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Bauhaus in Dessau, Bernau und Weimar

Allgemeines

Weltkulturwerbe Bauhaus in Dessau © goruma (koppenwallner)

Mit seinem Plädoyer für eine praktische, preiswerte und zweckmäßige Architektur revolutionierte Walter Gropius die Ästhetik der Moderne. Die Bauhaus-Künstler versuchten mit ihren Häusern, Möbeln und Haushaltsgeräten den Bedürfnissen des Menschen zu entsprechen.
Ein Objekt galt den Vertretern der Bauhausarchitektur als schön, wenn es praktisch und auch finanziell erschwinglich war. Das Bauhaus Dessau-Weimar wurde 1996 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten eingetragen.
Das Weltkulturerbe des Bauhauses in Weimar und Dessau von 1996 wurde von der UNESCO um die dreistöckigen Laubenganghäuser in Dessau und die frühere Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau bei Berlin erweitert.
Diese Gebäude aus den späten 1920er Jahren stammen von Hannes Meyer (1889-1954), der am 1. April als Nachfolger von Walter Gropius Direktor des Bauhauses in Dessau wurde. Hier wurde er von den Nationalsozialisten, die bereits Anfang der 1930er Jahre in der Stadtverwaltung die Mehrheit hatten, fristlos entlassen.
Das bewog den Kommunisten Meyer 1930 in die Sowjetunion zu emigrieren. Wegen der dortigen Säuberungsaktionen war er aber 1938 in seine Heimat die Schweiz zurückgekehrt. Danach war er bis 1949 in Mexiko tätig. Am Ende war er wieder in der Schweiz, wo er am 19. Juli 1954 verstorben war.
Im Jahr 1933 wurde das Gewerkschaftshaus von den Nationalsozialisten in Besitz genommen. Zuerst war es Reichsschule der NSDAP und der Deutschen Arbeitsfront.
Sogar Adolf Hitler war im Juni 1933 hier zu Gast. Danach wurde es als Übungs- und Trainingsort des Sicherheitsdienstes der SS genutzt. Nach dem Krieg zog hier 1946 der neu gegründete Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) ein und nutzte bis 1989 das Gebäude als Tagungs- und Schulungszentrum.
Im Jahr 2005 wurde das Gebäude im alten Glanz wieder eröffnet. Heutzutage befindet sich hier ein Bildungs- und Innovationszentrum der Handwerkskammer Berlin.
Die Erweiterungen des Bauhauses wurden auf der Sitzung der UNESCO, die vom 2. bis zum 12. Juli 2017 in Krakau in Polen getagt hatte, in die UNESCO-Weltkulturerbeliste aufgenommen

Das Bauhaus entstand am 12. April 1919 in Weimar unter der Leitung von Walter Gropius durch die Vereinigung der "Großherzoglich-Sächsischen  Hochschule für Bildende Kunst"  in Weimar mit der "Großherzoglich-Sächsischen Kunstgewerbeschule" Weimar, die allerdings bereits 1915 aufgelöst worden war. Im Jahr 1925 zog das Bauhaus nach Dessau – und dort ab 1926 in das Gebäude des Bauhauses Dessau.
Im Jahr 1932 musste das Bauhaus auf Druck der Nazis nach Berlin umziehen und wurde nach der Machtergreifung 1933 durch die Nazis geschlossen. Am Standort des früheren Bauhaus-Gebäudes in Berlin befindet sich nur noch eine Hinweistafel auf das Gebäude. Derzeit befindet sich hier ein ausgesprochen hässlicher Zweckbau. Man findet die Hinweistafel in Berlin-Steglitz in der Birkbuschstraße 49 - Ecke Siemensraße
 

Etwas Geschichtliches

Eingang zum Bauhaus in Dessau ©goruma (koppenwallner)

Die Keimzelle der Bauhaus-Schule, welche mit ihrem formalen und funktionalen Ästhetikverständnis die internationale Moderne von Architektur und Design begründete und in die ganze Welt trug, liegt in Weimar. Der Maler und Designer Henry van de Velde, der bereits seit 1902 in den Räumlichkeiten seines Privatateliers ein kunstgewerbliches Seminar leitete, gründete 1907 das private Kunstgewerbeinstitut Weimar und war im selben Jahr an der Gründung des Deutschen Werkbunds beteiligt. Van de Veldes erklärtes Ziel war die Suche und as Experimentieren mit funktionellen Formen und organischen Elementen, mit denen “die Industrien die Aufmerksamkeit des abgestumpften Publikums erregen“ könnten. Schon im Jahr 1908 wurde das Kunstgewerbeinstitut verstaatlicht und trug als “Großherzoglich Sächsische Kunstgewerbeschule Weimar“ einen neuen imposanten Namen. Henry van de Velde erhielt zum 1. April 1908 einen Arbeitsvertrag gemäß der Satzung der nun staatlichen Schule.

Das Gebäude der Weimarer Kunstgewerbeschule bestand aus einem Atelierbau, der 1905 für die Weimarer Bildhauerschule und die Kunstgießerei errichtet wurde und dem 1906 erbauten Südflügel, der für die Kunstgewerbeschule und das Privatatelier van de Veldes konzipiert war. Vis á vis der Kunstgewerbeschule entstand zum selben Zeitpunkt die Kunstschule, welche 1910 zur “Hochschule für Bildende Kunst“ erklärt wurde.
Bereits 1915 wurde die Kunstgewerbeschule als eigenständige Institution geschlossen und Henry van de Velde emigrierte zwei Jahre darauf in die Schweiz. 1919 wurden im seinerzeit sozialdemokratisch regierten Weimar die Kunstgewerbeschule und die Hochschule für bildende Kunst zusammengeschlossen. Die aus diesem Zusammenschluss gegründete Schule residierte zunächst weiterhin in den Räumlichkeiten der alten ehemaligen Kunstgewerbeschule und wurde weltweit bekannt als das Weimarer Bauhaus.

“Erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen von Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallines Bild eines neuen kommenden Glaubens,“ forderte Walter Gropius in seinem Bauhaus-Manifest, mit dem er 1919 die Stelle als Direktor der Schule antrat. 1923 veranstaltete das Bauhaus seine erste Leistungsschau, in welcher unter anderem das Musterhaus am Horn in Weimar präsentiert wurde.

1925 waren jedoch die konservativen und rechten Kräfte in Thüringen derart erstarkt, dass sich die Weimarer Hochschule auf politischen Druck hin auflösen musste. Am 31. März 1925 wurde die Auflösungserklärung nach Ablauf der geschlossenen Verträge rechtskräftig. Der Bürgermeister von Dessau und sein Kulturreferent Ludwig Grote ermöglichten jedoch innerhalb kürzester Zeit die Umsiedlung der Kunsthochschule ins anhaltinische Dessau. Noch im März 1925 erhielt Walter Gropius vom Dessauer Stadtrat den Auftrag, einen entsprechenden Gebäudekomplex zu entwerfen und bereits im September des gleichen Jahres begannen die Bauarbeiten. Gropius erhielt mit diesem Auftrag die einmalige Chance, einen Neubau zu realisieren, in dem optimale Arbeitsbedingungen für den speziellen Hochschulbetrieb des Bauhauses herrschten. So trennte Gropius beispielsweise die Gebäudeteile nach ihren Funktionen und gestaltete sie nach den entsprechenden Anforderungen. Die Stadt Dessau stellte das Geld sowohl für den Neubau als auch für die Meisterhäuser - die als Wohnungen für die Dozenten der Schule dienten - zur Verfügung. Am 21. März 1926 fand das Richtfest statt und bereits am 4. Dezember erfolgte die Eröffnung und Inbetriebnahme der Schule. Noch im gleichen Jahr wurde das Bauhaus als staatliche Hochschule von Anhalt anerkannt.

Die Bauhauswerkstätten waren maßgeblich an der Innenausstattung der Gebäudes beteiligt. Die Möbel und Einbauten aus Stahlrohr stammten aus der Bauhaus-Tischlerei und die Bestuhlung des Hörsaals wurde von Marcel Breuer entworfen. Die Lampen wurden in der Metallwerkstatt gefertigt und Max Krajewski übernahm die Gestaltung der Leuchtkörper im Hörsaal. Die Möbel- und Vorhangstoffe entstanden in der eigenen Weberei, sämtliche Beschriftungen kamen aus der Reklamewerkstatt und die Farbgestaltung wurde von der Werkstatt für Wandmalerei realisiert. Durch diese konsequente Einbeziehung aller Disziplinen entstand unter Walter Gropius` Leitung ein Gebäude wie aus einem Guss. In dem Bauwerk offenbarte sich die Vorstellung des Direktors von der Architektur als “Mutter aller Künste,“ in der alle weiteren Disziplinen der Kunst, des Handwerks und der Industrie eine Zusammenführung erfahren und aufgehen.

Erst mit der Neugründung der Schule in Dessau wurde am Bauhaus eine Abteilung für Architektur eingerichtet, deren Leitung zunächst Hannes Meyer übernahm. 1928 trat Gropius als Direktor der Schule zurück und siedelte mit seinem Architekturbüro nach Berlin um. Hannes Meyer übernahm zunächst die Gesamtleitung des Bauhauses und forcierte den weiteren den Ausbau der Architekturabteilung, bis er im Jahr 1930 aus politischen Gründen die Schule verlassen musste. Ludwig Mies van der Rohe wurde sein Nachfolger in den letzten Dessauer Jahren. 1932 musste das Bauhaus Dessau auf Beschluss der nationalsozialistischen Mehrheit des Stadtparlaments zum zweiten Mal schließen. Ludwig Mies van der Rohe versuchte in Berlin-Steglitz eine Fortführung der Schule als Privatinstitut, doch bereits 1933 erzwangen die Nationalsozialisten nach umfassenden Durchsuchungen des Hauses und schwerwiegenden Vorwürfen gegen einzelne Mitglieder aufgrund ihrer kommunistischen Gesinnung die definitive Auflösung des Berliner Bauhauses.
Das von den Nationalsozialisten so verfemte Dessauer Bauhaus-Gebäude wurde zwischen 1933 und 1945 von diesen für zahlreiche Zwecke, unter anderem als NS-Amtswalterschule, als Landesfrauenarbeitsschule und schließlich als Sitz des Baustabs um Albert Speer genutzt. 1945 brannte während der Luftangriffe der Alliierten das Gebäude zu weiten Teilen aus und wurde erst ab 1963 wieder rekonstruiert. So erneuerte man unter anderem im Jahr 1965 die Glasfassade des Werkstattflügels, welche bis dahin nur notdürftig mit Bretterbeschlägen geflickt worden war. 1974 erfolgte die Aufnahme des Bauhauses in die zentrale Denkmalliste der DDR und am 4. Dezember 1976 wurde das rekonstruierte Gebäude mit einem Staatsakt zum 50. Jubiläum der Bauhauseinweihung neu eröffnet. Ab 1977 wurden einige Räume vom neu gegründeten Wissenschaftlich-Kulturellen Zentrum (WKZ) der Stadt Dessau genutzt und die Geschichte des Bauhauses wurde in ersten Sammlungstätigkeiten, Ausstellungen und Kulturveranstaltungen gepflegt. 1984 nahm das Billdungszentrum Bauhaus Dessau seine Tätigkeit auf und zwei Jahre später wurde das Gebäude nochmals mit einem Festakt als Zentrum für Gestaltung eingeweiht.
Nachdem mit der Wende die Funktion des Bauhaus-Gebäudes erneut zur Disposition stand, gründete sich 1994 mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland, dem Land Sachsen-Anhalt und der Stadt Dessau die Stiftung Bauhaus Dessau mit den Bereichen Werkstatt, Sammlung und Akademie.
1996 erfolgte die Aufnahme des Bauhauses in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Mit der Errichtung des Bauhaus Kollegs im Dezember 1999 wurde das Bauhaus nach jahrzehntelanger bewegter Geschichte letztendlich wieder zu einem Ort der Gestaltung, der Forschung und der Lehre.

Bauhaus in Dessau

Das Dessauer Bauhaus-Gebäude stellt das architektonisch veranschaulichte Manifest des Bauhaus-Meisters und langjährigen Direktors der Hochschule dar. Die Bauhaus-Schulen in Weimar und Dessau galten als Knotenpunkte für künstlerische Innovationen und veränderten nicht nur das Wohnen nachhaltig, sondern auch Kunst und Kultur in der gesamten westlichen Welt. 1996 wurden das Bauhaus und seine Stätten in Dessau und Weimar in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen.

Standort Dessau im Bundesland Sachsen Anhalt
Bauzeit Bauhaus Dessau: 1925-1926
Meisterhäuser: 1926-1930
Architekten  Walter Gropius
Besonderheiten Architektonisches Manifest des modernen Funktionalismus
Nutzung Hochschule für Kunst, Design und Architektur sowie Musterhäuser als Werkschau
Größe 360.000 m2
Anschrift
Stiftung Bauhaus Dessau
Gropiusallee 38,
06846 Dessau
Telefon: 0049 - (0)340 - 6508 250
Öffnungszeiten Öffnungszeiten (Bauhaus und Ausstellungen) täglich 10:00 bis 18:00 Uhr

Weltkulturwerbe Bauhaus in Dessau ©goruma (koppenwallner)

Beschreibung des Gebäudes
Die bedeutendste der Bauhausstätten ist zweifelsohne das Schulgebäude in Dessau. Mit ihm realisierte Walter Gropius das anschaulichste Beispiel des von ihm verfolgten Funktionalismus und einer Ästhetik der Geometrie. Der Grundriss des Dessauer Bauhaus entspricht drei L-förmigen Trakten, die windmühlenartig ineinander greifen. Im ersten Trakt waren die “Technischen Lehranstalten,“ die spätere Berufsschule, untergebracht. Im Atelierhaus befanden sich die ursprünglich 28 Wohnappartements der Studenten und Jungmeister, während der dritte Trakt die Werkstätten beherbergte. Die so genannte Festebene - ein eingeschossiger Zwischenbau – verband den Werkstattflügel mit dem Atelierhaus. In der Festebene waren unter anderem die Aula, die Bauhaus-Bühne und die Mensa untergebracht.

Durch eine zweigeschossige Brücke, in der sich auch die Verwaltungsräume und bis 1928 das Architekturbüro von Walter Gropius befanden, wurde wiederum der Werkstättentrakt mit dem Flügelbau der Lehranstaltsräume der Berufschule verbunden.
Durch die asymmetrische Anordnung der separaten Gebäudeeinheiten erinnert das Bauhaus mehr an einen modernen Fabrikkomplex als an ein konventionelles Schulgebäude. Das architektonische Markenzeichen des Instituts stellt die Glasfassade des zur Gropiusallee ausgerichteten Werkstättenflügels dar. Tragende Wände oder Stützen wurden hier vollständig aus der viergeschossigen Fassade getilgt. Die vor das tragende Stahlbetonskelett gehängte Glasschürze umfängt den flachgedeckten Baukörper auf drei Seiten und zeigt offen seine konstruktiven Elemente. Gropius verzichtete auf eine optische Verstärkung der Kanten und ließ die Verglasung die rechten Winkel umgreifen, wodurch sich die “Curtain Walls“ in fließender Leichtigkeit und flächiger Transparenz über die drei Seiten des Gebäudes ungehindert ausbreiten. Auf der Fassade des angegliederten Trakts der Technischen Lehranstalten treten wiederum die Akzentuierungen der Konstruktion und die Einteilung der einzelnen Etagen in den Vordergrund. Auf den hellen Fassaden setzt sich in schlichten, dunkel gerahmten Fensterbändern die horizontale Dynamik der Etageneinteilung fort.

Einzig das fünfstöckige Atelierhaus auf der Rückseite der Anlage setzt einen vertikalen Akzent in dem Gebäudeensemble. An dessen Ostseite  prägen 16 Einzelbalkone die Fassade und weisen auf die Studentenappartements hin. Auf der Südseite sind die Balkone lang gezogen und umgreifen teilweise die Gebäudeecken. Wie Sprungbretter ragen die Balkone aus dem weißen Turmhaus hervor und überziehen die verputzte, und vorrangig hell angestrichene Fassade mit lebhaft wechselnden Schatten. Auf dieser so segeltuchartig gespannten Fassade bieten die dunklen Glaseinfassungen und relingartigen Metallbrüstungen reizvolle Kontraste und assoziieren eine gewisse Nähe zur Schiffsarchitektur. Für das Innere hatte Hinnerk Scheper, der Jungmeister der Wandmalereiwerkstatt, einen detaillierten Farbplan erstellt, durch den tragende und verkleidende Wände und Elemente farblich markiert wurden. So wie die äußere Fassade besticht auch das Innere des Gebäudes durch seine absolut ornamentlose Klarheit und übersichtliche Offenheit. Insbesondere die Glasfassade des Werkstättentrakts vermittelt das pädagogische Konzept des Bauhauses, in dem die Trennung von Innen und Außen aufgelockert und somit ein freies und offenes Denken angeregt werden sollte.

Zu den weiteren Bauhaus-Stätten in Dessau gehören die von Gropius entworfenen Meisterhäuser in der Ebertallee 65-71. Diese ursprünglich als Unterkünfte für die Meister und Professoren der Hochschule gedachten Gebäude galten als Musterhäuser der modernen Architektur und wurden nach 1990 aufwändig restauriert. Das Haus, welches Walter Gropius in der Siedlung bewohnte, wurde während des Krieges nahezu vollständig zerstört, so dass es bereits in den 1950er Jahren durch ein inadäquates Wohnhaus ersetzt wurde. Die Laubenganghäuser an der Mittelbreite und Peterholzstrasse wurden zwischen 1926 und 1928 nach dem Vorbild industrieller Bauweise realisiert. Vor allem die Flachbauweise der Laubenganghäuser wurde zum Stein des Anstoßes bei den konservativen Kräften im Dessauer Stadtrat. Das Haus Fieger in der Südstrasse entstand 1927 nach den Entwürfen Carl Fiegers und zeichnet sich insbesondere durch seine rationelle Bauweise und wandlungsfähige Räume aus. Von 1929 bis 1930 baute Fieger im Auftrag der Stadt Dessau und der Schultheiss-Patzenhofer-Brauerei das Kornhaus, eine Ausflugsgaststätte direkt auf dem Elbdeich, welche ebenfalls besucht werden kann. Das erste städtische Arbeitsamt von Dessau, in welchem heute das Straßenverkehrsamt untergebracht ist, wurde zwischen 1928 und 1929 von Walter Gropius realisiert und gilt als einer seiner schönsten Bauten.
Neben dem Atelierhaus der einstigen Kunsthandgewerbeschule gilt das Haus am Horn als das bedeutendste Bauhaus-Gebäude in Weimar. Das innovative Musterhaus ging als erster Bungalow in die Architekturgeschichte ein und wurde stilbildend für das mittelständische Wohnen in Deutschland.

Bauhaus in Weimar

Standort Weimar im Bundesland Thüringen
Bauzeit Kunstgewerbeschule Weimar: 1906-1910
Haus am Horn: 1923
Architekten Henry van de Velde
Haus Am Horn: Georg Muche
Besonderheiten Architektonisches Manifest des modernen Funktionalismus
Nutzung Hauptgebäude der Bauhaus- Universität
Sitz der Fakultät "gestaltung"
Anschrift  Bauhaus-Universität
Geschwister-Scholl-Straße 8
99423 Weimar

Kunstschule und Kunstgewerbeschule
Die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule Weimar wurde am 1. April 1908 auf Initiative des belgischen Architekten Henry van de Velde (1863-1957) von Großherzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar gegründet. Sie bestand  bis zum 30. September 1915.
Sie darf nicht nicht mit der benachbarten ehemaligen "Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar" - ab 1910 Hochschule für Bildende Kunst - verwechselt werden.

Im Jahr 1996 wurden das Gebäudeensemble des Hauptgebäudes der ehemaligen Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar und der Van-de-Velde-Bau, die heutigen Bauhaus-Universität Weimar, sowie das Haus am Horn als Bauhaus-Stätte in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eingetragen.
Das Gebäude der Kunstgewerbeschule besteht aus einem Ost- und einem Südflügel.  Der Ostflügel, auch als „Werkstattflügel“ bezeichnet, war bereits 1905 errichtet worden. Der Südflügel des Kunstgewerbeschulbaus war erst 1906 für die Großherzoglich-Sächsische Kunstgewerbeschule und das Privatatelier Henry van de Velde , das sich im 1. Stock befindet, an den Ostflügel angebaut worden. Beide Gebäudeflügel entstanden nach Plänen des belgischen Architekten Henry van de Velde, weswegen der Bau  auch als Van-de-Velde-Bau bezeichnet wird. Nach der Schließung der Kunstgewerbeschule im Jahre 1915 diente das Gebäude u.a. als Werkstätte, Soldatenheim oder als Paulinenstift. Ab 1919 bis 1925 - also während der Zeit des Bauhauses - war das Gebäude als "Werkstattgebäude des Staatlichen Bauhauses Weimar" bezeichnet. In den Jahren 1946–1947 hatte die Materialprüfanstalt von Erfurt  ihren Sitz hierher verlegt. Seit 1996 ist der Van-de-Velde-Bau - mit Unterbrechungen wegen Renovierungsarbeiten zwischen 2008 und 2010 - Sitz der Fakultät "Gestaltung" und ein Lehrgebäude der Bauhaus-Universität Weimar.
Gegenüber befindet sich das Schulgebäude für die "Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar", die ebenfalls nach Plänen von Henry van de Velde errichtet wurde. Das Gebäude ist heute das Hauptgebäude der Bauhaus-Universität Weimar.

Haus Am Horn

Das Haus Am Horn wurde im Jahr 1923  nach Entwürfen des Architekten Georg Muche im Zuge der großen Bauhaus-Ausstellung errichtet. Das Gebäude wurde 1999 anlässlich des  80. Geburtstages des Bauhauses  umfassend rekonstruiert.
Heutzutage wird das Gebäude als Ausstellungs- und Veranstaltungsort genutzt.

Der Architekt

Walter Gropius wurde am 18. Mai 1883 in Berlin geboren. 1903 nahm er in München das Studium der Architektur auf, welches er 1907 in Berlin abschloss. Noch während seines Studiums entwarf und realisierte er für Verwandte deren Landgüter in Pommern. 1907 wurde er Assistent im Büro von Peter Behrens in Berlin; 1910 gründete er jedoch bereits sein eigenes Büro in Berlin, in dem er 1911 Adolf Meyer zu seinem Partner machte. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Deutschen Werkbunds und hielt seine ersten Vorträge zum Thema Industriearchitektur. 1914 realisierte er für die Werkbund-Ausstellung in Köln eine Musterfabrik und ein Bürogebäude nach seinen funktionalen Konzepten.

Nachdem er von 1914 bis 1918 den Kriegsdienst absolviert hatte, übernahm er 1919 die Leitung des Arbeitsrats für Kunst und wurde zum Direktor der großherzoglichen Hochschule für bildende Kunst und der Kunstgewerbeschule in Weimar ernannt. Im selben Jahr wurde die Schule in “Staatliches Bauhaus Weimar“ umbenannt und Gropius verfasste sein legendäres Bauhaus-Manifest. 1925 zog er mit seinem Architekturbüro nach Dessau und begann mit dem Bau des Bauhaus-Gebäudes. Im darauf folgenden Jahr konnte die Schule bereits in den Neubau umziehen. Neben dem Direktorat oblagen Gropius dort bis 1928 die Leitung der Tischlerei und der Architekturunterricht der höheren Semester.

1928 siedelte er mit seinem Büro nach Berlin um und verließ nach der Auflösung des Bauhauses in Berlin durch die Nationalsozialisten im Jahr 1934 sein Heimatland Deutschland. Er arbeitete zunächst in England und emigrierte dann 1937 in die USA. Dort arbeitete er unter anderem mit Marcel Breuer und dozierte bis 1952 an der Harvard University. 1946 gründete er das Architekturbüro “The Architects Collaborative“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Gropius punktuell auch wieder in Deutschland tätig und wurde 1956 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er unterstützte die rege Arbeit des Bauhausarchivs in Darmstadt, unter anderem mit einem Entwurf für das erst nach seinem Tod 1971 realisierte Berliner Bauhaus-Museum.

Walter Gropius verstarb am 5. Juli 1969 in Boston, Massachusetts, USA.

 






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