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Libyen: Geschichte

Bis etwa zum Jahr 1000

Felsmalereien im Südwesten Libyens © goruma (Dr.Philips)

Spuren frühester Besiedlung des damals noch feuchten Sahara-Gebietes sind vermutlich von Jägern und Sammlern stammende Felsmalereien und Gravuren, die auf etwa 9.000 v. Chr. datiert werden. Etwa 3.000 v. Chr. begann die Austrocknung der Sahara zur Wüste.
Im Altertum bezeichnete "Libya" das gesamte westlich von Ägypten gelegene Nordafrika. Ägyptische Quellen berichten seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. immer wieder von Kämpfen mit Libyern. Von etwa 1000 bis 500 v. Chr. wurde der Osten Libyens, die Cyrenaica, von den Griechen kolonisiert. Zwischen 331 und 96 v. Chr. wurde dieser Teil des Landes durch die Ptolemäer aus Ägypten beherrscht. Tripolitanien, der westliche Teil, war bis ca. 200 v. Chr. karthagische Provinz. Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. gehörte ganz Libyen zum Römischen Reich, später zu Byzanz.
Zwischen 644 und 647 eroberten die Araber Libyen und führten dort die arabische Schrift und Sprache sowie den Islam ein.

Vom Jahr 1000 bis zum 19. Jahrhundert

Zu den römischen Überresten der antiken Hafenstadt Sabratha gehörtdas Theater (um 200 v.Chr.) © goruma (Dr.Philips)

Um 1050 zerstörten die Beduinen in den Küstengebieten die letzten Reste römischer urbaner Kultur, das Nomadentum wurde zur wirtschaftlichen Grundlage des Landes. Die Haupteinnahmequelle des Landes war jedoch bereits seit dem 14. Jahrhundert die Piraterie der Korsaren, die erst 1805 durch die USA erfolgreich bekämpft werden konnte. Ab 1517 geriet Libyen unter osmanische Herrschaft.
Zwischen 1711 und 1835 war das Land unter der Dynastie der Karamanli in Tripolis de facto autonom, danach geriet es wieder unter direkte osmanische Verwaltung.

Im 20. Jahrhundert

1911/12 besetzten die Italiener im italienisch-türkischen Krieg Tripolitanien und die Cyrenaica. Unter Mussolini eroberten sie bis 1925 auch den südlichen Fessan und erwarben anschließend die Oase Djaghabub. 1934 wurde aus diesen Gebieten die italienische Kolonie Libyen gebildet.
Nachdem es Kriegsschauplatz des 2. Weltkriegs gewesen und danach als UNO-Mandat von Großbritannien und Frankreich verwaltet worden war, wurde Libyen gemäß dem Beschluss der Vereinten Nationen von 1949 am 24. Dezember 1951 unter König Idris I. as-Sanussi (1890-1983) ein selbständiges Königreich. Damals war es eines der ärmsten Länder der Welt. Am 1. Januar 1952 wurde offiziell die Unabhängigkeit des Landes erklärt, das ab diesem Zeitpunkt eine föderative Monarchie war. Am 28. März 1952 trat Libyen der 1945 gegründeten "Arabischen Liga" bei und wurde Mitte Februar 1953 deren Vollmitglied. König Idris I. überließ Großbritannien und den USA Militärstützpunkte im Land. Im Jahr 1955 erfolgte die Gründung der ersten libyschen Universität Garyounis in Bengasi. 1958 wurden die ersten Ölquellen entdeckt. Am 5. Dezember 1959 wurde die rund 665 Kilometer lange Ölpipeline von Hassi Messaud nach Bougie vom französischen Ministerpräsidenten M. Debré offiziell eröffnet, ab 1961 boomte die Erdölförderung und brachte Reichtum für den Staat und vor allem für die Oberschicht. 1963 wurde die Verwaltung des Landes zentralisiert.
1969 stürzte Oberst Muammar el-Gaddafi die Monarchie. Die neue Regierung betrieb eine militant nationalistische und panarabische Politik. Am 11. Dezember 1969 erfolgte die Verlautbarung einer neuen libyschen Verfassung, die auch die Einsetzung des Revolutionären Kommandorates als oberstem Staatsorgan vorsah. Auch ein Dekret zum Schutz der Revolution wurde erlassen, so dass konnte jeder, der die Grundlagen der Revolution in Frage stellte, mit dem Tode bestraft werden. Im Oktober 1971 wurde beschlossen, die Scharia zur gesetzlichen Grundlage in Libyen zu machen. Am 16. Juli 1972 gab Oberst el-Gaddafi das Amt des Ministerpräsidenten und des Verteidigungsministers ab. Aber das Amt als Oberbefehlshaber der Streitkräfte und als Vorsitzender des Revolutionären Kommandorates behielt er.
Im Jahre 1977 wurde die Bezeichnung "Republik" in "Volksherrschaft" (Volks-Dschamahiriya) umgewandelt und formal eine auf den Koran gestützte "direkte Demokratie" eingeführt. Banken, Versicherungen und ausländische Erdölgesellschaften wurden verstaatlicht, die westlichen Militärstützpunkte aufgelöst. Im März 1979 trat Muammar el-Gaddafi offiziell von den Staatsämtern zurück, blieb jedoch als "Revolutionsführer" weiterhin der wahre Machthaber des Landes.
Im Ersten Golfkrieg unterstützte Libyen den Iran. 1980 griff die libysche Armee in den Bürgerkrieg im Tschad ein, die Truppen wurden erst 1994 aufgrund eines Richterspruchs des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag vollständig zurückgezogen.
In den 1980er und 1990er Jahren unterstützte Libyen terroristische Organisationen, insbesondere bei gegen die USA oder Israel gerichteten Anschlägen. Die libysche Regierung gehörte auch zu den entschiedenen Gegnern einer Verständigung der arabischen Länder mit Israel. Nach einer Serie mutmaßlich von Libyen unterstützter bzw. initiierter Attentate, unter anderem auf die West-Berliner Diskothek "La Belle" (5. April 1986) mit drei Toten sowie am 21. Dezember 1986 auf einen Jumbo-Jet der US-Fluggesellschaft Pan Am über der schottischen Stadt Lockerbie mit 259 Toten, brachen die USA 1986 sämtliche Wirtschaftsbeziehungen zu Libyen ab. Noch im Jahr 1986 bombardierten die USA als Reaktion auf die Terroranschläge Tripolis und Banghazi.
1992 und 1993 wurden von der UNO Sanktionen gegen Libyen verhängt, da die Regierung die Auslieferung zweier vermutlicher Attentäter (Sprengstoffattentat auf ein US-amerikanisches Linienflugzeug im Jahr 1988) verweigerte.
In Tripolis wurde Ende 1993 eine Militärrevolte niedergeschlagen. Nach der Auslieferung der Attentäter von Lockerbie im April 1999 wurden die UNO-Sanktionen wieder ausgesetzt und im Jahr 2003 nach einem Schuldeingeständnis der Regierung und der Zahlung von Entschädigungen vollständig aufgehoben. Im Zweiten Golfkrieg stand Libyen auf Seiten des Irak.
Neuerdings ist das nordafrikanische Land bestrebt, seine jahrzehntelange politische Isolation auf internationaler Ebene zu überwinden und sich den westlichen Staaten wieder anzunähern.




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