bestand aus mehreren Einheiten, den Batterien, die dicht nebeneinander aufgestellt wurden. Von den ehemals sieben Koksbatterien der Völklinger Hütte sind heute nur noch zwei vorhanden. Die Koksofenbatterien I und II entstanden in den Jahren 1935/36 und zählen somit zu den ältesten Anlagen ihrer Art. In den sieben Koksbatterien der Hütte wurden seinerzeit pro Monat über 70 000 Tonnen Koks produziert. Dabei diente die Stampfmaschine zunächst zur Vorverdichtung und zum Eindrücken der Steinkohle in die Kokskammern der Batterien sowie zum Ausdrücken des fertig gegaarten Kokses. Die überbaute Fläche der Stampfmaschine betrug 312 m2, die Maschine verfügte über eine Bahn von 924 m2. Die in der Stampfmaschine gepresste Fein- und Nusskohle-Mischung, wurde in den Kokskammern 16 Stunden lang bei 1.200 Grad ohne Sauerstoff gegart. Der dabei entstehende Koks besteht zu 90% aus Kohlenstoff und enthält deutlich weniger Schwefelverbindungen als Kohle. Andere anfallende Begleitstoffe wurden zur weiteren Verarbeitung abgesaugt: Aus dem freiwerdenden Koksgas wurden unter anderem Rohteer, Rohbenzol und Ammoniak hergestellt. Das gereinigte Koksgas diente in den weiterverarbeitenden Betrieben der Hütte als Brennstoff und wurde später auch als Ferngas in Industriebetrieben und Haushalten genutzt.
Nach der Garungszeit wurde der glühende Koks auf eine Stahlplattform gedrückt und dort mit Wasser abgelöscht. Anschließend konnte der abgelöschte Koks zur Gichtbühne transportiert und abwechselnd mit Erz und Sinter in Schichten in die Hochöfen gefüllt werden. Die überbaute Fläche der Batterie I und II betrug jeweils 441m2. Der Koksausstoß belief sich auf 200 t in 24 Stunden.
Der alte Kohlenturm wurde im Jahr 1890 errichtet und gilt als der älteste Kohlenturm in Deutschland. Seine überbaute Fläche beträgt 44 m2 und er besitzt ein Fassungsvermögen von 2500 t. Ein weiteres Nebenprodukt des Verbrennungsprozesses war das Gichtgas, welches aufgrund seines hohen Kohlenmonoxidgehalts als Brennstoff genutzt werden konnte. Es wurde zunächst durch Staubsäcke, Wirbler und ein Trockengasreinigung von mitgeführtem Gichtstaub gereinigt.
Das gereinigte Giftgas diente unter anderem zur Erwärmung der Winderhitzer, als Antriebskraft für die Gasmaschinen der Strom- und Winderzeugung und zur Beheizung der Koksbatterien und Walzwerksöfen. Zwischen 1900 und 1913 entstand das Gasgebläsehaus, welches über 4 gichtgasbetriebene Gasgebläsemaschinen zur Windverdichtung verfügte und zwei weitere Maschinen zur Stromerzeugung mittels Dynamo betrieb. Vor allem lieferte das Gebläsehaus jedoch den Wind für den Hochofenprozess. Im 19. Jahrhundert basierte die Energieerzeugung noch weitestgehend auf Dampfmaschinen, die jedoch angesichts des großen Energiebedarfs der Hütten bald an ihre Leistungsgrenzen stießen. Bei Großgasmaschinen handelte es sich hingegen um Verbrennungsmotoren. Die Völklinger Hütte war also auch auf diesem Gebiet an der frühen Entwicklungs- und Erprobungsphase der ersten Großgasmaschinen maßgeblich beteiligt.
Im Inneren des Gebläsehauses erstreckt sich die Maschinenhalle über das ganze Obergeschoß. Seit einigen Jahren wird die Halle für verschiedene kultureller Veranstaltungen wie Konzerte, Theaterprojekte und Modenschauen genutzt.
Für die Wasserversorgung der Hütte waren vor allem das Pumpenhaus und der Wasserturm von Bedeutung. Im Pumpenhaus wurden zur Kühlwasserversorgung 20 Pumpen, aufgeteilt in drei Pumpstationen, betrieben. Das Pumpenhaus I wurde im Jahr 1910 erbaut und verfügte über eine Gasmaschine für den Antrieb. Eine Dieselmaschine stand als Reserve zur Verfügung. Grob gereinigtes Saarwasser diente in Völklingen als Kühlwasser. Der Wasserbedarf für Kühlung, Druckwasser und andere Verwendungszwecke war erheblich, der größte Teil wurde jedoch zur Kühlung der Hochöfen benötigt. Der 1917 erbaute Wasserturm diente bei einem Ausfall der Pumpen als Reserve für die Hochofenkühlung. Mittels zweier gasbetriebener Pumpen wurde das Wasser in eine Höhe von 40 m gepumpt und von dort entsprechend dem Produktionsbedarf entnommen. Von außen war der Wasserstand durch einen gut sichtbaren Wasserstandsanzeiger ablesbar.
Mit seinen großflächigen rechteckigen Formen im Stil moderner sachlicher Industriebauweise prägte der Wasserturm die Silhouette der Hüttenstadt maßgeblich.

Nutzung, Größe

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Die Völklinger Hütte gilt heute als einer der wichtigsten Standorte deutscher Industriegeschichte und ist einer der Ankerpunkte der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH). Die einstige “Kathedrale der Arbeit“ aus der Blütezeit der Eisen- und Stahlindustrie wurde als erstes Industriedenkmal in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Heute wird die Völklinger Hütte vor allem für kulturelle Zwecke genutzt. Eine Vielzahl von Veranstaltungen lockt jährlich rund 200.000 Menschen in das ehemalige Eisen- und Stahlwerk, das Spektrum reicht von Theater über Open-Air-Konzerte bis hin zu Kammermusik, Jazzkonzerten, Hörspielreihen oder vielfältigen Ausstellungen.
Des Weiteren werden alle Phasen der Roheisenerzeugung durch Führungen und Ausstellungen am authentischen Ort auf anschauliche Weise nachvollziehbar gemacht.
Seit dem Jahr 2004 residiert in der einstigen Möllerhalle das Ferrodrom, das erste Science Center im Saarland. Das Ferrodrom bietet auf einer Fläche von 10.000 m2 eine multimediale Erlebniswelt rund um die Themen Eisen und Stahl. Exponate und Filme führen durch die Kulturgeschichte des Eisens, Führungen durch frühere Hüttenarbeiter geben einen plastischen Einblick von der Arbeit am Hochofen. An 50 Mitmachobjekten und Experimentierstationen können Besucher die verschiedenen Transportwege der Hütte nachvollziehen. Im ehemaligen Hochofenbüro bietet sich Kindern das Erlebnisreich “Lily Luna“ und neben der Granulieranlage lockt in den Sommermonaten ein Picknickbereich.
Die einstige Handwerkergasse wird heute von der Staatlichen Kunsthochschule für ihre Zwecke genutzt. Bei dieser Nähe zum Nachwuchs in den bildenden Künsten ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass insbesondere die wechselnden Ausstellungen - von zeitgenössischer Skulptur über Aktfotografie bis hin zu Lichtinstallationen - in der Völklinger Hütte für ihre Qualität bekannt sind. Das Bistro B 40 und das Café Umwalzer sorgen für die gastronomische Betreuung auf dem Hüttengelände.
Die Völklinger Hütte ist täglich ab 10:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 11-€ oder 9 -€ für Ermäßigungsberechtigte. Kinder und Jugendliche im Klassenverband zahlen jeweils 3 -€. Des Weiteren wird ein Familienticket für zwei Erwachsene und deren Kinder zum Preis von 23 -€ angeboten.
Gebuchte Führungen für maximal 30 Personen sind zu einem Preis von 80 -€ zuzüglich einem ermäßigtem Eintrittspreis pro Person erhältlich. Die gebuchte Führung dauert ca. 1,5 Stunden.
Weitere Informationen zur Völklinger Hütte und zum ständig wechselnden Programm sind erhältlich:
Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Europäisches Zentrum für Kunst und Industriekultur
66302 Völklingen an der Saar 
Tel.: 0049- (0)6898- 910 00
E-mail: mail@voelklinger-huette.org.

Besonderheiten

Die Völklinger Hütte ist ein einzigartiges Monument der Technikgeschichte und Industriekultur des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

Im Jahr 1994 wurde das ehemalige Eisenwerk als weltweit erstes Industriedenkmal in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Die Völklinger Hütte ist ein ungewöhnliches Beispiel einer historisch bedeutsamen Großanlage der Roheisenproduktion und es ist, soweit bekannt, kein weiterer historischer Hochofenkomplex erhalten, der den Prozess der Roheisenherstellung so authentisch und umfassend erfahrbar macht und damit die Meilensteine technischer und industrieller Innovationen derart anschaulich dokumentiert.

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